IDW e.V., WPK und der Suchbegriff "Wirecard"

Es ist schon unglaublich! - Ein milliardenschwerer Bilanzskandal erschüttert den Wirtschaftsstandort Deutschland und deutet auf ein kollektives Versagen der Finanzaufsicht und der Wirtschaftsprüfer hin. Und die interessierte Öffentlichkeit fragt sich, wie sich der Berufsstand zu diesen Vorhaltungen positioniert.

Also gebe ich bei www.idw.de und www.wpk.de der Suchbegriff "Wirecard" ein und bin gespannt, welche Dokumente mir angezeigt werden.

Ergebnis:

  • Der Lobbyverein IDW e.V. kennt den Suchbegriff "Wirecard" überhaupt nicht! - War da vielleicht etwas? - Selbst im exklusiven Mitgliederbereich "Mein IDW" erscheinen keine Ergebnisse bei Eingabe dieses Suchbegriffs. Selbst der "Presseraum" für Journalisten  ist leer. - "Man erwartet dort aber gerne Ihren Anruf."
  • Am Abend des 06.07.2020 versendete das "IDW-Infocenter" ein fünfseitiges Statement zum Falle Wirecard (exklusiv nur) an die Mitglieder des IDW-Vereins. In der Fußnote dieses Dokuments verweist man direkt auf die weltweiten speziellen Copyright-Regeln des IDW: "Die Texte auf den IDW Webseiten unterliegen weltweitem Urheberrecht. Unerlaubte Verwendung, Reproduktion oder Weitergabe einzelner Inhalte oder kompletter Seiten werden sowohl straf- als auch zivilrechtlich verfolgt."
  • Die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) hat (seit vorgestern) immerhin einen Verweis auf eine Pressemitteilung des Kammerpräsidenten vom 07.07.2020.

Jetzt werde ich nachdenklich und frage mich, wie Krisen-Kommunikation des Berufsstands in unserer medialen Welt funktioniert? Welche Inhalte werden den Mitgliedern und der Öffentlichkeit mitgeteilt?

Kammerpräsident Ziegler bringt´s kurz und knapp auf 2 Seiten: "Erst aufarbeiten, dann Maßnahmen diskutieren". Hört sich an wie

  • erst denken, dann reden oder
  • mein Name ist Hase ...oder
  • solange diskutieren und Nebelkerzen werfen, bis es keinen mehr interessiert. Aber bitte erst diskutieren, wenn (in fünf Jahren) alle Fakten auf dem Tisch liegen!? ...

Schwerer tut sich schon der CEO des Lobbyvereins Prof. h.c. Naumann:

Auf 5 Seiten erfahren die Vereinmitglieder (und nur diese):

  • das IDW hat keine Insiderinformationen,
  • der Fall muss erst einmal (wohl jahrelang) analysiert werden,
  • es gab Mängel in der Corporate Governance (Naumann sitzt zufällig in der Regierungskommission),
  • EY hat doch eigentlich den umfassenden weltweiten Betrug erst aufgedeckt!? (wer´s denn glaubt...)
  • die APAS wird - "wenn notwendig" - Fehlverhalten sanktionieren,
  • das IDW hat schon immer eine Ausweitung der Abschlussprüfung um die Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung gefordert.

Klingt doch irgendwie ähnlich - oder?

Frage ist nur, wer hier wem das Statement diktiert hat: Die Kammer (Berufsaufsicht) dem Lobbyverein? - oder - der Lobbyverein IDW der WPK (KdöR). - Wohl eher Letzteres!!!

Und jetzt mal Klartext:

Dies hat mit erforderlicher zeitgemäßer Krisen-Kommunikation und einem verantwortlichen Umgang des Berufsstands mit solch einem "Super-Gau" nichts zu tun. Der Berufsstand trägt wieder einmal - wie in einer Fronleichnahms-Prozession - seine Verschwiegenheit und das Berufssiegel durchs Dorf und ist von sich selbst beeindruckt!

Kammerpräsident und Lobby-Vereins-CEO hätten auch sagen können: Klappe halten, intern aufarbeiten und verschweigen und die Big4 bitte nicht in ihrem ausuferndem milliardenschweren Geschäftsmodell stören oder regulieren.

Der Berufsstand hat damit jedoch seine gesetzliche systemrelevante Rolle in der Wirtschaftsordnung und damit das Recht auf Selbstverwaltung verloren.

Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus!