Aktuelles

02.07.2020
Wo haben die Deutschen ihre Auslandsguthaben liegen?

Fragt man sich, wo die größten Bar-Guthaben der Deutschen im Ausland liegen, denkt man sofort an die Schweiz und Liechtenstein.

Weit gefehlt! - Eine Anfrage der Linken beim Bundesfinanzministerium (BMF) ergab für 2018 folgende Hitliste der ersten drei Plätze:

  1. Jersey 180,8 Milliarden €
  2. Schweiz 133,1 Mrd.€ und
  3. Luxemburg 125,8 Mrd.€

Insgesamt waren es 591,3 Mrd. €, die aufgrund des sogenannten automatischen Informationsaustauschs gezählt wurden. Hierbei informieren sich Staaten gegenseitig über Konten, die ausländische Steuerpflichtige bei ihnen unterhalten.

Aus den Zahlen geht jedoch nicht hervor, ob das Geld legal oder illegal ist.

Weiterhin fehlen diejenigen Steueroasen, die ohnehin nichts melden ("Schweineadressen") wie British Virgin Islands (BVI), Bahamas oder Cayman Islands.

29.06.2020
Wirecard - ein Gedicht

Der jähe Absturz von Wirecard - und wieder mal ein "Supergau" im Finanzkapitalismus.

Bilanzmanipulation, Betrug, WP-Versagen, Strafanzeigen, Schadenersatzklagen, superschlaue Anlegeranwälte mit Statements - und all das im Stundentakt ...

Hierzu, anstatt seitenlanger Abhandlungen und Wiederholungen von Nachrichten-Meldungen, das passende Gedicht - zum schmunzeln:

Die Geschichte ähnlich klingt,
wie neulich noch DAX‘ liebstes Kind.

WIRECARD war groß im Kommen,
wie Apple stylisch, heiß begehrt,

Die Anleger ham‘s gern genommen,
doch ahnte man, es läuft verkehrt.

Meldungen gabs schon seit Jahren,
über manch Geschäftsgebaren,

Whistleblower taten kund,
Journalisten schrieben viel,
und es machte längst die Rund‘,
doch unterblieb, weil es missfiel.

Stattdessen droht man Klage an,
zu unterlassen, weil es Rufmord sei,
Ernst & Young ist gleich dabei,
doch jetzt die BAFIN auch mit dran.

Jetzt fliegt der ganze Skandal auf,
die Schlagzeile geht um die Welt,
es stürzt sich wirklich jeder drauf,
Millionen Anleger geprellt.

1,9 Milliarden sind „verloren“,
es scheint, sie waren nie „geboren".

Das Geld es sei in Asien dort,
doch wo genau an welchem Ort?

Zu treuen Händen gab man hin,
der Herr dort leider nie erschien.

Die Summe der Bilanz nun sei,
zu einem Viertel Augenwischerei.

Der CEO hat Angst bekommen,
nun auch gleich vom Thron geklommen.

Sogleich er sich in Haft begeben,
denn fürchtet ja schon neues Beben,

doch bleibt nicht lang, nur über Nacht,
denn hat ja auch was mitgebracht,

5 Millionen sei der Lohn,
für freien Fuß- man nennt’s Kaution.

Woher hat man denn soviel Geld?
Die Frage sich nun jeder stellt.

Die Antwort ist hier gleich gegeben,
man war aktiv noch VOR dem Beben.

Er hat, so sei ja zugegeben,
die Aktien an fremd gegeben

als sie hatte noch nen Wert,
das sei ja schließlich nicht verkehrt.

Pikant dabei, denn das Papier,
bemisst in Euro, exakt vier,

doch war Verkauf, ein jeder weiß,
zu einem etwas höh’ren Preis.

Das Papier, man wird fast schwach,
im Preis war fast mal fünfzigfach.

WIRECARD, der Niedergang,
meldet Insolvenz nun an.

Der Börsenplatz erschüttert schwer,
„es müssen Konsequenzen her“,

fordern jetzt, von Groß bis Klein,
alle aus verschied’nen Reih’n.

Wie lautet nun, ich frag‘ nochmal,
aus dem Skandal denn die Moral?

Hättet mehr gehört,
auf was euch damals hat gestört.

Ungereimt, so manches war,
doch keiner wollte haben wahr.

Leute tuen Kund‘,
dass es läuft nicht rund.

Natürlich kann man nicht erbringen,
den Beweis bei krummen Dingen,

denn darauf ist der Chef erpicht,
dass Belege gibt es nicht!

Doch Mahner gibt es gar zuhauf,
ihr besser einmal hört auch drauf!

Vielen Dank an den dichtenden Münchner Ex-Kollegen!

29.06.2020
Wirecard - auch die deutsche Bilanzpolizei hat versagt

Seit dem Jahr 2005 ist die Deutsche Bilanzpolizei (DPR e.V.) für die Durchsetzung von Rechnungslegungsnormen in Deutschland zuständig. Dabei bildet sie - neben Abschussprüfer und Aufsichtsrat - die dritte Säule des Enforcements.

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der DPR fand am 03. Juli 2015 ein Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin statt, an dem rund 180 geladene Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung teilnahmen. Dies konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bereits  erhebliche Zweifel an der Kompetenz und Effizienz der DPR, einem privatwirtschaftlichen Verein, laut wurden. WPwatch hatte bereits 2014 den "Club der Ü-60-Egomanen" durchleutet und erhebliche Zweifel an dessen Unabhängigkeit geäußert. Die Reputation des Vereins war massiv beschädigt, so dass renomierte Mitglieder umgehend zurücktraten. 

Doch nun zum Wirecard-Skandal:

Als eine der ersten Konsequenzen aus dem medienwirksamen Bilanzskandal kündigt die Bundesregierung den Vertrag mit der "Bilanzpolizei" zum nächstmöglichen Termin (31.12.2021)!

Spätestens bis dahin müssen die Ministerien eine neue Kontrollstruktur gefunden haben.

Das Fass zum Überlaufen brachte offensichtlich die Tatsache, dass die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) bereits im Februar 2019 der DPR eindeutige Hinweise auf "Ungereimtheiten" in der Halbjahresbilanz von Wirecard gab und man dort mit lediglich einem subalternen Mitarbeiter 16 Monate ohne Ergebnis und Zwischenbericht herumwurschtelte. Zur Personalstärke der Bilanzpolizei heißt es noch heute auf der Website des Vereins: "Die Anzahl der Planstellen für die Mitglieder der Prüfstelle beträgt derzeit 15, wobei der Stellenplan nicht vollständig ausgeschöpft wird." - Ein Witz!

Schön, dass zwischenzeitlich der skandalöse Präsident der DPR (Prof. h.c. Edgar Ernst) seine sechsstelligen Aufsichtsratshonorare bei diversen DAX-Unternehmen kassieren konnte. - Ein Treppenwitz!!! Ebenso scheint es ja auch unauffällig gewesen zu sein, dass sich Dr. h.c.  Wolfgang Spindler, Ex-BFH-Präsident und Ex-APAK-Vorsitzender, in diesem erlauchten Bilanzpolizei-Gremium jahrelang bewegte und auch heute wieder mit klugen Vorschlägen zu Wort meldete.

Der Fisch stinkt eben immer vom Kopf her!

16.06.2020
EY-Mitarbeiter erhält rd. 11 Mio. USD Schadenersatz

EY , nach der Lünendonk-Liste 2019 die Nr. 2 der Big4 im deutschen Markt, kann auf eine hervorragende Entwicklung in den letzten beiden Jahren zurückblicken. 

Bei genauerer Betrachtung muss man jedoch feststellen, dass es bei EY momentan diverse "Buschfeuer" gibt, über die selbst schöne Selbstdarstellungs-Berichte und gekaufte Rankingergebnisse in den Wirtschafts-Gazetten wie manager magazin, Fokus, brandeins etc. nicht hinwegtäuschen können.

Schlimm und unangenehm wird die Sache für die Big4 immer dann, wenn es um die Reputation und Glaubwürdigkeit der Berufsgesellschaft geht, da gerade hierdurch potentielle Kunden, Mitarbeiter und der qualifizierte Berufsnachwuchs verschreckt werden können.

Über innerbetriebliche Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern / Partnern erfährt man nur selten, da man hier seitens der Big4 immer schnell eine außergerichtliche Einigung sucht und strenge Verschwiegenheit vereinbart wird. In Deutschland sind solche Berichte ohnehin äußerst selten. In GB und den USA erfährt man hingegen schon eher von solchen Auseinandersetzungen und pikanten Details.

Im folgenden Fall geht es um Amjad Rihan, einen jungen britischen Wirtschaftsprüfer und Partner von EY Dubai, der vor wenigen Wochen einen siebenjährigen Kampf gegen seinen früheren Arbeitgeber EY gewann. Die Richter des britschen High Court haben EY zu einer Zahlung in Höhe von 11 Mio.USD verurteilt. Es geht um seine Kündigung, nachdem er bei der Prüfung der Goldhandelsfirma Katoli Jewellery International in Dubai illegale Geschäfte festgestellt hatte, die durch EY systematisch vertuscht wurden. Nach Ansicht der Richter kollaborierte EY mit dem Mandanten, tolerierte illegale Gold-Exporte und unterließ Prüfungsfeststellungen zur Geldwäsche.

Mit allen Mitteln und Tricks versuchte EY bei Gericht den Eindruck zu erwecken, dass der abtrünnige WP-Partner ein "Lügner und Opportunist" sei, was die Richter jedoch letztlich als völlig unbegründet zurückwiesen. Vorsorglich verklagte Amjad Rihan gleich vier unterschiedliche EY-Einheiten des internationales Netzwerks, da er glaubte, dass die Verantwortung von EY nicht auf die EY-Dubai-Einheit beschränkt werden könne; EY sei schließlich ein globales Netzwerk. Alle vier EY-Einheiten zeigten sich vor Gericht uneinsichtig und erklärten sich für diesen Umgang mit dem Ex-Partner jeweils nicht verantwortlich.

Die Richter ließen sich auf keine Diskussion und weiteres "Katz und Maus-Spiel" ein und argumentierten, dass letztlich EY-Global die Verantwortung tragen würde, da die jeweiligen Einheiten  EY-Global "untergeordnet" seien.

EY zeigte sich von dem Urteil "enttäuscht und überrascht". - Na, sowas!?

Dieses Urteil ist insoweit wichtig, als die Big4-Gesellschaften, die weltweit unter einheitlicher Firmierung arbeiten, im Falle von Haftungsfällen und/oder Schadensersatzprozessen künftig nicht mehr sagen können, dass hierfür nur die regionale Einheit verantwortlich war.

27.05.2020
EY und Wirecard - Wirtschaftsprüfer werden zum Spielball!

"Wirtschaftsprüfung" im medialen Zocker-Zeitalter! - Hierzu erleben wir seit Wochen ein schockierendes Beispiel, das sprachlos macht - WIRECARD! Diese Angelegenheit mutiert langsam zur Witzveranstaltung anstatt zu einer qualifiziert durchgeführten Abschlussprüfung - unabhängig, gewissenhaft, eigenverantwortlich ... (§§ 43 I, 17 WPO).

Wirtschaftsprüfung heißt heutzutage offensichtlich, dass wir uns zum Spielball für Hasadeure, Leerverkäufer, mediale Blender und haftungsrechtliche Fallensteller machen. Gleichzeitig wird unendlicher Druck aufgebaut und den Wirtschaftsprüfern ihr Stellenwert im Finanzkapitalismus als "austauschbare Dienstleistung" von den Jongleuren deutlich vor Augen geführt.

Ich finde dies unerträglich! Insbesondere auch, dass das IDW, die WPK und insbesondere die Politik diesem Treiben tatenlos zuschauen, keiner "einen Arsch in der Hose hat", klare Worte findet und dem Berufsstand (EY) den Rücken stärkt!

Mutmaßliche Bilanzmanipulationen, fehlende Prüfungsnachweise, ausstehende Auskünfte Dritter und fragliche Sonderprüfungs-Ergebnisse von KPMG einerseits und eine unerträgliche Mißachtung der Mitwirkungspflichten (§ 320 HGB) durch den Möchtegern-Milliardär und Gründer sowie den Finanzvorstand andererseits. Ich möchte nicht in EY´s Rolle stecken und mir dieses Theater von Erwartungs- und Medienterror antun.

Lesen Sie sich doch einmal diesen Quatsch aus der Zockerwelt und dem sprüche-klopfenden Finanzvorstand durch! - Geht´s noch?

Es gibt im Umgang mit Wirtschaftsprüfern offensichtlich keine Regeln, keine Ethik und keinen Anstand mehr. Und alle schauen (aus der zweiten Reihe) lustig zu!

Das IDW, allen voran Prof.h.c. Naumann, träumt vom WP als "Sparingspartner" oder "Dirigenten", die WPK ist in Schockstarre und schaut sich alles lieber im Nachhinein im Rahmen der Berufsaufsicht an und in der Politik des BMWi haben Wirtschaftsprüfer ohnehin keine systemrelevante Funktion mehr! Man redet nur noch mit Lobbyisten!

26.05.2020
Was ist bei Rödl los?

Keine Berufsgesellschaft hat es bei wpwatch bisher auf 41 Meldungen geschafft. Das schafft nur Rödl! Und dies hat man sich im Frankenland in den letzten 5 Jahren auch wahrlich verdient. In den letzten Monaten wurde es auffällig ruhig um Prof. h.c. Christian Rödl und seine treuen Mitstreiter.

Unvergessen bleiben jedoch "Knaller" wie

Am 09.12.2019 schrieb Prof. h.c. Rödl hausintern an die Mitarbeiter/innen eine Rundmail und kündigte - langfristig gedacht - eine "deutliche Vergrößerung des Gesellschafterkreises und eine optimale Eigentümer-Struktur" an. Gleichzeitig erscheint auch eine neue Rödl-Gesellschaft am Horizont, die allerdings viele Fragen aufwirft.

Drei Fragen hab ich vorab schon mal:

  • Wie passt das alles berufsrechtlich zusammen?
  • Was haben sich die Super-Strategen (oder Trickser?) in Nürnberg ausgedacht? Und:
  • Ist die Anerkennung als WPG damit jetzt gelöst?

wpwatch ist bei seiner Recherche auf Erstaunliches gestoßen! 

25.05.2020
VW - Der faule Deal mit der Staatsanwaltschaft

Um es noch einmal vorweg zu sagen:

VW ist verantwortlich für den größten Industriebetrug der Nachkriegszeit, hat Millionen Kunden, die Öffentlichkeit und die Strafverfolgungsbehörden getäuscht und jahrelang getrickst.

Die Strafverfahren wegen möglicher Marktmanipulation im Zusammenhang mit der Dieselaffäre gegen den VW-Konzernchef Herbert Diess und den Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch werden gegen Zahlung von neun Millionen Euro eingestellt. Die Ermittler werfen beiden vor, dass sie nicht rechtzeitig über den Abgaskandal informiert haben. Ein Unternehmenssprecher teilte mit, dass der Aufsichtsrat die Einstellung des Verfahrens begrüße und betonte, dass die Einigung mit der Staatsanwaltschaft kein Schuldeingeständnis sei!

Worum geht es im Kern? - Während man hausintern bereits in einer Sitzung am 27.07.2015 die Dieselmanipulationen mit Vorstandsmitgliedern thematisiert habe, wurde der Skandal erst im September 2015 durch die amerikanischen Behörden der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Sache ist insofern auch aktienrechtlich von großer Bedeutung, da die Aktie nach Bekanntwerden abstürzte und sich die Frage stellt, ob die Anleger früher hätten informiert werden können / müssen. - Diese Sachverhalte sind durch Beschluss des OLG Celle jetzt auch Gegenstand einer von VW jahrelang verhinderten Sonderprüfung.

Klartext:

Der Konzern kauft seine beiden wichtigsten Manager aus den Ermittlungen rund um den Dieselskandal frei und bedient auf fatale Weise folgende Klischees:

  • Manager sind skrupellos und moralbefreit. Im Zweifel werden sie freigekauft!
  • Wer genügend Geld zahlen kann, kommt mit allem davon - sogar mit millionenfachem Betrug!
  • Von Läuterung, Demut oder konstruktiver Mithilfe bei der Aufklärung ist man mit einem solchen Deal meilenweit entfernt!

Natürlich will man die wichtigsten Manager des Konzerns nicht monatelang auf der Anklagebank muffiger Gerichtssääle in Braunschweig sehen. Und dies insbesondere nicht in schwierigen Zeiten. Gleichwohl ist es ein moralisches Desaster.

VW hat mit diesem Deal (wiederum) der Gesellschaft schweren Schaden zugefügt.

Die Dieselaffäre ist damit noch lange nicht ausgestanden!

20.02.2018
KPMG im Visier der Schweizer Behörden

KPMG ist (wieder einmal) in einen größeren Bilanzskandal in der Schweiz verwickelt, der seit Monaten die Medien beschäftigt. Die schweizerische Berufsaufsicht "Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde" (RAB) hat nun gegen KPMG ein Berufsaufsichtsverfahren eröffnet.

KPMG prüft seit 20 Jahren die Jahresabschlüsse der Postauto AG, eine 100 %-ige Tochtergesellschaft der POST AG. Diese Gesellschaft betreibt mit ihren gelben Bussen in der Schweiz landesweit hochsubventionierte Busstrecken. Hierbei dürfen satzungsgemäß keine Gewinne erwirtschaftet werden, da ansonsten Zuschüsse zurückgezahlt bzw. die Gewinne an die Kantone und den Bund abgeführt werden müssen.

Da jedoch im Laufe der Jahre enorme Gewinne eingefahren wurden - man spricht von über 78 Mio. SFR - kam man auf die tolle Idee, diese subventionierten Buslinien mit Kosten anderer Linien zu belasten und somit die Gewinne "wegzubuchen". So wurden in mehr als 200.000 Buchungen (!) Treibstoffkosten, Reparaturen etc. umgebucht und die Gewinne "kleingerechnet".

Der Skandal wurde ausgelöst durch einen Mitarbeiter des "Bundesamtes für Verkehr", der früher (zufällig) bei der Berufsaufsicht RAB beschäftigt war. Na, so ein Zufall! - Und schon "brennt die Hütte lichterloh!"

Aber: Erwarten Sie nicht zu viel. Die schweizerische Berufsaufsicht hat - ähnlich wie in Deutschland - "Züge einer Geheimjustiz." Man arbeitet "im Stillen" und immer "in engem Kontakt mit den Big4."

KPMG weist bisher jegliche Verantwortung von sich und erklärt, dass man "nicht für die Prüfung interner Verrechnungen zuständig gewesen sei", sondern "nur für die externe Rechnungslegung".

Von der Prüfung der dem Jahresabschluss zugrundeliegenden Buchführung und einem "risikoorientierten Prüfungsansatz" (Gesetzesmäßigkeit etc.) hat KPMG wohl noch nichts gehört!? - Das ist ja wohl ein Treppenwitz!

Eine Frage hab ich noch:

Warum glauben eigentlich immer noch intelligente Top-Manager, es käme nicht früher oder später alles ans Licht? Ist es Naivität? Ist es kriminelle Energie? Oder glaubt man, die Situation mit Hilfe von Politik und Star-Juristen jederzeit beherrschen zu können?

Dieser Fall reiht sich doch nur lückenlos ein in die Serie: VW, AUDI, Deutsche Bank, M.M. Warburg, FIFA,  AIR BERLIN, ...

19.02.2018
Das fragwürdige PwC-Honorar

Damit hatten das BMWi und PwC wohl nicht gerechnet. - Erneuter Ärger im Fall Air Berlin:

Die Bundesregierung stuft nach übereinstimmenden Medienberichten die millionenschweren Honorarzahlungen an PwC als "geheim" ein. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, "dass der Steuerzahler hier beschissen werden soll".

Trotz des seinerzeitigen gegenteiligen Versprechens der Bundesregierung müssten die Bürger nun doppelt zahlen: "Zum einen für mehr als die Hälfte des Überbrückungskredits von 150 Millionen Euro und für die Altschulden von Air Berlin". Hinzu kommen weitere Honorare für eine "suspekte Risikoprüfung" des Kredites in unbekannter Höhe.

Insbesondere geht es auch um die sonderbare Beauftragung an PwC durch Staatssekretär Machnig an einem Samstagmorgen mit der Bitte "etwas aufzuschreiben", was eine Bundesbürgschaft rechtfertigen könne.

Der KfW-Staatskredit für Air Berlin wurde mit einer Bundesbürgschaft abgesichert und erweist sich aus Sicht des Steuerzahlers zunehmend als finanzielles Desaster. Der lachende Dritte im Bunde heißt: LUFTHANSA AG.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass der Insolvenzverwalter von Air Berlin, Lucas Flöther, nun ebenfalls PwC beauftragt hatte, "Anhaltspunkte für eine Insolvenzverschleppung" bei der Airline zu prüfen. Flöther selber hatte bereits Ende Januar 2018 in seinem "Insolvenzbericht" geschrieben, dass PwC eben solche "Anhaltspunkte" festgestellt hätte!

Also nochmal:

Bei der sogenannten "Risikoprüfung" des Kredites und der Vergabe der Bundesbürgschaft sahen die Experten von PwC (wunschgemäß) keine Risiken, stellen jedoch wenige Monate später fest, dass Air Berlin zum Zeitpunkt der Kreditvergabe bereits pleite war!? Das kann doch nur bedeuten, dass die "Risikoprüfer" von PwC wunschgemäß für Staatssekretär Machnig etwas "aufgeschrieben" haben, obwohl sie bereits wussten, dass die "Kiste vor die Wand gefahren war"!

Fazit:

Machnig erhielt sein vorgegebenes Wunschergebnis, die Bundesregierung sah ihren Wahlkampf wegen zehntausender gestrandeter Urlauber nicht gefährdet, PwC fuhr sich ein Millionen-Honorar rein und die "Arschkarte" haben die Steuerzahler!

Derweil jubeln Vorstände und Großanleger von LUFTHANSA! So geht "Umverteilung" von unten nach oben!

Es wird Zeit, dass hier einmal glasklare Fragen an PwC und den "Superstrategen Machnig" gestellt werden. Wie heißt es doch in der Wirtschaftsprüferordnung: "Gewissenhafte, unabhängige und eigenverantwortliche Berufstätigkeit" (§ 43 WPO). Die (lohnende) Rolle von PwC war wohl alles andere als gesetzeskonform mit dem Berufsgesetz!

Das skandalöse Zusammenwirken von Politik und den Big4 hat auch hier mal wieder mehr als ein "Geschmäckle"!

15.02.2018
von der Leyen's Superstar geht von der Fahne!

Da rieb man sich schon die Augen:

2014 wurden zwei McKinsey-Partner überraschend von unserer  Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Ministerium (BMVg) abgeworben und sollten dort die milliardenschwere Rüstungsbeschaffung effizienter organisieren und deutlich optimieren.

Die promovierte Neuroinformatikerin Katrin Suder (46) tauschte hierbei ein Millionensalär bei McKinsey gegen eine Beamtenbesoldung als Staatssekretärin in Höhe von rd. 165.000 €/p.a.!? Ihr McKinsey-Kollege Gundbert Scherf (36) suchte jedoch vor Jahresende 2016 bereits wieder das Weite und ging zurück zu seinem früheren Arbeitgeber.

In der Folgezeit suchte die neue Staatsekretärin verstärkt externen Rat und vergab im Auftrage des Ministeriums an McKinsey und KPMG langfristige Beraterverträge in einem Volumen von über 200 Mio. € (vgl.: wpwatch 12.10.2016)! Intern rumorte es beim BMVg ordentlich, da man ja schließlich in Koblenz eine eigene Beschaffungsbehörde mit über 10.000 Beschäftigten hatte und dort die externen Berater auch durchaus kritisch sah.

Verschiedene Medien berichten nun übereinstimmend, dass Staatssekretärin Katrin Suder aus dem Ministerium ausscheiden wird, da sie "nicht mehr so häufig in Berlin sein möchte!" Mit ihrer Ehefrau, der Sportmarketing-Managerin Katja Kraus, wohnt sie in Hamburg und zieht gemeinsam drei Kinder groß.

Jetzt stellen sich nach dem vierjährigen Intermezzo der Top-McKinsey-Partnerin im BMVg einige Fragen:

  • Mit welcher Motivation tauschte Katrin Suder seinerzeit ein McKinsey-Millionensalär gegen eine eher bescheidene Beamtenvergütung?
  • Kehrt sie zu McKinsey zurück und hat ihren früheren (und künftigen?) Arbeitgeber (absprachegemäß?) mit langfristigen millionenschweren Beraterverträgen versorgt? - Frei nach dem Motto: Mission erfüllt?

Eine Frage hab ich noch:

Kennen Sie noch die Geschichte mit den geheimen McKinsey-Milliarden des McKinsey Investment Office (MIO) in London, die u.a. der Versorgung der (Ex-)McKinsey-Partner dienen sollen?

Na, dann lesen Sie doch noch einmal: wpwatch Newsletter Nr. 68, August 2016, Nr. 2.

Wie arbeiten Beratungsgiganten wie McKinsey, Big4 etc.? Welchen Einfluß haben sie auf die Politik?