Freshfields predigt Berufsethik

Noch im Februar 2020 habe ich in der Sonderausgabe der Fachnachrichten+ den Reputationsverlust der Star-Anwaltskanzlei Freshfields ("Freshfields im freien Fall") erläutert. Es geht um deren Mitwirkung am größten Steuerbetrug aller Zeiten (Cum-Ex-Betrügereien). -  Erst die spektakulären Hausdurchsuchungen im Frankfurter Freshfields-Tower, dann die Zahlung an den Insolvenzverwalter der Maple Bank in Höhe von 50 Mio. € (!!!) und letztlich die Verhaftung des Staranwalts und führenden Steuerrechtlers Dr. Ulf Johannemann (48) in seiner Bad Homburger Villa morgens um 6.00 Uhr. - Und dies alles medienwirksam inszeniert. Tiefer können Juristen-Halbgötter eigentlich nicht mehr fallen. 

Die Auseinandersetzung unter den Partnern war vorprogrammiert. Millionen € sind hierbei im Spiel. Wer weiß was von wem? Und wie viele Leichen hat man sonst noch im Keller? - Johannemann flog raus, wartet mit einer Millionen-Abfindung auf seinen Prozess und Freshfields kämpft unter der Häme der Konkurrenz um seine Reputation gegenüber den TOP-DAX-Mandanten und der Politik.

Jetzt hätte man erst einmal Demut, Läuterung und einen Prozess der Selbstbesinnung erwartet.

Jedoch weit gefehlt: Freshfields schaltet demgegenüber in den Kampfmodus um, will von der Vergangenheit nichts mehr wissen und stellt Mitte Mai 2020 unter prominenter Moderation eigene Ethikregeln vor. Da muss man schon zweimal hinschauen. Arrogante und bornierte Star-Anwälte, die zuvor Handlanger gewerbsmäßiger Betrüger waren, wollen - zur Überraschung aller - der Öffentlichkeit Grundsätze und Verhaltensregeln vorstellen.

Hierzu hat Freshfields einen in Ethikfragen ausgewiesenen Fachmann gewinnen können: den ehemaligen Richter am 2. Senat des BVG Prof. Dr. Dr. Udo di Fabio. Dem neuen Ethikkomitee gehören ansonsten aussschließlich Freshfields-Anwälte an:

  • Partnerin Barbara Keil,
  • Kollege Michael Josenhans sowie
  • Christoph von Bülow ("Of Counsel").

RA Helmut Bergmann, geschäftsführender Partner von Freshfields für Europa haut gleich einmal einige Sprüche raus:

  • Das neue Komitee soll uns in schwierigen ethischen Fragen frühzeitig und präventiv beraten
  • Wir zeigen Flagge und bekennen uns zu den Werten unserer anwaltlichen Beratung. 
  • Wir möchten hiermit einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion leisten.

Na, hört sich doch gut an - oder?

Di Fabio meint zu alledem, dass er glaube, dass man es ernst meine bei Freshfields und es sich nicht um eine "Schaufensterveranstaltung" handele.

Dann hoffen wir doch das Beste, lieber Leser!

Pointe am Rande: Wirtschaftsprüfer/innen brauchen in ihrer ehtischen Bibel ("code of ethics") exakt 295 Seiten (!), wohingegen Freshfields und Prof. di Fabio es auf nur fünf Seiten schaffen!

Eine Frage hab ich noch: Worin steckt wohl mehr "heiße Luft" und Heuchelei? - Oder muss Fabio demnächst auch bei EY aufschlagen und wegen Wirecard hauseigene Ethikregeln in Kurzfassung einführen?