WPK und der Fall Wirecard - Alle derselben Meinung?

Man muss dem Kammerpräsidenten der WPK, Kollegen Gerhard Ziegler, wohl ein wenig Nachhilfe i.S. Berufspolitik geben. Da wählt der Berufsstand alle vier Jahre per Listenwahl seine Vertreter in den Beirat der WPK, aus dem dann die Vorstandsmitglieder der WPK und das Präsidium rekrutiert werden. Nachdem es die Big4 in der letzten Legislaturperiode geschafft hatten, die Opposition (wp.net) unter Vorsitz des heutigen Präsidenten mundtot zu machen und von der Berufsarbeit auszuschließen, errang wp.net bei der Wahl 2018 mit 47% aller Stimmen das beste Ergebnis aller Listen.

Gleichwohl musste man in die Opposition, da die restlichen Listen - insbesondere Big4 und IDW - gegen wp.net koalierten. Widerwillig wurde wp.net bei der Vorstands- und Ausschussarbeit beteiligt - die Mehrheit haben nach wie vor die koalierenden Listen der Big4 und des IDW.

In diese vortäuschende Harmonie in den Gremien und im Berufsstand kracht jetzt der Bilanzskandal Wirecard. Wochenlanges Stillschweigen von IDW e.V. und der WPK, obwohl die Medien weltweit täglich im Stundentakt berichten, zeugen nicht von einem professionellen Krisenmanagement.

Jetzt brennt in Berlin und Düsseldorf lichterloh der Baum und die Nerven liegen blank!

In dieser Situation sind die Big4 und die Gremien der WPK und des IDW im gegenseitigen Kontroll-Wahn, denn schließlich steht die Reputation der milliardenschweren WP-Branche auf dem Spiel:

  • EY-Mitarbeiter erhalten Weisungen, was sie zu sagen haben, wenn sie von Mandanten angesprochen werden,
  • IDW und WPK stimmen offensichtlich ihre Strategie und Statements miteinander ab und
  • der WPK-Präsident verteilt schon mal Maulkörbe für Vorstandsmitglieder der Opposition.

Lesen Sie doch einmal den Präsidenten-Maulkorb im (redaktionell bearbeiteten) Original:

"Sehr geehrte.....",

mit Interesse, aber auch mit großer Verärgerung habe ich Ihr Interview ... gelesen.

Wider besseren Wissens klagen Sie Verfehlungen von EY sowie unserer gesamten Berufsaufsicht an.

Sie klagen Missstände an, die ich so nicht kenne und ich denke, dass Sie keinen tiefergehenden Kenntnisstand haben.

Ich glaube, es ist völlig unangebracht, derzeit Schuldanweisungen auf Grundlage von nicht belegten Vermutungen zu machen.

Viel wichtiger ist es nach meiner Ansicht, dass der Berufsstand einheitlich nach außen auftritt. Nichts ist derzeit schädlicher, als destruktive Kritik zu üben. Im Interesse unseres gesamten Berufsstands darf ich Sie nochmals bitten, solche Interviews zu unterlassen. Wenn wir wissen, wo Fehler gemacht wurden, sind wir gerne bereit, an der Aufarbeitung mitzuwirken und unseren Berufsstand weiter zu entwickeln.

Grundsätzlich alles schlecht zu reden, aber keine konkreten Vorschläge zur Besserung vorzubringen, halte ich für einen schlechten Stil.

Ich möchte nochmals wiederholen, dass mir an einem einheitlichen Auftreten der Kammer und an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit im Vorstand sehr gelegen ist.

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Ziegler"

Um es deutlicher zu sagen:

Der selbstgefällige Präsident der WPK hat Vorstandsmitgliedern der berufspolitischen Opposition keinen Maulkorb zu geben! - Bundeskanzlerin Merkel verhängt auch keinen Maulkorb, selbst wenn sie i.S. Umgang mit dem Corona-Virus anderer Meinung ist!

Dies ist kein präsidiales Verhalten! Ziegler hat in der letzten Legislaturperiode schon bewiesen, dass er von demokratischen Spielregeln nichts hält und jedwede Opposition mundtot machen will.

Der Präsident sollte sich für diese (abermalige) Entgleisung entschuldigen!