Wirecard - KPMG als lachender Dritter?

Das Wirecard-Desaster trifft die Reputation des gesamten Berufsstandes. Durch die skandalöse Prüfung von EY wurde viel Vertrauen verspielt.

EY sieht sich einer gewaltigen Klagewelle gegenüber, die den "Shooting-Star der letzten Jahre" unter den Big4 noch jahrelang beschäftigen wird - Ausgang offen!

Zur Zeit herrscht blanker Aktionismus:

  • Bundesjustizministerin Lambrecht (SPD, BMJV) kündigte noch für September 2020 einen "Gesetzesentwurf" an,
  • Finanzminister Olaf Scholz (SPD, BMF) drängt auf Eile, bevor der "Änderungsdruck" nachlässt - er möchte nächstes Jahr Bundeskanzler werden und
  • das BMWi (Peter Altmeier, CDU) sieht die Hauptverantwortung bei der Finanzaufsicht, kündigt jedoch auch schon mal vorsorglich strengere gesetzliche Vorschriften zur Prüferaufsicht an.
  • Das IDW verteilt schon mal fertige Reformpakete (Positionspapiere) und glaubt (immer noch) daran, dass man der einzig relevante Gesprächspartner aus dem Berufsstand sei. Die Lobbyisten laufen sich schon mal die Hacken wund und versuchen, Schlimmeres für das Geschäftsmodell der Big4 zu verhindern.

Die Fondstochter der Deutsche Bank AG (DWS) hat sich bereits - wie auch die Commerzbank AG - gegen EY als künftigen Abschlussprüfer entschieden. Aus gut informierten Kreisen hört man, dass nicht nur das DWS-Mandat, sondern auch das Commerzbank-Prüfungsmandat an KPMG gehen.

So ist dies eben:

Bei nur 4 Branchenplayern im WP-Oligopol ist die Auswahl begrenzt. KPMG, bisher größter Verlierer der gesetzlich festgeschriebenen externen Prüferrotation, ist (momentan) der Lachende Dritte.

Zu hoffen bleibt nur, dass man beim Ringtausch der Mandate unter den Big4 nicht vom Regen in die Traufe kommt.