PwC - alleine drei Milliardenklagen in USA!

Beobachtet man die britische und amerikanische Presse mit ihrer Berichterstattung über die Big4, so könnte man annehmen, dass die deutsche Presse "weich gespült" sei!

Es ist schon die Ausnahme, dass in Deutschland über "Bilanzskandale" und "Fehlleistungen" der Big4 ausführlich berichtet wird. Georg Giersberg (FAZ), Julia Schmitt (finance magazin), Handelsblatt, manager magazin & Co. veröffentlichen vielmehr gerne Interviews mit den CEO der Big4, die lieber über die Gefahren der Cyber-Kriminalität philosophieren und dem Mittelstand "Vollprüfungen" durch ihre Datenanalysten verkaufen wollen.

Es dürfte deswegen in Deutschland kaum bekannt sein, dass die Big4 weltweit mit Milliardenklagen zu kämpfen haben, was im Ernstfall sogar existenzbedrohend werden könnte - allen voran für PwC in den USA.

In den USA kämpft PwC gleich an drei Fronten:

  • Taylor Bean & Whitaker Morgage Corp. (Florida) - 5,5 Mrd. USD

    In diesem Falle wird PwC momentan vom Insolvenzverwalter des ehemals 12.-größten US-Hypothekenverleihers wegen nicht festgestellter Betrügereien in der Finanzmarktkrise auf 5,5 Mrd. USD Schadenersatz verklagt.

  • Colonial and Federal Deposit Insurance Corp. (Alabama) - 1 Mrd. USD

    Ab Februar 2017 wird gegen PwC vor Gericht wegen des Konkurses dieser Gesellschaft im Jahre 2009 verhandelt. Der Insolvenzverwalter verklagt PwC auf 1 Mrd. USD Schadenersatz.

  • MF Global (Manhattan) - 1 Mrd. USD

    Hier geht es um den Bankrott der Broker-Firma MF Global im Oktober 2011 und ebenfalls eine Schadenersatzklage des Insolvenzverwalters in Höhe von 1 Mrd. USD wegen "beruflichem Fehlverhalten und Missbrauch".

Es wird bereits offen über den "worst case" spekuliert, nämlich über den Fall, dass PwC diese Klagen über insgesamt 7,5 Mrd. USD "nicht überleben" sollte.

In Brasilien ist eine weitere Klage gegen PwC anhängig, wo es um milliardenschwere Bestechung und Korruption bei der staatlichen Ölfirma PETROBAS geht. Diese Klage kann auch in den USA noch eingereicht werden. Kläger ist u.a. die Bill Gates Foundation.

Bisher haben die Big4 bei solchen Auseinandersetzungen immer Vergleiche angestrebt, da ein katastrophales Gerichtsurteil für sie existenzbedrohend sein kann. Außerdem möchte man erreichen, dass die Öffentlichkeit von diesen Gerichtsverfahren möglichst nichts mitbekommt. Ebenso möchte man sich die Möglichkeit zur Festsetzung von Zahlungsmodalitäten im Verhandlungswege vorbehalten und die "eigenen Bücher" nicht offenlegen.

Sollte es für PwC einmal "eng" werden, so sind die PwC-Lobbyisten gefordert und dann wird sich die seit Jahrzehnten geübte Kumpanei mit der Politik hoffentlich auch auszahlen.