Big4 - die Angstmacher!

In regelmäßigen Abständen lassen die Big4 "schreckliche Nachrichten" auf ihren Internetportalen und über die Presse verbreiten. Es geht um Wirtschaftskriminalität, Cyberkriminalität und weitere "schreckliche Dinge" bei (potentiellen) Mandanten.

Die Leser, wünschenswerterweise Entscheidungsträger und Kontrollorgane der mittelständischen Wirtschaft, werden regelmäßig in Angst und Schrecken versetzt und sollten jetzt doch endlich bei den Big4 anrufen und ein compliance-Beratungsdmandat beauftragen!

Nachdem PwC bereits die Öffentlichkeit im März mit einem neuen grafisch hochwertigen Bericht zur "Wirtschaftskriminalität 2016" schockte, war nun KPMG an der Reihe.

Im Grandhotel "Hessischer Hof", gegenüber der Frankfurter Messe, präsentierte Alexander Geschonneck, Partner bei KPMG und Leiter des Bereichs Forensic, die Ergebnisse einer "Studie", wo man gemeinsam mit Emnid aktuell Entscheidungsträger in 500 Unternehmen in Deutschland befragte.

Geschonneck redete sich bei der Präsentation gleich in Rage, summierte Schadenssummen von "über 100 Mrd. €" in der Wirtschaft und sprach von "deutliche Steigerungen" bei den einzelnen Deliktarten.

Dumm nur, dass bei seiner Präsentation die Vorjahreszahlen gleich daneben in Klammern erschienen und ein völlig anderes Bild der Entwicklung zeigten. Einzelne Deliktarten wie Betrug, Untreue und Diebstahl waren demnach gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen. Datendiebstahl nahm um mehr als 50% gegenüber dem Vorjahr ab!

Nach einigen kritischen Fragen aus dem Auditorium  musste man schließlich zugeben, dass die "Erhebungsgesamtheit wohl doch nicht repräsentativ" ist und man bei KPMG in der Praxis doch andere Erfahrungen gemacht habe!?

In der Presse hieß es bereits am nächsten Tag: "Wirtschaftsprüfer rechnen abenteuerlich" und verbreiten "zweifelhafte Studien"! Für kritische Leser bedeutete dies, dass KPMG die Zahlen so interpretiert und "rechnet", dass der gewünschte Effekt auch erreicht wird.

Als langjähriger Beobachter dieser "Angst-Rituale der Big4" kann ich nur konstatieren, dass sich diese Angstmache regelmäßig jährlich wiederholt und offensichtlich (durchsichtigen) "Erfolg" zeigt.

Die merkwürdige und durchsichtige Interpretation solch sensibler Daten durch die Big4 ist verantwortungslos, kann letztlich auch Vertrauen zerstören und eine hemmungslose Akquise entlarven!