Awado - ein neuer Stern am Prüferhimmel

Für die TOP 25 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind lt. LÜNENDONK die Plätze in der Regel vergeben. Die Big4 tauschen nach wilden Aufholjagden schon mal die Plätze. Die nachfolgenden Player versuchen es mit Netzwerken, Übernahmen oder sind von dem Virus der Fusionitis befallen. - "Größe" bedeutet schließlich - so nimmt man an - Anerkennung und Marktmacht.

Bei genauerer Betrachtung muss man jedoch zunächst erkennen, dass es eine Zweiteilung im WP-Markt gibt - der öffentliche WP-Markt und der abgeschottete Markt der genossenschaftlichen Prüfungsverbände. Seit den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts müssen genossenschaftlich organisierte Unternehmen einem "genossenschaftlichen Prüfungsverband" anzugehören.

Einer der größten Pflichtverbände ist hierbei der Genossenschaftsverband - Verband der Regionen e.V., Neu-Isenburg bei Frankfurt. Er prüft einen milliardenschweren Pharma-Großhändler ebenso wie Banken. Der Verband macht ca. 170 Mio. € Umsatz im konkurrenzlosen Geschäft der Prüfung von Genossenschaften, erwirtschaftet jedoch über seine Prüfungsgesellschaft Awado weitere 30 Mio. € mit Drittmandaten außerhalb des genossenschaftlichen Bereichs.

Und jetzt kommt der Knaller:

Der Genossenschaftsverband möchte jetzt mit Awado in den Angriffsmodus übergehen und dort den Umsatz auf 100 Mio. € mehr als verdreifachen. Damit wäre man insgesamt mit ca. 400 Mio. € unter den TOP 10 der Branche - etwa auf Augenhöhe von BDO, Rödl und Ebner Stolz. Die momentan noch fehlende fachliche Expertise im Industriebereich will man nach Aussage des Verbands-CEO, Kollegen Ingmar Rega (Ex-KPMG-Bereichsvorstand) gezielt angehen. Wegen des fehlendes Auslandsnetzes hat man mit Warth & Klein eine Kooperation geschlossen, die den Zugang zum internationalen Netzwerk Grant Thornton eröffnet. Gleichzeitig denkt man auch über Übernahmen in der Branche nach - zuletzt geschehen mit HANSA Treuhand in Rostock.

Also, es scheint erneut Bewegung in den WP-Markt zu kommen!

Mein Tipp:

Die Anwälte der WPK sollten schleunigst einmal prüfen, ob dieses neue Geschäftsmodell des Genossenschaftsverbandes mit dem "Genossenschafts-Privileg" vereinbar ist und welche ordnungspolitischen Folgen dies für den WP-Markt haben wird. Kann man unter dem Deckmantel einer Genossenschafts-WPG allgemeine Prüfungsmandate bearbeiten? Kann man sich an WPGs im öffentlichen Markt beteiligen? - Oder ist dies vieleicht ein Mißbrauch des Genossenschaftsprivilegs?

Eins bleibt festzustellen: Die Zahl der Super-Strategen im Berufsstand scheint ebenso zuzunehmen wie die Angriffe auf unser Berufsrecht. Wehret den Anfängen!

Die Kammer ist gefordert!