Die Rödls können es einfach - oder auch nicht!

Gestern noch hieß es im wpwatch-Newsletter Nr. 87, dass der "Wambach-Bericht" fast fertig sei, es mit den EY-Anwälten noch Zoff über die Veröffentlichung von geheimen Anlagen gäbe und der "Sonderermittler-Bericht" dann für die Öffentlichkeit zugänglich sei.

Ich hatte bereits zuvor Zweifel an der Unabhängigkeit der vier Rödl-Sonderermittler geäußert (Nr. 86, Pkt.2) und meine Verwunderung darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Sonderermittler Zehntausende von (elektronischen) Dokumenten in nur zwei Monaten gesichtet und ausgewertet haben können um festzustellen, dass die Abschlussprüfungen von WIRECARD 2014 - 2019 den "Grundsätzen ordnungsmäßiger Abschlussprüfung" (GoA) entsprechen.

Es ist jedoch noch brisanter:

Aus dem Kreis des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) korrigierte man mich gestern und teile mit, dass Rödl nicht am 03.02., sondern erst am 03.03.2021 auf Vorschlag der CDU/CSU zum "Sonderermittler" gewählt wurde. Dies bedeutet konkret, dass

  • die vier Sonderermittler von Rödel behaupten, in nur vier Wochen Zehntausende Dokumente gesichtet und ausgewertet zu haben,
  • die Einhaltung Dutzender von Prüfungsstandards des Lobbyvereins IDW (IDW PS) bestätigen können und
  • unterlassene Prüfungshandlungen, Auslegungsspielräume bei der Beurteilung von Prüfungsfeststellungen sowie falsche Anweisungen verantwortlicher Prüfer, Qualitätskontrolleure und elektronischer Tools beurteilen konnten.

Und all dies in Zeiten des Homeoffice (Remote Audit), wo das IDW selbst in seinen "fachlichen Hinweisen" davon ausgeht, dass Prüfungshandlung grundsätzlich in Corona-Zeiten länger dauern.

Rödl müsste ebenfalls die Aussagen der EY-Führungsriege (Dr. Christian Orth & Hubert Barth) in den beiden Terminen des PUA ausgewertet haben. Alleine die Auswertung des 166-seitigen stenografischen Protokolls vom 19.03.2021 ist eine besondere Herausforderung, da viele Aussagen - insbesondere vom obersten Qualitätssicherer Dr. Orth - zweifelhaft sind und hätten weiter hinterfragt werden müssen.

Rödl sollte sich der Berufsgrundsätze des Berufsstandes (§§ 43 WPO) besinnen, insbesondere der Gewissenhaftigkeit, Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit.

Wer tatsächlich glaubt, dass diese vier Sonderermittler von Rödl nach nur vier Wochen abschließende Feststellungen zum spektakulärsten milliardenschweren Bilanzskandal der Nachkriegszeit treffen können, glaubt wohl auch an den Osterhasen!