Aktuelles

22.01.2018
Deloitte und die Steuerbetrüger

Mehr als 100 Banken, andere Finanzfirmen und Börsenhändler haben den deutschen Fiskus jahrelang "beschissen"! Bundesweit wird in 417 Verdachtsfällen mit einem mutmaßlichen Gesamtschaden von 5,3 Milliarden Euro ermittelt.

Geschehen sei das beim Aktienhandel mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende. Die Cum-Ex-Akteure haben sich eine nur einmal an den Fiskus gezahlte Kapitalertragsteuer auf Dividendenerlöse mehrfach erstatten lassen. Die Staatsanwaltschaft Köln ist in dieser Sache federführend tätig und meldet an die Finanzämter, die jetzt wegen drohender Verjährung geänderte Steuerbescheide für die Jahre 2009 bis 2011 verschickt haben.

Die Finanzaufsicht (BaFin) beauftragte seinerzeit die Wirtschaftsprüfer von Deloitte mit entsprechenden Sonderprüfungen, um jeweils den genauen Schaden festzustellen.

Der geheime Prüfungsbericht von Deloitte datierte bereits auf den 23.12.2016 (Frohe Weihnachten!) und ging Anfang 2017 an die BaFin.

Der Hohn: Von den betroffenen Banken und Finanzdienstleistern muss sich Deloitte jetzt aufgrund seiner Prüfungsfeststellungen unflätig beschimpfen lassen, wie etwa

  • dilettantisch geprüfte völlig ungerechtfertigte Ansprüche,
  • Deloitte ist nicht unabhängig, da sie gleichzeitig etliche Depotbanken prüft,
  • Ergebnisse seien in "höchstem Maße fraglich" oder
  • Deloitte beteilige sich an einer "medialen Rufmordkampagne"!?

Die nunmehr erlassenen Steuerbescheide werden sicherlich größtenteils von "Staranwälten der Big4" angefochten werden, so dass dies die Finanzgerichte noch jahrelang beschäftigen wird.

Paradoxe Situation: Vielleicht stehen ja dann dort einmal die düpierten Deloitte-WPs den "Staranwälten von Deloitte Legal" gegenüber!?

Zu den beschuldigten Banken und Finanzinvestoren gehören übrigens "die ersten Adressen der Republik".

Ach, Sie wollten jetzt noch fragen, warum die Big4-WPs seinerzeit bei den Abschlussprüfungen nichts bemerkt haben (wollen)? - Vergessen Sie's!!!

22.01.2018
PwC-CEO outed sich als Trump-Fan!

Prof. Dr. Norbert Winkeljohann ("My name is Norbert") ist bekanntlich Deutschland+Europa-Chef von PwC, dem deutschen Branchenprimus mit über 2 Mrd. € Jahresumsatz.

In einem Zeitungs-Interview am vergangenen Freitag nahm er recht mutig auch Stellung zum 1-jährigen-Präsidentenjubiläum von Donald Trump und wünschte sich eine "ähnliche Reformfreude auch in Deutschland" wie sie zur Zeit in den USA umgreife.

Zur skandalösen Milliardärs-Steuerreform und unverschämten "Umverteilung von unten nach oben" meinte er:

  • Bei aller Kritik: "Was jetzt durch die Steuerreform auf den Weg gebracht wurde, ist ein Konjunkturprogramm für die amerikanische Wirtschaft, das seine Wirkung nicht verfehlen wird."
  • und "man solle sich Trump ... zum Vorbild nehmen."

Klartext:

Herr Kollege Winkeljohann - Was war das denn? - Ein Musterbeispiel für die "Unabhängigkeit" von Wirtschaftsprüfern (§ 43 I WPO)!? Man redet als Big4-Chef dem Finanzkapitalismus nach dem Mund, hofiert die Geldindustrie und die Selbstbedienermentalität der US-Milliardäre im Trumps Regierung und dessen Umfeld.

Oder meinte "Norbert" etwa, dass man sich einen Mauerbau vielleicht als Konjunkturbelebung in Deutschland zum Vorbild nehmen solle?

Fest steht: Winkeljohann kann sich auf sein alsbaldiges millionenschweres Pensionärs-Dasein freuen, hat sicherlich eine gute Krankenversicherung und braucht keine vier Jobs um seine Familie "durchzubringen"!

Vielleicht schafft er es ja auch einmal (mit seinem Freund Christian Wulff) zu einer Partie Golf mit "Donald" in Florida oder zu einer privaten Audienz im Trump-Tower.

Manchmal ist es wohl besser, wenn man einfach nur die "Klappe hält"!

19.01.2018
Das IDW und das Kartellrecht

Es fängt eigentlich ganz harmlos an:

  • "Das ist eine rein vorsorgliche Maßnahme und führt die bestehende Praxis des IDW in einen dokumentierten Rahmen über."
  • "Hintergrund dieser Entscheidung ist die Debatte um etwaige Kartellverstöße in verschiedenen Industriezweigen und die Rolle betroffener Verbände."

So, da muss man erst einmal drüber nachdenken! - Was hat dies mit dem Berufsstand zu tun und wieso steht dies nur im "Mitglieder-Bereich" der IDW-Website?

IDW Vorstand und IDW Verwaltungsrat haben im September 2017 die "Einrichtung eines kartellrechtlichen Compliance Programms im IDW e.V." beschlossen.

Dieses Programm basiert u.a. auf folgenden Dokumenten:

  • Kartellrechtliche Compliance beim IDW (Kurzbeschreibung)
  • Kartellrechtliche Compliance - Organisation und Berichtswege im IDW (Schaubild)
  • Kartellrechtliche Compliance-Leitlinien IDW

Die Compliance-Leitlinien richten sich hierbei an alle IDW-Mitarbeiter und Gremienmitglieder, denen über mehrere Seiten "kartellrechtlich verbotene Verhaltensweisen" beispielhaft vor Augen geführt werden.

Hierbei geht es u.a. über

  • unzulässige "Verständigungen",
  • unzulässigen Informationsaustausch zwischen Wettbewerbern,
  • Verbandsempfehlungen und
  • Mitarbeit an Standardisierungsvorgängen.

Eindringlich werden schließlich Handlungsanweisungen für Gremienmitglieder für die Teilnahme an Sitzungen abgegeben ("vor -, während -, nach - und am Rande von Sitzungen")!?

Und jetzt mal Klartext:

  • Scheint man jetzt erst beim IDW e.V. verstanden zu haben, dass der Lobbyverein des Big4-Oligopols bei genauerer Betrachtung die Schaltstelle des Big4-Kartells sein könnte und verboten gehört?
  • Ist die Präsenz der Big4-Vertreter in IDW-Ausschüssen und Gremien vielleicht gar der "Dreh- und Angelpunkt" des Kartells?
  • Werden beim IDW etwa kartellrechtlich relevante Absprachen unter den Big4 getroffen?

Ereilen das IDW jetzt etwa Ängste und Zweifel, ob den Big4 nicht der ganze IDW-Verein kartellrechtlich "um die Ohren fliegen kann?"

Aber "rein vorsorglich" legt man schon einmal ein "Compliance-Programm" auf, um mit diesem Feigenblatt jedwede Zweifel im Keim ersticken zu können!?

Was ich mir jetzt denke:

Dann müsste jetzt nur noch eine der Big4-Gesellschaften den Mut haben und aus dem Kartell aussteigen, Beweismaterialien auf den Tisch legen und für sich die "Kronzeugenregelung" in Anspruch nehmen.

Zu waghalsig gedacht? 

19.01.2018
KPMG: Die Qualifikation der Vorstände

Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als die KPMG über zwanzig Wirtschaftsprüfer im Vorstand hatte und es die absolute Ausnahme war, dass in diesem erlauchten Gremium Nicht-WPs saßen. Die Ausnahmen waren im Regelfall TOP-Steuerrechtler.

Da Wirtschaftsprüfung für die Big4 immer mehr an Bedeutung verliert und lediglich noch als Türöffnergeschäft für lukrative Beratungsmandate in Politik und Wirtschaft dient, hat sich dies heutzutage geändert.

IT- sowie Management- und Strategieberatung entwickeln sich gegenüber dem Prüfungsmarkt geradezu rasant. Also muss sich das auch in den Führungsetagen der Big4 niederschlagen, da man diese Nichts-WPs ansonsten nicht "einfangen" kann.

Heutzutage hat man jedoch nicht einfach nur (aktienrechtliche) "Vorstände" als gesetzliche Vertreter, sondern schichtet Vorstandsebenen, um auch Nichts-WPs nach außen hin in "Leitungspositionen" präsentieren zu können.

Somit hat die KPMG aktuell

  • 6 "Vorstände", 
  • 10 "Bereichsvorstände" und
  • 8 "Regionalvorstände".

Von diesen 24 "Vorständen" haben jedoch 9 Personen nicht die Qualifikation als Wirtschaftsprüfer.

  • Christian Rast ist beispielsweise Dipl.-Kfm. und ließ sich seinerzeit mit einem echten "Vorstands"-posten belohnen, als er seine "IT-Bude" BrainNet an die KPMG verkaufte. Zwischenzeitlich hatte er auch mal die Qualifikation als "Generalbevollmächtigter".
  • Ioannis Tsavlakidis ist als Dipl.-Mathematiker Bereichsvorstand Consulting oder
  • Dipl.-Kfm.(FH) Leif Zierz ist Bereichsvorstand "Deal Advisory".

Die Entwicklung ist eindeutig:

Immer mehr "Berater" sammeln sich unter dem Schutzschirm "anerkannter WP-Gesellschaften" und genießen den berufsrechtlichen Nimbus von Vereidigung, Verschwiegenheit und strengem WP-Berufsrecht. Die KPMG-Visitenkarte als "Vorstand" ist für Nicht-WPs ein "Türöffner" in Politik und Wirtschaft, den die Jungs von McKinsey, Bain und BCG eben nicht haben. Dies ist ein erheblicher nicht gerechtfertigter Wettbewerbsvorteil für die Big4.

Dieses stetige Aufweichen des Berufsbildes des Wirtschaftsprüfers kann nicht gut enden! Die "systemrelevante Funktion" von Wirtschaftsprüfern in der Wirtschaftsordnung verliert immer mehr an Bedeutung und wird kaum noch wahrgenommen.

Eine Frage hab ich noch:

Was wurde eigentlich aus den Antrag der KPMG beim Berliner Anwaltsgerichtshof (AGH) auf Anerkennung einer Anwalts-Aktiengesellschaft, unter die alle anderen Aktivitäten (also auch Wirtschaftsprüfung) subsumiert werden sollten ("one-KPMG"). Die Entscheidung sollte doch am 20.12.2017 fallen!? (vgl. wpwatch-Meldung vom 22.06.2017).

Je nachdem wie der Anwaltsgerichtshof entscheidet, wird sich diese negative Entwicklung des Berufsbildes der "Alleskönner- und Alleswisser-Big4" dadurch noch weiter beschleunigen.

18.01.2018
Zweijähriges Prüfungsverbot für PwC!

Die indische Börsenaufsicht (SEBI) hat PwC mit einem zweijährigen Prüfungsverbot für börsennotierte Unternehmen und einer saftigen Geldbuße in Höhe von 2 Mio. $ belegt.

PwC wurden als Prüfer der börsennotierten IT-Firma SATYAM massive Fehler bei der Prüfungsdurchführung nachgewiesen. SATYAM stand 2009 vor dem Zusammenbruch, der Gründer B. Ramalinga Raju hatte die Bilanz während Jahren gefälscht und das Eigenkapital um insgesamt 1 Mrd. $ (!) zu hoch ausgewiesen.

Ende 2008 bilanzierte SATYAM fiktive Barmittel, unterbewertete Verbindlichkeiten und nicht existierende Kundenforderungen. Dazu buchte Raju Tausende erfundener Kunden-Rechnungen. Das gab er selbst in einer E-Mail Anfang Januar 2009 gegenüber der Börsenaufsicht zu. Er wurde zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Der Bilanzskandal wurde seinerzeit in der Presse auch als "Enron von Indien" bezeichnet.

Die Börsenaufsicht hat dazu jetzt einen über 100-seitigen Abschlussbericht vorgelegt und darin die Rolle von PwC analysiert. Ergebnis: Massive Vorwürfe gegen die PwC-Wirtschaftsprüfer!

Das lässt sich am Beispiel der Barmittel illustrieren: PwC habe den Betrag liquider Mittel nicht mit den direkt von den Banken eigeholten Kontensalden abgeglichen, sondern sich mit gefälschten internen Dokumenten begnügt. Anhand massiver "dilettantischer Auffälligkeiten" hätte dies leicht festgestellt werden können.

Die zwei verantwortlichen PwC-Partner wurden seinerzeit verhaftet. Hierüber berichtete wpwatch bereits im Newsletter Nr. 9 (März 2009).

Aus der PwC-Presseabteilung hieß es jetzt: 

  • "Es habe kein vorsätzliches Fehlverhalten gegeben und man habe seither die internen Qualitätsprozesse verbessert. Die betroffenen Partner würden nicht mehr für PwC arbeiten."

Fazit:

Mal wieder ein Einblick in die "heile Welt der Big4".

Und fragen Sie nicht schon wieder, warum man solche Nachrichten nur in der ausländischen Presse liest und in den hiesigen Medien keinerlei kritische Berichterstattung über die Big4 stattfindet.

18.01.2018
Auf zum Neujahrs-Frühstück!

Es ist wieder soweit: Die Big4 laden großzügig zum Neujahrsfrühstück ein!

In den Medien und auf den Webseiten der Big4 wimmelt es momentan wieder von Angeboten:

"Wir laden Sie herzlich ein, sich beim Neujahrsfrühstück von unseren Experten beraten zu lassen!"

Na, das ist ja wohl ein Angebot: Ein dreistündiges Beratungs-Frühstück!

Eher wohl gerichtet an unterbeschäftigte Unternehmer und Freiberufler, die gerne einmal in eine stilvolle Location eingeladen werden möchten und die wollen, dass sich "Experten" endlich einmal intensivst um sie bemühen.

Die Kölner KPMG lud gerne seinerzeit ins "Schloß Bensberg" ein - gutes Frühstück, toller Service! Hier konnte man dann (auch gerne unter falschem Namen; "Hab die Visitenkarten leider vergessen" etc.) Experten bei ihrer Akquise-Show "bewundern".

Lustig fand ich immer, dass man bei der elektronischen Anmeldung gefragt wurde, ob man "mit - oder ohne Fahrer" käme, denn dieser muss schließlich auch (vor der Türe) verköstigt werden.

Dies müsste übrigens in die nächste Überarbeitung von § 2 der WPO als weitere "berufstypische Tätigkeit" für Wirtschaftsprüfer aufgenommen werden:

Kalt-Akquise bei Schnittchen und Kaffee/Tee.

16.01.2018
PwC und der serbische Minister

Küsnacht am Zürichsee ("Goldküste") zählt sicherlich zu den teuersten Adressen der Schweiz. An einer der dortigen Liegenschaften steht auf dem Briefkasten: «Popovic».  An dieser Adresse ist Nenad Popovic gemeldet, seit Juni 2017 Serbiens Minister für Innovation und Technologie.

Dem 51-Jährigen gehört u.a. das russische Konglomerat ABS Electro mit über 3000 Mitarbeitern, was ihn zu einem der reichsten Serben macht. Sein ­neues Ministeramt ist ein Spezialposten «ohne Portfolio, also ohne eigenes Ministerium. Zuvor saß Popovic von 2008 bis 2014 im serbischen Parlament; 2014 gründete er eine eigene Partei, die «Ser­bian People’s Party». Dass der ­Minister im Kanton Zürich wohnt, war bisher nicht bekannt.

Zur Information: Das Einkommen eines Ministers in Serbien beträgt rd. 800 € / monatlich!

Seine Küsnachter Residenz geht aus den Paradise Papers ­hervor, der Dokumentensammlung der Anwaltskanzlei Appleby, die der «Süddeutschen Zeitung» zugespielt wurde. Popovic verhielt sich über die ­Jahre sehr diskret – nicht einmal ­der Gemeindepräsident von Küsnacht wusste, dass ein serbischer Minister dort residiert.

Popovic muss sich nun in Serbien politisch dafür verantworten, als Minister in einem fremden Staat Wohnsitz zu haben und in Serbien keine Steuern zu zahlen. Aber auch auf die Berater von PwC  kommen Fragen zu, da sie Popovic seit 2008 betreuen. Aus den ­Paradise Papers ergibt sich, dass PWC-Anwälte nicht nur dessen Schweizer Steuererklärung ausfüllten, sie planten für ihn auch ein Offshore-Konstrukt in der Steueroase Isle of Man – als Firmendach für seine Unternehmen und sein privates Vermögen.

Dass PWC für einen politisch exponierten Kunden Offshore-Firmenkonstrukte plant, irritiert jetzt die Behörden. «Wirtschaftsprüfer ­führen bei Banken Geldwäsche-Audits durch und treten so als verlängerter Arm der Finanzaufsicht auf.» Es lasse tief blicken, dass PwC gleichzeitig solche Konstruktionen zum aggressiven Steuerdumping anbiete.

  • «Wie kann man gleichzeitig Aufpasser und Akteur sein?»

Dazu kommt, dass PWC im Fall Popovic laut Paradise Papers deutliche Geldwäsche-Alarmzeichen ignorierte, die man bei einfacher Internetrecherche hätte feststellen müssen. Auch hätte man der Presse entnehmen können, dass durch Popovic-Firmen bei Bauaufträgen in Russland in erheblichem Umfang Staatsgelder veruntreut wurden. Außerdem ist er ein persönlicher Freund von Wladimir Putin.

  • Damit war und ist Popovic eindeutig ein "Hochrisikomandant"!

PwC gibt heute vor, von den vielen Medienberichten allesamt nichts gewusst zu haben.

Es scheint den Big4 einfach egal zu sein, ob man Kriegsverbrecher, Plünderer von Staatskassen, Geldwäscher, Betrüger oder Mafioso ist. Im Zweifel haben wir ja immer noch die Verschwiegenheit und das Zeugnisverweigerungsrecht.

12.01.2018
LuxLeaks: Jetzt wird PwC verklagt!

In der "LuxLeaks"-Affäre um unverschämte Steuervorteile für internationale Großkonzerne hat das oberste Gericht Luxemburgs - der Kassationshof - gestern das Urteil gegen den Whistleblower Antoine Deltour gekippt.

Sein Verfahren muss damit neu aufgerollt werden. - Die Verteidigungslinie seines Anwalts hat die Richter offenbar überzeugt: Er verstehe nicht, warum sein Mandant vom Gericht zwar als Whistleblower anerkannt, dann aber wegen Datendiebstahls verurteilt werden könne. Ohne im Besitz von Daten zu sein, könne man schließlich nicht zum Whistleblower werden. Dies sei ein Paradoxon!?

Die Richter sahen das ähnlich: Deltours Funktion als Whistleblower sei nicht richtig gewürdigt worden, hieß es.

Jetzt kommt der Knaller:

Parallel zum Prozess in Luxemburg läuft bereits seit Wochen ein weiterer Prozess am »Tribunal de Grande Instance« im lothringischen Metz. Nur sitzen dort nicht Whistleblower auf der Anklagebank, sondern die Vertreter von PWC. Kläger sind hier zwei Angeklagte aus dem LuxLeaks-Prozess.

PwC wird vorgeworfen, beim Ersuchen einer privaten Hausdurchsuchung bei einem Ex-Mitarbeiter gelogen zu haben. Denn es ging nicht, wie von PWC behauptet, nur darum, festzustellen, dass Daten entwendet wurden, sondern vielmehr wollte PwC herausfinden und belegen, wer die Daten an den Journalisten weitergegeben hatte.

Deshalb wurden bei der Durchsuchung, der die französische Gendarmerie beiwohnte, von PwC-Leuten nicht nur Dokumente mitgenommen, sondern auch der gesamte E-Mail-Verkehr kopiert.

Für PwC sieht die Sache vor Gericht nicht gut aus!

Die Metzer Staatsanwaltschaft sagt, dass die Erlaubnis zur Hausdurchsuchung zu annullieren sei, da sie gegen den journalistischen Quellenschutz verstoße. Damit träfe PwC ein Verwertungsverbot der unrechtmäßig erlangten Informationen! - Dies wiederum hätte erhebliche Auswirkungen auf den (neuen) LuxLeaks-Prozess in Luxemburg!

Na, dass sieht mal wieder nach einer saftigen "Klatsche" für PwC aus!

Das Urteil in erster Instanz soll am 6. Februar in Metz gefällt werden.

11.01.2018
LuxLeaks - Der nächste (letzte?) Akt!

Erinnern Sie sich noch: wpwatch hatte in den letzten drei Jahren umfassend über die steuerlichen Vorab-Vereinbarungen (Tax Rulings) berichtet, die PwC für seine Mandanten in Luxemburg ausgehandelt hatte. Ergebnis waren Steuerbefreiungen, die dazu führten, dass Unternehmen wie amazon, apple, Starbucks, Deutsche Bank & Co. lediglich Steuersätze von 1 - 3 % zahlten, d.h. Steuern in Milliarden Größenordnung dem Fiskus entgingen.

Am heutigen Donnerstag wird in Luxemburg das vielleicht letzte Urteil in dieser Sache gegen die beiden PwC-Whistleblower vom Kassationsgerichtshof gesprochen. Antoine Deltour und Raphael Halet wollen einen Freispruch erstreiten und sind gegen ihre symbolischen Gefängnisstrafen mit Bewährung und die Geldstrafen in Revision gegangen.

Antoine Deltour hat bereits angekündigt, dass er – sollte seine Verurteilung heute vom Kassationsgerichtshof bestätigt werden – sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg wenden werde.

Was aber war eigentlich geschehen? - Die internationale Presse hatte Ende 2014 rund 28.000 Dokumente ausgewertet, die aus den Computern von PwC stammten. Über ein US-Recherchezentrum gingen die Papiere sortiert an eine deutsche Recherchegruppe und auch an internationale Medien.

Der Tenor: Luxemburg - ein internationales Steuer-Vermeidungszentrum!

Die Papiere enthielten 548 verbindliche Steuer-Vorbescheide, die über PwC in den Jahren 2002 bis  2010 abgeschlossen wurden. Grundlage der Abkommen war eine Steuervorschrift, nach der Gewinne aus geistigem Eigentum einer 80-prozentigen Steuerbefreiung in Luxemburg unterliegen.

Der eigentliche Skandal besteht jedoch darin, das PwC originäre "hoheitliche Aufgaben" der Finanzverwaltung wahrnahm und die Tax Rulings im eigenen Hause selbst erstellte.

Die LuxLeaks-Veröffentlichungen führten zu einer intensiven, aber erfolglosen Diskussion darüber, ob es ein Gemeinwohl-Interesse gebe, das über den Gesetzen steht. Dieses müsse  “Whistleblower” vor Verfolgung schützen.

Frage: Was hat die monatelange internationale Aufregung bewirkt?

Wenig bis nichts! Die Staaten der EU, die “Tax Rulings” durchführen, tauschen neuerdings lediglich ihre Dokumente aus und stellen damit "Transparenz" her.

In der europäischen Steuer-Diskussion ergibt sich durch LuxLeaks und die eingeführte Transparenz nun allerdings ein Konflikt der Institutionen.

  • Die Europäische Kommission sieht in dem Steuerverhalten der Staaten illegale Beihilfen und verlangt per Dekret die Rückzahlung von gewährten Steuervorteilen in Millionen- und Milliardenhöhe von den begünstigten Unternehmen. Tax Rulings verstoßen nämlich gegen die europäischen Beihilfe-Vorschriften.
  • Luxemburg und andere Staaten klagen nun jedoch vor dem Europäischen Gerichtshof, weil diese Auffassung das Souveränitätsprinzip bricht. In Finanz- und Steuerfragen hat die Europäische Kommission nämlich keine Kompetenz gegenüber den EU-Staaten. Steuerrecht ist geschütztes Souveränitäts-Recht!

Der Europäische Gerichtshof muss demnächst darüber entscheiden, wie weit diese Souveränität auszulegen ist.

Fazit:

Gegen PwC wird nicht vorgegangen, weder berufsrechtlich, noch strafrechtlich! Die Big4 stehen offensichtlich weltweit unter "Artenschutz". Sie liefern die Anleitungen zum aggressiven Steuerdumping, handeln die "Deals" mit den jeweiligen Steuerverwaltungen aus, fertigen selbst die Steuerbescheide  und lassen sich dafür Millionenhonorare zahlen.

Sicherlich werden Politiker und Justizkreise hierbei durch die Lobbyisten-Elite der Big4 "bestens beraten und betreut"!

Ach, noch zum Schluss:

Die Zahl der Tax Rulings in Luxemburg nahm von 2015 (570) bis 2017 (726) um 27,4% zu! - Alles klar???

10.01.2018
Ernst & Young und die Sitzbänke

wpwatch wird nicht nur im Berufsstand und auch nicht nur in Deutschland regelmäßig gelesen.

Auch ausländische Kollegen/innen melden sich hin und wieder zu Wort. Schweizer Kollegen berichteten vor wenigen Tagen über ein medienwirksames Engagement von EY Schweiz im Flaachtal, dem Züricher Weinland.

EY sponserte dort kürzlich die Aufstellung von fünf "Ruhe- und Aussichtsbänkli" für ruhende Spaziergänger und Rentner. Eine noble Geste in Zeiten knapper Haushalte und leerer öffentlicher Kassen. Also wurden Pressekonferenzen abgehalten und lange Presseerklärungen verteilt. Die regionale Presse ist begeistert und sprach gar von einem "Bänkli-Regen"!

Hierzu Ernst & Young:

  • «Unser Corporate-Responsibility-Engagement ist Ausdruck unserer ethischen, sozialen und ökologischen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, in der wir leben und arbeiten.»
  • Natürlich ist EY ein gewinnorientiertes Unter­nehmen, «aber das allein ist es noch nicht. Unser langfristiges Ziel ist es, einen nachhaltigen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft zu leisten.»

Nochmals:

Man will der Gesellschaft etwas zurückgeben! - Was hat man ihr denn (vorher) genommen?

Na, das sind ja starke Worte der schweizer EY-Kollegen/innen, die jeden internationalen "Code of Ethics" toppen!

Und wie geht es jetzt weiter?

Jetzt sind die Kollegen/innen der übrigen Big4 ja wohl herausgefordert und müssen nachlegen!?

Passen Sie also gut auf, dass Sie demnächst in deutschen Fußgängerzonen und auf Wanderwegen nicht einem "Bänkli-Regen" der Big4 zum Opfer fallen.

Die von PR1MUS gesponserten Bänke längs des Rheins in Porz Ensen kann ich momentan von meinem Büro aus leider nicht mehr sehen, da diese seit Tagen im Hochwasser versunken sind. :-)