EY-Mitarbeiter erhält rd. 11 Mio. USD Schadenersatz

EY , nach der Lünendonk-Liste 2019 die Nr. 2 der Big4 im deutschen Markt, kann auf eine hervorragende Entwicklung in den letzten beiden Jahren zurückblicken. 

Bei genauerer Betrachtung muss man jedoch feststellen, dass es bei EY momentan diverse "Buschfeuer" gibt, über die selbst schöne Selbstdarstellungs-Berichte und gekaufte Rankingergebnisse in den Wirtschafts-Gazetten wie manager magazin, Fokus, brandeins etc. nicht hinwegtäuschen können.

Schlimm und unangenehm wird die Sache für die Big4 immer dann, wenn es um die Reputation und Glaubwürdigkeit der Berufsgesellschaft geht, da gerade hierdurch potentielle Kunden, Mitarbeiter und der qualifizierte Berufsnachwuchs verschreckt werden können.

Über innerbetriebliche Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern / Partnern erfährt man nur selten, da man hier seitens der Big4 immer schnell eine außergerichtliche Einigung sucht und strenge Verschwiegenheit vereinbart wird. In Deutschland sind solche Berichte ohnehin äußerst selten. In GB und den USA erfährt man hingegen schon eher von solchen Auseinandersetzungen und pikanten Details.

Im folgenden Fall geht es um Amjad Rihan, einen jungen britischen Wirtschaftsprüfer und Partner von EY Dubai, der vor wenigen Wochen einen siebenjährigen Kampf gegen seinen früheren Arbeitgeber EY gewann. Die Richter des britschen High Court haben EY zu einer Zahlung in Höhe von 11 Mio.USD verurteilt. Es geht um seine Kündigung, nachdem er bei der Prüfung der Goldhandelsfirma Katoli Jewellery International in Dubai illegale Geschäfte festgestellt hatte, die durch EY systematisch vertuscht wurden. Nach Ansicht der Richter kollaborierte EY mit dem Mandanten, tolerierte illegale Gold-Exporte und unterließ Prüfungsfeststellungen zur Geldwäsche.

Mit allen Mitteln und Tricks versuchte EY bei Gericht den Eindruck zu erwecken, dass der abtrünnige WP-Partner ein "Lügner und Opportunist" sei, was die Richter jedoch letztlich als völlig unbegründet zurückwiesen. Vorsorglich verklagte Amjad Rihan gleich vier unterschiedliche EY-Einheiten des internationales Netzwerks, da er glaubte, dass die Verantwortung von EY nicht auf die EY-Dubai-Einheit beschränkt werden könne; EY sei schließlich ein globales Netzwerk. Alle vier EY-Einheiten zeigten sich vor Gericht uneinsichtig und erklärten sich für diesen Umgang mit dem Ex-Partner jeweils nicht verantwortlich.

Die Richter ließen sich auf keine Diskussion und weiteres "Katz und Maus-Spiel" ein und argumentierten, dass letztlich EY-Global die Verantwortung tragen würde, da die jeweiligen Einheiten  EY-Global "untergeordnet" seien.

EY zeigte sich von dem Urteil "enttäuscht und überrascht". - Na, sowas!?

Dieses Urteil ist insoweit wichtig, als die Big4-Gesellschaften, die weltweit unter einheitlicher Firmierung arbeiten, im Falle von Haftungsfällen und/oder Schadensersatzprozessen künftig nicht mehr sagen können, dass hierfür nur die regionale Einheit verantwortlich war.