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WP Watch

NR. 88 - MAI 2021 (1) - DER FALL RÖDL -

 
1. Rödl - Das muss man erst einmal schaffen!
2. Rödl wurde in 2019 "zukunftsfähig" gemacht!
3. Rödl - das Spiel ist aus!
4. WPK und APAS sind jetzt aufgefordert zu handeln
5. Rödl: Die Medien waren vorgewarnt
6. Was wusste das IDW über den Fall Rödl?
7. SNP - ein neuer Rödl-Skandal?
8. Eine gute Zeit für Sie!!

Rödl - Das muss man erst einmal schaffen!

 

Keine andere Berufsgesellschaft hat es bei wpwatch auf mehr als 50 Einträge in Newslettern und Aktuellen Meldungen gebracht. Das hat man sich im Frankenland jedoch auch hart (oder doch leichtfertig) erarbeitet.

Hintergrund ist, dass mit dem Tode des Unternehmensgründers Bernd Rödl in 2015 Recherchen zeigten, dass es sich bei "Rödl" um ein undurchsichtiges Firmenkonglomerat von weit mehr als zwei Dutzend Gesellschaften handelt. Schnell wurde klar, dass es offensichtlich vieles zu verbergen gibt.

Waren es zunächst

  • die überhöhten Umsatzzahlen, die man jährlich an LÜNENDONK für das gefakte innerdeutsche Ranking meldete,
  • die fehlenden Konzernabschlüsse,
  • die Aufdeckung des millionenschweren Rödl-Familienversorgungswerks und
  • die berufsrechtswidrige Gesellschafterstruktur,

so ergaben weitere Recherchen relativ schnell, dass

  • ein gekaufter Dr.-Titel im Spiel war und man
  • die WPK aufs Schlimmste hinters Licht führte.

An diesen perfiden Täuschungsmanövern haben alle Gesellschafter und Geschäftsführer von Rödl mitgewirkt und sich von Prof. Christian Rödl verführen bzw. missbrauchen lassen.

Ziel aller Täuschungsmanöver war wohl immer nur, dass Prof. Rödl als Nicht-WP die absolute Mehrheit aller Anteile - genauer 74%! - und damit das uneingeschränkte Sagen behält. Das Familien-Versorgungswerk musste für die anderen fünf Geschwister und gegenüber der Mutter weiterhin Bestand haben.

Man ahnte damals schon: Dieses "Spiel " kann kein gutes Ende nehmen!

   
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Rödl wurde in 2019 "zukunftsfähig" gemacht!

 

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass man sich einige Details der Rödl-Tricksereien nochmals vor Augen führt:

Sicherlich war Dr. Bernd Rödl eine beeindruckende Persönlichkeit von immenser Schaffenskraft. Er hat zukunftsweisend die Grundlagen für die Internationalisierung der Rödl-Gruppe gelegt. Ihm zuzurechnen ist jedoch auch, dass er ein völlig undurchsichtiges Firmenkonglomerat schuf, welches bei genauerer Betrachtung ein verkapptes Familienversorgungswerk für seine Frau und seine sechs Kinder sein sollte. Bereits im Juni 2008 erklärte Bernd Rödl in einem Interview, dass er "die Nachfolge geregelt" habe, was auch immer er damit meinte. Einziger Haken an dieser Zukunftsvision war wohl, dass die Mehrheit der Geschäftsanteile einer WPG immer in Händen von Wirtschaftsprüfern sein müssen (§ 28 I WPO). 

Nach dem Tod von Dr. RA StB WP Bernd Rödl am 9. November 2015 übernahm sein Sohn, Prof. Dr. RA StB Christian Rödl, als Nicht-WP die Anteile bei den anerkannten WPGs Sebalder Treuhandgesellschaft (80 %) und Rödl & Partner GmbH (98 %). Beide Gesellschaften erfüllten jedoch ab dem Todeszeitpunkt nicht mehr die Voraussetzungen für die Anerkennung als WPG, da die Geschäftsanteile jeweils nicht mehr zu mehr als 50 % in den Händen von Wirtschaftsprüfern lagen. Für den Fall des Fortfalls der Voraussetzungen wegen eines Erbfalls gewährt das Berufsrecht (§ 34 I Nr. 2 WPO) eine Heilungsfrist von mindestens fünf Jahren. Also stand im Hause Rödl der Wecker (zunächst) auf November 2020.

Prof. Rödl & Friends sahen sich also herausgefordert, der WPK bis Ende 2020 eine Lösung zu präsentieren, die die erforderlichen Voraussetzungen für die weitere Anerkennung der Rödl-WPGs belegte.

Und jetzt kommt Trick 17:

Die Super-Strategen aus dem Frankenland nahmen kurzum eine Berufsgesellschaft außerhalb des Sebalder Konzerns - eine RAG & StBG - schoben den Rödl-Kollegen Hager als Trojanisches Pferd und neuen 40%-igen WP-Gesellschafter über die Bühne, verquickten das "Zukunftskonzept" mit der Aufnahme von 17 Mini-Neu-Gesellschaftern und ließen am 03.12.2019 diese "Drei-Bänder-Gesellschaft" durch die WPK als WPG anerkennen. Die millionenschweren 40% der Anteile gab Prof. Rödl dem gefälligen Kollegen Hager natürlich nur treuhänderisch mit der Auflage, ihm diese nach wenigen Wochen wieder zurückzuübertragen.

Jetzt glaubte man am Ziel zu sein, machte den Taschenspielertrick mit dem Kollegen Hager beim Notar wieder rückgängig und verschaffte Prof. Rödl dadurch wieder 74% der Geschäftsanteile. Dies wurde wohl so kommuniziert, dass die WPK dieses Wirrwarr nicht durchschauen konnte.

Als letzter Schritt fehlte jetzt nur noch die Verschmelzung der am 03.12.2019 anerkannten "Drei-Bänder-Gesellschaft" mit dem aktualisierten Sebalder-Konzern. Und damit haben alle 20 Gesellschafter in allen operativen Rödl-Gesellschaften die gleichen Geschäftsanteile. Prof. Dr. RA StB Christian Rödl (und der berufsfremde Rödl-Clan) hätten für immer und ewig 74% des Gesamtkuchens behalten. Der Vollzug dieser Verschmelzung bzw. Verkauf der Geschäftsanteile erfolgte durch Eintrag im Berufsregister erst vor wenigen Tagen, genau am 29.04.2021. Folge muss nun sein, dass die WPK auch den weiteren operativen WPGs gemäß § 34 WPO die Anerkennung entziehen muss.

Und damit wäre für Rödl: Game over!

2019 veranstaltete man noch ein Schaulaufen für die Mitarbeiter/innen und Partner/innen und der Chef selbst informierte über eine Mitarbeiter-Rund-Mail am 09.12.2019. Betrachtet man jedoch diese Email von Prof. Rödl genauer, so liest man, dass er auch langfristig "die Mehrheit an unseren Unternehmen behalten" will. - Ein klarer Bruch des Berufsrechtes!

wpwatch entlarvte dieses fränkische Schmierentheater und die Rödl'schen Taschenspielertricks, nannte die Verantwortlichen beim Namen und forderte die WPK zum Handeln auf.

   
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Rödl - das Spiel ist aus!

 

Die WPK entzog der anerkannten "Drei-Bänder-Gesellschaft" vor wenigen Wochen die Anerkennung als WPG. Dies wurde am 20.04.2021 im Handelsregister des AG Nürnberg (HRB 22282) amtlich bekannt gemacht.

Bereits am 14.09.2020 dankte Prof. Rödl als Geschäftsführer der Rödl & Partner GmbH (HRB 9289), der operativen Kerngesellschaft für das Prüfungsgeschäft, ab. Seither ist er dort nicht mehr zeichnungs- und vertretungsberechtigt.

Die auf  Lügen und Täuschungen aufgebaute "Zukunftsvision" im Hause Rödl dauerte somit nur 15 Monate und endete mit einer fulminanten Bruchlandung.

Eine Frage hab ich noch:

  • Welche berufsrechtlichen Konsequenzen hat dieses Schmierentheater für die Strippenzieher, Mitwisser und Mitläufer im Hause Rödl?
  • Welche Berufsaufsicht ist eigentlich für Prof. Dr. RA StB Rödl zuständig?
  • Was sagt man eigentlich den neuen Partnern und Tausenden von Mitarbeitern/innen?
  • Was wurde zwischenzeitlich eigentlich von der "Drei-Bänder-Gesellschaft" testiert und was erzählt man jetzt den Mandanten?
  • Warum wird hierüber eigentlich nicht in der Presse berichtet?
  • Wann schreibt der Superstar Wambach seinen hauseigenen "Ermittlungsbericht" - oder vielleicht doch besser seine Beichte?

Früher lehrte man mich: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht! Rödl muss jetzt wissen, was auf dem Spiel steht!

Ist den Superstars aus Nürnberg eigentlich bewusst, was sie dem Berufsstand wissentlich und leichtfertig an Reputationsschaden zugefügt haben?

Rödl steht vor einem Scherbenhaufen!

wpwatch verlangt, dass gegen alle beteiligten Berufsträger/innen berufsrechtliche Verfahren eingeleitet werden.

Herr, vergib Ihnen nicht, denn Sie wussten genau, was Sie tun!

   
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WPK und APAS sind jetzt aufgefordert zu handeln

 

Der WPK obliegt die Fachaufsicht über die prüfenden Berufe (§ 57 WPO). Sofern die WPG - wie im Falle Rödl - auch sog. § 319a-HGB-Mandate prüft, obliegt die Fachaufsicht jedoch der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS). Die Rechtsaufsicht liegt immer in Händen des BMWi. Der APAS ihrerseits obliegt die Fachaufsicht über die WPK. Sie kann Fälle an sich ziehen und hat eine Letztentscheidungsbefugnis.

Es liegt nunmehr an der WPK, die Mitwirkung der beteiligten Kollegen/innen an den Täuschungen und gesetzwidrigen Vorgängen aufzudecken und durch Einleitung berufsaufsichtsrechtlicher Verfahren demonstrativ zu sanktionieren. Ansonsten wird die WPK ihren Ruf verspielen und deutlich an Glaubwürdigkeit und Ansehen im Berufsstand und in der Politik verlieren.

Der WPK sei dringend angeraten, sich auf weitere Taschenspielertricks und Spielen auf Zeit (erbschaftsteuerliche Haltefristen etc.) in keinster Weise einzulassen. Nochmals: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht! 

Die APAS müsste wohl dringend die Eignung von Rödl als Prüfer kapitalmarktorientierter Unternehmen (§ 264d HGB) überprüfen und eine anlassbezogene "inspection" durchführen.

   
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Rödl: Die Medien waren vorgewarnt

 

wpwatch berichtet seit Jahren über Rödl und

  • seine nicht nachvollziehbaren Umsätze,
  • die Nicht-Offenlegung vollständiger Konzernabschlüsse,
  • die gravierende Missachtung des Berufsrechts und zuletzt
  • die perfiden Täuschungen der WPK und der Berufsaufsicht.

Und dennoch spielen Frau Julia Schmitt vom Finance Magazin und Herr Hossenfelder von LÜNENDONK - von mir bereits vor Jahren gewarnt - dieses perfide Spiel einfach immer wieder mit.

Rödl wurde kürzlich noch als Nr. 5 im Ranking deutscher Player aufgeführt und im Finance Magazin dafür gefeiert, dass man BDO überholt habe.

Das kommt uns doch alles irgendwie bekannt vor. Seit Jahren bereits waren viele Dinge bekannt,

  • die man nicht hören wollte und
  • es werden keine kritischen Fragen gestellt.

Die Arroganz und Borniertheit kennt man eigentlich nur von den Big4. Aber auch Rödl gehört offensichtlich zum Lager der größenwahnsinnigen und alleskönnenden "Professional Service Firms", die nichts mehr fürchten, als dass jemand sie durchschaut und das Geschäftskonzept entlarvt.

Mit dem elitären wirtschaftsprüfenden Beruf hat dies allemal nichts mehr zu tun. Berufsgrundsätze und Berufsethik hat man längst über Bord geworfen. "Gewissenhafte Berufsausübung" (§ 43 WPO) steht hier nur noch auf dem Papier. Politik, Mandanten und die Öffentlichkeit werden gezielt hinter die Fichte geführt!

   
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Was wusste das IDW über den Fall Rödl?

 

Das IDW (e.V.) ist der Lobbyverein der "Big4 & Friends" in Deutschland, beansprucht die Meinungs- und Pressehoheit und gibt im Rahmen seiner Facharbeit dem Berufsstand "Verlautbarungen" in Form von Prüfungsstandards (IDW PS) und Prüfungshinweisen (IDW PH) vor, die bei gewissenhafter Berufsausübung zu beachten sind.

Insoweit ist es für große Berufsgesellschaften erstrebenswert, in den Fachgremien, dem Vorstand und Verwaltungsrat des IDW vertreten zu sein. So ist man bestens informiert, kann den Entstehungsprozess der fachlichen Regeln unmittelbar erleben und auch beeinflussen. Erstrebenswert wäre hierbei eine spiegelbildbliche Abbildung des Berufsstandes in den Gremien, was jedoch nicht umgesetzt wird. Vielmehr entscheidet der geschäftsführende Vorstand - unter Rückendeckung der sechs ehrenamtlichen Vorstände - über die Berufung in die Fachausschüsse.

Im September 2019 wurde Kollege Martin Wambach (*1964), geschäftsführender Gesellschafter bei Rödl, überraschend in den 6-köpfigen (ehrenamtlichen) Vorstand des IDW gewählt. In diesen Gremien entscheidet er auch mit über Wohl und Wehe des dreiköpfigen geschäftsführenden Vorstands des IDW.

Betrachtet man den zeitlichen Ablauf des Rödl-Skandals, so fragt man sich doch ernsthaft, wer Martin Wambach, einen der Drahtzieher und Mitwisser des perfiden Rödl-Täuschungsmanövers, zu diesem Zeitpunkt in dieses erlauchte Gremium empfohlen hat. 

Nur so ist es auch zu erklären, dass Kollege MdB Fritz Güntzler (CDU) als Mitglied des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) zur Aufarbeitung des WIRECARD-Skandals als Lobbyist des IDW im Bundestag den Kollegen Wambach als "Sonderermittler" vorschlägt, der dann binnen drei Wochen einen 90-seitigen Bericht zaubert und vorgibt zu wissen, was EY bei WIRECARD alles falsch gemacht hat. Diese Meisterleistung des Rödl-Superstars dürfte wohl eher auch der Abteilung "Augenwischerei" zuzuordnen sein!

Bei der Personalie Wambach hat sich das IDW selbst entlarvt, sowohl bei der Besetzung des Vorstandspostens, als auch beim Vorschlag des Lobby-Kollegen Güntzler im PUA.

Nach alledem, was wir heute wissen, bleibt zu vermuten, dass das IDW um diese Vorgänge bei Rödl bestens Bescheid wusste.

   
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SNP - ein neuer Rödl-Skandal?

 

Momentan kommt es für Rödl knüppeldick!

Ungemach droht neben den massiven berufsrechtlichen Täuschungen gegenüber der WPK auch in einem aktuellen Fall:

SNP Schneider-Neureither & Partner SE, Heidelberg, ist eines von sechs kapitalmarktorientierten Unternehmen (§ 319a HGB) - SDAX-Aktie -, die von Rödl & Partner ihre Jahres- und Konzernabschlüsse testieren lassen.

Das Software-Unternehmen SNP musste - so ist es einer Pflichtmitteilung an die Börse zu entnehmen - die Veröffentlichung ihres 2020er-Abschlusses auf den 21.04.2021 verschieben. Die Nachricht sorgte für Verunsicherung bei den Aktionären. Das Software-Unternehmen begründete die Entscheidung damit, dass der Verwaltungsrat im Zuge der Aufstellung und Prüfung des Konzernjahresabschlusses 2020 festgestellt hatte, dass die Wertansätze für Nutzungsrechte aus Mietverträgen für eine US-Immobilie neu bewertet und um 3,6 Mio.€ nach unten korrigiert werden mussten.

Für 2019 ergibt sich damit ein korrigierter Gewinn von 3,4 Mio. € (ursprünglich 7,0 Mio. €). 

Hinter den durchgeführten Korrekturen steht die nach dem Tod des SNP-Gründers Dr. Andreas Schneider-Neureither durchgeführte Wiederverwendungsprüfung der US-Immobilie, die eine fehlende Nutzbarkeit bereits ab Mietbeginn ergab. Die US-Immobilie, die vom Gründer langfristig an den Konzern vermietet war, wurde teilweise von ihm selbst bewohnt. Die neu gebaute Immobilie hatte SNP im März 2019 für 10 Jahre angemietet - Preis: 4,2 Mio. €. Schneider-Neureither war Anfang November 2020 unerwartet gestorben.

Seitens des Unternehmens ist zu hören, dass man Schadensersatzansprüche gegen die Erbengemeinschaft und auch gegen Rödl & Partner prüfe.

Ich würde vorschlagen, dass Kollege Martin Wambach hierzu als oberster Sonderermittler des Berufsstandes erst einmal einen Sonderbericht vorlegt.

Das von Rödl kassierte Gesamthonorar für die Prüfung des Konzernabschlusses 2019 betrug 168 T€. Sicherlich werden sich jetzt auch die DPR und die APAS um diesen Fall kümmern müssen.

Eine Frage hab ich noch:

Sollte ein 10-jähriger Mietvertrag zwischen der zu prüfenden Gesellschaft und einer von dem Gesellschafter beherrschten Immobiliengesellschaft in Millionenhöhe nicht nach dem risikoorientierten Prüfungsansatz gemäß IDW PS 255 i.V. PS 261 n.F. in jedem Falle auch einer der Prüfungsschwerpunkte sein? 

   
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Eine gute Zeit für Sie!!

 

Ihnen und Ihren Lieben alles Gute. Bleiben Sie gesund!

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
Hohe Str. 9   51149 Köln
Tel. 02203 / 98 00 20
E-Mail: hildebrandt@wpwatch.de

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