Die Geheimjustiz der APAS

Beginnen wir mit einer Frage:

Was ist aus berufsrechtlicher Sicht der Unterschied zwischen dem P&R-Container-Skandal und dem Wirecard-Skandal? Im Fokus stehen hier einerseits der Kollege Wagner-Gruber, der seit Jahren ein betrügerisches Schneeballsystem seines Mandanten nicht erkannt und testiert haben soll. Auf der anderen Seite soll EY jahrelang Wirecard uneingeschränkt testiert haben, obwohl ein KPMG-Sonderprüfungsbericht aktuell belegt, dass offensichtlich Nachweise in astronomischer Größenordnung (!!!) nicht vorgelegen haben sollen.

Antwort:

Kollege Wagner-Gruber unterliegt mit seinem P&R-Non Pie-Mandat der Berufsaufsicht der WPK (§ 61a I WPO), während EY bezüglich des Pie-Mandates Wirecard gemäß §§ 61a WPO, 66a I WPO der Berufsaufsicht der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterliegt.

Oder anders gesagt: Während die P&R-Akten bei der Vorstandsabteilung Berufsaufsicht (VOBA) der WPK liegen, hat die APAS die Untersuchung mutmaßlicher Verfehlungen von EY bei den Abschlussprüfungen Wirecard bereits an sich gezogen. Die WPK ist damit aus dem Rennen raus. Jedoch gilt auch für den P&R-Skandal, dass die APAS die letztinstanzliche Fachaufsicht des Berufsstandes ist, d.h. auch die WPK bei ihren Ermittlungen und Beurteilungen überwacht oder den Fall an sich ziehen kann..

Nächste Frage: Wie wird es wohl in den beiden Bilanzskandalen weitergehen?

Im Fall P&R berät momentan die VOBA und entscheidet letztlich (unter der Aufsicht der APAS), ob man die Sache dem Berufsgericht (Elzholzstrasse, Berlin) übergibt und ein berufsgerichtliches Verfahren durchführt. Ob ein solches Verfahren eröffnet wird, entscheidet die VOBA mehrheitlich. Hier deren aktuelle Besetzung.

  • WP/RA Dr. Hans-Friedrich Gelhausen – Vorsitzender (Ex-PwC)
  • WP/StB Regina Vieler – stellvertretende Vorsitzende (wp.net) 
  • WP/StB Andreas Dörschell  (FALK, EX Big4)
  • vBP/RA FAfStR Norbert Erich Grochut  (ETL AG)
  • WP/StB Michael Gschrei  (wp.net)
  • WP/StB/RA Dr. Christof Hasenburg  (KPMG)
  • WP/StB Dr. Christian Orth (EY)

Im Fall Wirecard liegt das Verfahren bei der APAS, die ausschließlich Big4-besetzt ist.

Erfahren wir am Ende des Tages vom Ausgang der Verfahren?

WPK und APAS sind gemäß § 69 I WPO verpflichtet, jede berufsaufsichtsrechtliche Maßnahme unverzüglich auf ihrer Internetseite öffentlich bekannt zu machen und dabei auch Informationen zu Art und Charakter des Verstoßes mitzuteilen, wobei die Bekanntmachung jedoch keine personenbezogenen Daten enthalten darf! Die Mitteilungen sollen auf der Website für fünf Jahre veröffentlicht bleiben (§ 69 III WPO). Naming und shaming wie nach dem Geldwäschegesetz (GwG) gibt es hier also nicht!

Glauben Sie tatsächlich, dass die Big4 in der VOBA oder in der APAS in solch medienwirksamen Fällen aufeinander losgehen?

Sie kennen doch die Geschichte mit der einen und der anderen Krähe, oder? Wenn man die Unabhängigkeit der Berufsaufsicht über die Big4 durch die APAS infrage stellen kann, so gilt dies sicherlich auch für die WPK. Der APAS sind alle Fälle jeweils zu melden, so dass man die Verfahren dort ohnehin an sich ziehen könnte.

Man hat den Eindruck einer Geheimjustiz!