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WP Watch

NR. 78 - APRIL 2020

 
1. Es gibt momentan nur ein Thema!
2. Das IDW und der Klimawandel
3. Das IDW interessiert sich!
4. Die WP-Branche im "Ranking-Rausch"
5. Rödl & Partner ist weiterhin im Ausnahmezustand
6. "Abschlussprüfung de luxe" gefällig?
7. Wieso hört man nichts mehr vom P&R-Skandal?
8. Frauen ohne Gedächtnis
9. Was machen die CEO der Big4 eigentlich im Alter?
10. PwC's falsches Spiel in Russland
11. Die Milliardenklage gegen PwC
12. Eine gute Zeit für Sie!!

Es gibt momentan nur ein Thema!

 

Es ist schon gespenstig und unheimlich - eine Welt im Kontaktverbot und Ruhemodus!

Die CORONA-Epidemie als weltweiter Ausnahmezustand beherrscht plötzlich unser Leben - rund um die Uhr. Genau hierüber möchte ich nicht schreiben, gibt es doch in unserer medialen Welt genügend Berufene, die uns alles erklären und jeden Ratschlag geben.

Weiterhin gibt es auch: WPK, IDW, wp-net, Ministerien, Talk-Runden ...

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben beste Gesundheit!

   
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Das IDW und der Klimawandel

 

Mehrfach hatte ich in der Vergangenheit die Befähigung der Big4 herausgestellt, ungefragt zu jedem Thema und für alle Lebenslagen tagesaktuelle Studien vorzustellen und damit potentielle Mandanten, die Politik und den Berufsstand zu beeindrucken. Die Alleskönner-Big4 demonstrieren hierdurch eindrucksvoll, dass sie einfach unentbehrlich sind.

Beeindruckt bin ich zunehmend vom IDW e.V., der es mittlerweile versteht, im Rahmen seiner Fach-/Lobbyarbeit zu allen möglichen Themen Stellung zu beziehen und ellenlange überflüssige Positionspapiere zu verfassen. Ganz "begeistert" bin ich von unseren hochqualifizierten Trendwatchern, die es nach dem WP-Examen in hochdotierte Führungspositionen unseres Berufsstandes geschafft haben und heute nach Megatrends Ausschau halten. Ich weiß nicht, wer diese erlauchten Kollegen/innen mit solch schwierigen Aufgaben beauftragt, bei welchen Mandanten sie ihre Zeiten unterbringen und wie man deren Einsatz anschließend im Partnerkreis messen kann!? - Oder haben diese "Aushängeschilder des Berufsstandes" einfach keinen Bock mehr, Mandanten zu prüfen oder sich nachhaltig um den Berufsnachwuchs zu kümmern?

Nehmen Sie nur die zuletzt erschienenen Positionspapiere:

  • "Die neue Mobilität" (24 S.),
  • "Nichtprüfungsleistungen des Abschlussprüfers" (71 S.) und
  • "Sieben Punkte für Europa und gegen die globale Irrelevanz" (12 S.).

Toll, oder?globale Irrelevanz - darüber muss man mal nachdenken!

Dann hat man beim IDW e.V. auch noch die Möglichkeit, diese Papiere auf A4 runterzuladen, als Broschüre zu drucken und damit die Mandanten zu beeindrucken. 

Meine Themenvorschläge an das erlauchte Gremium für die nächsten Positionspapiere wären:

  1. Donald Trump als Faktor des risikoorientierten Prüfungsansatzes
  2. Tempolimit bei der Kanzlerwahl und
  3. Furcht vor der Zukunft als Risikofaktor in der Rechnungslegung.

Das IDW verballert mit diesen unsinnigen Aktionen die Mitgliedsbeiträge und der Berufsstand macht sich zunehmend lächerlich! Auf diese Positionspapiere hat kein Mensch gewartet!

   
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Das IDW interessiert sich!

 

Das IDW überrascht uns immer wieder!

Man verantwortet dort bereits

  • eine völlig überbordende Facharbeit,
  • den gesetzwidrigen Qualitätskontroll-Wahnsinn,
  • ein fehlgeschlagenes Recruiting für den Berufsstand sowie
  • eine daraus folgernde fehlende Identifikation vieler Kollegen/innen mit "ihrem Verein".

Mit Email vom 02. März 2020 wurden die Mitglieder des IDW e.V. aufgefordert, über einen Link an einer Umfrage mitzuwirken. Die Umfrage "dreht sich um die Erwartungen, Erfordernisse und die Zukunft der kleinen und mittelständischen WP-Praxen"!

Sollte sich das IDW tatsächlich um die Belange der Mehrheit seiner Mitglieder interessieren? Man reibt sich die Augen!

Kommen jetzt nach den Big4, den Young-Professionals und den IT-Auditoren etwa wir, die Mehrheit des Berufsstandes! - Oder merkt das IDW jetzt erst, dass sich die Kollegen/innen kleinerer und mittelgroßer Kanzleien zunehmend vom IDW abwenden, weil sie sich nicht verstanden fühlen und nicht mehr Beitragszahler und Umsatzträger des IDW-Verlag sein wollen?

19 knackige Fragen - Es geht um

  • Herausforderungen,
  • Befürchtungen und Chancen,
  • das Angebot der "IDW-Gruppe",
  • die Bitte zur "ehrenamtlichen Mitarbeit" beim IDW und
  • ggfs. Ihre "Mitgliedschaft in weiteren Berufsverbänden".

Vergessen hatte ich anzumerken, dass Prof. Naumann nur "qualifizierte - gerne auch kritisch-konstruktive Kritik" wünscht.

Eine Frage hab ich noch: An der letzten Umfrage unter den Mitgliedern des Vereins zur Zusammenlegung der Berufsstände beteiligten sich rd. 3,5 % der Mitglieder. Wird die Quote bei dieser "spannenden" Umfrage höher liegen?

Und jetzt mal Klartext: Dem IDW ist eine Zustimmung im Berufsstand egal. Auch trotz der äußerst geringen Beteiligung an der Umfrage zur Zusammenlegung der Berufsstände, hat es das IDW aufgrund seiner Lobbypolitik beim BMWi geschafft, das Vorhaben zum Scheitern zu bringen - ein Skandal! 

   
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Die WP-Branche im "Ranking-Rausch"

 

In Zeiten des Nachwuchsmangels ist es ein Zeichen der Zeit, dass sich der Berufsstand medial überzeugend und erfolgreich darstellt. Frei nach dem Motto: immer höher, schneller, weiter und erfolgreicher.

Für unsere Branche heißt dies konkret, sich so darzustellen, dass man zu den Besten und Erfolgreichsten gehört.

Hierzu werden dann u.a. 

  • Umsatzzahlen und Umsatzwachstum bei LÜNENDONK,
  • Umfragen in Wirtschaft und Politik mit fachlichen Noten bei brandeins,
  • Beliebtheitsnoten von Bewerbern beim manager magazin (mm) sowie
  • Hochschulrankings bei suchenden WP-Gesellschaften (ebenfalls mm)

in einem Ranking präsentiert.

Will man zu den "Erfolgreichen" unserer Branche gehören, so sollte man bei diesen Rankings in jedem Falle vertreten sein, möglichst Anzeigen geschaltet und an Pressegesprächen teilgenommen haben. - Dann kann man sich anschließend auch auf der eigenen Website mit dem Ranking "schmücken", als erfolgreiche/r "Experte/in" feiern oder den besten Uni-Lehrstuhl bundesweit anpreisen.

Die WP-Branche ist momentan dermaßen im Ranking-Fieber, dass man sich auch gleich dem Ranking in unterschiedlichen Disziplinen unterwirft: Steuern, Strategieberatung, IT, Forensik, Compliance etc.. 

Eine Frage hab ich noch:

Was ist eigentlich die systemrelevante Rolle von Wirtschaftsprüfern in unserer Wirtschaftsordnung? Oder: Was unterscheidet PwC, KPMG & Co. eigentlich noch von Accenture, McKinsey & Co.? - Ach, das bisschen Berufsrecht vergessen Sie besser mal! - Dies muss man doch nur der Wirtschaft und der Politik als "Wettbewerbsvorteil" verkaufen. Oder gleich wie eine Monstranz medienwirksam über alle Bühnen des Finanzkapitalismus tragen.

   
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Rödl & Partner ist weiterhin im Ausnahmezustand

 

Wie im aktuellen Transparenzbericht 2018 von Rödl & Partner GmbH ersichtlich, erfüllt Rödl seit dem Tod des Gründers WP/StB Bernd Rödl am 09.11.2015 nicht mehr die Voraussetzungen für die Anerkennung als WPG in Deutschland (§ 28 IV Nr. 3 WPO). Demnach müsste nämlich die Mehrheit der Anteile in Händen von Wirtschaftsprüfern liegen.

Seit dem Erbfall vor mehr als vier Jahren hat RA/StB Prof. Dr. Christian Rödl als Berufsfremder das Sagen in der vermeintlichen "Nr. 5" des deutschen Prüfermarktes, denn er verfügt über mehr als 80% der Anteile.

Gehen Anteile an einer WPG im Falle des Todes eines Gesellschafters nicht auf einen zulässigen Gesellschafter über, gewährt die WPK der betroffenen Gesellschaft zur Wiederherstellung ordnungsmäßiger Beteiligungsverhältnisse eine Anpassungsfrist wegen Erbfalls. Diese Frist muss mindestens fünf Jahre betragen und kann bei Bedarf auch verlängert werden (§ 34 I Nr. 2 WPO).

Die Besonderheit des "Rödl-Geschäftsmodells" wurde in den letzten Jahren hinlänglich von wpwatch thematisiert.

Spannend wird sein, wie man im Frankenland diese berufsrechtliche Frage lösen wird.

   
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"Abschlussprüfung de luxe" gefällig?

 

Im Mai 2012 forderte der seinerzeitige Vorstandssprecher von PwC, Kollege Norbert Winkeljohann, in einem Artikel im "Finance-Magazin", vom Gesetzgeber "neue gesetzliche Regelungen, um Unternehmen strenger prüfen zu können"

Sein Argument damals: "Wir würden gerne mehr Transparenz in die Unternehmen bringen." Nach turbulenten Geschäftsjahren oder Krisen könnte der Aufsichtsrat die Wirtschaftsprüfer mit einer detaillierteren Prüfung beauftragen, "damit sie tiefer schürfen als in normalen Jahren." Insbesondere ging es ihm seinerzeit um eine "Prüfung der Geschäftspolitik", die durch eine Abschlussprüfung nicht abgedeckt wird.

Dies war seitens PwC ein Vorstoß gegen den ruinösen Preiskampf bei Abschlussprüfungen, die von Mandanten lediglich noch als "Standarddienstleistung" empfunden werden. Was Kollege Winkeljohann offensichtlich eher meinte, ist eine Ausdehnung des lukrativeren Beratungsgeschäftes. Was soll denn hier der Gesetzgeber regeln?

Ende 2019 kreuzte nun Baker Tilly, die Nr. 8 im aktuellen Lünendonk-Ranking 2019, mit einer abgewandelten Idee "Audit on Demand" am Markt auf und offeriert (potentiellen) Mandanten einen neuen "passgenauen Servicelevel-Ansatz zur maßgeschneiderten Abschlussprüfung."

Sie können wählen zwischen

  • Standard (standardisierter Ablauf),
  • Comfort (teilweise standardisierter Ablauf) oder
  • Premium (flexibler Ablauf).

Kriterien für die Auswahl sind insbesondere die Qualifikation der Ansprechpartner, der Umfang örtlicher Präsenz der Prüfer und  die zusätzliche Berichterstattung in Form eines Management Letters.

Das IDW hat diese neue Idee gleich einmal aufgegriffen und Baker Tilly in IDW Life 02.2020, S. 76 f. eine 2-seitige Präsentation gestattet.

Dies nennt man bei Baker Tilly "Audit on Demand" und erinnert mich zunächst an meine Auto-Waschstraße in Köln-Porz, wo ich vor der Einfahrt am Kassenschalter vor ähnliche Entscheidungen gestellt werde - Felgen?, Unterboden?, Extra-Glanz?, Innen/Außen? etc.

Mich wundert nur, dass aus dem Berufsstand heraus "Geschäftsmodelle" entwickelt werden, die dem Mandanten einen Spielraum vortäuschen, die fakultative Zusatzleistungen unserer systemrelevanten Funktion in der Wirtschaftsordnung darstellen. Liegt das Prüfungsgeschäft schon so darnieder? 

Man könnte die Idee auch falsch verstehen: Wieviel bist Du bereit, mir für die Pflichtprüfung zu bezahlen; je nach Höhe des Honorars können wir auch qualifizierteres Personal schicken und genauer prüfen. - Der Mandant entscheidet!?

Eine Frage hab ich noch: Wie weit sind wir jetzt eigentlich noch vom "Bestätigungsvermerk to go" entfernt?

   
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Wieso hört man nichts mehr vom P&R-Skandal?

 

Im Aktuellen Prüfungswesen (APW IV/2018) hatte ich mich ausführlich mit dem medienwirksamen P&R-Anlageskandal auseinandergesetzt, Möglichkeiten zur "Aufdeckung von Bilanzdelikten" erörtert und hierzu eine spezielle Checkliste für die Berufspraxis vorgestellt.

Es geht um einen milliardenschweren Anlegerbetrug  mit über 50.000 Geschädigten und einer Schadenssumme von über 3 Mrd. €. 43 Jahre lang wurden vom Firmengründer Heinz Roth Anlegergelder eingesammelt, die in Container investiert werden sollten, um diese dann weltweit rentierlich an Reedereien zu vermieten. Für viele Anleger war dies die Altersversorgung.

In 2018 platzte der Traum, das betrügerische Schneeballsystem implodierte und es folgte die Insolvenz. Die renommierte Münchner Insolvenzkanzlei Jaffé stellte ziemlich schnell fest, dass die Mehrzahl der investierten Container nur auf dem Papier existierte und eine milliardenschwere Lücke zu den bilanzierten und testierten Zahlen klaffte. Der 76-jährige Firmengründer wurde im September 2018 inhaftiert. Wegen Verhandlungsunfähigkeit wurde der Prozess vom LG München abgesagt und der Haftbefehl aufgehoben.

Von Anbeginn richtete sich das Augenmerk der Ermittlungsbehörden und Anlegeranwälte auch auf den testierenden Kollegen WP/StB Werner Wagner-Gruber, der lange Jahre die drei Jahresabschlüsse der P&R-Gruppe für ein stattliches Honorar von 270.000 €/p.a. testiert hatte. Weitere fünfstellige Honorare wurden für jährlich erteilte "Garantie-Mietauszahlungen an Investoren" gezahlt. Wagner-Gruber ist im Berufsstand bekannt und hat das Prüfprogramm "wp-soft" entwickelt und vertreibt dies über die Firma seiner Ehefrau.

Wagner-Gruber hatte die P&R-Abschlüsse jeweils (nur) eingeschränkt testiert. Die Formulierung seiner Einschränkungen führt in Fachkreisen jedoch zu Achselzucken. Wörtlich heißt es im Testat:  

  „Meine Prüfung hat mit Ausnahme der folgenden Einschränkung zu keinen Einwendungen geführt: Entgegen § 285 Nr. 3 HGB wurden keine Angaben zu nicht in der Bilanz enthaltenen Geschäften gemacht (Art, Zweck, Risiken, Vorteile) bzw. wurde entgegen § 285 Nr. 3a) HGB der Gesamtbetrag der sonstigen finanziellen Verpflichtungen nicht angegeben.“ 

Offen bleibt hierbei nämlich, warum hier die Testate nur eingeschränkt wurden, obgleich die "Tragweite der Einwendung" weder konkretisierbar noch quantifizierbar war. In der neueren Facharbeit umschreibt man das auch mit "Einwendung, die nicht nur wesentlich, sondern auch umfassend" war. Demzufolge hätte das Testat versagt werden müssen (§ 322 IV 4 HGB, IDW PS 405, Tz. 10). Und damit hätte das betrügerische Schneeballsystem wohl auch frühzeitig sein Ende gefunden.

Da beim Firmengründer nichts mehr zu holen ist und der Insolvenzverwalter jetzt bei Alt-Anlegern deren erhaltene Auszahlungen wieder einsammeln will, stürzen sich mindestens ein Dutzend Anlegeranwälte deutschlandweit auf die WP-Haftung des Kollegen.

Da hilft es auch nichts, wenn gegenüber der Presse davon gesprochen wird, dass "Wirtschaftsprüfer ja schließlich keine Kriminalpolizei seien".

Anlegeranwälte, die Tausende von Geschädigten vertreten, haben bereits in Regensburg Klage eingereicht. Der Verhandlungsbeginn am 06.03.2020 wurde wegen eines Corona-Verdachtsfalles lediglich  verschoben. Falls das LG Regensburg ein Musterverfahren einleitet, müsste das Verfahren eine Instanz nach oben zum OLG Nürnberg abgegeben werden.

Der Fall bleibt spannend!

   
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Frauen ohne Gedächtnis

 

Die Rede ist von Ursula von der Leyen (Kanonen-Uschi), ihrem Ex-McKinsey-Superstar Katrin Suder und dem Beraterskandal bei der Bundeswehr. Bei ihren Auftritten vor dem Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages am 30.01. und 13.02.2020 hatten die Mitglieder schnell den Eindruck der Geringschätzung des Gremiums, denn

  • beide Damen behaupteten, dass man (selbstverständlich) in die Auswahl der Berater nicht involviert war,
  • freundschaftliche Verbindungen zu den Beratern keinen Einfluss auf die Entscheidungen hatten und
  • man sich an Details nicht mehr erinnern könne.

Katrin Suder erschien in dunkler Jeans und Bluse, hielt locker ihren Rucksack über der Schulter, grinste in die Kameras und suchte im Publikum nach Altbekannten, denen sie lächelnd zuwinkte.

Als die Berateraffäre hochkam, machte sich Katrin Suder "aus privaten Gründen" schnell vom Acker und landete vor wenigen Monaten als Spezialistin für Künstliche Intelligenz (KI) im Bundeskanzleramt als Vorsitzende des Digitalrats der Bundesregierung. Ursula von der Leyen wurde völlig überraschend (mit gelöschten Handydaten) nach Brüssel weggelobt und das Beschaffungswesen im Bundesverteidigungsministerium (BMVg) liegt darnieder!

Im Ergebnis bleibt festzustellen, dass McKinsey, Accenture und PwC (Strategy&) das BMVg als Goldgrube systematisch geplündert haben. Hier wurden zweistellige Millionenhonorare eingestrichen. - Dies hat nun offensichtlich keine Konsequenzen. Keiner kann sich erinnern und keiner ist verantwortlich.

The Show must go on!!! - In Brüssel und Berlin.

Eine Frage hab ich noch: Wer berät eigentlich im Bundeskanzleramt und in Brüssel? - O.K., ich zieh die Frage zurück.

   
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Was machen die CEO der Big4 eigentlich im Alter?

 

Auch Sie haben sich sicherlich schon einmal gefragt, womit Sie sich im Alter beschäftigen möchten bzw. wann Sie Ihre beruflichen Aktivitäten herunterschrauben wollen.

Da gibt es zunächst zwei Fälle:

  • Freiberufler, d.h. Inhaber kleinerer / mittelgroßer Kanzleien bestimmen dies i.d.R. selbst, während
  • angestellte Partner größerer Kanzleien, insbesondere bei den Big4, mit Blick in den  Anstellungsvertrag wissen, wann der "Abmarsch" stattfindet. 

Für manche in den großen Kanzleien und den Big4 ist mit 60 bereits Schluss. - Und dann?

Schauen wir doch einmal auf zwei (frühere) Aushängeschilder des Berufsstandes und ihre Senioren-Aktivitäten:

  • Prof. Dr. Norbert Winkeljohann (*1957), Ex-CEO von PwC

Am 30.06.2018 endete sein Vertrag bei der PwC Europe SE WPG. Bereits im Mai 2018 - als könne er nicht warten - zog er in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank AG ein. Gleichzeitig enterte er den Aufsichtsratsvorsitz bei Heristo AG sowie der Sievert AG. Bei der Bayer AG sitzt er schon seit August 2018 im Kontrollgremium, obwohl PwC dort prüfte. Ab April 2020 wird er dort auch den Vorsitz übernehmen.

Im Berufsregister gibt man sich lediglich mit einer Frankfurter Büroanschrift zufrieden - ohne weitere Angaben, während man in den sozialen Netzwerken gerne noch mit "Managementberatung" oder Advisory & Investments kokettiert. 

  • Prof. Dr. Norbert Nonnenmacher, Ex-CEO von KPMG

Kollege Nonnenmacher (*1954) war bis 2013 CEO bei KPMG und wurde anschließend in die Aufsichtsräte von Continental AG (2014), Covestro AG (2015) und ProSiebenSat1Media SE (2015) berufen. Weiterhin hat er seit März 2017 den Vorsitz der Kodex-Regierungskommission übernommen.

Beide Beispiele zeigen, dass man sich rechtzeitig und schnell in die Startlöcher begeben hat, um lukrative Aufsichtsratsmandate zu sammeln. So konnten beide Oldies ihre millionenschweren Zusagen aus ihren jeweiligen Pensionskassen noch aufstocken und stören zuhause nicht beim Staubsaugen und Gardinenwaschen.

Beide haben natürlich kein Problem, als "Kontrollorgan" auf frühere Kollegen/Untergebene als Prüfer bzw. Berater zu treffen. 

Und jetzt mal Klartext: 

Durch zunehmende Wechsel von Wirtschaftsprüfern in Aufsichtsräte entsteht eine "neue Macht" und es drohen erhebliche Interessenkonflikte. Dies liegt u.a. an § 100 V AktG, wonach mindestens ein Mitglied des AR "über Sachverstand auf den Gebieten der Rechnungslegung oder Abschlussprüfung" verfügen muss. Weil solche Leute rar sind, verfallen die PIE-Mandanten zunehmend auf die Idee, einfach bekannte Wirtschaftsprüfer zu berufen. - Das ist eine schlechte Idee, denn selbst wenn die Aufsichtsräte nicht mehr für ihre Big4 arbeiten, bleiben sie mit ihnen verbunden (Pensionskassen und Prüfungs-/Berateraufträge lassen grüßen). Würden sie z.B. als Kontrollorgan bei aufgedeckten Fehlern ihrer früheren Kollegen Schadenersatz "ihrer Big4" fordern? - Wohl kaum!

Ich höre das Gejaule von den Möchtegern-Aufstockern der Big4 schon jetzt: Aber NEIN! - Wir sind doch unabhängig, vereidigt und verschwiegen! - Bla, bla, bla ...

   
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PwC's falsches Spiel in Russland

 

Wenn Unrecht geschieht, gilt die Macht des Faktischen: Die Allmächtigen schaffen Fakten zu ihrem Vorteil, lenken ab und hoffen auf das Vergessen.

Im September 2011 hatte ich im Newsletter Nr. 25 geschrieben, dass PwC in Russland die Testate des Energieriesen Yukos für 1995 - 2004 "wegen Bilanzbetrug" widerrufen hatte. Vorausgegangen war ein Schauprozess gegen die beiden Alteigentümer. Vorher waren die PwC-Büros durchsucht worden und den Kollegen wurde mit Inhaftierung gedroht. Gegen PwC wurde ein Steuerstrafverfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in Höhe von 8,3 Mio.€ eröffnet. Außerdem drohten Putin & Co. offen mit Entzug der Prüferlizenz für PwC in Russland.

PwC verriet seinerzeit seinen Mandanten und lieferte auch noch für die beiden Hauptaktionäre die "Beweise" für die langjährigen Haftstrafen in Arbeitslagern. Das nennt man Berufsethik!

Der Yukos-Konzern wurde verstaatlicht, die Aktionäre enteignet und Putin & Co. waren am Ziel ihrer geopolitischen Machtspiele! 

Manchmal mahlen die Mühlen langsam!

Kurz vor Weihnachten 2013 wurde Michail Chodorkowski überraschend begnadigt und freigelassen. Heute lebt er mit seiner Familie in London. Seit der Zerschlagung von Yukos kämpft er international für seine Reputation und Schadensersatz.

Und jetzt der Knaller: Im Februar 2020 urteilte ein niederländisches Berufungsgericht in Den Haag, dass der russische Staat eine Schadenersatzzahlung in Höhe von 50 Mrd. USD leisten muss und hob alle politisch motivierten Urteile der Vorinstanzen auf.

Eine Frage hab ich noch: Wie war das mit dem Widerruf der Testate wegen Bilanzbetrug und dem Verrat des Mandanten? Wie hält man nun bei PwC sein Fähnchen in den Wind? Droht PwC jetzt von den Alteigentümern ebenfalls eine milliardenschwere Schadensersatzklage?

   
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Die Milliardenklage gegen PwC

 

In 2016 und 2018 hatte ich über milliardenschwere Klagen gegen PwC und "diskrete Einigungen" mit den jeweiligen Klägern berichtet. Hierüber wird in deutschen Medien bekanntermaßen nicht berichtet.

Nun gibt es Neues im Falle der auf Zypern eingereichten Klage der PrivatBank gegen PwC. Die Klage wurde 2019 in Nikosia angenommen und nun verhandelt.

Verklagt wurden PwC (Zypern) und PwC (Ukraine) auf 3 Mrd. USD Schadensersatz, da man bei der Prüfung der Jahresabschlüsse 2013 bis 2015 ein systematisches Betrugssystem bei der Bank zugunsten der früheren Eigentümer nicht aufgedeckt hatte. Die Bank wurde 2016 von der Nationalbank der Ukraine (NBU) verstaatlicht, die heute ebenfalls PwC beschuldigt, den Betrug nicht aufgedeckt zu haben. PwC wurde seinerzeit für Bankenprüfungen in der Ukraine gesperrt.

Nach Angaben der Nationalbank bestand der größte Teil des riesigen Kreditportfolios der PrivatBank aus Krediten, die an nahestehende Personen der früheren Eigentümer, den Milliardären Kolomoisky und Boholyubov vergeben wurden. Die Kredite waren regelmäßig nicht besichert und die nach Zypern transferierten riesigen Summen verschwanden in andere Länder. Noch kurz vor der Verstaatlichung der Bank wurden Milliardenbeträge transferiert. 

Insider berichten, dass PwC das undurchsichtige Firmenkonglomerat der Alteigentümer bestens kannte und es kaum vorstellbar ist, dass man über Jahre hinweg das wahnwitzig ansteigende Kreditportfolio bei der Abschlussprüfung zugunsten der russischen Oligarchen nicht bemerkt haben soll.

Jetzt ist PwC am Zug. Die weltweite Reputation steht (wieder einmal) auf dem Spiel. Und jetzt sollte alles bitte nur noch "diskret" ablaufen.

   
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Eine gute Zeit für Sie!!

 

Das war´s mal wieder für heute.

Ihnen und Ihren Lieben alles Gute - vor allem Gesundheit!!!

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
Hohe Str. 9   51149 Köln
Tel. 02203 / 98 00 20
E-Mail: hildebrandt@wpwatch.de

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