PwC, Corona und die Tracing-App

Die Corona-Pandemie treibt mittlerweile seltsame Blüten! - Natürlich wollen sich die Big4 auch in vorderster Reihe (honorarträchtig) positionieren und sich als "Alles-Besserwisser" empfehlen.

Virologen und Politiker empfehlen zur weiteren Eindämmung bzw. Vorbereitung auf eine zweite Corona-Welle dringend eine Corona-Tracing-App, um die Übertragungswege und -ketten identifizieren zu können und damit die Verbreitung des Virus gezielter eindämmen zu können. Auch über die datenschutzrechtlichen Belange (Anonymität, Freiwilligkeit, Datenspeicherung etc.) wird heftig diskutiert.

PwC möchte mit dem Software-Unternehmen Salesforce gemeinsam das Tracing-Konzept für eigene Zwecke optimieren und zu einem Komplettpaket namens "Check-In" (Micro-Tracing) ausbauen. Auf der PwC-Website heißt es werbewirksam: "A PwC product"!

PWC hat weltweit rund 275.000 Mitarbeiter – und hat sich (offiziell) gedacht: Wir wollen ein mögliches Infektionsgeschehen im eigenen Unternehmen nachvollziehen können. Wenn ein Mitarbeiter sich infiziert, dann wollen wir wissen, zu welchen Kolleginnen und Kollegen diese Person in den vergangenen Tagen einen nahen Kontakt hatte. Im Grunde genauso wie bei der Tracing-App des Bundes, aber eben auf die Räumlichkeiten des Unternehmens beschränkt. 

Die Hürden, eine solche App in einem Unternehmen einzusetzen, sind deutlich geringer als in der Öffentlichkeit! Mitarbeiter lassen sich zweifellos leichter überzeugen, eine solche App einzusetzen. Aktiviert werden soll sie (offiziell) erst, wenn ein Mitarbeiter das Firmengebäude betritt – egal welches auf der Welt. Dann wird der Abstand zu Kollegen per Bluetooth überwacht und das WLAN des Unternehmens zur Kommunikation genutzt. Bei Verlassen des Büros wird die App (offiziell) wieder deaktiviert. 

Ein weiteres Argument von PwC: Auf diese Weise ließen sich auch wertvolle Erkenntnisse über die "Art der Zusammenarbeit" gewinnen. Wo und in welchen Situationen kommt es dazu, dass Menschen sich im Büro nahe genug kommen, dass ein Infektionsrisiko besteht? Daraus lassen sich Schlüsse ziehen: Eine andere Raumgestaltung könnte die Folge sein. Oder eine Umorganisation des Schichtbetriebs, um einen besseren Schutz zu gewährleisten. 

Noch im Mai soll die App fertig sein! Eigentlich für den internen Einsatz gedacht, stehen Unternehmen und Regierungen aus aller Welt bereits bei PwC Schlange – und wollen die App auch unbedingt haben. PwC will die Lösung auch Dritten in Lizenz anbieten. - Na, schauen Sie doch mal, was Wirtschaftsprüfer alles machen und anbieten dürfen! Alles, was Geld bringt!

Jetzt kommen Sie bitte nicht auf die Idee und schauen in die WPO rein! Seien Sie mal nicht so kleinlich.

Ganz sicher wird es in den nächsten Tagen und Wochen zu Diskussionen kommen, ob diese Form von Micro-Tracing sinnvoll ist – und welche Datenschutzbedenken Personalräte und Datenschützer haben (zumindest bei uns in Deutschland). 

Fazit:

Ja super, dann weiß das Unternehmen ja gleich, wer sich wann mit dem Betriebsrat getroffen hat. Oder, dass ich fünfmal täglich mit welcher netten Mitarbeiterin in der Kaffeeküche "zufällig" zusammentreffe. - Prickelnd oder?

Eine Frage hab ich noch: Wann folgen die anderen Big4?