Aktuelles

29.06.2020
Wirecard - ein Gedicht

Der jähe Absturz von Wirecard - und wieder mal ein "Supergau" im Finanzkapitalismus.

Bilanzmanipulation, Betrug, WP-Versagen, Strafanzeigen, Schadenersatzklagen, superschlaue Anlegeranwälte mit Statements - und all das im Stundentakt ...

Hierzu, anstatt seitenlanger Abhandlungen und Wiederholungen von Nachrichten-Meldungen, das passende Gedicht - zum schmunzeln:

Die Geschichte ähnlich klingt,
wie neulich noch DAX‘ liebstes Kind.

WIRECARD war groß im Kommen,
wie Apple stylisch, heiß begehrt,

Die Anleger ham‘s gern genommen,
doch ahnte man, es läuft verkehrt.

Meldungen gabs schon seit Jahren,
über manch Geschäftsgebaren,

Whistleblower taten kund,
Journalisten schrieben viel,
und es machte längst die Rund‘,
doch unterblieb, weil es missfiel.

Stattdessen droht man Klage an,
zu unterlassen, weil es Rufmord sei,
Ernst & Young ist gleich dabei,
doch jetzt die BAFIN auch mit dran.

Jetzt fliegt der ganze Skandal auf,
die Schlagzeile geht um die Welt,
es stürzt sich wirklich jeder drauf,
Millionen Anleger geprellt.

1,9 Milliarden sind „verloren“,
es scheint, sie waren nie „geboren".

Das Geld es sei in Asien dort,
doch wo genau an welchem Ort?

Zu treuen Händen gab man hin,
der Herr dort leider nie erschien.

Die Summe der Bilanz nun sei,
zu einem Viertel Augenwischerei.

Der CEO hat Angst bekommen,
nun auch gleich vom Thron geklommen.

Sogleich er sich in Haft begeben,
denn fürchtet ja schon neues Beben,

doch bleibt nicht lang, nur über Nacht,
denn hat ja auch was mitgebracht,

5 Millionen sei der Lohn,
für freien Fuß- man nennt’s Kaution.

Woher hat man denn soviel Geld?
Die Frage sich nun jeder stellt.

Die Antwort ist hier gleich gegeben,
man war aktiv noch VOR dem Beben.

Er hat, so sei ja zugegeben,
die Aktien an fremd gegeben

als sie hatte noch nen Wert,
das sei ja schließlich nicht verkehrt.

Pikant dabei, denn das Papier,
bemisst in Euro, exakt vier,

doch war Verkauf, ein jeder weiß,
zu einem etwas höh’ren Preis.

Das Papier, man wird fast schwach,
im Preis war fast mal fünfzigfach.

WIRECARD, der Niedergang,
meldet Insolvenz nun an.

Der Börsenplatz erschüttert schwer,
„es müssen Konsequenzen her“,

fordern jetzt, von Groß bis Klein,
alle aus verschied’nen Reih’n.

Wie lautet nun, ich frag‘ nochmal,
aus dem Skandal denn die Moral?

Hättet mehr gehört,
auf was euch damals hat gestört.

Ungereimt, so manches war,
doch keiner wollte haben wahr.

Leute tuen Kund‘,
dass es läuft nicht rund.

Natürlich kann man nicht erbringen,
den Beweis bei krummen Dingen,

denn darauf ist der Chef erpicht,
dass Belege gibt es nicht!

Doch Mahner gibt es gar zuhauf,
ihr besser einmal hört auch drauf!

Vielen Dank an den dichtenden Münchner Ex-Kollegen!

29.06.2020
Wirecard - auch die deutsche Bilanzpolizei hat versagt

Seit dem Jahr 2005 ist die Deutsche Bilanzpolizei (DPR e.V.) für die Durchsetzung von Rechnungslegungsnormen in Deutschland zuständig. Dabei bildet sie - neben Abschussprüfer und Aufsichtsrat - die dritte Säule des Enforcements.

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der DPR fand am 03. Juli 2015 ein Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin statt, an dem rund 180 geladene Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung teilnahmen. Dies konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bereits  erhebliche Zweifel an der Kompetenz und Effizienz der DPR, einem privatwirtschaftlichen Verein, laut wurden. WPwatch hatte bereits 2014 den "Club der Ü-60-Egomanen" durchleutet und erhebliche Zweifel an dessen Unabhängigkeit geäußert. Die Reputation des Vereins war massiv beschädigt, so dass renomierte Mitglieder umgehend zurücktraten. 

Doch nun zum Wirecard-Skandal:

Als eine der ersten Konsequenzen aus dem medienwirksamen Bilanzskandal kündigt die Bundesregierung den Vertrag mit der "Bilanzpolizei" zum nächstmöglichen Termin (31.12.2021)!

Spätestens bis dahin müssen die Ministerien eine neue Kontrollstruktur gefunden haben.

Das Fass zum Überlaufen brachte offensichtlich die Tatsache, dass die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) bereits im Februar 2019 der DPR eindeutige Hinweise auf "Ungereimtheiten" in der Halbjahresbilanz von Wirecard gab und man dort mit lediglich einem subalternen Mitarbeiter 16 Monate ohne Ergebnis und Zwischenbericht herumwurschtelte. Zur Personalstärke der Bilanzpolizei heißt es noch heute auf der Website des Vereins: "Die Anzahl der Planstellen für die Mitglieder der Prüfstelle beträgt derzeit 15, wobei der Stellenplan nicht vollständig ausgeschöpft wird." - Ein Witz!

Schön, dass zwischenzeitlich der skandalöse Präsident der DPR (Prof. h.c. Edgar Ernst) seine sechsstelligen Aufsichtsratshonorare bei diversen DAX-Unternehmen kassieren konnte. - Ein Treppenwitz!!! Ebenso scheint es ja auch unauffällig gewesen zu sein, dass sich Dr. h.c.  Wolfgang Spindler, Ex-BFH-Präsident und Ex-APAK-Vorsitzender, in diesem erlauchten Bilanzpolizei-Gremium jahrelang bewegte und auch heute wieder mit klugen Vorschlägen zu Wort meldete.

Der Fisch stinkt eben immer vom Kopf her!

15.06.2020
EY - Wirecard und die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers

In diesen Tagen erleben wir wieder ein Musterbeispiel für die "systemrelevante Funktion des Wirtschaftsprüfers in der Wirtschaftsordnung" und seine allumfängliche Unabhängigkeit (§§ 43 I, 17 WPO).

Es muss vorangestellt werden, dass wir uns bei Wirecard AG (noch) in einem laufenden Prüfungsprozess befinden (§§ 316 ff. HGB), d.h. der von der HV gewählte Abschlussprüfer EY seinen Vertrag durch Vorlage des Prüfungsberichts (§ 321 HGB) und Bestätigungsvermerks (§ 322 HGB) bisher noch nicht erfüllt hat. Wie das "Gesamturteil" (auch genannt: Testat) und die EY-Berichterstattung im Prüfungsbericht (§ 321 HGB) letztlich ausfallen werden, ist bisher nicht bekannt.

All dies steht noch aus und wurde nach unerträglichem medialem Gezerre nun für den 18. Juni 2020 angekündigt.

Auf der einen Seite steht der windige Gründer, Hasardeur und Möchte-Gern-Milliardär Markus Braun, der es mit GoB (§ 238 f. HGB), Compliance, Nachweis- und Vorlagepflichten (§ 320 HGB) sowie angemessener Unternehmenskommunikation nicht so erst nimmt, und sein zukunftsweisendes Geschäftsmodell der Zahlungsabwicklung gegen beinharte internationale Konkurrenz durchsetzen möchte. 

Andererseits gibt es die gehetzten Wirtschaftsprüfer von EY, die seit 10 Jahren Wirecard uneingeschränkt testiert haben und deren Testate der Vorjahre durch eine Sonderprüfung der KPMG erheblich in Zweifel zu ziehen sind. Kapitalanleger-Anwälte verklagen bereits EY auf Schadensersatz und schreiben ein "Wünsch-Dir-Was-Ergebnis" der 2019´er Jahresabschlussprüfung in die Wolken. Zocker, Traumtänzer, Täuscher, Blender und "Experten" geben sich im Hintergrund ungehindert ein Stelldichein.

Damit sind vordergründig zunächst die Rollen verteilt! 

Es ist aber tatsächlich noch komplizierter:

  • Vorstände von Wirecard geben der Presse schon einmal Interviews, in denen sie erklären, dass EY jetzt "extrem hart prüfen" würde. Gleichwohl erwarte man alsbald ein "uneingeschränktes Testat." Mit solch unüberlegten Äußerungen handelt man sich prompt eine Strafanzeige der BaFin wegen möglicher Marktmanipulation ein. Die Razzia der Staatsanwaltschaft München I folgt auf dem Fuß.
  • EY andererseits weiß, dass dies die letzte Abschlussprüfung für Wirecard sein wird, da der Aufsichtsrat bereits auf der Suche nach einem Folgeprüfer ist. Also geht es um einen "eleganten Absprung" ohne allzugroßen Reputationsverlust und berufsaufsichtsrechtliche Konsequenzen. Als Pointe am Rande sei angemerkt, dass EY erst im letzten Jahr die Neu-Ausschreibung des Wirecard-Mandats (wieder) gewonnen hatte und die 2019´iger Abschlussprüfung der Beginn einer neuen 10-Jahres-Serie sein sollte.

Der schier unerträgliche "Fall Wirecard" muss für den Berufsstand und die Politik Anlass sein, über grundlegende Fragen nachzudenken:

  • 10 Jahre lang zelebrierter "Qualitätskontroll-Wahnsinn" und Selbstbeschäftigung im Berufsstand mit derart desaströsen Prüfungsmängeln in Vorjahren zeigt, dass es bei den Big4 nicht weit her ist mit "interner Qualitätssicherung" und Nachschau-Prüfung.
  • Die systemrelevante Rolle von Wirtschaftsprüfern muss vom Gesetzgeber neu definiert werden und
  • die (finanzielle) Unabhängigkeit des Berufsstands muss endlich umgesetzt werden. Abschlussprüfung ist weder eine "austauschbare Dienstleistung", noch "Prostitution auf hohem Niveau"!

05.06.2020
Rödl und der nächste Peer Review

Aus dem Transparenzbericht 2019, S.15, der Rödl & Partner GmbH geht hervor, dass der nächste Peer Review im Hause Rödl bis zum 17. November 2020 durchgeführt sein muss. Die externe Qualitätskontrolle gemäß § 55b WPO unterliegt der Aufsicht der WPK und wird auch durch die entsprechenden Gremien der Qualitätskontrollkommission (QKK) und den Inspektoren der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) gerne begleitet. Die letztinstanzliche Fachaufsicht liegt im Falle Rödl ohnehin bei der APAS. 

Bei der ganzen Trickserei im Hause Rödl um die Anerkennung als WPG dürfen sich für den (sicherlich schon auserkorenen) externen Qualitätskontrollprüfer ebenso wie für die Inspektoren der APAS interessante Fragestellungen ergeben. Bei dem Thema WPG-Anerkennung handelt es sich doch sicherlich auch um ein "bedeutsames Prüfungsrisiko", welches vor Beginn des reviews unter den Beteiligten zu klären wäre.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch folgende Feststellung:

Rödl läßt seinen Einzel- und Konzernabschluss seit Jahren von Frau Kollegin Ingeborg Balogh (BALOGH Revisions- und Treuhand GmbH, Nürnberg) testieren. Das Honorar für den Einzelabschluss beträgt nur 23,5 T€. Für den Konzernabschluss der Sebalder Treuhand GmbH zahlt Rödl der Kollegin immerhin 48 T€. Vergleichbar wäre dies etwa mit der Prüfung der BDO, wo der Kollege Rainer Inzelmann, Hamburg, immerhin mit 111 T€ plus 134 T€ ein mehr als dreifaches Honorar kassiert. - Merkwürdig!?

Dann wünschen wir den Berufsaufsehern der WPK, den Mitgliedern der QKK und der APAS schon mal viel Spaß bei ihren berufsrechtlichen Aufgaben und der Auswertung des Berichtes des "unabhängigen Reviewers".

02.06.2020
Rödl: Was geschah mit WP-Kollegen Wolfgang Kraus?

Um die neue "Wünsch-Dir-Was-WP-Welt" von Rödl zu verstehen, muss noch die Frage geklärt werden, was aus dem mächtigen 10%-igen Altgesellschafter im Sebalder-Konzern WP/StB Wolfgang Kraus (Unternehmens- und IT-Beratungs-Spezialist) geworden ist. Er ist heute noch in vier der fünf operativen Rödl-Gesellschaften als Geschäftsführer eingetragen, wurde auch noch am 03.12.2019 mit 6% Gesellschafter der neuen Rödl-3-Bänder-Gesellschaft, hat diese jedoch zwischenzeitlich veräußert bzw. übertragen (müssen).

Die Lösung ist relativ einfach:

Nach einer Presseerklärung aus dem Hause Rödl vom 05.12.2019 wurde Kollege Wolfgang Kraus "nach 37-jähriger äußerst erfolgreicher Tätigkeit bei Rödl & Partner" zum Jahresende 2019 in den Ruhestand verabschiedet.

Wie dreist!: Nur zwei Tage früher läßt Kollege Kraus sich zum 6 %igen-Gesellschafter und auch zum Geschäftsführer in diesem Schmierentheater küren und 48 Stunden später teilt Rödel der Presse mit, dass der Kollege alsbald im Ruhestand ist! - Auch Kollege Kraus sollte berufsrechtlich jetzt noch für diese niederträchtige Täuschung der WPK attakiert werden. Vieleicht wurde er von Rödel für diesen "genialen Schachzug" nicht nur über den grünen Klee gelobt!?

Damit war aber dann der Weg frei, dass man die Gesellschaftsverhältnisse in allen operativen Rödl-Gesellschaften gleichziehen konnte.

Wie macht man das? - Man nehme die 10%-Anteile des Kollegen Kraus, gebe noch 6% von Prof. h.c. Rödl dazu und verteile diese 16% jeweils an die neuen 15 Alt- bzw. Mini-Gesellschafter.

Ergebnis?: Alle Gesellschaften haben jetzt exakt die gleichen Gesellschaftsverhältnisse (!) und können demnächst auf die 3-Bänder-Gesellschaft verschmolzen werden. - Frei nach dem Motto: Wir treten das Berufsrecht mit Füßen!

Was stört Sie daran? - Ach so, dass der Kollege Kraus seit fünf Monaten im Winterschlaf ist und vergessen hatte, all dies "unverzüglich" der WPK zu melden (§ 30 WPO). Und dass er sich am Ende seiner aktiven WP-Tage für dieses perfide "Spiel" hergab. - Jetzt bleiben Sie doch mal locker! - Er genießt doch ab dem 01.01.2020 erst einmal seinen Ruhestand. Alles andere muss warten!

Unter uns: Er hat den Brief an die WPK am 03.04.2020 abgeschickt, der jedoch bis heute wegen Überarbeitung der WPK noch nicht bearbeitet werden konnte!

Nein! - anders: Die Strategen von Rödl mußten die Angelegenheit so lange wie möglich in die Länge ziehen, damit es für die WPK immer schwieriger wird, das Puzzle am Ende des Tages überhaupt noch zusammenlegen zu können. 

Wir fassen zusammen:

  • Prof. h.c. Rödl denkt im Traum nicht daran, das WP-Examen abzulegen oder nennenswerte Anteile an WP-Kollegen der Rödl-Gruppe abzugeben, sondern trickst mit seinen Strategen so lange, bis er wohl selber nicht mehr durchblickt.
  • Vielmehr nutzt man die von der WPK gewährte 5-Jahres-Frist (§ 34 I Nr.2 WPO) dazu, ein perfides Schauspiel mit der WPK (und damit mit dem gesamten Berufsstand) vorzubereiten, welches ab dem 03.12.2019 live gezeigt wurde.
  • Hierzu braucht man mitspielende Mitwisser (WP/StB Peter Bömenburg und WP/StB Martin Wambach), Strohmänner (WP/StB Ronald Hager) und Schlafmützen-Helfershelfer (WP/StB Wolfgang Kraus), denen ihr Berufsrecht egal ist, und die annehmen, dass sie von dieser WPK (KdöR) NICHTS zu befürchten haben.

Fazit:

All dies zeigt, dass die WPK nicht ernst genommen wird, als zahnloser Tiger gilt und Superstrategen á la Rödl heute schon wissen, dass sie mit 100%-iger Sicherheit davonkommen werden!

Dann lassen wir doch gleich die Sache mit der Selbstverwaltung!

Ich bin traurig!

29.05.2020
Rödl und das Trojanische Pferd

Einige Kollegen/innen, die den neuerlichen Rödl-Skandal mit grossem Interesse verfolgen, stellten die Frage, wie die neue (unabhängige) 3-Bänder-Gesellschaft von der WPK als WPG überhaupt anerkannt werden konnte, da die Mehrheit der Anteile ja nicht in WP-Händen wären.

Hierzu muss man das Berufsregister mal rückwärts aufrollen, um einige merkwürdige Änderungen zu beobachten. wpwatch macht hin und wieder von seinen "Kandidaten" aus dem Berufsregister Screenshots. So geschehen auch am 08.12.2019. Hier erkennen Sie, dass die 3-Bänder-Gesellschaft bei der Anerkennung am 03.12.2019 völlig anders aussah als heute.

Der Leiter der Rödl-Zweigniederlassung in München, Kollege WP/RA Ronald Hager, wurde bei der Gründung der Gesellschaft als Trojanisches Pferd in die Arena geschoben, um der WPK vorzugaukeln, dass schließlich die Mehrheit der Anteile in WP-Händen liegen (§ 28 I WPO). Dies hätte der WPK bereits auffallen müssen, da es bisher noch nie einen familenfremden 40%-Gesellschafter im Hause Rödl gab!?

Dumm nur, dass der Münchner Trojaner-Kollege noch in 2019 (notarielle Urkunde vom 23.12.2019) seine 40%-Anteile allesamt wieder abgeben musste. Zu 26% an Prof. h.c. Rödl, der damit dann wieder 74% der Anteile hatte - 6% weniger als im Sebalder-Konzern. Die restlichen 14% der Anteile mussten an zwei Altgesellschafter und neue Zwerg-Gesellschafter verteilt werden, um Rödl "zukunftsfähig" zu machen. Solche Trojaner nennt man auch "Strohmänner"! Wie sein Täuschungsmanöver berufsrechtlich zu werten ist, wird die Berufsaufsicht sicherlich dem Kollegen alsbald erklären.

Um das Verwirrspiel komplett zu machen, müssen - so dachten sich das die Super-Strategen - noch diverse "Schaufenster-Veranstaltungen" durchgeführt werden. Partnern und Mitarbeitern/innen wurde (per Rund-Email am 09.12.2019) eine interessante "Geschichte" über die Zukunftsfähigkeit von Rödl erzählt. Zur WPK schickte man sogar eine RA-Kollgin mit Schaubildern und Organigrammen, um der Kammer eine (verwirrende) Einführung in die neue Rödl-3-Bänder-Welt zu geben.

Fazit:

  • Der Trojaner-Kollege Hager hat sich als Strohmann mißbrauchen lassen und hat im Rahmen der Antragstellung falsche Angaben gemacht, um die WPK hinters Licht zu führen. Im Antrag muss nämlich angegeben werden, dass man die Anteile nicht "treuhänderisch" (§ 28 IV Nr. 2 WPO) für Andere hält. Außerdem dürfte den Trojaner jetzt ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren erwarten, wo man ihm auch mal "den Puls fühlen sollte"!
  • Die Altgesellschafter Wambach und Bömelburg können jetzt nicht sagen, dass sie dies nicht durchschaut hätten, denn insbesondere sie sind Nutznießer der neuen Konstellation und waren in vollem Umfang involviert..
  • Damit wäre der Traum mit den 74%-Anteilbesitz von Prof.h.c. Rödl (ohne WP-Examen) ausgeträumt, da die Anerkennung der Berufsgesellschaft als WPG  seitens der WPK unverzüglich zurückgenommen bzw. ein Aberkennungs-Verfahren eingeleitet werden muss (§ 34 WPO).

Weitere Details dieses abfälligen berufsrechtlichen und -ethischen Verhaltens der Rödl-Elitetruppe möchte ich Ihnen an dieser Stelle ersparen.

Es gibt Momente, dass man nach 34 Jahren Zugehörigkeit zu diesem elitären und ehrenwerten Berufsstand einfach (mal wieder) traurig ist. Persönlichkeiten sterben aus! Die Welt gehört offensichtlich zunehmend Zockern, Tricksern und Hasadeuren. Man nimmt das Berufsrecht und die Berufskammer nicht mehr ernst!

Also: Dumm gelaufen! - Oder: Gut, dass es wpwatch gibt!

Die WPK hat jetzt viel zu tun! - Und, liebe WPK-Anwälte in Berlin, bitte nicht noch einmal über den Tisch ziehen lassen!

28.05.2020
VW's Demütigung durch den BGH

Es war einmal

  • ein deutscher Vorzeige-Konzern erster Güte,
  • Milliardärsfamilien Piech und Porsche mit jährlichen Milliardengewinnen Richtung Österreich und
  • Landesbeteiligung Niedersachsen mit unverschämter Lobbyarbeit (VDA) ohne Ende.

Vorgestern urteilte das höchste deutsche Gericht (BGH,  Az. VI ZR 252/19) über den millionenfachen Betrug der Trickser- und Täuscherelite aus Wolfsburg:

  • Das Verhalten des Konzerns war objektiv sittenwidrig!,
  • Das Kraftfahrt-Bundesamt wurde bewusst und gewollt systematisch und langjährig getäuscht - zur Gewinnmaximierung.
  • Gegenüber den Käufern war dies besonders verwerflich und mit der Sitten- und Rechtsordnung nicht zu vereinbaren.

Na, dann erst mal Glückwünsche an die Trickser und Betrüger von Wolfsburg! So ein Urteil muss man sich erst einmal "verdienen".

In den Knast muss wohl keiner der Verantwortlichen. Dazu hat man ja letzte Woche neun Millionen in den Ring geworfen ("Deal"). Aus den weltweiten Schadensersatz-Zahlungen von 30 Mrd. € werden jetzt wohl eher 40 Mrd. € - aber Geld ist ja genug da.

Ach so: Die Sozialisierung des Schadens fehlt noch! - Also verlangt der VDA hohe Kaufprämien für Neukäufe, Milliarden-Zuschüsse für die E-Mobilität und KfW-Kredite.

Sie fragen, wo die Wirtschaftsprüfer jetzt vorkommen? -

  • die werden demnächst wieder - mit niedrigstem cw-Wert - durch die Vorstandsetagen fliegen und möglichst keine kritischen Fragen stellen und
  • um millionenschwere Beratungsmandate und Sonderaufträge buhlen.

Was die Wirtschaftsprüfer von PwC wann wussten, wird ja das forensische Gutachten von Prof. h.c. Zwirner abschließend klären.

Das nennt man Unabhängigkeit, Gewissenhaftigkeit und Eigenverantwortlichkeit! - Seien Sie doch einfach "Sparingspartner" der Verantwortlichen.

Oder lebe ich in einer alten Welt?

27.05.2020
EY und Wirecard - Wirtschaftsprüfer werden zum Spielball!

"Wirtschaftsprüfung" im medialen Zocker-Zeitalter! - Hierzu erleben wir seit Wochen ein schockierendes Beispiel, das sprachlos macht - WIRECARD! Diese Angelegenheit mutiert langsam zur Witzveranstaltung anstatt zu einer qualifiziert durchgeführten Abschlussprüfung - unabhängig, gewissenhaft, eigenverantwortlich ... (§§ 43 I, 17 WPO).

Wirtschaftsprüfung heißt heutzutage offensichtlich, dass wir uns zum Spielball für Hasadeure, Leerverkäufer, mediale Blender und haftungsrechtliche Fallensteller machen. Gleichzeitig wird unendlicher Druck aufgebaut und den Wirtschaftsprüfern ihr Stellenwert im Finanzkapitalismus als "austauschbare Dienstleistung" von den Jongleuren deutlich vor Augen geführt.

Ich finde dies unerträglich! Insbesondere auch, dass das IDW, die WPK und insbesondere die Politik diesem Treiben tatenlos zuschauen, keiner "einen Arsch in der Hose hat", klare Worte findet und dem Berufsstand (EY) den Rücken stärkt!

Mutmaßliche Bilanzmanipulationen, fehlende Prüfungsnachweise, ausstehende Auskünfte Dritter und fragliche Sonderprüfungs-Ergebnisse von KPMG einerseits und eine unerträgliche Mißachtung der Mitwirkungspflichten (§ 320 HGB) durch den Möchtegern-Milliardär und Gründer sowie den Finanzvorstand andererseits. Ich möchte nicht in EY´s Rolle stecken und mir dieses Theater von Erwartungs- und Medienterror antun.

Lesen Sie sich doch einmal diesen Quatsch aus der Zockerwelt und dem sprüche-klopfenden Finanzvorstand durch! - Geht´s noch?

Es gibt im Umgang mit Wirtschaftsprüfern offensichtlich keine Regeln, keine Ethik und keinen Anstand mehr. Und alle schauen (aus der zweiten Reihe) lustig zu!

Das IDW, allen voran Prof.h.c. Naumann, träumt vom WP als "Sparingspartner" oder "Dirigenten", die WPK ist in Schockstarre und schaut sich alles lieber im Nachhinein im Rahmen der Berufsaufsicht an und in der Politik des BMWi haben Wirtschaftsprüfer ohnehin keine systemrelevante Funktion mehr! Man redet nur noch mit Lobbyisten!

19.05.2020
Wirtschaftsprüfer als Warenprüfer

Heutzutage hat man den Mundschutz einsatzbereit in der Hemdentasche (Kolleginnen in der Handtasche), in der Gesäßtasche oder (wie ein Rosenkranz oder Fuchsschwanz) am Rückspiegel des Autos hängen. Vor wenigen Wochen noch dachte man, dass es auf Monate hinaus - ähnlich dem Toilettenpapier und der Haarschneidemaschine - keine Mundschutzmasken geben wird, da sich erst die Chinesen für 10 Jahre selbst versorgen werden und Gauner zu Schweinepreisen damit ihre Geschäfte machen wollen.

Dann kam doch alles anders:

Minister Jens Spahn reagierte schnell und beschaffte in einem "Open-House-Verfahren" bis heute für Deutschland mehr als 500 Mio. Schutzmasken (!!!). Dieser grenzenlose Aufkauf des Marktes funktionierte nur mit der Zusage, dass "die Vergütung bargeldlos binnen einer Woche nach Lieferung und Eingang einer Rechnung" erfolge.

Jetzt muss man jedoch feststellen, dass rd. 20% der gelieferten Schutzmasken nicht den Norm-Anforderungen entspricht, es somit einer genaueren Warenprüfung bedarf und es demzufolge zu "Verzögerungen bei der Abarbeitung der Rechnungen" kommt.

Das Ministerium hat sich jetzt kurzerhand entschieden, mangels eigenem Personal "die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young als Dienstleister" ins Boot zu holen, um "die korrekte Vertragsabwicklung, Rechnungsprüfung und bei mangelhafter Lieferung auch die Rückabwicklung von Verträgen in China und Deutschland" zu unterstützen.

Auf Anfrage bezüglich des Honorars antwortete das Ministerium, "das Honorar entspreche den branchenüblichen Sätzen"!

Toll diese Wirtschaftsprüfer! - Die können nicht nur die Prüfung der ordnungsgemäßen Unterbringung von osteuropäischen Schlachthof-Werklöhnern in Schrottimmobilien testieren, sondern auch die Warenprüfung für minderwertige Schutzmasken aus China übernehmen.

Eine Frage hab ich noch:

Wissen Sie eigentlich noch, warum die Mithilfe der Big4 seinerzeit bei der Erfassung der Flüchtlinge 2015/2016 beim BAMF nicht geklappt hatte? - Richtig - weil die Honorarsätze nicht "branchenüblich" waren. - Sie sehen, auch die Politik lernt dazu und lässt sich manchmal von Wirtschaftsprüfern belehren. - Dann ist man doch auch gerne mal wieder Dienstleister!

14.05.2020
Kleeberg: Die neuen Diesel-Skandal-Sonderprüfer

Seit drei Jahren kämpft VW mit harten Bandagen dagegen, dass ein unabhängiger Sonderprüfer den Dieselskandal durchleuchtet. Hierüber hatte wpwatch seit 2018 immer wieder berichtet.

Das Oberlandesgericht (OLG) Celle hat mit Beschluss vom 28.04.2020 (Az. 9 W 69/19) nun rechtskräftig entschieden! Und kaum jemand hat diese ach so wichtige Entscheidung zur Kenntnis genommen:

Als Sonderprüfer wurde jetzt Prof. Dr. Christian Zwirner, Geschäftsführer der Münchner Kleeberg & Partner WPG, bestellt. Durchgesetzt hat die Sonderprüfung bei VW letztlich die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Anlegerverband hatte bereits Ende 2017 erstritten, dass ein externer Prüfer ermittelt, ob Vorstände und Aufsichtsräte von Volkswagen ihre Informationspflichten bei der Aufklärung des Dieselskandals verletzt haben und wer wann was wußte.

Dieser Prüfer sollte der Kollege Rüdiger Reinke sein, WP/StB bei Baker Tilly in Düsseldorf. Die juristischen Folgestreitigkeiten zogen sich aber so lange hin, dass Kollege Reinke die Altersgrenze erreichte, bevor er sein Amt antreten konnte. Da er im Bestellungsbeschluss des OLG namentlich als Sonderprüfer bestimmt war, wollte VW die Berufung eines anderen Prüfers nicht akzeptieren. Das LG Hannover entschied im Juni 2019  zugunsten von VW, da es „an der erforderlichen Dauerwirkung der Sonderprüferbestellung“ fehle (Az. 25 O 3/19).

Nach langem juristischen Streit hat das OLG Celle seinen Beschluss von 2017 abgeändert und setzt statt Reinke nun Kollegen Zwirner ein. Auch für den Fall, dass Zwirner verhindert sein sollte, wird diesmal direkt vorgebaut: In diesem Fall würde laut OLG-Beschluss Kollege Karl Petersen übernehmen, (zufällig) ebenfalls WP/StB bei Kleeberg & Partner. Die Presse berichtet jetzt, dass "Kleeberg als Einheit" zu den renommierten Mittelstandsberatern in Süddeutschland zählt.

Die bereits vor zwei Wochen durch das OLG beschlossene Bestellung von Zwirner / Petersen wurde von den Medien kaum wahrgenommen, sorgte jedoch in Kollegenkreisen und bei Kapitalmarktrechtlern für erhebliches Erstaunen!

Das OLG beschloss im übrigen auch, dass der von Zwirner zu verfassende Sonderprüfungsbericht öffentlich gemacht werde. Dies dürfte insbesondere die Kapitalanleger und deren Anwälte interessieren. Diese wollen für millionen- oder gar milliardenschwere Klagen gegen den Konzern möglichst genau wissen, wer wann was wusste. Hier geht es insbesondere auch um den Nachweis, dass die Ad-hoc-Mitteilung von VW zum Dieselskandal zu spät kam. Zu dieser Thematik hat VW schon intern intensiv ermitteln lassen. Unter anderem von den amerikanischen Star-Forensikern der Kanzlei Jones Day und auch von dem US-Compliance-Monitor Larry Thompson. Aber, diese Ergebnisse wurden von VW - entgegen früherer Zusagen - unter Verschluss gehalten. Der "Jones-Day-Bericht" hat nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt. 

Auf den Kollegen von Kleeberg liegt nun eine tonnenschwere Erwartung. "Die Latte liegt extrem hoch!" - Eine Erwartungslücke sollte es hier nicht geben.

KPMG / EY erleben momentan die erheblichen medienwirksamen  Auswirkungen einer Sonderberichterstattung (Wirecard) und deren Auswirkungen auf die Abschlussprüfungen der Vorjahre. Vielleicht wird Sonderprüfer Zwirner bei seinen forensischen Untersuchungen ja auch auf Merkwürdigkeiten bei der Abschlussprüfungen durch PwC stoßen!?

wpwatch wird über den Beschluss des OLG und die Hintergründe der unerwarteten Bestellung berichten ("Kleeberg-Connection").