Der Berufsstand sei gewarnt

Der Berufsstand sei ausdrücklich gewarnt, jetzt die Nummer mit dem "weltweiten Betrug" weiter zu hypen, um dadurch von seinen prüfungstechnischen - und prüfungsmethodischen - Fehlern abzulenken. Man kann es auch noch so oft in der Presse wiederholen, es wird dadurch nicht wahrer. Jeder "Experte", der etwas vom Wirtschaftlichen Prüfungswesen versteht, weiß (schon jetzt!), dass die bei Wirecard durchgeführten Abschlussprüfungen der Jahre 2015 bis 2018 offensichtlich nicht den gesetzlichen Anforderungen und fachlichen Standards entsprochen haben und die uneingeschränkten Testate so nicht hätten erteilt werden dürfen.

Diese Aussage kann aufgrund der bereits vorliegenden Fakten heute schon - auch öffentlich - geäußert werden.

EY kann sich hier nicht aus der Verantwortung ziehen und die Aufmerksamkeit nur auf eine mediengeile Aufarbeitung spektakulärer Betrügereien, weltweiter Verfolgungsjagden, ominöser Mitwirkung von Geheimdiensten und untergetauchter Treuhänder lenken.

Die Big4 haben in der Vergangenheit zu oft die Verschwiegenheits-Karte gespielt: Wir arbeiten alles verantwortungsvoll auf, dürfen jedoch wegen der berufsmäßigen Verschwiegenheit nicht darüber berichten. Und so wird auch niemand erfahren, was bei uns schiefgelaufen ist und was wir daraus für Lehren gezogen haben. - Diese Nummer glaubt bald keiner mehr!

Fehler einzugestehen bedeutet keinen Gesichtsverlust. Auch nicht für Wirtschaftsprüfer! Sie werden eher glaubwürdiger und müssen die Lehren, die sie aus Fehlverhalten gezogen haben, nur besser kommunizieren.

Wie heißt es doch: Jeder kehre erst einmal vor der eigenen Türe!