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WP Watch

NR. 89 - MAI 2021 (2)

 
1. Corona-Zeiten fordern uns heraus
2. Der Wirecard-Untersuchungsausschuss und seine Grenzen
3. Dr. Orth und das Schwadronieren über Facharbeit
4. Die Qualifikation der WIRECARD-Sonderermittler
5. Das unseriöse Gezerre um den "Wambach-Bericht"
6. Der "Wambach-Bericht" - eine späte Retourkutsche?
7. Alle in Deckung: Katrin Suder kommt!
8. Scholz - Kanzlerkandidat ohne Erinnerung
9. Zum Schluss noch die Gute-Nacht-Geschichte
10. Alles Gute für Sie und Ihre Lieben!

Corona-Zeiten fordern uns heraus

 

CORONA-Pandemie, Webinare und Homeoffice scheinen zum (vorübergehenden) Dauerzustand zu werden. Eine bis vor zwei Jahren noch kaum vorstellbare Situation.

Um in Corona-Zeiten die systemrelevante Funktion des Berufsstands in Öffentlichkeit, Politik und Kapitalmarkt aufrecht zu erhalten, bemüht man sich in WPK und insbesondere beim IDW eifrig, das Gesicht zu wahren.

Prof. Klaus-Peter Naumann versucht als Multitasking-Talent das Chaos zu beherrschen, verordnet Hyperaktivität und beansprucht gleichzeitig völlige Medien- und Meinungshoheit für den gesamten Berufsstand. Der Lobbyverein IDW als Sprachrohr der Big4 läuft geradezu zur Höchstform auf. Bei alledem bleibt auch noch Zeit für kluge Ratschläge an die Politik, um dortige Defizite der Corona-Pandemie aufzuzeigen und ggfs. in honorarträchtige Bratungsmandate für die Big4 umzumünzen.

Hierbei werden offenkundige Defizite des Berufsstands der Vergangenheit geflissentlich ausgeblendet:

  • Digitalisierungsanforderung ordnungsmäßiger Abschlussprüfung - kein Problem!
  • Fernprüfungshandlungen (remote audit) - sowieso kein Problem!
  • Prüfung von Treuhandkonten - konnten wir schon immer! (deshalb das nachgeschobene 7-seitige Papier des IDW von August 2020)
  • dringende Aktualisierung der Facharbeit? - Kommt bald - egal von wem!

Gerade in Krisenzeiten werden die Defizite des Berufsstands bezüglich seiner systemrelevanten Funktion in der Wirtschaftsordnung offensichtlich. Die sachkundige Öffentlichkeit wird Fragen stellen zur Belastbarkeit von Prüfungsfeststellungen und Testaten in Corona-Zeiten aus dem "Homeoffice" heraus!?

   
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Der Wirecard-Untersuchungsausschuss und seine Grenzen

 

Es ist schon mühsam und zeitraubend, die nunmehr über 30 stenographischen 150-250 Seiten umfassenden Protokolle, die von den Obleuten des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) regelmäßig an Journalisten durchgesteckt werden, konzentriert durchzuarbeiten. Begleitet wird dies noch durch vorgelegte geheime Unterlagen (eMails und Anlagen) sowie den 90-seitigen "Wambach-Bericht".

Aus berufsständischer Sicht geht es bei der Verantwortlichkeit insbesondere um zwei Sitzungsprotokolle, nämlich die Vernehmung der EY-Mitarbeiter, vor allem von Dr. Christian Orth, dem für Qualitätssicherung zuständigen Verantwortlichen, und Hubert Barth, dem mittlerweile wegbeförderten Vorsitzenden der EY-Geschäftsführung. Diese Protokolle sind noch einigermaßen übersichtlich, während in der unübersichtlichen Fülle übriger Unterlagen es vor allem um

  • Räubergeschichten,
  • tolldreistes Geschäftsgebaren,
  • Geheimdienstmärchen und
  • politische Schuldzuweisungen geht.

Die Presse zitiert immer wieder aus diesen Unterlagen und eine negative sensationslüsterne Headline jagt die andere. Vornehmlich betrifft dies die kriminellen Vorgehensweisen von Vorstand und Aufsichtsrat sowie das Versagen von Aufsichtsbehörden und der Politik. Indirekt geht es natürlich auch um EY und die Frage, wie man dieses Theater so lange mitmachen und testieren konnte.

Erstaunlich für mich ist aus berufsständischer Sicht jedoch etwas anderes: Die Ombudsleute des PUA sind - mit Ausnahme des WP-Kollegen Güntzler (CDU) - nicht vom Fach und die meiste Zeit damit beschäftigt, für ihre Fraktionen politische Schuldzuweisungen zu verteilen oder Ablenkungsmanöver zu fahren. Entsprechend wird auch in der Presse berichtet.

Folglich sind qualifizierte Fragen zur Facharbeit an die EY-Verantwortlichen die absolute Ausnahme. Dr. Orth kommt mit ausweichenden Ausführungen in der Vernehmung immer wieder davon. Die Mitglieder des PUA mögen sich viel Mühe geben, können jedoch nicht durch fachliche Expertise überzeugen.

Hier gehören Experten an den Tisch. Gerade bei einem solchen milliardenschweren Skandal darf der PUA kein Gremium politischer Auseinandersetzung und von Wahlkampfmanövern sein.

   
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Dr. Orth und das Schwadronieren über Facharbeit

 

Im PUA Wirecard wurden bisher neben dem Ex-CEO Hubert Barth auch die beiden EY-Prüfer Andreas Loetscher und Martin Dahmen sowie die EY-Forensiker Stefan Heissner und Christian Muth vernommen. Vergessen wollen wir jedoch nicht Dr. Christian Orth, seit 2017 "Professional Practice Director für Deutschland". Als Leiter der Grundsatzabteilung ist er Qualitätssicherer auf Praxisebene und auch Ansprechpartner für Konsultationen bei kritischen Fragen.

Auffallend war insbesondere, dass sich Dr. Orth bei seiner ersten Vernehmung am 26.11.2020 zwar auf seine Verschwiegenheit berief, gleichwohl den Mitgliedern des PUA eine Einführungsvorlesung unter dem Titel "Audit for beginners", d.h. eine Charmeoffensive versuchte, die gründlich mißlang. Auch in seiner weiteren Vernehmung am 19.03.2021, nach Aufhebung seiner Verschwiegenheit, wich er konkreten Fragestellungen aus und erläuterte vielmehr Allgemeinplätze.

  • Wir prüfen im Rahmen einer Abschlussprüfung nicht jeden Beleg.
  • Ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk ist schließlich kein Gütesiegel.
  • Wir bringen dem zu prüfenden Unternehmen Vertrauen entgegen. Das dürfen wir auch, weil das Gesetz das so vorsieht.
  • Ansonsten können wir eine gesetzliche Prüfung gar nicht durchführen.
  • Der Abschlussprüfer darf darauf vertrauen, dass die ihm vorgelegten Unterlagen echt und wahr sind.

Dies sind für ein Mitglied des Hauptfachausschusses (HFA) beim IDW Aussagen, die erkennen lassen, dass man hier bei Zuhörern ohne qualifizierte fachliche Expertise Allgemeinplätze bedient, um nicht zu sagen, in den Prüfungsstandards unverbindlich "herumschwadroniert"! 

Auch Ausführungen wie

  • "Wir haben anschließend weitere Prüfungshandlungen durchgeführt" oder
  • "Hier haben wir mehr geprüft als der Prüfungsstandard vorschreibt" 

sind wohl eher dazu gedacht, gute Stimmung zu machen. Nichts Konkretes und keinerlei Bezugnahme auf bestimmte Verlautbarungen.

Auffallend beim Nachlesen im stenographischen Protokoll war jedoch auch das herzliche Verhältnis zum PUA-Obmann und Berufskollegen Fritz Güntzler (CDU):

  • "Vielen Dank Herr Dr. Orth. Schön, dass wir uns mal wiedersehen."
  • "Sehr gerne beantworte ich diese Frage, denn jetzt kommt, was ich bereits vorher gesagt habe ..."
  • "Herr Dr. Orth, sie haben zutreffend darauf hingewiesen, dass es keine absolute Sicherheit gibt ..."
  • "Herr Dr. Orth: Wir sollten nicht ganz vergessen, wo die eigentlich Buhmänner sitzen..."
  • "Wir als Wirtschaftsprüfer, wenn ich mal gemeinsam sprechen darf ..."

Man hatte durchaus das Gefühl, dass hier eine Männerfreundschaft zwischen den beiden Kollegen wächst.

   
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Die Qualifikation der WIRECARD-Sonderermittler

 

Im Newsletter Nr. 86 (März 2021) berichtete ich darüber, dass auf Vorschlag der drei CDU-Obmänner der geschäftsführende Rödl-Gesellschafter Martin Wambach trotz massiver Bedenken zum "Sonderermittler" für den PUA WIRECARD bestellt wurde. Auch die weiteren drei "Sonderermittler" kommen allesamt aus dem Hause Rödl.

Prof. Rödl (RA, StB) nahm dies zum Anlass, sich in der Presse für das außerordentliche Vertrauen und die Wertschätzung gegenüber dem Hause Rödl bei der Politik zu bedanken. Auch gegen die Rödl-Kollegen Storbeck, Haendel und Mattner gibt es, wie berichtet, Bedenken hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit und möglichen Befangenheit.

Klartext: Im Berufsrecht ist nicht erst die (nachgewiesene) Befangenheit ein Ausschließungstatbestand, sondern bereits die "Besorgnis der Befangenheit". Dies heißt konkret, dass man sich - auch vor dem Hintergrund des berufsrechtlichen Schmierentheaters mit der WPK - keinesfalls als "Sonderermittler" hätte bestellen lassen dürfen.

Aus dem Berufsstand heraus kamen zwischenzeitlich auch erhebliche Bedenken in zweierlei Hinsicht:

  • Die Fülle von Zehntausenden von (elektronischen) Dokumenten, die seitens EY dem PUA vorgelegt wurden, können von den "Sonderermittlern" aus dem Hause Rödl wohl kaum in nur drei Wochen qualifiziert gesichtet und ausgewertet worden sein, um hier auf 90 Seiten (ohne Anlagen) abschließende Prüfungsfeststellungen zu treffen.
  • Die fachliche Qualifikation der "Sonderermittler" muss ebenfalls angesprochen werden. Keiner der vier ist bei der WPK als Abschlussprüfer registriert oder hat gar die Qualifikation als Qualitätskontrollprüfer (PfQK)! Es geht um die Anwendung der IDW-Prüfungsstandards (PS) und insgesamt die Einhaltung der Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung (GoA) und dies ist doch die originäre Aufgabe eines PfQK!
  • Wenn keiner der vier Auserwählten bei der WPK als "Abschlussprüfer" registriert ist, fehlt ihm doch wohl auch ein gehöriger Teil der Berufspraxis.
  • Martin Wambach hat eine Qualifikation als "IT-Auditor IDW". Wie man es im Hause Rödl in 2017 gleich zu Dutzenden zu IT-Auditor-Qualifikationen gebracht hatte, deckte wpwatch seinerzeit auf. Kurzum: Experten aus dem Berufsstand äußern massive Bedenken an der fachlichen Expertise der beauftragten Sonderermittler.

Eine Frage hab ich noch:

Wieso haben die drei Obmänner der CDU am 03.03.2021 gerade Wambach & friends in einem (für das Ansehen des Berufsstands) so wichtigen Untersuchungsausschuss als Ermittler vorgeschlagen. Hat der WP/IDW/MdB-Lobbyist Fritz Güntzler - vielleicht unter Einschaltung des IDW-CEO Prof. Naumann - dem IDW-Vorstandsmitglied Wambach einen medienwirksamen Zusatzauftrag beschert, mit dem man gleichzeitig das ramponierte Renommee des Hauses Rödl aufpolieren wollte? Oder schlägt einfach Geltungssucht und der schnöde Mammon den erforderlichen berufspolitischen Instinkt und die Berufsethik?

   
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Das unseriöse Gezerre um den "Wambach-Bericht"

 

Ich finde es schon bemerkenswert:

Alle - außer EY - , insbesondere die sensationslüsterne Presse, Politik und sonstige Besserwisser, haben - so scheint es - die Warnsignale im Wirecard-Skandal bereits seit Jahren gehört und Schlimmstes geahnt.

Jetzt das gleiche Procedere beim "Wambach-Bericht":

Alle - außer EY - haben zumindest wesentliche Auszüge des bisher noch nicht einsehbaren Berichts vorliegen, zitieren und urteilen:

  • "Ein Begräbnis für EY" (Manager Magazin),
  • "Ein vernichtendes Urteil für EY" (Cansel Kiziltepe (SPD) und Finance Magazin)
  • "Schallende Ohrfeige für EY" (FAZ),
  • "EY - Totalversager und Totalverheimlicher" (Fokus-Online)
  • "Damit ist EY platt" (Fokus-Online).

Tja, das ist ja - ohne dass das "Wambach-Gutachten" in seiner finalen Fassung überhaupt vorliegt, unter Anwälten noch über die vollständige Vorlage von Anlagen gestritten wird, man die Prüfungshandlungen der fünf "Sonderermittler" in Gänze noch gar nicht nachvollziehen und beurteilen kann - starker Tobak!

Eine Frage hab ich noch:

  • Wer gibt - nach Lust & Laune und politischen Erwägungen in wessen Auftrag Auszüge eines solchen "Geheim-Gutachtens" an die Presse? Das Gutachten soll doch offiziell immer noch in der "Geheimschutzstelle des Bundestags" liegen.
  • Was steht in Punkt 6 der Allgemeinen Auftragsbedingungen des IDW? Richtig, "Wambach" muss der Weitergabe seiner Arbeitsergebnisse vorher schriftlich zugestimmt haben.
  • Wie kann man als Journalist oder Mitglied des PUA (ohne nachgewiesene fachliche Expertise derart entgleisend vorverurteilen? Ist man mediengeil, sensationslüstern oder verblendet?
  • Woher weiß man eigentlich, wie belastbar die Feststellungen der "Ermittler" und der IDW PS sind? Kennt man die Normenhierarchie der Berufsarbeit?

Worauf stützen sich diese Urteile in Presse und Politik genau, wenn Wambach ausführt:

  • "Es zeigen sich Ansatzpunkte, dass der Abschlussprüfer die Vorgaben der IDW-Prüfungsstandards im Bereich Prüfungsplanung und -durchführung nicht vollumfänglich umgesetzt hat." (Cansel Kiziltepe, SPD)
  • "Eine kritische Grundhaltung fehlte, banalste Rechnungslegungs- sowie Qualitätsstandards wurden vernachlässigt und Warnsignale wurden geflissentlich übersehen." (Handelsblatt)
  • "EY hat seine Prüfungsstrategie nicht verändert, obwohl Warnhinweise vorlagen." (Handelsblatt)

Ja, und jetzt? - War's das? - Ist Ihnen jetzt schon (wieder) voll langweilig? - Ist die Luft jetzt raus? Ja, dann lassen wir doch die nächste Sau durchs Dorf treiben!

Schade, dass aus Bürgern mittlerweile Medien-Konsumenten und aus Politikern oftmals Effekthascher mit Halbwissen wurden.

Die Fachfragen wurden bis heute nicht qualifiziert und seriös aufgearbeitet! - Werden sie auch (wahrscheinlich) nicht!

   
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Der "Wambach-Bericht" - eine späte Retourkutsche?

 

Um das "freundschaftliche Verhältnis" zweier konkurrierender Berufsgesellschaften, hier EY und Rödl, vielleicht besser zu verstehen, sollte man auch mal in der Vergangenheit graben:

Vor einigen Jahren gab es eine Verwicklung von Rödl & Partner im vogtländischen Plauen mit einem Firmenkonglomerat namens "SMP" ("Sparen mit Plan"). Gegenstand der Finanzfirmen war das Einsammeln von Anlegergeldern und die Anlage in "erstklassigen Aktien". Doch als es an den Börsen abwärts ging, setzte die SMP auf Genussscheine und auf riskante Werte.

Am Ende standen rd. 120 Mio.€ der rd. 15.000 Anleger im Feuer, die Gesellschafter der SMP wurden inhaftiert und wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue verurteilt. Wirtschaftsprüfer und jahrelanger Berater war seinerzeit Rödl & Partner (R&P), die das Mandat außerordentlich kündigten und vorgaben "von all dem nichts gewusst zu haben."

Der Aufsichtsrat der SMP AG beauftragte seinerzeit "Sonderermittler", die die undurchsichtigen Vorgänge und auch "die Rolle externer Berater" ermitteln sollten. Die Sonderermittler von EY belasteten Rödl & Partner in einem 101-seitigen Gutachten schwer und stellten fest, dass die Betrügereien leicht hätten festgestellt werden können und es auch an der Unabhängigkeit des seinerzeitigen geschäftsführenden Rödl-Partners gemangelt hätte. Insbesondere lastete man auch Rödl an, dass man "vor Insolvenzantragstellung ein perfides Konzept zur Aufrechterhaltung des schönen Scheins des bereits ruinierten Unternehmens ausgearbeitet habe." Eine spektakuläre Hausdurchsuchung beim Rödl-Partner und die Verhaftung der beiden SMP-Vorstände war die Folge.

Das seinerzeit medienwirksam zelebrierte EY-Gutachten belastete Rödl & Partner schwer und nagte massiv an der Reputation.

- CUT - Und jetzt einmal ins Jahr 2021:

Der PUA in der Causa WIRECARD beauftragt trotz - von wpwatch vorgetragener massiver Bedenken - vier Sonderermittler aus dem Hause Rödl & Partner mit der kritischen Durchsicht der Arbeitspapiere von EY zur Klärung, inwieweit EY eine Mitschuld an dem milliardenschweren Finanzskandal trifft. Leithirsch der vier Rödl-Sonderermittler wird Kollege Martin Wambach, der seit 1992 weisungsgebunden für Rödl arbeitet und es in 2019 sogar zu höheren Weihen im Lobbyverein IDW e.V. gebracht hat. Der Öffentlichkeit wird suggeriert, dass die IDW-Vorstandsposition von Wambach einer "besonderen fachlichen Expertise" gleichkommt.

Eine Frage hab ich noch:

Könnte es vielleicht sein, dass sich Kollege Wambach, der momentan mit Rödl als Mitwisser im Feuer steht und an allen Täuschungen der WPK beteiligt war, an eine noch offene Rechnung mit EY aus Vorzeiten erinnert?

Ach, Sie meinen, dass kann nicht sein, weil Wirtschaftsprüfer von Gesetzes wegen immer "unbefangen", "unparteiisch" und "gewissenhaft" (§ 43 WPO) sind?

Ja genau! Deshalb hätte Martin Wambach das Mandat nie übernehmen dürfen bzw. den PUA darüber vollständig aufklären müssen!

So ist das eben mit dem strengen Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer. Da schützt auch kein Vorstandsposten im IDW-Lobbyverein (Big4 & friends).

   
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Alle in Deckung: Katrin Suder kommt!

 

Katrin Suder (49), Ex-Managerin von McKinsey und spätere Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium (BMVJ) der heutigen EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen ("Kanonen-Uschi"), brachte es bei wpwatch bereits auf mehrere Einträge.

Spektakulär war zunächst ihr Abgang bei McKinsey, wo die seinerzeit 44-jährige als Shooting-Star für künstliche Intelligenz zuletzt über 1 Mio.€ / p.a. verdiente und als Staatssekretärin für schlappe 165.000 € Beamtenbesoldung ins BMVJ wechselte, um dort das Beschaffungswesen zu digitalisieren und die Projektsteuerung zu optimieren. Katrin Suder erklärte seinerzeit, dass sie "künftig öfter in Hamburg sein wolle", wo ihre Ehefrau, die Sportmarketing-Managerin Katja Kraus, wohnt und sie gemeinsam drei Kinder großziehen.

Bereits nach drei Jahren zeichnete sich wohl ab, dass die gestellte Aufgabe ihre Tücken hatte und Katrin Suder machte beim BMVJ "den Abflug", hörte sich den Zapfenstreich gemeinsam mit Ursula von der Leyen an, und landete kurzum als Leiterin des Digitalrates der Bundesregierung im geliebten Berlin. In einem späteren Untersuchungsausschuss ging es dann noch einmal um die Aufarbeitung der mysteriösen Vergabe von millionenschweren Beratungsaufträgen an McKinsey.

Katrin Suder leugnete ihre Verantwortlichkeit, konnte sich kaum noch erinnern und wurde nur noch von Kanonen-Uschi getoppt, die erklärte, dass sie ihr komplettes Handy gelöscht habe, da sich darauf ohnehin "keine relevanten Inhalte" zur Berateraffäre befunden hätten. Die Tatsachen, dass McKinsey einen Großteil der Beratungsaufträge bekam, Katrin Suder mit dem verantwortlichen McKinsey-Partner privat befreundet war und eines der von der Leyen-Kinder zufällig als Manager bei McKinsey arbeitete, wurden als belanglose Zufälle bezeichnet.

Bei vielen Beobachtern blieb der Eindruck, dass Katrin Suder als "Türöffner" für McKinsey unterwegs sei und der enorme Einkommensverlust wohl irgendwie schon ausgeglichen werden würde. Vielleicht sogar durch die geheimen Milliarden im "McKinsey Investment Office" in London.

Und jetzt wieder ins Jahr 2021:

Man staunt nicht schlecht, dass die VW-Eigentümerfamilien und auch der VW-Konzern selbst neuerlich angekündigt haben, dass Katrin Suder den Digitalrat der Bundesregierung nach nur drei Jahren wieder verlässt und im Anflug auf den im VW-Konzern neu geschaffenen IT-Vorstandsposten sei. Herausgestellt wird hierbei auch, dass dies für die Frauenquote im VW-Vorstand von Nutzen wäre.

Na, dann ist man ja auch wieder im siebenstelligem Gehaltsbereich und kann als "Türöffner" McKinsey lukrative Beratungsmandate besorgen. O.K. - man ist dann doch nicht mehr so oft bei Partnerin und Kindern in Hamburg. Das neue siebenstellige Gehalt enetschädigt.

Aus Führungskreisen von VW hört man: "Alle in Deckung, Katrin Suder kommt!" oder "Die IT liegt bei VW ohnehin am Boden, schlimmer kann es nicht werden". Fragt sich nur, wann Katrin Suder auch dort wieder den Abflug macht - rein statistisch müsste dies im Jahr 2021 sein!?

Und manchmal kommt es anders und öfters als man denkt!

Alles schien in trockenen Tüchern und Katrin Suder glaubte sich bereits am Ziel, bis am 04.05.2021 der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dieter Pötsch verlauten ließ, dass man sich doch im Aufsichtsrat gegen Katrin Suder entschieden habe.

Und damit gilt für Katrin Suder Superstar: Aus die Maus! - Es gibt also künftig keine McKinsey-Türöffnerin im VW-Konzern, die nach drei Jahren wieder die Biege macht! Oder haben die VW-Aufsichtsräte etwa wpwatch gelesen?

Wir werden gleichwohl ihren sagenhaften Werdegang weiter verfolgen!

Das politische Netzwerk arbeitet schon: DB, Lufthansa, Siemens ...Wo wird die nächste Türe für McKinsey aufgemacht?

   
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Scholz - Kanzlerkandidat ohne Erinnerung

 

Davon, dass der Möchtegern-Kanzler Olaf Scholz (62, SPD) im Wahljahr 2021 zu allem und jedem eine Meinung hat und in allen Programmen omnipräsent ist, hat man sich schon gewöhnt. Zappt man gelangweilt durch die Fernsehprogramme - Olaf ist immer schon da!, egal ob Talkshow, Nachrichten, Corona-Doku, Lockerungen des Lockdown oder Bestellung von Impfdosen.

In den letzten Jahren legte er eine beeindruckende Performance hin: 2011 bis 2018 war er Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, danach Bundesfinanzminister und schließlich Kanzlerkandidat der SPD.

Nichts darf ihn jetzt noch auf dem möglichen Weg ins Kanzleramt aufhalten. Deshalb wirkt er immer gut vorbereitet, beherrscht gleichzeitig die Milliardendefizite, Nachtragshaushalte, Reform der Finanzaufsicht und kann auch schnell einmal den Wirtschaftsminister als obersten Aufseher über die Wirtschaftsprüfer in Sachen Wirecard schlecht aussehen lassen. - Verantwortung weist er in der Regel sofort zurück, gibt sich staatsmännisch und scheint unangreifbar, um nicht zu sagen "aalglatt". So geschehen auch im WIRECARD-Untersuchungsausschuss.

Eng wird es immer nur dann, wenn man mit Ereignissen der Vergangenheit konfrontiert wird. Dies geschieht momentan im CUM-EX-Untersuchungsausschuss in Hamburg. Es geht um die bandenmäßige Kriminalität der Banken mit der Rückerstattung nicht abgeführter Kapitalertragsteuer durch die Finanzbehörden. Mit im Feuer stehen hier die noble Hamburger Privatbank Warburg und ihre milliardenschweren Eigentümer Christian Olearius (78) und Max Warburg (72).

Am 30.04.2021 um 14.00 Uhr war Olaf Scholz in den Hamburger Untersuchungsausschuss geladen und sollte Aufklärung darüber geben, wieso die Hamburger Finanzbehörden in 2016/2017 von Steuerrückforderungen gegenüber der Warburg Bank in Höhe von 90 Mio. € abrückten und welchen Einfluss er als Erster Bürgermeister auf die Finanzbehörden der Hansestadt genommen hatte. Konkret ging es um den Inhalt diverser Treffs mit dem Banker Olearius und dessen Insolvenz-Drohgebärde.

Die Vernehmung von Scholz begann kurz nach 14 Uhr. Das Blitzlichtgewitter der Fotografen am Ausgang gab es bereits um 14.40 Uhr.

Die Ausschussmitglieder konstatierten:

  • Aufklärungswille Null!
  • Einsehen Null!
  • Erinnerung Null!

Was war geschehen? - Antwort: Scholz konnte sich an nichts mehr erinnern! Dass er sich an die Treffen mit Olearius nicht erinnerte und diese nicht dokumentierte, sei der Vielzahl von Terminverpflichtungen eines Ersten Bürgermeisters geschuldet. Im Übrigen verwies er den Banker an den seinerzeit dafür zuständigen Finanzsenator Peter Tschentscher.

Nochmals: Der amtierende Bundesfinanzminister erzählt dem Untersuchungsausschuss bezüglich des größten Steuerbetrugs der Nachkriegszeit (lt. BGH: "bandenmäßiger Betrug") mit einem Schaden allein in Deutschland in Höhe von 12 Mrd.€, dass er sich nicht erinnern kann. - Das glaubt wohl keiner! Das ist schnödes politisches Taktieren und sollte Beleg dafür sein, dass das Bundeskanzleramt wohl eine Nummer zu groß für Olaf ist.

Im Übrigen: Er reiht sich mit seinen Gedächtnislücken ein bei Ursula von der Leyen ("Kanonen-Uschi") und ihr gelöschtes Handy im Skandal um die Beraterverträge im Verteidigungsministerium sowie die seinerzeitige Staatssekretärin Katrin Suder (McKinsey-Superstar), die im Untersuchungsausschuss unangenehme Fragen einfach weglächelte und in die Kameras grinste.

   
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Zum Schluss noch die Gute-Nacht-Geschichte

 

Offensichtlich hat man im Hause Rödl verstanden, dass man mit dem berufsrechtlichen Schmierentheater der letzten Monate dem Berufsstand insgesamt enorm geschadet hat.

Als wäre man auf den Pfad der Tugenden zurückgekehrt, starten Prof. Rödl, Wambach & friends eine Charmeoffensive und bieten uns zur allgemeinen Ablenkung gleich zwei Gute-Nacht-Geschichten an:

  • Martin Wambach, einer der Hauptakteure des WPK-Schmierentheaters und Herausgeber des weltweit bekannten "Wambach-Berichts", schreibt auf der Rödl-Website den Beitrag: "Auf die Qualität der Wirtschaftsprüfer kann man sich verlassen". - Hier wird wohl der Bock zum Gärtner gemacht.
  • Kollege Hans-Peter Raible, Rödl-Standort Birmingham / UK, schreibt im DATEV-Magazin März 2021 gar eine (philosophische) Abhandlung über: "ETHIK UND MORAL IM BERUFSSTAND"Es liest sich, als ob hier jemand in einer Parallelwelt lebt. Den Knall aus Nürnberg hat der Kollege in UK offensichtlioch noch nicht vernommen.

Na, dann mal: Gute Nacht!

   
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Alles Gute für Sie und Ihre Lieben!

 

Ihnen und Ihren Lieben alles Gute. Bleiben Sie gesund!

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
Hohe Str. 9   51149 Köln
Tel. 02203 / 98 00 20
E-Mail: hildebrandt@wpwatch.de

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