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WP Watch

NR. 87 - APRIL 2021

 
1. Es wird uns vieles abverlangt!
2. Die Corona-Maskenaffäre und der Wirtschaftsprüfer
3. Nachweis der Fortbildung im Berufsstand?
4. Alle warten auf den "Wambach-Bericht"!
5. Neuer APAS-Chef dringend gesucht!
6. Eine gute Zeit für Sie!!

Es wird uns vieles abverlangt!

 

Mutanten, Impfdesaster, Beschaffungschaos, Homeoffice - man kann (will) es langsam nicht mehr hören! Jeden Abend die gleichen (nichtssagenden) Nachrichten, denen man kaum noch zuhört. Brasilien, Tschechien, USA ... Inzidenzwerte, Tote, Impfquoten ... - Ruhe jetzt! Interessiert mich nicht! Warum muss ich das wissen?

Eine befreundete Holzbildhauerin sagte mir zuletzt in einem längeren Telefonat: Ich habe mir seit neun Monaten eine mediale Abstinenz verordnet. Seitdem geht es mir besser, bin viel mit den Kindern an der Natur, wir halten die Regeln ein und ich möchte nur noch wissen, wann ich geimpft werde.

"Mediale Abstinenz" - oder nur ein Stück davon? - Tut gut!

   
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Die Corona-Maskenaffäre und der Wirtschaftsprüfer

 

Das hätte die Politik tatsächlich seinem Wahlvolk ersparen müssen!

Eine weltweit grassierende Pandemie fordert Hunderttausende Tote, verursacht wirtschaftliche Schäden von Hunderten von Milliarden, ruiniert Betriebe und Kultureinrichtungen, richtet nicht absehbare Bildungsschäden bei Kindern und Jugendlichen an, bringt Zukunftsangst und Verzweiflung und jede Menge sozialer Entbehrung!

Wir wissen - auch von Mandanten -, dass es Corona-Gewinner und -Verlierer gibt. Wir wissen auch, dass wir im Finanzkapitalismus leben und dass es gewissenlose Hasardeure gibt, denen die soziale Gemeinschaft, der soziale Frieden und das Gemeinwohl einfach nur egal sind.

In dieser brisanten Gemengelage decken jetzt investigative Journalisten auf, dass (bisher) vier Politiker (Volksvertreter) bei all der Not und zeitlichen Enge nichts Anderes tun, als ihr Mandat zu missbrauchen und sich mit sechs- und siebenstelligen Beträgen die Taschen voll zu machen. Geschehen ist dies durch das gierige Kassieren von Vermittlungsprovisionen für dringend benötigte Hygieneartikel zur Bekämpfung eben jener Pandemie. Man vermittelt Lieferanten, die mit Kommunen und Ministerien Lieferverträge abschließen und erhält für diesen "gemeinnützigen Dienst" den schnöden Mammon.

Gerne besinnt man sich bei diesen "Provisions-Spielchen" auf parteipolitischer Freunde, die mit (mehr oder weniger) Sachkunde den geheimen Deal einfädeln und unbemerkt abwickeln. Hauptsache ist, dass der schnöde Mammon auf den richtigen (geheimen) Konten ankommt. Wenn man für die Durchführung solcher "Geschäfte" dann noch gefragt oder empfohlen wird, ist man "wichtig" und genießt sein Ansehen.

Zu wichtigen Personen avancieren hierbei manchmal auch Berufsträger, da sie über eine besondere fachliche Expertise verfügen. Sind sie gar noch politisch vernetzt und Schatzmeister eines Kreisverbandes der CSU, so stolpern sie dann vielleicht noch über die eigenen Füße, da sie völlig uneigennützig eine Parteispende überweisen und hierbei das Parteiengesetz ausblenden.

Jede/r Kollege/in sollte wissen, dass solche "Dienste" schlichtweg ein Relikt aus alter Zeit sind und die Abteilungen wie Liechtenstein & Karibik im Zeitalter der Transparenz geschlossen sind. Die Realität heißt jetzt eher Staatsanwaltschaft und Berufsaufsicht (WPK).

Übrigens: Das mit der politischen Freundschaft hat sich damit auch erledigt, da die "Freunde" einem jetzt anlasten werden, dass man zu blöd war, "diesen Deal professionell durchzuziehen"!

Und so wird aus einem "Freund" ein "Depp"!

   
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Nachweis der Fortbildung im Berufsstand?

 

Eine Besonderheit vieler "freier Berufe" in Deutschland ist deren Selbstverwaltung und die durch den Gesetzgeber vorgeschriebene "Fortbildungspflicht". Für die wirtschaftsprüfenden Berufe  ist die Fortbildungspflicht in § 43 II S.4 WPO geregelt, die dann durch den Beirat der WPK in § 5 BS WP/vBP genauer ausgeführt wurde. Die Fortbildung kann demnach

  • durch Teilnahme an Veranstaltungen,
  • als Dozent oder auch
  • im Selbststudium erfolgen  

und sollte 40 Std. p.a. nicht unterschreiten. Mindestens 20 Std. sollten hierbei Fachveranstaltungen (extern oder Inhouse) sein, die auch als "Web-based Training" absolviert werden können, soweit "die Teilnahme nachgewiesen werden kann".

Nach § 7 I BS WP/vBP haben WP/vBP "für eine angemessene praktische und theoretische Ausbildung des Berufsnachwuchses und die Fortbildung der fachlichen Mitarbeiter zu sorgen."

Besonderheit unseres Berufsstandes ist, dass jene Kanzleien, die der externen Qualitätskontrolle unterliegen, die Einhaltung dieser Berufspflichten für Berufsträger/innen und Mitarbeiter/innen im Rahmen des Peer review nachweisen müssen. Dies geschieht durch Vorlage sog. "Teilnahmebescheinigungen".

Nach § 57 II Nr. 10 WPO ist es Aufgabe der WPK die berufliche Fortbildung des Berufsstandes "zu fördern". Dieser Aufgabe sollte sich die WPK endlich einmal zuwenden. Hierbei reicht es nicht, nach fünfjähriger Vorbereitung (mit äußerst bescheidenem Erfolg) einen "Zertifizierten Prüfungsfachwirt" an den Start zu schicken oder einige Mitglieder der KfQK in das "Seminargeschäft für Kleingruppen" einzuführen. Man kann auch hier nicht dem IDW die Bühne jahrzehntelang überlassen und sich nur in der Zuschauerrolle gefallen.

Und jetzt mal Klartext:

Hat der Berufsstand keine anderen Probleme als Techniken zu ersinnen, wie man Mitarbeiter bei der Fortbildung kontrolliert und ihre "Teilnahme" an Webinaren nachweist? Dies passt zu dem Qualitätskontrollwahnsinn, dem der Berufsstand seit nunmehr 15 Jahren selbstgefällig erlegen ist.

Eine grundlegende Diskussion über das Berufsbild des Wirtschaftsprüfers wäre hier eher angebracht als ständig einen Flickenteppich zu reparieren, sich dabei zu gefallen und zu belobigen!

   
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Alle warten auf den "Wambach-Bericht"!

 

Da staunt man nicht schlecht: 

  • Erst am 03.02.2021 bestellten die Obleute des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) WIRECARD "Sonderermittler" zur Sichtung der von EY eingereichten umfangreichen Unterlagen und Zehntausende von Arbeitspapieren,
  • am 16.03.2021 veröffentlicht wpwatch im Newsletter Nr. 86 massive Zweifel an der Unbefangenheit der "Rödel-Truppe" unter Leitung des Kollegen Martin Wambach,
  • im Februar 2021 sollte Rödl seine Unbefangenheit gegenüber dem PUA versichern und 
  • am 05.04.2021 schreibt die "BerlinerZeitung", dass der "Wambach-Bericht" fast fertig sei und es zwischen Rödl und EY lediglich noch zu "Zoff" gekommen sei bzgl. der Offenlegung von "Anlagen".

Deutschland eiert - unter Beteiligung teurer Big4-Berater - durch ein monatelanges Impf-Fiasko und jahrelanges Beschaffungs-Chaos und unbemerkt "hat Rödl schon fertig" - nach weniger als zwei Monaten!? Die Franken sind immer für eine Überraschung gut.

Da glaubt man doch gleich wieder an den Osterhasen! - Oder stand das Ergebnis bereits vorher fest?

Rödl und Partner sollte die Arbeit des langjährigen Wirtschaftsprüfers von Wirecard, Ernst & Young (EY) untersuchen. Der Bericht könnte EY durchaus einiges Kopfzerbrechen bereiten:

  • So sollen alljährlich zum Jahresende Zahlungsströme bilanziert worden sein, die deutlich von den unterjährigen Zahlungsströmen abweichen. Dies soll seit 2014 regelmäßig geschehen sein und hätte normalerweise bei Wirtschaftsprüfern zu Handlungen führen müssen, um diese Praxis zu beenden.

Der Untersuchungsausschuss will den Wambach-Bericht veröffentlichen – und zwar komplett, mit allen Anlagen.

Die Anwälte von EY verhandeln derzeit mit dem Untersuchungsausschuss. Sie wollen die Veröffentlichung der Anlagen verhindern und führen Persönlichkeitsrechte, Datenschutz und Geschäftsgeheimnisse als Grund für die Geheimhaltung an. Die Abgeordneten sind der Auffassung, dass EY im Fall des Wambach-Berichts jedoch volle Kooperation zeigen müsse.

Obfrau MdB Cansel Kiziltepe von der SPD, Mitglied des PUA sagte hierzu:

  • „Wenn EY nichts falsch gemacht haben will, wie sie immer behaupten, dann gäbe es doch keine Bedenken gegen eine Veröffentlichung des vollständigen Berichts. Außer die fehlerhafte Bilanzierung gehört zum Geschäftsgeheimnis von EY.“

Resümée:

Wenn vier "Ermittler" von Rödl tatsächlich Zehntausende von (elektronischen) Datenträgern und Arbeitspapieren innerhalb von nur zwei Monaten gesichtet haben um festzustellen, ob EY in den Jahren 2014 bis 2020 nach den "fachlichen Verlautbarungen und Qualitätssicherungsanforderungen" des Lobbyvereins IDW ordnungsgemäß geprüft hat, dann erscheint dies für Insider kaum glaubwürdig.

   
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Neuer APAS-Chef dringend gesucht!

 

Vielen von Ihnen wird es vielleicht in Corona-Zeiten genauso gehen: Man liest gelangweilt die überregionale Presse und schaut auch gleich mal bei den Stellenangeboten vorbei. Frei nach dem Motto: Was wäre für mich da noch drin?

Und dann stößt man in der FAZ (oder auch in der WPg) auf die Stellenanzeige des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA):

zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur "Berufsaufsicht über die Wirtschaftsprüfer" nach Berlin gesucht.

Zur Erinnerung:

Der bisherige Leiter der APAS, Kollege Ralf Bose - auch "Skandalprüfer" genannt - nimmt bei wpwatch mit 112 Einträgen (neben Dr. h.c. Spindler, Ex-BFH-Präsident) eine absolute Spitzenposition ein. Als APAS-Vorsitzender wurde er bei seiner Befragung im PUA WIRECARD von der SPD-Obfrau Cansel Kiziltepe überraschenderweise gefragt, ob und wann auch er bereits einmal in Wirecard-Aktien investiert habe. Hierauf musste er wahrheitsgemäß antworten und hatte damit seinen Rausschmiss als APAS-Boss eingeleitet (vgl. Newsletter Nr. 85).

Der systemische Mangel, dass die APAS keinerlei Fachaufsicht unterliegt (!), zeigt sich nach dem desaströsen Ergebnis der Befragung des obersten deutschen und europäischen Berufsaufsehers, der übrigens auch die WPK fachlich beaufsichtigt, ganz deutlich. Die APAS beaufsichtigt und kontrolliert sich selber und erlaubt Zockergeschäfte ihrer Führungsriege bei zeitlich gleichlaufenden Ermittlungsverfahren. Anstatt knallharter Compliance und Verboten gibt es nur windelweiche Absichtserklärungen der APAS-Mitarbeiter.

Doch jetzt soll alles besser werden:

Das BAFA sucht jetzt den Nachfolger und stellt auf Nachfrage hin das umfassende Anforderungsprofil zur Verfügung. Dort heißt es zum Anforderungskatalog u.a.

  • Unabhängigkeit vom Berufsstand, d.h. im Zeitpunkt des Bewerbungsschlusses und den drei vorausgegangenen Jahren insbesondere keine Abschlussprüfertätigkeit,
  • keine Beteiligung an Prüfungsgesellschaften,
  • keine Tätigkeit als Partner/in oder Angestellte/r 
  • kein Mitglied in Leitungs- und Aufsichtsgremien von Prüfungsgesellschaften,
  • keine Mitgliedschaft in Berufsverbänden und -einrichtungen der Wirtschaftsprüfer ...

Da fällt einem nichts mehr zu ein:

Offensichtlich erkennt die Politik vor dem Hintergrund des milliardenschweren WIRECARD-Bilanzskandals gerade erst, dass sich die Big4 in Deutschland bisher selber beaufsichtigen und kontrollieren. Es soll jetzt jemand gefunden werden, der mit dem Berufsstand eigentlich nichts zu tun hat, selber nicht prüfen kann, gleichzeitig aber duschen kann ohne nass zu werden. Dann wünschen wir dem neuen Chef schon mal viel Glück bei der Auseinandersetzung mit dem Big4-durchsetzten Mitarbeiterstab, den Big4-Lobbyisten bei IDW und WPK sowie der untätigen Rechtsaufsicht des BMWi.

Eine Frage hab ich noch:

Wieso hat die APAS eigentlich keinerlei Fachaufsicht? - Weil es den Big4 und ihre Lobbyisten nicht passt?

Bewerbungsschluss ist übrigens der 18.04.2021. Eile ist geboten. Es ist ja schließlich Wahljahr. Die BAFA muss bis dahin wieder funktionsfähig und "sauber" werden.

   
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Eine gute Zeit für Sie!!

 

Ihnen und Ihren Lieben alles Gute. Bleiben Sie gesund!

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
Hohe Str. 9   51149 Köln
Tel. 02203 / 98 00 20
E-Mail: hildebrandt@wpwatch.de

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