Wirtschaftsprüfer als Warenprüfer

Heutzutage hat man den Mundschutz einsatzbereit in der Hemdentasche (Kolleginnen in der Handtasche), in der Gesäßtasche oder (wie ein Rosenkranz oder Fuchsschwanz) am Rückspiegel des Autos hängen. Vor wenigen Wochen noch dachte man, dass es auf Monate hinaus - ähnlich dem Toilettenpapier und der Haarschneidemaschine - keine Mundschutzmasken geben wird, da sich erst die Chinesen für 10 Jahre selbst versorgen werden und Gauner zu Schweinepreisen damit ihre Geschäfte machen wollen.

Dann kam doch alles anders:

Minister Jens Spahn reagierte schnell und beschaffte in einem "Open-House-Verfahren" bis heute für Deutschland mehr als 500 Mio. Schutzmasken (!!!). Dieser grenzenlose Aufkauf des Marktes funktionierte nur mit der Zusage, dass "die Vergütung bargeldlos binnen einer Woche nach Lieferung und Eingang einer Rechnung" erfolge.

Jetzt muss man jedoch feststellen, dass rd. 20% der gelieferten Schutzmasken nicht den Norm-Anforderungen entspricht, es somit einer genaueren Warenprüfung bedarf und es demzufolge zu "Verzögerungen bei der Abarbeitung der Rechnungen" kommt.

Das Ministerium hat sich jetzt kurzerhand entschieden, mangels eigenem Personal "die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young als Dienstleister" ins Boot zu holen, um "die korrekte Vertragsabwicklung, Rechnungsprüfung und bei mangelhafter Lieferung auch die Rückabwicklung von Verträgen in China und Deutschland" zu unterstützen.

Auf Anfrage bezüglich des Honorars antwortete das Ministerium, "das Honorar entspreche den branchenüblichen Sätzen"!

Toll diese Wirtschaftsprüfer! - Die können nicht nur die Prüfung der ordnungsgemäßen Unterbringung von osteuropäischen Schlachthof-Werklöhnern in Schrottimmobilien testieren, sondern auch die Warenprüfung für minderwertige Schutzmasken aus China übernehmen.

Eine Frage hab ich noch:

Wissen Sie eigentlich noch, warum die Mithilfe der Big4 seinerzeit bei der Erfassung der Flüchtlinge 2015/2016 beim BAMF nicht geklappt hatte? - Richtig - weil die Honorarsätze nicht "branchenüblich" waren. - Sie sehen, auch die Politik lernt dazu und lässt sich manchmal von Wirtschaftsprüfern belehren. - Dann ist man doch auch gerne mal wieder Dienstleister!