Wirecard - ein Gedicht

Der jähe Absturz von Wirecard - und wieder mal ein "Supergau" im Finanzkapitalismus.

Bilanzmanipulation, Betrug, WP-Versagen, Strafanzeigen, Schadenersatzklagen, superschlaue Anlegeranwälte mit Statements - und all das im Stundentakt ...

Hierzu, anstatt seitenlanger Abhandlungen und Wiederholungen von Nachrichten-Meldungen, das passende Gedicht - zum schmunzeln:

Die Geschichte ähnlich klingt,
wie neulich noch DAX‘ liebstes Kind.

WIRECARD war groß im Kommen,
wie Apple stylisch, heiß begehrt,

Die Anleger ham‘s gern genommen,
doch ahnte man, es läuft verkehrt.

Meldungen gabs schon seit Jahren,
über manch Geschäftsgebaren,

Whistleblower taten kund,
Journalisten schrieben viel,
und es machte längst die Rund‘,
doch unterblieb, weil es missfiel.

Stattdessen droht man Klage an,
zu unterlassen, weil es Rufmord sei,
Ernst & Young ist gleich dabei,
doch jetzt die BAFIN auch mit dran.

Jetzt fliegt der ganze Skandal auf,
die Schlagzeile geht um die Welt,
es stürzt sich wirklich jeder drauf,
Millionen Anleger geprellt.

1,9 Milliarden sind „verloren“,
es scheint, sie waren nie „geboren".

Das Geld es sei in Asien dort,
doch wo genau an welchem Ort?

Zu treuen Händen gab man hin,
der Herr dort leider nie erschien.

Die Summe der Bilanz nun sei,
zu einem Viertel Augenwischerei.

Der CEO hat Angst bekommen,
nun auch gleich vom Thron geklommen.

Sogleich er sich in Haft begeben,
denn fürchtet ja schon neues Beben,

doch bleibt nicht lang, nur über Nacht,
denn hat ja auch was mitgebracht,

5 Millionen sei der Lohn,
für freien Fuß- man nennt’s Kaution.

Woher hat man denn soviel Geld?
Die Frage sich nun jeder stellt.

Die Antwort ist hier gleich gegeben,
man war aktiv noch VOR dem Beben.

Er hat, so sei ja zugegeben,
die Aktien an fremd gegeben

als sie hatte noch nen Wert,
das sei ja schließlich nicht verkehrt.

Pikant dabei, denn das Papier,
bemisst in Euro, exakt vier,

doch war Verkauf, ein jeder weiß,
zu einem etwas höh’ren Preis.

Das Papier, man wird fast schwach,
im Preis war fast mal fünfzigfach.

WIRECARD, der Niedergang,
meldet Insolvenz nun an.

Der Börsenplatz erschüttert schwer,
„es müssen Konsequenzen her“,

fordern jetzt, von Groß bis Klein,
alle aus verschied’nen Reih’n.

Wie lautet nun, ich frag‘ nochmal,
aus dem Skandal denn die Moral?

Hättet mehr gehört,
auf was euch damals hat gestört.

Ungereimt, so manches war,
doch keiner wollte haben wahr.

Leute tuen Kund‘,
dass es läuft nicht rund.

Natürlich kann man nicht erbringen,
den Beweis bei krummen Dingen,

denn darauf ist der Chef erpicht,
dass Belege gibt es nicht!

Doch Mahner gibt es gar zuhauf,
ihr besser einmal hört auch drauf!

Vielen Dank an den dichtenden Münchner Ex-Kollegen!