PwC macht sich zur Lachnummer

Die Big4, allen voraun der deutsche Marktführer PwC, klären - unter Anleitung des Lobbyvereins IDW - seit Jahren Politik und Öffentlichkeit darüber auf, dass es bei der Prüfung von Unternehmen auch darum geht, sich über die Wirksamkeit des Compliance-Systems in Kenntnis zu setzen. Wie laufen die Entscheidungsprozesse ab und wie effektiv ist das Interne Kontroillsystem?

Nachdem der Berufsstand seit Monaten wegen dem milliardenschweren Bilanzskandal WIRECARD ins Gerede gekommen ist und enorm an Reputation verloren hat, sollte man annehmen, dass die Big4 selbst bei ihrer Auftragsabwicklung ein Musterbeispiel für ein funktionierendes Compliance-System sind. Dies betrifft insbesondere Fragen des Berufsrechts, also des Selbstprüfungsverbots und der Unabhängigkeit.

PwC prüft seit 2013 bereits den ostwestfälischen Modekonzern Gerry Weber, der erst Anfang vergangenen Jahres ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beendet hat und nun mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen hat. Im Oktober 2020 kehrte der Konzern an den Kapitalmarkt zurück. PwC engagierte sich bei der lukrativen (Finanzierungs)Beratung übermäßig und startete auch voller Elan mit der Jahres- und Konzernabschlussprüfung 2019/2020. Die geprüften Abschlüsse sollten am 30.03.2021 vorliegen.

Jetzt halten Sie sich fest:

PwC informierte am 16.03.2021, also zwei Wochen vor Abgabe der testierten Berichte, den Vorstand darüber, dass

  • "aus Sicht von PwC die Besorgnis der Befangeheit gemäß § 319 II HGB besteht und man die Prüfungen daher nicht durchführen kann!"

PwC hat kurz vor Ende der Prüfung festgestellt, dass man mehr als 70% des Prüfungshonorars als Beratungsleistungen liquidiert hat und deshalb der Ausschließungstatbestand gemäß § 319a I HGB greift. Dies gilt bereits mit Umsetzung des AReG ab 2016. Nachzulesen u.a. im IDW RS HFA 36 der seinerzeit unter Vorsitz von PwC im HFA verabschiedet wurde. Würde PwC hier testieren, so wäre der testierte Jahresabschluss nichtig.

Wie geht es jetzt weiter:

Der Vorstand der Gerry Weber International AG muss bei Gericht jetzt einen Antrag auf Bestellung eines Ersatzprüfers stellen (§ 318 III HGB). PwC wird  sicherlich kein Prüfungshonorar mehr sehen, sondern sich vielmehr mit Schadenersatzansprüchen in Millionenhöhe konfrontiert sehen. Einen neuen Abschlussprüfer wird man auf die Schnelle wohl kaum finden, was bedeutet, dass alle gesetzlichen Fristen (mit allen Konsequenzen) um Monate gerissen werden.

Da die Big4 die Meinungshoheit in der Presse über ihre Berichterstattung haben, werden Sie wohl kaum etwas in den Gazetten hierüber lesen können. Bei genauerer Betrachtung ist dies ein Armutszeugnis der Big4, da hier klar wird, dass das Prüfungsgeschäft nur noch "Türöffnergeschäft" für lukrative Beratungsaufträge ist. Es ist ja wohl ein absoluter Witz, dass der Markführer der Branche erst nach Monaten bei einer Abschlussprüfung merkt, dass er als Abschlussprüfer garnicht mehr tätig werden darf!? 

So macht man sich zur Lachnummer. Man hat sich offensichtlich im Hause PwC schwindelig beraten und hierbei den Überblick verloren! Dass man jetzt dem Aufsichtsrat von Gerry Weber eine (Mit)Schuld in die Schuhe schieben will ist ja wohl eine Frechheit sondergleichen!

Für Kollegen Carsten Schürmann, den Leiter des PwC Büros in Gütersloh und verantwortlichen Wirtschaftsprüfer bei Gerry Weber, heißt es jetzt sicherlich: "Helm ab zum Gebet!" 

Für PwC wird dies hoffentlich ein Fall für die Berufsaufsicht (APAS & WPK) werden. Aber da sich die Big4 ja bekanntlich selbst beaufsichtigen, werden Sie in dieser Sache aus Berlin wohl NICHTS mehr hören.