Das Markenimperium der Familie Rödl (2)

Nach den kernigen Aussagen von Prof. Christian Rödl im Finance Magazin bleiben doch etliche Fragen offen:

  • Wieso gibt es bei Rödl keinen (geprüften) Konzernabschluss? - Die Terminologie "Mutter- und Tochtergesellschaften" (§§ 290 ff. HGB) sind doch eindeutig ...
  • Wie kann ein Nicht-WP eigentlich (98%iger!) "Mehrheitsgesellschafter" einer "anerkannten Berufsgesellschaft" (WPG) sein? Bitte einmal §§ 28 ff. WPO lesen ....
  • Welches Interesse hat Familie Rödl selbst an überzogenen Umsatzzahlen? Antwort: Rein finanzielle Interessen! ...

Vom "Rechtsanwaltstag" der Rödl-Anwälte am 24./25. März 2017 in Bozen (Schloss Maretsch) liegt wpwatch die dort vorgestellte Rödl-Broschüre:

  • "Weltweit engagiert" - Die Marke "Rödl & Partner".

vor. Man höre und staune: Es geht um die "Marke Rödl & Partner"!

Eine Recherche des Deutschen Marken- und Patentregisters (https://www.dpma.de/marken/markenrecherche/index.html) fördert dann auch Erstaunliches zu Tage:

  • Vater Bernd Rödl ließ bereits für sich persönlich (!) in 2001 die Marken "Rödl e-novation" und "Rödl & Partner FITTNESS" als Wort- bzw. Individualmarke eintragen.
  • Im Jahr 2000 wurden für die "Rödl Equity Partner Beteiligungs GmbH & Co. KG" die Marken "Rödl & Partner" deutschland- und weltweit sowie "Roedl & Partner" deutschlandweit am Firmensitz (!) als Wortmarke eingetragen.
  • Sohnemann Prof. Rödl zog dann 2006, 2007 und 2014 nach und ließ für sich privat (!) die Wortmarken "Rödl" deutschland- und weltweit sowie "Roedl" deutschlandweit eintragen und schützen.

Insgesamt also acht eingetragene und geschützte Marken für drei Rechteinhaber. Sechs der 8 Marken gehören damit Mitgliedern der Familie Rödl persönlich.

Seit Anfang des Jahrhunderts verwertet Familie Rödl damit das "geistige Eigentum an der Idee und operativen Umsetzung des Geschäftsmodells" im Rahmen eines Markenlizenzmodells. Von jeder neuen Niederlassung im Ausland profitierte somit die Familie Rödl persönlich als Markenrechtsinhaber.

Damit dürfte das finanzielle Interesse von Familie Rödl an überzogenen Umsatzzahlen auf der Hand liegen. Dies bezeichnet man in der Spieltheorie als "opportunistisches Verhalten": Man kooperiert geschäftlich vor dem Hintergrund leerer Leistungsversprechen.

Es besteht also auf Seiten der Familie Rödl ein großes Interesse an gezauberter Größe, überhöhten Umsatzzahlen und sonstiger Effekthascherei zur Darstellung einer glänzenden Markenfassade, denn dies beeinflusst die Wahrnehmung potentieller Mandanten positiv.

Rödl & Partner gibt sich dabei gerne als "Familienunternehmen": Prof. Rödl ist nach eigenen Aussagen für die Mitarbeiter "jederzeit ansprechbar". Thorsten Widow ist als "Vertrauter der Familie" und "Markenverantwortlicher" dafür zuständig, dass den Mitarbeitern immer wieder die Propaganda der Rödl-Markenwelt überzeugend vorgepredigt wird.