Aktuelles

05.06.2020
Rödl hat sich verzockt! - Was nun?

Nach der umfassenden Berichterstattung von wpwatch liegt jetzt der Ball in der Spielhälfte der WP-Berufsaufsicht!

Dort wird man erst einmal die Karten mischen und Bestandsaufnahme unbearbeiteter Post machen müssen. Der Aufschlag dieses Schmierentheaters war bundesweit zu hören und die Nervosität der Super-Strategen in Nürnberg war zu spüren.

Jetzt werden interessante Einzelfragen zu beantworten sein:

  • Da Prof. h.c. Christian Rödl noch nicht mal eine Registrierungsnummer im WP Register besitzt, stellt sich die Frage der Kammer-Zuständigkeit für das Täuschungsverhalten. Wäre die Berufsaufsicht der Rechtsanwalts- oder Steuerberaterkammer nicht für diesen Kollegen zuständig ?
  • Die Zuständigkeiten der WPK / APAS für die netten Kollegen Kraus, Wambach und Bömelburg dürften klar sein.
  • In Bezug auf den WPK Vorstand bleibt die Frage, wie sich die Mitglieder, insbesondere die beiden bayerischen Kollegen, zu dem skandalösen Vorgang positionieren.
  • Es ist zu vermuten, dass die Big4-Vertreter das Zünglein an der Waage bilden, ob bei diesem Vorgang ein Exempel statuiert werden soll. Dies ist sicherlich auch eine Frage, um die Glaubwürdigkeit der Berufsaufsicht wieder herzustellen.
  • Rödl könnte im Extremfall damit aus dem Markt gedrängt werden. Kein Big4-Büro hat in der Metropolregion Nürnberg die Größe von Rödl erreicht, da ergeben sich beim in Aussicht stehenden Fischfang per se Filetstücke und damit Begehrlichkeiten. 

Oder ist meine Vorhersage mit der "Geheimjustiz" realistischer? - Verschwiegenheit, Verschlussache, Basta!

Es wird in nächster Zeit spannend bleiben!

28.05.2020
VW's Demütigung durch den BGH

Es war einmal

  • ein deutscher Vorzeige-Konzern erster Güte,
  • Milliardärsfamilien Piech und Porsche mit jährlichen Milliardengewinnen Richtung Österreich und
  • Landesbeteiligung Niedersachsen mit unverschämter Lobbyarbeit (VDA) ohne Ende.

Vorgestern urteilte das höchste deutsche Gericht (BGH,  Az. VI ZR 252/19) über den millionenfachen Betrug der Trickser- und Täuscherelite aus Wolfsburg:

  • Das Verhalten des Konzerns war objektiv sittenwidrig!,
  • Das Kraftfahrt-Bundesamt wurde bewusst und gewollt systematisch und langjährig getäuscht - zur Gewinnmaximierung.
  • Gegenüber den Käufern war dies besonders verwerflich und mit der Sitten- und Rechtsordnung nicht zu vereinbaren.

Na, dann erst mal Glückwünsche an die Trickser und Betrüger von Wolfsburg! So ein Urteil muss man sich erst einmal "verdienen".

In den Knast muss wohl keiner der Verantwortlichen. Dazu hat man ja letzte Woche neun Millionen in den Ring geworfen ("Deal"). Aus den weltweiten Schadensersatz-Zahlungen von 30 Mrd. € werden jetzt wohl eher 40 Mrd. € - aber Geld ist ja genug da.

Ach so: Die Sozialisierung des Schadens fehlt noch! - Also verlangt der VDA hohe Kaufprämien für Neukäufe, Milliarden-Zuschüsse für die E-Mobilität und KfW-Kredite.

Sie fragen, wo die Wirtschaftsprüfer jetzt vorkommen? -

  • die werden demnächst wieder - mit niedrigstem cw-Wert - durch die Vorstandsetagen fliegen und möglichst keine kritischen Fragen stellen und
  • um millionenschwere Beratungsmandate und Sonderaufträge buhlen.

Was die Wirtschaftsprüfer von PwC wann wussten, wird ja das forensische Gutachten von Prof. h.c. Zwirner abschließend klären.

Das nennt man Unabhängigkeit, Gewissenhaftigkeit und Eigenverantwortlichkeit! - Seien Sie doch einfach "Sparingspartner" der Verantwortlichen.

Oder lebe ich in einer alten Welt?

27.05.2020
EY und Wirecard - Wirtschaftsprüfer werden zum Spielball!

"Wirtschaftsprüfung" im medialen Zocker-Zeitalter! - Hierzu erleben wir seit Wochen ein schockierendes Beispiel, das sprachlos macht - WIRECARD! Diese Angelegenheit mutiert langsam zur Witzveranstaltung anstatt zu einer qualifiziert durchgeführten Abschlussprüfung - unabhängig, gewissenhaft, eigenverantwortlich ... (§§ 43 I, 17 WPO).

Wirtschaftsprüfung heißt heutzutage offensichtlich, dass wir uns zum Spielball für Hasadeure, Leerverkäufer, mediale Blender und haftungsrechtliche Fallensteller machen. Gleichzeitig wird unendlicher Druck aufgebaut und den Wirtschaftsprüfern ihr Stellenwert im Finanzkapitalismus als "austauschbare Dienstleistung" von den Jongleuren deutlich vor Augen geführt.

Ich finde dies unerträglich! Insbesondere auch, dass das IDW, die WPK und insbesondere die Politik diesem Treiben tatenlos zuschauen, keiner "einen Arsch in der Hose hat", klare Worte findet und dem Berufsstand (EY) den Rücken stärkt!

Mutmaßliche Bilanzmanipulationen, fehlende Prüfungsnachweise, ausstehende Auskünfte Dritter und fragliche Sonderprüfungs-Ergebnisse von KPMG einerseits und eine unerträgliche Mißachtung der Mitwirkungspflichten (§ 320 HGB) durch den Möchtegern-Milliardär und Gründer sowie den Finanzvorstand andererseits. Ich möchte nicht in EY´s Rolle stecken und mir dieses Theater von Erwartungs- und Medienterror antun.

Lesen Sie sich doch einmal diesen Quatsch aus der Zockerwelt und dem sprüche-klopfenden Finanzvorstand durch! - Geht´s noch?

Es gibt im Umgang mit Wirtschaftsprüfern offensichtlich keine Regeln, keine Ethik und keinen Anstand mehr. Und alle schauen (aus der zweiten Reihe) lustig zu!

Das IDW, allen voran Prof.h.c. Naumann, träumt vom WP als "Sparingspartner" oder "Dirigenten", die WPK ist in Schockstarre und schaut sich alles lieber im Nachhinein im Rahmen der Berufsaufsicht an und in der Politik des BMWi haben Wirtschaftsprüfer ohnehin keine systemrelevante Funktion mehr! Man redet nur noch mit Lobbyisten!

26.05.2020
Die Geheimjustiz der APAS

Beginnen wir mit einer Frage:

Was ist aus berufsrechtlicher Sicht der Unterschied zwischen dem P&R-Container-Skandal und dem Wirecard-Skandal? Im Fokus stehen hier einerseits der Kollege Wagner-Gruber, der seit Jahren ein betrügerisches Schneeballsystem seines Mandanten nicht erkannt und testiert haben soll. Auf der anderen Seite soll EY jahrelang Wirecard uneingeschränkt testiert haben, obwohl ein KPMG-Sonderprüfungsbericht aktuell belegt, dass offensichtlich Nachweise in astronomischer Größenordnung (!!!) nicht vorgelegen haben sollen.

Antwort:

Kollege Wagner-Gruber unterliegt mit seinem P&R-Non Pie-Mandat der Berufsaufsicht der WPK (§ 61a I WPO), während EY bezüglich des Pie-Mandates Wirecard gemäß §§ 61a WPO, 66a I WPO der Berufsaufsicht der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterliegt.

Oder anders gesagt: Während die P&R-Akten bei der Vorstandsabteilung Berufsaufsicht (VOBA) der WPK liegen, hat die APAS die Untersuchung mutmaßlicher Verfehlungen von EY bei den Abschlussprüfungen Wirecard bereits an sich gezogen. Die WPK ist damit aus dem Rennen raus. Jedoch gilt auch für den P&R-Skandal, dass die APAS die letztinstanzliche Fachaufsicht des Berufsstandes ist, d.h. auch die WPK bei ihren Ermittlungen und Beurteilungen überwacht oder den Fall an sich ziehen kann..

Nächste Frage: Wie wird es wohl in den beiden Bilanzskandalen weitergehen?

Im Fall P&R berät momentan die VOBA und entscheidet letztlich (unter der Aufsicht der APAS), ob man die Sache dem Berufsgericht (Elzholzstrasse, Berlin) übergibt und ein berufsgerichtliches Verfahren durchführt. Ob ein solches Verfahren eröffnet wird, entscheidet die VOBA mehrheitlich. Hier deren aktuelle Besetzung.

  • WP/RA Dr. Hans-Friedrich Gelhausen – Vorsitzender (Ex-PwC)
  • WP/StB Regina Vieler – stellvertretende Vorsitzende (wp.net) 
  • WP/StB Andreas Dörschell  (FALK, EX Big4)
  • vBP/RA FAfStR Norbert Erich Grochut  (ETL AG)
  • WP/StB Michael Gschrei  (wp.net)
  • WP/StB/RA Dr. Christof Hasenburg  (KPMG)
  • WP/StB Dr. Christian Orth (EY)

Im Fall Wirecard liegt das Verfahren bei der APAS, die ausschließlich Big4-besetzt ist.

Erfahren wir am Ende des Tages vom Ausgang der Verfahren?

WPK und APAS sind gemäß § 69 I WPO verpflichtet, jede berufsaufsichtsrechtliche Maßnahme unverzüglich auf ihrer Internetseite öffentlich bekannt zu machen und dabei auch Informationen zu Art und Charakter des Verstoßes mitzuteilen, wobei die Bekanntmachung jedoch keine personenbezogenen Daten enthalten darf! Die Mitteilungen sollen auf der Website für fünf Jahre veröffentlicht bleiben (§ 69 III WPO). Naming und shaming wie nach dem Geldwäschegesetz (GwG) gibt es hier also nicht!

Glauben Sie tatsächlich, dass die Big4 in der VOBA oder in der APAS in solch medienwirksamen Fällen aufeinander losgehen?

Sie kennen doch die Geschichte mit der einen und der anderen Krähe, oder? Wenn man die Unabhängigkeit der Berufsaufsicht über die Big4 durch die APAS infrage stellen kann, so gilt dies sicherlich auch für die WPK. Der APAS sind alle Fälle jeweils zu melden, so dass man die Verfahren dort ohnehin an sich ziehen könnte.

Man hat den Eindruck einer Geheimjustiz!

25.05.2020
VW - Der faule Deal mit der Staatsanwaltschaft

Um es noch einmal vorweg zu sagen:

VW ist verantwortlich für den größten Industriebetrug der Nachkriegszeit, hat Millionen Kunden, die Öffentlichkeit und die Strafverfolgungsbehörden getäuscht und jahrelang getrickst.

Die Strafverfahren wegen möglicher Marktmanipulation im Zusammenhang mit der Dieselaffäre gegen den VW-Konzernchef Herbert Diess und den Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch werden gegen Zahlung von neun Millionen Euro eingestellt. Die Ermittler werfen beiden vor, dass sie nicht rechtzeitig über den Abgaskandal informiert haben. Ein Unternehmenssprecher teilte mit, dass der Aufsichtsrat die Einstellung des Verfahrens begrüße und betonte, dass die Einigung mit der Staatsanwaltschaft kein Schuldeingeständnis sei!

Worum geht es im Kern? - Während man hausintern bereits in einer Sitzung am 27.07.2015 die Dieselmanipulationen mit Vorstandsmitgliedern thematisiert habe, wurde der Skandal erst im September 2015 durch die amerikanischen Behörden der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Sache ist insofern auch aktienrechtlich von großer Bedeutung, da die Aktie nach Bekanntwerden abstürzte und sich die Frage stellt, ob die Anleger früher hätten informiert werden können / müssen. - Diese Sachverhalte sind durch Beschluss des OLG Celle jetzt auch Gegenstand einer von VW jahrelang verhinderten Sonderprüfung.

Klartext:

Der Konzern kauft seine beiden wichtigsten Manager aus den Ermittlungen rund um den Dieselskandal frei und bedient auf fatale Weise folgende Klischees:

  • Manager sind skrupellos und moralbefreit. Im Zweifel werden sie freigekauft!
  • Wer genügend Geld zahlen kann, kommt mit allem davon - sogar mit millionenfachem Betrug!
  • Von Läuterung, Demut oder konstruktiver Mithilfe bei der Aufklärung ist man mit einem solchen Deal meilenweit entfernt!

Natürlich will man die wichtigsten Manager des Konzerns nicht monatelang auf der Anklagebank muffiger Gerichtssääle in Braunschweig sehen. Und dies insbesondere nicht in schwierigen Zeiten. Gleichwohl ist es ein moralisches Desaster.

VW hat mit diesem Deal (wiederum) der Gesellschaft schweren Schaden zugefügt.

Die Dieselaffäre ist damit noch lange nicht ausgestanden!

19.05.2020
Wirtschaftsprüfer als Warenprüfer

Heutzutage hat man den Mundschutz einsatzbereit in der Hemdentasche (Kolleginnen in der Handtasche), in der Gesäßtasche oder (wie ein Rosenkranz oder Fuchsschwanz) am Rückspiegel des Autos hängen. Vor wenigen Wochen noch dachte man, dass es auf Monate hinaus - ähnlich dem Toilettenpapier und der Haarschneidemaschine - keine Mundschutzmasken geben wird, da sich erst die Chinesen für 10 Jahre selbst versorgen werden und Gauner zu Schweinepreisen damit ihre Geschäfte machen wollen.

Dann kam doch alles anders:

Minister Jens Spahn reagierte schnell und beschaffte in einem "Open-House-Verfahren" bis heute für Deutschland mehr als 500 Mio. Schutzmasken (!!!). Dieser grenzenlose Aufkauf des Marktes funktionierte nur mit der Zusage, dass "die Vergütung bargeldlos binnen einer Woche nach Lieferung und Eingang einer Rechnung" erfolge.

Jetzt muss man jedoch feststellen, dass rd. 20% der gelieferten Schutzmasken nicht den Norm-Anforderungen entspricht, es somit einer genaueren Warenprüfung bedarf und es demzufolge zu "Verzögerungen bei der Abarbeitung der Rechnungen" kommt.

Das Ministerium hat sich jetzt kurzerhand entschieden, mangels eigenem Personal "die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young als Dienstleister" ins Boot zu holen, um "die korrekte Vertragsabwicklung, Rechnungsprüfung und bei mangelhafter Lieferung auch die Rückabwicklung von Verträgen in China und Deutschland" zu unterstützen.

Auf Anfrage bezüglich des Honorars antwortete das Ministerium, "das Honorar entspreche den branchenüblichen Sätzen"!

Toll diese Wirtschaftsprüfer! - Die können nicht nur die Prüfung der ordnungsgemäßen Unterbringung von osteuropäischen Schlachthof-Werklöhnern in Schrottimmobilien testieren, sondern auch die Warenprüfung für minderwertige Schutzmasken aus China übernehmen.

Eine Frage hab ich noch:

Wissen Sie eigentlich noch, warum die Mithilfe der Big4 seinerzeit bei der Erfassung der Flüchtlinge 2015/2016 beim BAMF nicht geklappt hatte? - Richtig - weil die Honorarsätze nicht "branchenüblich" waren. - Sie sehen, auch die Politik lernt dazu und lässt sich manchmal von Wirtschaftsprüfern belehren. - Dann ist man doch auch gerne mal wieder Dienstleister!

14.05.2020
Kleeberg: Die neuen Diesel-Skandal-Sonderprüfer

Seit drei Jahren kämpft VW mit harten Bandagen dagegen, dass ein unabhängiger Sonderprüfer den Dieselskandal durchleuchtet. Hierüber hatte wpwatch seit 2018 immer wieder berichtet.

Das Oberlandesgericht (OLG) Celle hat mit Beschluss vom 28.04.2020 (Az. 9 W 69/19) nun rechtskräftig entschieden! Und kaum jemand hat diese ach so wichtige Entscheidung zur Kenntnis genommen:

Als Sonderprüfer wurde jetzt Prof. Dr. Christian Zwirner, Geschäftsführer der Münchner Kleeberg & Partner WPG, bestellt. Durchgesetzt hat die Sonderprüfung bei VW letztlich die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Anlegerverband hatte bereits Ende 2017 erstritten, dass ein externer Prüfer ermittelt, ob Vorstände und Aufsichtsräte von Volkswagen ihre Informationspflichten bei der Aufklärung des Dieselskandals verletzt haben und wer wann was wußte.

Dieser Prüfer sollte der Kollege Rüdiger Reinke sein, WP/StB bei Baker Tilly in Düsseldorf. Die juristischen Folgestreitigkeiten zogen sich aber so lange hin, dass Kollege Reinke die Altersgrenze erreichte, bevor er sein Amt antreten konnte. Da er im Bestellungsbeschluss des OLG namentlich als Sonderprüfer bestimmt war, wollte VW die Berufung eines anderen Prüfers nicht akzeptieren. Das LG Hannover entschied im Juni 2019  zugunsten von VW, da es „an der erforderlichen Dauerwirkung der Sonderprüferbestellung“ fehle (Az. 25 O 3/19).

Nach langem juristischen Streit hat das OLG Celle seinen Beschluss von 2017 abgeändert und setzt statt Reinke nun Kollegen Zwirner ein. Auch für den Fall, dass Zwirner verhindert sein sollte, wird diesmal direkt vorgebaut: In diesem Fall würde laut OLG-Beschluss Kollege Karl Petersen übernehmen, (zufällig) ebenfalls WP/StB bei Kleeberg & Partner. Die Presse berichtet jetzt, dass "Kleeberg als Einheit" zu den renommierten Mittelstandsberatern in Süddeutschland zählt.

Die bereits vor zwei Wochen durch das OLG beschlossene Bestellung von Zwirner / Petersen wurde von den Medien kaum wahrgenommen, sorgte jedoch in Kollegenkreisen und bei Kapitalmarktrechtlern für erhebliches Erstaunen!

Das OLG beschloss im übrigen auch, dass der von Zwirner zu verfassende Sonderprüfungsbericht öffentlich gemacht werde. Dies dürfte insbesondere die Kapitalanleger und deren Anwälte interessieren. Diese wollen für millionen- oder gar milliardenschwere Klagen gegen den Konzern möglichst genau wissen, wer wann was wusste. Hier geht es insbesondere auch um den Nachweis, dass die Ad-hoc-Mitteilung von VW zum Dieselskandal zu spät kam. Zu dieser Thematik hat VW schon intern intensiv ermitteln lassen. Unter anderem von den amerikanischen Star-Forensikern der Kanzlei Jones Day und auch von dem US-Compliance-Monitor Larry Thompson. Aber, diese Ergebnisse wurden von VW - entgegen früherer Zusagen - unter Verschluss gehalten. Der "Jones-Day-Bericht" hat nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt. 

Auf den Kollegen von Kleeberg liegt nun eine tonnenschwere Erwartung. "Die Latte liegt extrem hoch!" - Eine Erwartungslücke sollte es hier nicht geben.

KPMG / EY erleben momentan die erheblichen medienwirksamen  Auswirkungen einer Sonderberichterstattung (Wirecard) und deren Auswirkungen auf die Abschlussprüfungen der Vorjahre. Vielleicht wird Sonderprüfer Zwirner bei seinen forensischen Untersuchungen ja auch auf Merkwürdigkeiten bei der Abschlussprüfungen durch PwC stoßen!?

wpwatch wird über den Beschluss des OLG und die Hintergründe der unerwarteten Bestellung berichten ("Kleeberg-Connection").

12.05.2020
KPMG - Der Tag hat auch schon mal 28,15 Stunden

Die Corona-Epidemie hat für manche Politiker den Vorteil, dass ihre Affären und Fehlleistungen momentan aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Hierzu gehört auch das Desaster um die Einführung der Pkw-Maut von Minister Andreas Scheuer (CSU) - "sag einfach Andy zu mir"! Seit sechs Monaten tagt nun schon der Untersuchungsausschuss und fördert für Beobachter Erstaunliches ans Tageslicht.

Minister Scheuer traute offensichtlich der fachlichen Expertise seiner Ministerialbeamten im BMVi nicht allzu viel und hielt sich lieber an einen "fabelhaften Macher im Hintergrund" - RA Dieter Neumann von der amerikanischen Großkanzlei Greenberg Traurig. Bereits seit mehr als 20 Jahren berät er den Bund bei Infrastrukturprojekten. U.a. begleitete er das 14 Jahre andauernde Schiedsverfahren gegen das Konsortium Daimler/Telekom wegen verspäteter Einführung der LKW-Maut und jetzt auch die Vertragsverhandlungen zur Einführung der PKW-Maut. Für letztere Beratung kassierte die Großkanzlei rd. 13,5 Mio. €!

Offensichtlich hatte der Staranwalt jedoch nicht "auf dem Schirm", dass die Einführung der PKW-Maut durch den EuGH gekippt werden könnte, so dass der Minister vor Bekanntgabe des EuGH-Urteils bereits mit den neuen Betreibern medienwirksam den Vertrag unterzeichnete. Die Schadenersatzforderungen gegenüber dem BMVi belaufen sich mittlerweile auf 560 Mio. €! Deshalb wird, wie vertraglich vorgesehen, alsbald ein erneutes Schiedsverfahren gestartet. Im Beraterstab des Ministeriums findet sich - Sie glauben es nicht! - kein geringerer als "Chefberater Dieter Neumann"!

Man höre und staune: Zum Beraterteam des cleveren Staranwalts gehörten auch Anwälte von KPMG und Wirtschaftsprüfer von PwC. Bei Neumann liefen dann alle Fäden zusammen.

Mangels angenommener Expertise der Beamten genießen externe Beamte wie Neumann viele Freiräume in der Berliner Politik. Es sei nur erinnert an die Stars von McKinsey, insbesondere Katrin Suder, die das Ministerium von Ursula Gertrud von der Leyen ("Kanonen-Uschi") seinerzeit plünderten!

Bei einer internen Überprüfung der Abrechnungen der Berater um Neumann & Co. stellte man lt. Protokoll u.a. fest, dass ein Anwalt von KPMG es tatsächlich schaffte, an einem einzigen Freitag 28,15 Stunden abzurechnen. Naumann darauf angesprochen meinte: "Das ist nicht möglich". Oder wollte er damit sagen, dass Abrechnungen bis 20 Std. schon gehen!?

Soviel zum kanzleiinternen QSS bei KPMG gemäß § 55b WPO!

11.05.2020
PwC, Corona und die Tracing-App

Die Corona-Pandemie treibt mittlerweile seltsame Blüten! - Natürlich wollen sich die Big4 auch in vorderster Reihe (honorarträchtig) positionieren und sich als "Alles-Besserwisser" empfehlen.

Virologen und Politiker empfehlen zur weiteren Eindämmung bzw. Vorbereitung auf eine zweite Corona-Welle dringend eine Corona-Tracing-App, um die Übertragungswege und -ketten identifizieren zu können und damit die Verbreitung des Virus gezielter eindämmen zu können. Auch über die datenschutzrechtlichen Belange (Anonymität, Freiwilligkeit, Datenspeicherung etc.) wird heftig diskutiert.

PwC möchte mit dem Software-Unternehmen Salesforce gemeinsam das Tracing-Konzept für eigene Zwecke optimieren und zu einem Komplettpaket namens "Check-In" (Micro-Tracing) ausbauen. Auf der PwC-Website heißt es werbewirksam: "A PwC product"!

PWC hat weltweit rund 275.000 Mitarbeiter – und hat sich (offiziell) gedacht: Wir wollen ein mögliches Infektionsgeschehen im eigenen Unternehmen nachvollziehen können. Wenn ein Mitarbeiter sich infiziert, dann wollen wir wissen, zu welchen Kolleginnen und Kollegen diese Person in den vergangenen Tagen einen nahen Kontakt hatte. Im Grunde genauso wie bei der Tracing-App des Bundes, aber eben auf die Räumlichkeiten des Unternehmens beschränkt. 

Die Hürden, eine solche App in einem Unternehmen einzusetzen, sind deutlich geringer als in der Öffentlichkeit! Mitarbeiter lassen sich zweifellos leichter überzeugen, eine solche App einzusetzen. Aktiviert werden soll sie (offiziell) erst, wenn ein Mitarbeiter das Firmengebäude betritt – egal welches auf der Welt. Dann wird der Abstand zu Kollegen per Bluetooth überwacht und das WLAN des Unternehmens zur Kommunikation genutzt. Bei Verlassen des Büros wird die App (offiziell) wieder deaktiviert. 

Ein weiteres Argument von PwC: Auf diese Weise ließen sich auch wertvolle Erkenntnisse über die "Art der Zusammenarbeit" gewinnen. Wo und in welchen Situationen kommt es dazu, dass Menschen sich im Büro nahe genug kommen, dass ein Infektionsrisiko besteht? Daraus lassen sich Schlüsse ziehen: Eine andere Raumgestaltung könnte die Folge sein. Oder eine Umorganisation des Schichtbetriebs, um einen besseren Schutz zu gewährleisten. 

Noch im Mai soll die App fertig sein! Eigentlich für den internen Einsatz gedacht, stehen Unternehmen und Regierungen aus aller Welt bereits bei PwC Schlange – und wollen die App auch unbedingt haben. PwC will die Lösung auch Dritten in Lizenz anbieten. - Na, schauen Sie doch mal, was Wirtschaftsprüfer alles machen und anbieten dürfen! Alles, was Geld bringt!

Jetzt kommen Sie bitte nicht auf die Idee und schauen in die WPO rein! Seien Sie mal nicht so kleinlich.

Ganz sicher wird es in den nächsten Tagen und Wochen zu Diskussionen kommen, ob diese Form von Micro-Tracing sinnvoll ist – und welche Datenschutzbedenken Personalräte und Datenschützer haben (zumindest bei uns in Deutschland). 

Fazit:

Ja super, dann weiß das Unternehmen ja gleich, wer sich wann mit dem Betriebsrat getroffen hat. Oder, dass ich fünfmal täglich mit welcher netten Mitarbeiterin in der Kaffeeküche "zufällig" zusammentreffe. - Prickelnd oder?

Eine Frage hab ich noch: Wann folgen die anderen Big4?

08.05.2020
Wirecard: KPMG gegen EY?

Es ist eigentlich immer das gleiche Ritual: Wird medienwirksam die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung eines DAX-Mandates in Zweifel gezogen, so beruft sich der Abschlussprüfer auf seine gesetzliche Verschwiegenheit (§ 43 I WPO, § 323 HGB), der Mandant geht in Kampfmodus und die WP-Branche (incl. WPK und APAS) schaut zunächst einmal dem Geschehen gespannt zu.

Streuen dann die Experten in den Medien Zweifel an den Testaten der Vorjahre, so wird bereits insgeheim mit einer Sonderprüfung (durch eine andere Big4-Gesellschaft) gerechnet. 

Der Aufsichtsrat muss sich exkulpieren, der Vorstand sucht Rechtfertigung und der Sonderprüfer will sich profilieren und seine fachliche Expertise ausspielen.

So geschehen auch bei Wirecard: Seit 10 Jahren prüft EY den umtriebigen Zahlungsdienstleister und testierte in der Vergangenheit jeweils uneingeschränkt. Die Financial Times (FT) zieht die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung bereits 2019 in Zweifel und vermutet gar Bilanzfälschung durch den selbstherrlichen Gründer, 7%-iger Großaktionär und CEO Markus Braun.

Also steht zunächst der Sonderprüfer KPMG im Rampenlicht!

  • Was werden die Sonderprüfer feststellen, was der bisherige Abschlussprüfer trotz (hoffentlich) risikoorientierter Prüfung nicht feststellte bzw. sanktionierte?
  • Gibt es Hinweise auf dolose Handlungen?
  • Welchen Imageschaden erleidet der bisherige Abschlussprüfer am Ende des Tages?

Jetzt liegt der 74-seitige Sonderprüfungsbericht der KPMG vor und man reibt sich die Augen. Auch KPMG hat es bei seinem forensischen Prüfungsansatz nicht geschafft, erhebliche dubiose Vorgänge aufzudecken!

Auf drei Seiten habe ich Ihnen Stimmen aus der Presse und von Experten zusammengefasst, die allesamt darauf hindeuten, dass EY offensichtlich nicht ordnungsgemäß geprüft hatte. 

Frage ist, ob das QSS bei EY ausreichte, die Prüfungen nach den fachlichen Standards richtig angewendet wurden und die Testate (ohne Hinweise / Einschränkungen) so hätten überhaupt erteilt werden dürfen!?

Die Öffentlichkeit wird im weiteren Verlauf nicht mehr erfahren. Jetzt ist die Berufsaufsicht dran. Jetzt wird in den Gremien diskutiert. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung für den Berufsstand. - Und seien Sie sicher: Die Sache wird für die Öffentlichkeit im Sande verlaufen!

Außer: Anlegeranwälte gehen zum Angriff über und stürzen sich (medienwirksam) auf EY in Form einer Schadenersatzklage und suchen einen Deal. - Doch dies kann Jahre dauern - bis sich die Öffentlichkeit in unserer reizüberfluteten Informationsgesellschaft dafür nicht mehr interessiert.