Aktuelles

05.02.2018
Zahlst Du noch oder verschiebst Du schon?

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist letztes Wochenende im Alter von 91 Jahren gestorben. In Erinnerung werden nicht nur seine grandiose unternehmerische Leistung beim Aufbau des weltweit größten Möbelherstellers und -verkäufers, sondern auch sein "gespaltenes Verhältnis" zur Steuergesetzgebung bleiben.

Kamprad lebte seit 1976 in der Schweiz, weil er nach eigenen Angaben die hohen Steuern in seiner Heimat nicht zahlen wollte. Erst 2013 kehrte er nach Schweden zurück.

IKEA ist ebenso wie PwC durch die Lux-Leaks-Affäre öffentlich ins Zwielicht geraten. Das Möbelunternehmen hatte es gemeinsam mit PwC in der Disziplin "Steuersparen" zu besonderer Meisterschaft gebracht.

Hier das Grob-Konzept für die Kür im aggressiven Steuerdumping.

Laut bei PwC enthüllten Dokumenten soll die Inter Ikea Holding etwa im Jahr 2010 aufgrund des PwC-Steuervorbescheids (tax ruling) ganze 48.000 Euro Steuern gezahlt haben - auf einen Gewinn von damals mehr als 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem unanständigen Steuersatz von 0,002 %.

Jetzt ist der liebe Ingvar ein für alle Mal im "tax heaven" und "forever tax free".

05.02.2018
Ex-Wirtschaftsprüfer des Vatikan packt aus

Libero Milone (67) war Italien-Chef der weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche und übernahm vor gut zwei Jahren auf Wunsch von Papst Franziskus die Stelle des "ersten Generalkontrolleurs im Vatikan."

Im Herbst 2017 trat er überraschend zurück. Er habe den Papst  darum gebeten, vom Posten des Generalkontrolleurs entbunden zu werden, teilte der Vatikan seinerzeit ohne Angabe von Gründen mit. Papst Franziskus habe seinem Wunsch entsprochen.

Mit dem neu geschaffenen Posten beabsichtigte Papst Franziskus eine Reform der undurchsichtigen Finanzverwaltung der Kurie nach einer Reihe von Skandalen und eine schärfere Kontrolle derselben. Der Generalkontrolleur sollte gemeinsam mit dem australischen Kardinal George Pell und dem deutschen Kardinal Reinhard Marx auch das Wirtschaftssystem des Vatikans modernisieren.

Milone spielte allerdings auch eine zentrale Rolle in der „Vatileaks“-Affäre. Von seinem Computer im Vatikan wurden im November 2015 vertrauliche Dokumente gestohlen, die Aufschluss über Geschäftsbeziehungen und mögliche Misswirtschaft in der Kurie gaben. Ein spanischer Prälat wurde seinerzeit verurteilt, der die geheimen Informationen an Journalisten weitergegeben haben soll.

Milone gab später - entgegen seiner Verschwiegenheitspflicht (§ 43 I WPO) - der Presse zu Protokoll, dass er ein "Opfer interner Machtkämpfe" im Vatikan geworden sei und bei der Gendarmerie des Kirchenstaates gezwungen wurde, sofort zurückzutreten, andernfalls drohe ihm die Inhaftierung.

Es ist nicht überliefert, ob der Vatikan das Mandat bereits neu ausgeschrieben habe oder ob schon eine der anderen Big4 mandatiert wurde. Die Stelle des verantwortlichen Generalkontrolleurs des Vatikan scheint aber nicht ganz ungefährlich zu sein!?

01.02.2018
Deutsche Bank: Boni-Orgie trotz Verlust

Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs - die Verunsicherung in der Banken-Branche könnte nicht größer sein.

Am morgigen Freitag gibt die Deutsche Bank ihr negatives Jahresergebnis 2017 bekannt. Nach zwei Milliardenverlusten in Folge hatte auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer John Cryan mit einem Minus geendet.

Die Deutsche Bank will trotz roter Zahlen dennoch über eine Milliarde Euro an Boni an ihre Banker ausschütten. Nach einer kontroversen Debatte hätten sich die Investmentbanker mit dem Argument durchgesetzt, dass bei erneuten Bonuskürzungen die besten Leute gehen würden.

Die Bonuszahlungen waren bei Deutschlands größtem Kreditinstitut von 2,4 Milliarden Euro 2015 auf 500 Millionen Euro im Jahr darauf zurückgegangen.

Interessant dürfte bei Vorlage des Jahresabschlusses 2017 auch die Frage sein, wie viele Milliarden man für anstehende Rechtsstreitigkeiten, Bußgelder, Schadenersatzklagen etc. (Abteilung "Leichen im Keller") zurückgestellt hat.

Testiert werden Jahres- und Konzernabschluss von der KPMG - unabhängig davon - ohnehin immer uneingeschränkt.

01.02.2018
Weitere Millionenstrafe für die Deutsche Bank

Die amerikanische Derivateaufsicht CFTC will der Deutschen Bank wohl eine Millionengeldbuße wegen angeblicher Manipulation an den amerikanischen Terminmärkten auferlegen. Auch die Schweizer Bank UBS und das britische Finanzinstitut HSBC sollen in diese erst neuerlich festgestellten Manipulationen verwickelt sein.

An den Ermittlungen, die über ein Jahr dauerten, hätten sich auch das Justizministerium und die Bundespolizei FBI beteiligt. Die Strafen für die Deutsche Bank dürfte "mehr als zehn Millionen Dollar" betragen. Eine genaue Höhe der geplanten Strafzahlungen wurde zunächst nicht bekannt.

Die Deutsche Bank wollte sich hierzu nicht äußern.

Es gibt wohl kaum einen Paragraphen im Strafgesetzbuch den die Deutsche Bank beim Zocken und Geschäftsmachen bisher ausgelassen hat. - Der Ruf ist ruiniert, Milliardenzahlungen bereits geleistet, weitere Strafen zu erwarten ... und dann noch (teilweise) in Händen chinesischer Zocker.

Der Untergang der Deutschen Bank begann mit der Finanzmarktkrise 2008 wo in politisch ungezügeltem Hochmut und krimineller Energie beschissen wurde, was das Zeug hält! - Natürlich immer wieder begleitet von den uneingeschränkten Bestätigungsvermerken der KPMG, d.h. des Skandalprüfers Ralf Bose. Dieser hatte es - nachdem man ihn "aus dem Verkehr ziehen musste" - zum obersten Berufsaufseher Deutschlands und Europas geschafft. Er hat heute den Vorsitz der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) und ist die letztinstanzliche Fachaufsicht über die Wirtschaftsprüferkammer (WPK). Hier hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Aber Feingefühl und Instinkt waren noch nie die Tugenden der Politik - hier geht es wohl eher um Kumpanei und mafiöse Strukturen.

30.01.2018
Schlecker bleibt Schulden-Milliardär

Dem früheren Drogerieunternehmer Anton Schlecker werden Schulden in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro nicht erlassen. Schlecker hat seinen Antrag auf Restschuldbefreiung (§§ 289 ff. InsO) selbst wieder zurückzogen.

Die Restschuldbefreiung sieht vor, dass ein Gläubiger sechs Jahre nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens von seinen Schulden befreit werden kann, wenn er diese nicht begleichen kann.

Schlecker hatte seinen Antrag jedoch zurückgenommen, um seinen Gläubigern zuvorzukommen. Denn einige von ihnen hatten vor, ihrerseits dagegen vorzugehen, dass Schlecker künftig als schuldenfreier Mann leben kann. Der Widerspruch von Gläubigern war möglich, da Schlecker im November 2017 wegen Bankrotts zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden sei. Das Gesetz sieht vor, dass die Restschuldbefreiung versagt werden kann, wenn ein Schuldner zu mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Dazu genügt es, dass ein einziger Gläubiger einen sogenannten Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung stellt.

Insofern werden sich wohl noch einige frühere Geschäftspartner an Schleckers Versprechungen kurz vor Insolvenzeröffnung oder auch an die im Rahmen des Strafprozesses aufgedeckten millionenschweren Vermögensverschiebungen innerhalb der Familie erinnert haben.

Für Schlecker bedeutet dies, dass er kein Vermögen mehr aufbauen kann, sondern künftig alle zwei Jahre seine Vermögenswerte offenlegen muss, um darzulegen, dass er die Forderungen der Gläubiger nicht erfüllen kann.

Über die uneingeschränkten Testate von EY bezüglich der jahrelangen Falschbilanzierung im Hause Schlecker redet heute niemand mehr. Die Verfahren gegen beide Wirtschaftsprüfer wurden gegen geringe Geldauflagen eingestellt.

12.01.2018
LuxLeaks: Jetzt wird PwC verklagt!

In der "LuxLeaks"-Affäre um unverschämte Steuervorteile für internationale Großkonzerne hat das oberste Gericht Luxemburgs - der Kassationshof - gestern das Urteil gegen den Whistleblower Antoine Deltour gekippt.

Sein Verfahren muss damit neu aufgerollt werden. - Die Verteidigungslinie seines Anwalts hat die Richter offenbar überzeugt: Er verstehe nicht, warum sein Mandant vom Gericht zwar als Whistleblower anerkannt, dann aber wegen Datendiebstahls verurteilt werden könne. Ohne im Besitz von Daten zu sein, könne man schließlich nicht zum Whistleblower werden. Dies sei ein Paradoxon!?

Die Richter sahen das ähnlich: Deltours Funktion als Whistleblower sei nicht richtig gewürdigt worden, hieß es.

Jetzt kommt der Knaller:

Parallel zum Prozess in Luxemburg läuft bereits seit Wochen ein weiterer Prozess am »Tribunal de Grande Instance« im lothringischen Metz. Nur sitzen dort nicht Whistleblower auf der Anklagebank, sondern die Vertreter von PWC. Kläger sind hier zwei Angeklagte aus dem LuxLeaks-Prozess.

PwC wird vorgeworfen, beim Ersuchen einer privaten Hausdurchsuchung bei einem Ex-Mitarbeiter gelogen zu haben. Denn es ging nicht, wie von PWC behauptet, nur darum, festzustellen, dass Daten entwendet wurden, sondern vielmehr wollte PwC herausfinden und belegen, wer die Daten an den Journalisten weitergegeben hatte.

Deshalb wurden bei der Durchsuchung, der die französische Gendarmerie beiwohnte, von PwC-Leuten nicht nur Dokumente mitgenommen, sondern auch der gesamte E-Mail-Verkehr kopiert.

Für PwC sieht die Sache vor Gericht nicht gut aus!

Die Metzer Staatsanwaltschaft sagt, dass die Erlaubnis zur Hausdurchsuchung zu annullieren sei, da sie gegen den journalistischen Quellenschutz verstoße. Damit träfe PwC ein Verwertungsverbot der unrechtmäßig erlangten Informationen! - Dies wiederum hätte erhebliche Auswirkungen auf den (neuen) LuxLeaks-Prozess in Luxemburg!

Na, dass sieht mal wieder nach einer saftigen "Klatsche" für PwC aus!

Das Urteil in erster Instanz soll am 6. Februar in Metz gefällt werden.

11.01.2018
LuxLeaks - Der nächste (letzte?) Akt!

Erinnern Sie sich noch: wpwatch hatte in den letzten drei Jahren umfassend über die steuerlichen Vorab-Vereinbarungen (Tax Rulings) berichtet, die PwC für seine Mandanten in Luxemburg ausgehandelt hatte. Ergebnis waren Steuerbefreiungen, die dazu führten, dass Unternehmen wie amazon, apple, Starbucks, Deutsche Bank & Co. lediglich Steuersätze von 1 - 3 % zahlten, d.h. Steuern in Milliarden Größenordnung dem Fiskus entgingen.

Am heutigen Donnerstag wird in Luxemburg das vielleicht letzte Urteil in dieser Sache gegen die beiden PwC-Whistleblower vom Kassationsgerichtshof gesprochen. Antoine Deltour und Raphael Halet wollen einen Freispruch erstreiten und sind gegen ihre symbolischen Gefängnisstrafen mit Bewährung und die Geldstrafen in Revision gegangen.

Antoine Deltour hat bereits angekündigt, dass er – sollte seine Verurteilung heute vom Kassationsgerichtshof bestätigt werden – sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg wenden werde.

Was aber war eigentlich geschehen? - Die internationale Presse hatte Ende 2014 rund 28.000 Dokumente ausgewertet, die aus den Computern von PwC stammten. Über ein US-Recherchezentrum gingen die Papiere sortiert an eine deutsche Recherchegruppe und auch an internationale Medien.

Der Tenor: Luxemburg - ein internationales Steuer-Vermeidungszentrum!

Die Papiere enthielten 548 verbindliche Steuer-Vorbescheide, die über PwC in den Jahren 2002 bis  2010 abgeschlossen wurden. Grundlage der Abkommen war eine Steuervorschrift, nach der Gewinne aus geistigem Eigentum einer 80-prozentigen Steuerbefreiung in Luxemburg unterliegen.

Der eigentliche Skandal besteht jedoch darin, das PwC originäre "hoheitliche Aufgaben" der Finanzverwaltung wahrnahm und die Tax Rulings im eigenen Hause selbst erstellte.

Die LuxLeaks-Veröffentlichungen führten zu einer intensiven, aber erfolglosen Diskussion darüber, ob es ein Gemeinwohl-Interesse gebe, das über den Gesetzen steht. Dieses müsse  “Whistleblower” vor Verfolgung schützen.

Frage: Was hat die monatelange internationale Aufregung bewirkt?

Wenig bis nichts! Die Staaten der EU, die “Tax Rulings” durchführen, tauschen neuerdings lediglich ihre Dokumente aus und stellen damit "Transparenz" her.

In der europäischen Steuer-Diskussion ergibt sich durch LuxLeaks und die eingeführte Transparenz nun allerdings ein Konflikt der Institutionen.

  • Die Europäische Kommission sieht in dem Steuerverhalten der Staaten illegale Beihilfen und verlangt per Dekret die Rückzahlung von gewährten Steuervorteilen in Millionen- und Milliardenhöhe von den begünstigten Unternehmen. Tax Rulings verstoßen nämlich gegen die europäischen Beihilfe-Vorschriften.
  • Luxemburg und andere Staaten klagen nun jedoch vor dem Europäischen Gerichtshof, weil diese Auffassung das Souveränitätsprinzip bricht. In Finanz- und Steuerfragen hat die Europäische Kommission nämlich keine Kompetenz gegenüber den EU-Staaten. Steuerrecht ist geschütztes Souveränitäts-Recht!

Der Europäische Gerichtshof muss demnächst darüber entscheiden, wie weit diese Souveränität auszulegen ist.

Fazit:

Gegen PwC wird nicht vorgegangen, weder berufsrechtlich, noch strafrechtlich! Die Big4 stehen offensichtlich weltweit unter "Artenschutz". Sie liefern die Anleitungen zum aggressiven Steuerdumping, handeln die "Deals" mit den jeweiligen Steuerverwaltungen aus, fertigen selbst die Steuerbescheide  und lassen sich dafür Millionenhonorare zahlen.

Sicherlich werden Politiker und Justizkreise hierbei durch die Lobbyisten-Elite der Big4 "bestens beraten und betreut"!

Ach, noch zum Schluss:

Die Zahl der Tax Rulings in Luxemburg nahm von 2015 (570) bis 2017 (726) um 27,4% zu! - Alles klar???

10.01.2018
Hatten Sie das etwa bereits wieder vergessen?

Ich weiß! - Im medialen Zeitalter unterliegen wir einer permanenten Reizüberflutung und werden auf sonderbare Weise immer wieder auf neue Themen gelenkt. - Wer uns mit welcher Motivation und zu welchem Zweck lenkt, bleibt hierbei zunächst offen.

Auch Themen, die uns einst erstaunten oder gar schockierten, geraten (wohl gelenkt) wieder in Vergessenheit, da bereits "eine neue Sau durchs Dorf getrieben" wurde.

In Zeiten des Finanzkapitalismus regiert ausschließlich das Geld. Vermögende Eliten machen sich ungehemmt die Spielregeln zur Befriedigung von ungezügelter Gier und grenzenlosem Egoismus selbst. Schließlich hat man Freunde bei den Banken und in der Politik, hat man als Ideengeber die "klugen" Berater der Big4, die alles (für teures Geld) gutachterlich für rechtens erklären. Und Freshfields & Co. haben zuvor den Politikern (wissentlich) lückenhafte Gesetze geliefert.

Da stehen sie nun, die Steuerbetrüger: Maschmeier, Privatbankiers Berenberg, Engholm & Co. und wie sie alle heißen. Jetzt geben sie sich naiv und völlig unwissend. Sie verweisen auf ihre klugen Berater, die ihnen immer gesagt haben, dass alles rechtens sei!

In ihrer schamlosen Gier haben sie sich (wieder einmal) am Staat und an der Gesellschaft versündigt. - Überspielt wird alles mit Hochmut, Arroganz und neidbarer "Cleverness".

Hier nochmals die Geschichte von den "seriösen" Cum-Ex Geschäften": Dem größten Steuerbetrug in der deutschen Geschichte! Es geht um über 50 Milliarden Euro!

http://www.zeit.de/2017/24/cum-ex-steuerbetrug-steuererstattungen-ermittlungen/komplettansicht

Lesedauer: rd. 30 Min. - macht garantiert schlechte Stimmung!

Über Jahrzehnte plünderten Banken und Anleger den deutschen Staat mithilfe der sogenannten „Cum-ex“-Aktiengeschäfte aus. Die Politik schaute weg. Bis eine Sachbearbeiterin im Bundeszentralamt für Steuern begann, Fragen zu stellen.

Ich hätte Ihnen auch die Geschichte von

  • Toll Collect,
  • den Panama Papers,
  • der Finanzmarktkrise oder
  • dem VW-Abgasskandal ...

nochmals erzählen können. Damit man es nicht vergisst ...

Viele Geschichten, die alle nach dem gleichen Strickmuster geschrieben werden und langsam in Vergessenheit geraten werden.

08.01.2018
EY und die Spionin aus Rom

Die Big4 setzen alles daran, auf die Politik Einfluss zu nehmen, mitzumischen und "Informationen aus erster Hand" zu bekommen um daraus für ihre Mandanten (und für sich) Kapital zu schlagen. Also gilt es doch, möglichst nah in Ministerien und im politischen Geschehen präsent zu sein und ggf. über Lobbyisten Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen.

wpwatch deckte bereits vor über 10 Jahren auf, dass die Big4 seinerzeit in Deutschland "Leihbeamte" in Ministerien einsetzten, um geheime Vorab-Informationen zu bekommen oder gleich Aufträge akquirierten.

So zeigt ein aktueller Fall in Italien, wie die Einflussnahme der Big4 in der Politik noch heute abläuft:

Die Steuerrechtlerin Susanna Masi war bis zu ihrem Rauswurf vor einigen Wochen Beraterin im italienischen Ministerium für Wirtschaft und Finanzen. Für ihre Dienste bezog sie seit 2012 ein Gehalt von 75.561 € p.a. Das ist nicht viel Geld für eine erfolgreiche Managerin die zuvor bei Ernst & Young (EY) gearbeitet hatte. - Doch vielleicht war ihre Mission für EY ja wichtiger.

Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat herausgefunden, dass der Lohn des Ministeriums nur einen Teil von Masis Einkünften ausmachte. Mehr Geld erhielt sie nämlich weiterhin von ihrem alten Arbeitgeber. Über die Jahre hinweg waren es mindestens noch einmal 220 000 €.

Die Ermittler sind im Besitz aller Banküberweisungen, die das belegen. Sie haben auch Protokolle von abgehörten Telefongesprächen mit dem Senior Partner von EY Italia, Marco Ragusa, und 300 interne Mails. Masi hatte nämlich dummerweise ihr altes Mailkonto von EY behalten.

Aus diesem brisanten Material, das insgesamt sechs Terabyte umfasst, geht hervor, dass Masi EY streng  vertrauliche Informationen aus dem Ministerium und aus Sitzungen der europäischen Finanzminister zukommen ließ. Was auch immer an neuen Gesetzen und Steuern in Vorbereitung war - bei EY erfuhr man es vorab.

Zu klären bleibt noch die Frage, ob Masi auch Informationen aus den geheimen Sitzungen der europäischen Finanzminister an Ernst & Young durchgestochen hat.

Wenn dem so wäre, könnte Ernst & Young auch über Vorhaben der Finanzminister informiert gewesen sein, zu denen die eigenen Berater im Hause die ein oder andere (teure) Studie angefertigt hatten. Ganz zu schweigen von dem mutmaßlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Beratern oder für Mandanten.

Der Vorgang ist auch deshalb so brisant, weil  in dieser Zeit z.B. auch heftig über die Einführung einer Finanztransaktionsteuer debattiert wurde. Diese Börsensteuer sollte die Lasten der Finanzkrise gerechter verteilen. Über diese Steuer auf Finanzgeschäfte sollten Kreditinstitute zur Kasse gebeten und hochriskante Geschäfte wie der sekundenschnelle elektronische Handel mit Wertpapieren eingedämmt werden.

Die Finanzindustrie hatte immer wieder vor einer solchen Steuer "gewarnt" - und zwar mit Argumenten, die sich exakt so jetzt in den teuren Studien von EY fanden.

Der Verdacht liegt also nahe, dass Susanna Masi für EY in Rom spioniert hat - und zwar als besonders kostbarer Maulwurf. Weiterhin besteht der Verdacht, dass die Beraterin ihre Informationen auch verkaufte.

Fazit:

  • Nun haben sowohl EY als auch die Spionin nicht nur ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren "an der Backe", sondern auch ein dickes strafrechtliches Problem.
  • So arbeiten sie halt - die Big4! Und zwar offensichtlich weltweit!
  • Vergessen Sie doch den 156-seitigen "Code of Ethics" des Berufsstandes - ein "Feigenblatt".

05.01.2018
Kleeberg: Auch ein WPK-Vorstand ... (2)

Eines der beiden einzigen § 319a-Mandate von Crowe Kleeberg ist/war die

  • United Power Technology AG,

eine seit Juni 2011 im Prime-Standard-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse gelistete Holdinggesellschaft eines chinesischen Herstellers von Stromerzeugungsaggregaten und Wasserpumpen.

Der Aktienkurs fiel bis Mitte 2016 trotz ausgewiesener Gewinne aber negativem Cashflow auffällig vom Ausgabekurs 9 € auf unter 1 €.

Einzel- und Konzernabschlussprüfer 2015 war die Crowe Kleeberg Audit GmbH, die das Mandat von Deloitte übernahm, und für die Prüfung 131 TEUR liquidierte. Beide Abschlüsse wurden am 27. April 2016 uneingeschränkt testiert.

Mitunterzeichner der Testate: WPK-Vorstandsmitglied und Kleeberg-Gesellschafter-Geschäftsführer Karl Petersen.

Am 20.09.2017 veröffentlichte die Gesellschaft unerwartet folgende Mitteilung nach § 37q Abs. 2 Satz 1 WpHG.

Demnach hatte man zwischenzeitlich Besuch von der Deutschen Bilanzpolizei (DPR), die erhebliche Fehler im Konzernabschluss und Konzernlagebericht 2015 festgestellt hatte:

  • "Sonstige langfristige Vermögenswerte" in Höhe von 28,8 Mio. € (rd. 17,5 % der Bilanzsumme!) wurden unzulässigerweise aktiviert obwohl es sich um reinen Aufwand handelte!
  • Die diesbezügliche Darstellung im Konzernlagebericht war "irreführend" und verstößt gegen § 315 I 1 HGB!

Das sind ja schon "Knaller", die bei risikoorientierter Erstprüfung (IDW 261, 205) des "Chinesen-Abschlusses" hätten festgestellt werden müssen!

Und die Moral von der Geschicht:

  • Man kann noch so viele Kommentare schreiben, Lehraufträgen nachgehen und hohe Ämter bekleiden: Man ist nicht davor sicher, dass umtriebige Chinesen einen vielbeschäftigten Wirtschaftsprüfer "hinter die Fichte führen"!?
  • Vielleicht mangelte es dem WPK-Vorstandskollegen aber auch an der "kritischen Grundhaltung" in diesem lockenden lukrativen Neu-Mandat aus der 1. Liga?

Crowe Kleeberg hat nun ein § 319a-Mandat weniger, da man im Mai 2017 als Abschlussprüfer und Konzernabschlussprüfer gerichtlich abberufen wurde.

So erlebt auch WPK-Vorstandsmitglied Petersen einmal hautnah, wie die Marktbereinigung im Segment der § 319a-Prüfer durch die Big4 funktioniert.

Ob Kleeberg jetzt ein Problem mit der APAS oder der WPK hat oder gar eine "Inspektion" droht, darf sicherlich bezweifelt werden - schließlich ist man doch gut "vernetzt"!

Die APAS ist übrigens nicht nur die letztinstanzliche Fachaufsicht über die § 319a-Prüfer sondern auch die Aufsicht über die WPK.