Rödl und das Trojanische Pferd

Einige Kollegen/innen, die den neuerlichen Rödl-Skandal mit grossem Interesse verfolgen, stellten die Frage, wie die neue (unabhängige) 3-Bänder-Gesellschaft von der WPK als WPG überhaupt anerkannt werden konnte, da die Mehrheit der Anteile ja nicht in WP-Händen wären.

Hierzu muss man das Berufsregister mal rückwärts aufrollen, um einige merkwürdige Änderungen zu beobachten. wpwatch macht hin und wieder von seinen "Kandidaten" aus dem Berufsregister Screenshots. So geschehen auch am 08.12.2019. Hier erkennen Sie, dass die 3-Bänder-Gesellschaft bei der Anerkennung am 03.12.2019 völlig anders aussah als heute.

Der Leiter der Rödl-Zweigniederlassung in München, Kollege WP/RA Ronald Hager, wurde bei der Gründung der Gesellschaft als Trojanisches Pferd in die Arena geschoben, um der WPK vorzugaukeln, dass schließlich die Mehrheit der Anteile in WP-Händen liegen (§ 28 I WPO). Dies hätte der WPK bereits auffallen müssen, da es bisher noch nie einen familenfremden 40%-Gesellschafter im Hause Rödl gab!?

Dumm nur, dass der Münchner Trojaner-Kollege noch in 2019 (notarielle Urkunde vom 23.12.2019) seine 40%-Anteile allesamt wieder abgeben musste. Zu 26% an Prof. h.c. Rödl, der damit dann wieder 74% der Anteile hatte - 6% weniger als im Sebalder-Konzern. Die restlichen 14% der Anteile mussten an zwei Altgesellschafter und neue Zwerg-Gesellschafter verteilt werden, um Rödl "zukunftsfähig" zu machen. Solche Trojaner nennt man auch "Strohmänner"! Wie sein Täuschungsmanöver berufsrechtlich zu werten ist, wird die Berufsaufsicht sicherlich dem Kollegen alsbald erklären.

Um das Verwirrspiel komplett zu machen, müssen - so dachten sich das die Super-Strategen - noch diverse "Schaufenster-Veranstaltungen" durchgeführt werden. Partnern und Mitarbeitern/innen wurde (per Rund-Email am 09.12.2019) eine interessante "Geschichte" über die Zukunftsfähigkeit von Rödl erzählt. Zur WPK schickte man sogar eine RA-Kollgin mit Schaubildern und Organigrammen, um der Kammer eine (verwirrende) Einführung in die neue Rödl-3-Bänder-Welt zu geben.

Fazit:

  • Der Trojaner-Kollege Hager hat sich als Strohmann mißbrauchen lassen und hat im Rahmen der Antragstellung falsche Angaben gemacht, um die WPK hinters Licht zu führen. Im Antrag muss nämlich angegeben werden, dass man die Anteile nicht "treuhänderisch" (§ 28 IV Nr. 2 WPO) für Andere hält. Außerdem dürfte den Trojaner jetzt ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren erwarten, wo man ihm auch mal "den Puls fühlen sollte"!
  • Die Altgesellschafter Wambach und Bömelburg können jetzt nicht sagen, dass sie dies nicht durchschaut hätten, denn insbesondere sie sind Nutznießer der neuen Konstellation und waren in vollem Umfang involviert..
  • Damit wäre der Traum mit den 74%-Anteilbesitz von Prof.h.c. Rödl (ohne WP-Examen) ausgeträumt, da die Anerkennung der Berufsgesellschaft als WPG  seitens der WPK unverzüglich zurückgenommen bzw. ein Aberkennungs-Verfahren eingeleitet werden muss (§ 34 WPO).

Weitere Details dieses abfälligen berufsrechtlichen und -ethischen Verhaltens der Rödl-Elitetruppe möchte ich Ihnen an dieser Stelle ersparen.

Es gibt Momente, dass man nach 34 Jahren Zugehörigkeit zu diesem elitären und ehrenwerten Berufsstand einfach (mal wieder) traurig ist. Persönlichkeiten sterben aus! Die Welt gehört offensichtlich zunehmend Zockern, Tricksern und Hasadeuren. Man nimmt das Berufsrecht und die Berufskammer nicht mehr ernst!

Also: Dumm gelaufen! - Oder: Gut, dass es wpwatch gibt!

Die WPK hat jetzt viel zu tun! - Und, liebe WPK-Anwälte in Berlin, bitte nicht noch einmal über den Tisch ziehen lassen!