Aktuelles

01.07.2020
von der Leyen - War da noch was?

Ich weiß - Man kann sich kaum noch erinnern! Vor Corona und Wirecard sprachen wir kurz über die Berateraffäre im Bundesverteidigungsministerium von Frau Dr. Gertrud Ursula von der Leyen. Ach so! - und ihrem McKinsey-Superstar Katrin Suder.

Dazwischen kam die überraschende Präsidentschafts-Kür von "Kanonen-Uschi" bei der EU und die Berufung von Katrin-Superstar als Vorsitzende des Digitalrates der Bundesregierung ins Bundeskanzleramt.

Es ging um Beraterverträge an McKinsey und die Big4 im dreistelligen Millionenbereich, Düpierung des Beschaffungsamtes der Bundeswehr und einen enormen Schaden für alle Steuerzahler. Das Chaos bei der Bundeswehr ist im übrigen auch heute unter AKK noch nicht abgestellt.

Dann lassen wir es bitte auch schnell hinter uns bringen:

  • Wer ist verantwortlich? - Keiner!
  • Wer kann haftbar gemacht werden? - Keiner!
  • Wer kann sich noch erinnern? - Keiner!
  • Wer bewies ein Schuldeingeständnis? - Keiner!

An Arroganz und Borniertheit waren die Auftritte der beiden Damen nicht zu überbieten! - Sie wussten genau, wie dieses "Spiel" ausgehen wird, und wurden ja beide noch rechtzeitig weggelobt und gut positioniert. Da konnte man auch einfach mal spontan das Dienst-Handy komplett löschen ...

Der Untersuchungsausschuss attestierte beiden Damen im Schlussbericht, dass sie "Wesentliche Erkenntnisse ausgeblendet" hätten! Das bedeutet im Klartext, dass Schweigen die elegantere Variante ist als Lügen. Im Ergebnis kommt es allerdings aufs Gleiche raus.

- Damit scheint man sich dann auch gleichzeitig für höhere Aufgaben zu qualifizieren. - Toll, oder?

Entschuldigung, dass ich noch mal den alten Kram kurz aufwärmen wollte. Es war doch alles schon so schön "vergessen".

Ich tue es nicht wieder - macht nur schlechte Stimmung.

29.06.2020
Wirecard - ein Gedicht

Der jähe Absturz von Wirecard - und wieder mal ein "Supergau" im Finanzkapitalismus.

Bilanzmanipulation, Betrug, WP-Versagen, Strafanzeigen, Schadenersatzklagen, superschlaue Anlegeranwälte mit Statements - und all das im Stundentakt ...

Hierzu, anstatt seitenlanger Abhandlungen und Wiederholungen von Nachrichten-Meldungen, das passende Gedicht - zum schmunzeln:

Die Geschichte ähnlich klingt,
wie neulich noch DAX‘ liebstes Kind.

WIRECARD war groß im Kommen,
wie Apple stylisch, heiß begehrt,

Die Anleger ham‘s gern genommen,
doch ahnte man, es läuft verkehrt.

Meldungen gabs schon seit Jahren,
über manch Geschäftsgebaren,

Whistleblower taten kund,
Journalisten schrieben viel,
und es machte längst die Rund‘,
doch unterblieb, weil es missfiel.

Stattdessen droht man Klage an,
zu unterlassen, weil es Rufmord sei,
Ernst & Young ist gleich dabei,
doch jetzt die BAFIN auch mit dran.

Jetzt fliegt der ganze Skandal auf,
die Schlagzeile geht um die Welt,
es stürzt sich wirklich jeder drauf,
Millionen Anleger geprellt.

1,9 Milliarden sind „verloren“,
es scheint, sie waren nie „geboren".

Das Geld es sei in Asien dort,
doch wo genau an welchem Ort?

Zu treuen Händen gab man hin,
der Herr dort leider nie erschien.

Die Summe der Bilanz nun sei,
zu einem Viertel Augenwischerei.

Der CEO hat Angst bekommen,
nun auch gleich vom Thron geklommen.

Sogleich er sich in Haft begeben,
denn fürchtet ja schon neues Beben,

doch bleibt nicht lang, nur über Nacht,
denn hat ja auch was mitgebracht,

5 Millionen sei der Lohn,
für freien Fuß- man nennt’s Kaution.

Woher hat man denn soviel Geld?
Die Frage sich nun jeder stellt.

Die Antwort ist hier gleich gegeben,
man war aktiv noch VOR dem Beben.

Er hat, so sei ja zugegeben,
die Aktien an fremd gegeben

als sie hatte noch nen Wert,
das sei ja schließlich nicht verkehrt.

Pikant dabei, denn das Papier,
bemisst in Euro, exakt vier,

doch war Verkauf, ein jeder weiß,
zu einem etwas höh’ren Preis.

Das Papier, man wird fast schwach,
im Preis war fast mal fünfzigfach.

WIRECARD, der Niedergang,
meldet Insolvenz nun an.

Der Börsenplatz erschüttert schwer,
„es müssen Konsequenzen her“,

fordern jetzt, von Groß bis Klein,
alle aus verschied’nen Reih’n.

Wie lautet nun, ich frag‘ nochmal,
aus dem Skandal denn die Moral?

Hättet mehr gehört,
auf was euch damals hat gestört.

Ungereimt, so manches war,
doch keiner wollte haben wahr.

Leute tuen Kund‘,
dass es läuft nicht rund.

Natürlich kann man nicht erbringen,
den Beweis bei krummen Dingen,

denn darauf ist der Chef erpicht,
dass Belege gibt es nicht!

Doch Mahner gibt es gar zuhauf,
ihr besser einmal hört auch drauf!

Vielen Dank an den dichtenden Münchner Ex-Kollegen!

29.06.2020
Wirecard - auch die deutsche Bilanzpolizei hat versagt

Seit dem Jahr 2005 ist die Deutsche Bilanzpolizei (DPR e.V.) für die Durchsetzung von Rechnungslegungsnormen in Deutschland zuständig. Dabei bildet sie - neben Abschussprüfer und Aufsichtsrat - die dritte Säule des Enforcements.

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der DPR fand am 03. Juli 2015 ein Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin statt, an dem rund 180 geladene Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung teilnahmen. Dies konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bereits  erhebliche Zweifel an der Kompetenz und Effizienz der DPR, einem privatwirtschaftlichen Verein, laut wurden. WPwatch hatte bereits 2014 den "Club der Ü-60-Egomanen" durchleutet und erhebliche Zweifel an dessen Unabhängigkeit geäußert. Die Reputation des Vereins war massiv beschädigt, so dass renomierte Mitglieder umgehend zurücktraten. 

Doch nun zum Wirecard-Skandal:

Als eine der ersten Konsequenzen aus dem medienwirksamen Bilanzskandal kündigt die Bundesregierung den Vertrag mit der "Bilanzpolizei" zum nächstmöglichen Termin (31.12.2021)!

Spätestens bis dahin müssen die Ministerien eine neue Kontrollstruktur gefunden haben.

Das Fass zum Überlaufen brachte offensichtlich die Tatsache, dass die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) bereits im Februar 2019 der DPR eindeutige Hinweise auf "Ungereimtheiten" in der Halbjahresbilanz von Wirecard gab und man dort mit lediglich einem subalternen Mitarbeiter 16 Monate ohne Ergebnis und Zwischenbericht herumwurschtelte. Zur Personalstärke der Bilanzpolizei heißt es noch heute auf der Website des Vereins: "Die Anzahl der Planstellen für die Mitglieder der Prüfstelle beträgt derzeit 15, wobei der Stellenplan nicht vollständig ausgeschöpft wird." - Ein Witz!

Schön, dass zwischenzeitlich der skandalöse Präsident der DPR (Prof. h.c. Edgar Ernst) seine sechsstelligen Aufsichtsratshonorare bei diversen DAX-Unternehmen kassieren konnte. - Ein Treppenwitz!!! Ebenso scheint es ja auch unauffällig gewesen zu sein, dass sich Dr. h.c.  Wolfgang Spindler, Ex-BFH-Präsident und Ex-APAK-Vorsitzender, in diesem erlauchten Bilanzpolizei-Gremium jahrelang bewegte und auch heute wieder mit klugen Vorschlägen zu Wort meldete.

Der Fisch stinkt eben immer vom Kopf her!

16.06.2020
EY-Mitarbeiter erhält rd. 11 Mio. USD Schadenersatz

EY , nach der Lünendonk-Liste 2019 die Nr. 2 der Big4 im deutschen Markt, kann auf eine hervorragende Entwicklung in den letzten beiden Jahren zurückblicken. 

Bei genauerer Betrachtung muss man jedoch feststellen, dass es bei EY momentan diverse "Buschfeuer" gibt, über die selbst schöne Selbstdarstellungs-Berichte und gekaufte Rankingergebnisse in den Wirtschafts-Gazetten wie manager magazin, Fokus, brandeins etc. nicht hinwegtäuschen können.

Schlimm und unangenehm wird die Sache für die Big4 immer dann, wenn es um die Reputation und Glaubwürdigkeit der Berufsgesellschaft geht, da gerade hierdurch potentielle Kunden, Mitarbeiter und der qualifizierte Berufsnachwuchs verschreckt werden können.

Über innerbetriebliche Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern / Partnern erfährt man nur selten, da man hier seitens der Big4 immer schnell eine außergerichtliche Einigung sucht und strenge Verschwiegenheit vereinbart wird. In Deutschland sind solche Berichte ohnehin äußerst selten. In GB und den USA erfährt man hingegen schon eher von solchen Auseinandersetzungen und pikanten Details.

Im folgenden Fall geht es um Amjad Rihan, einen jungen britischen Wirtschaftsprüfer und Partner von EY Dubai, der vor wenigen Wochen einen siebenjährigen Kampf gegen seinen früheren Arbeitgeber EY gewann. Die Richter des britschen High Court haben EY zu einer Zahlung in Höhe von 11 Mio.USD verurteilt. Es geht um seine Kündigung, nachdem er bei der Prüfung der Goldhandelsfirma Katoli Jewellery International in Dubai illegale Geschäfte festgestellt hatte, die durch EY systematisch vertuscht wurden. Nach Ansicht der Richter kollaborierte EY mit dem Mandanten, tolerierte illegale Gold-Exporte und unterließ Prüfungsfeststellungen zur Geldwäsche.

Mit allen Mitteln und Tricks versuchte EY bei Gericht den Eindruck zu erwecken, dass der abtrünnige WP-Partner ein "Lügner und Opportunist" sei, was die Richter jedoch letztlich als völlig unbegründet zurückwiesen. Vorsorglich verklagte Amjad Rihan gleich vier unterschiedliche EY-Einheiten des internationales Netzwerks, da er glaubte, dass die Verantwortung von EY nicht auf die EY-Dubai-Einheit beschränkt werden könne; EY sei schließlich ein globales Netzwerk. Alle vier EY-Einheiten zeigten sich vor Gericht uneinsichtig und erklärten sich für diesen Umgang mit dem Ex-Partner jeweils nicht verantwortlich.

Die Richter ließen sich auf keine Diskussion und weiteres "Katz und Maus-Spiel" ein und argumentierten, dass letztlich EY-Global die Verantwortung tragen würde, da die jeweiligen Einheiten  EY-Global "untergeordnet" seien.

EY zeigte sich von dem Urteil "enttäuscht und überrascht". - Na, sowas!?

Dieses Urteil ist insoweit wichtig, als die Big4-Gesellschaften, die weltweit unter einheitlicher Firmierung arbeiten, im Falle von Haftungsfällen und/oder Schadensersatzprozessen künftig nicht mehr sagen können, dass hierfür nur die regionale Einheit verantwortlich war.

15.06.2020
EY - Wirecard und die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers

In diesen Tagen erleben wir wieder ein Musterbeispiel für die "systemrelevante Funktion des Wirtschaftsprüfers in der Wirtschaftsordnung" und seine allumfängliche Unabhängigkeit (§§ 43 I, 17 WPO).

Es muss vorangestellt werden, dass wir uns bei Wirecard AG (noch) in einem laufenden Prüfungsprozess befinden (§§ 316 ff. HGB), d.h. der von der HV gewählte Abschlussprüfer EY seinen Vertrag durch Vorlage des Prüfungsberichts (§ 321 HGB) und Bestätigungsvermerks (§ 322 HGB) bisher noch nicht erfüllt hat. Wie das "Gesamturteil" (auch genannt: Testat) und die EY-Berichterstattung im Prüfungsbericht (§ 321 HGB) letztlich ausfallen werden, ist bisher nicht bekannt.

All dies steht noch aus und wurde nach unerträglichem medialem Gezerre nun für den 18. Juni 2020 angekündigt.

Auf der einen Seite steht der windige Gründer, Hasardeur und Möchte-Gern-Milliardär Markus Braun, der es mit GoB (§ 238 f. HGB), Compliance, Nachweis- und Vorlagepflichten (§ 320 HGB) sowie angemessener Unternehmenskommunikation nicht so erst nimmt, und sein zukunftsweisendes Geschäftsmodell der Zahlungsabwicklung gegen beinharte internationale Konkurrenz durchsetzen möchte. 

Andererseits gibt es die gehetzten Wirtschaftsprüfer von EY, die seit 10 Jahren Wirecard uneingeschränkt testiert haben und deren Testate der Vorjahre durch eine Sonderprüfung der KPMG erheblich in Zweifel zu ziehen sind. Kapitalanleger-Anwälte verklagen bereits EY auf Schadensersatz und schreiben ein "Wünsch-Dir-Was-Ergebnis" der 2019´er Jahresabschlussprüfung in die Wolken. Zocker, Traumtänzer, Täuscher, Blender und "Experten" geben sich im Hintergrund ungehindert ein Stelldichein.

Damit sind vordergründig zunächst die Rollen verteilt! 

Es ist aber tatsächlich noch komplizierter:

  • Vorstände von Wirecard geben der Presse schon einmal Interviews, in denen sie erklären, dass EY jetzt "extrem hart prüfen" würde. Gleichwohl erwarte man alsbald ein "uneingeschränktes Testat." Mit solch unüberlegten Äußerungen handelt man sich prompt eine Strafanzeige der BaFin wegen möglicher Marktmanipulation ein. Die Razzia der Staatsanwaltschaft München I folgt auf dem Fuß.
  • EY andererseits weiß, dass dies die letzte Abschlussprüfung für Wirecard sein wird, da der Aufsichtsrat bereits auf der Suche nach einem Folgeprüfer ist. Also geht es um einen "eleganten Absprung" ohne allzugroßen Reputationsverlust und berufsaufsichtsrechtliche Konsequenzen. Als Pointe am Rande sei angemerkt, dass EY erst im letzten Jahr die Neu-Ausschreibung des Wirecard-Mandats (wieder) gewonnen hatte und die 2019´iger Abschlussprüfung der Beginn einer neuen 10-Jahres-Serie sein sollte.

Der schier unerträgliche "Fall Wirecard" muss für den Berufsstand und die Politik Anlass sein, über grundlegende Fragen nachzudenken:

  • 10 Jahre lang zelebrierter "Qualitätskontroll-Wahnsinn" und Selbstbeschäftigung im Berufsstand mit derart desaströsen Prüfungsmängeln in Vorjahren zeigt, dass es bei den Big4 nicht weit her ist mit "interner Qualitätssicherung" und Nachschau-Prüfung.
  • Die systemrelevante Rolle von Wirtschaftsprüfern muss vom Gesetzgeber neu definiert werden und
  • die (finanzielle) Unabhängigkeit des Berufsstands muss endlich umgesetzt werden. Abschlussprüfung ist weder eine "austauschbare Dienstleistung", noch "Prostitution auf hohem Niveau"!

05.06.2020
Rödl hat sich verzockt! - Was nun?

Nach der umfassenden Berichterstattung von wpwatch liegt jetzt der Ball in der Spielhälfte der WP-Berufsaufsicht!

Dort wird man erst einmal die Karten mischen und Bestandsaufnahme unbearbeiteter Post machen müssen. Der Aufschlag dieses Schmierentheaters war bundesweit zu hören und die Nervosität der Super-Strategen in Nürnberg war zu spüren.

Jetzt werden interessante Einzelfragen zu beantworten sein:

  • Da Prof. h.c. Christian Rödl noch nicht mal eine Registrierungsnummer im WP Register besitzt, stellt sich die Frage der Kammer-Zuständigkeit für das Täuschungsverhalten. Wäre die Berufsaufsicht der Rechtsanwalts- oder Steuerberaterkammer nicht für diesen Kollegen zuständig ?
  • Die Zuständigkeiten der WPK / APAS für die netten Kollegen Kraus, Wambach und Bömelburg dürften klar sein.
  • In Bezug auf den WPK Vorstand bleibt die Frage, wie sich die Mitglieder, insbesondere die beiden bayerischen Kollegen, zu dem skandalösen Vorgang positionieren.
  • Es ist zu vermuten, dass die Big4-Vertreter das Zünglein an der Waage bilden, ob bei diesem Vorgang ein Exempel statuiert werden soll. Dies ist sicherlich auch eine Frage, um die Glaubwürdigkeit der Berufsaufsicht wieder herzustellen.
  • Rödl könnte im Extremfall damit aus dem Markt gedrängt werden. Kein Big4-Büro hat in der Metropolregion Nürnberg die Größe von Rödl erreicht, da ergeben sich beim in Aussicht stehenden Fischfang per se Filetstücke und damit Begehrlichkeiten. 

Oder ist meine Vorhersage mit der "Geheimjustiz" realistischer? - Verschwiegenheit, Verschlussache, Basta!

Es wird in nächster Zeit spannend bleiben!

28.05.2020
VW's Demütigung durch den BGH

Es war einmal

  • ein deutscher Vorzeige-Konzern erster Güte,
  • Milliardärsfamilien Piech und Porsche mit jährlichen Milliardengewinnen Richtung Österreich und
  • Landesbeteiligung Niedersachsen mit unverschämter Lobbyarbeit (VDA) ohne Ende.

Vorgestern urteilte das höchste deutsche Gericht (BGH,  Az. VI ZR 252/19) über den millionenfachen Betrug der Trickser- und Täuscherelite aus Wolfsburg:

  • Das Verhalten des Konzerns war objektiv sittenwidrig!,
  • Das Kraftfahrt-Bundesamt wurde bewusst und gewollt systematisch und langjährig getäuscht - zur Gewinnmaximierung.
  • Gegenüber den Käufern war dies besonders verwerflich und mit der Sitten- und Rechtsordnung nicht zu vereinbaren.

Na, dann erst mal Glückwünsche an die Trickser und Betrüger von Wolfsburg! So ein Urteil muss man sich erst einmal "verdienen".

In den Knast muss wohl keiner der Verantwortlichen. Dazu hat man ja letzte Woche neun Millionen in den Ring geworfen ("Deal"). Aus den weltweiten Schadensersatz-Zahlungen von 30 Mrd. € werden jetzt wohl eher 40 Mrd. € - aber Geld ist ja genug da.

Ach so: Die Sozialisierung des Schadens fehlt noch! - Also verlangt der VDA hohe Kaufprämien für Neukäufe, Milliarden-Zuschüsse für die E-Mobilität und KfW-Kredite.

Sie fragen, wo die Wirtschaftsprüfer jetzt vorkommen? -

  • die werden demnächst wieder - mit niedrigstem cw-Wert - durch die Vorstandsetagen fliegen und möglichst keine kritischen Fragen stellen und
  • um millionenschwere Beratungsmandate und Sonderaufträge buhlen.

Was die Wirtschaftsprüfer von PwC wann wussten, wird ja das forensische Gutachten von Prof. h.c. Zwirner abschließend klären.

Das nennt man Unabhängigkeit, Gewissenhaftigkeit und Eigenverantwortlichkeit! - Seien Sie doch einfach "Sparingspartner" der Verantwortlichen.

Oder lebe ich in einer alten Welt?

27.05.2020
EY und Wirecard - Wirtschaftsprüfer werden zum Spielball!

"Wirtschaftsprüfung" im medialen Zocker-Zeitalter! - Hierzu erleben wir seit Wochen ein schockierendes Beispiel, das sprachlos macht - WIRECARD! Diese Angelegenheit mutiert langsam zur Witzveranstaltung anstatt zu einer qualifiziert durchgeführten Abschlussprüfung - unabhängig, gewissenhaft, eigenverantwortlich ... (§§ 43 I, 17 WPO).

Wirtschaftsprüfung heißt heutzutage offensichtlich, dass wir uns zum Spielball für Hasadeure, Leerverkäufer, mediale Blender und haftungsrechtliche Fallensteller machen. Gleichzeitig wird unendlicher Druck aufgebaut und den Wirtschaftsprüfern ihr Stellenwert im Finanzkapitalismus als "austauschbare Dienstleistung" von den Jongleuren deutlich vor Augen geführt.

Ich finde dies unerträglich! Insbesondere auch, dass das IDW, die WPK und insbesondere die Politik diesem Treiben tatenlos zuschauen, keiner "einen Arsch in der Hose hat", klare Worte findet und dem Berufsstand (EY) den Rücken stärkt!

Mutmaßliche Bilanzmanipulationen, fehlende Prüfungsnachweise, ausstehende Auskünfte Dritter und fragliche Sonderprüfungs-Ergebnisse von KPMG einerseits und eine unerträgliche Mißachtung der Mitwirkungspflichten (§ 320 HGB) durch den Möchtegern-Milliardär und Gründer sowie den Finanzvorstand andererseits. Ich möchte nicht in EY´s Rolle stecken und mir dieses Theater von Erwartungs- und Medienterror antun.

Lesen Sie sich doch einmal diesen Quatsch aus der Zockerwelt und dem sprüche-klopfenden Finanzvorstand durch! - Geht´s noch?

Es gibt im Umgang mit Wirtschaftsprüfern offensichtlich keine Regeln, keine Ethik und keinen Anstand mehr. Und alle schauen (aus der zweiten Reihe) lustig zu!

Das IDW, allen voran Prof.h.c. Naumann, träumt vom WP als "Sparingspartner" oder "Dirigenten", die WPK ist in Schockstarre und schaut sich alles lieber im Nachhinein im Rahmen der Berufsaufsicht an und in der Politik des BMWi haben Wirtschaftsprüfer ohnehin keine systemrelevante Funktion mehr! Man redet nur noch mit Lobbyisten!

26.05.2020
Die Geheimjustiz der APAS

Beginnen wir mit einer Frage:

Was ist aus berufsrechtlicher Sicht der Unterschied zwischen dem P&R-Container-Skandal und dem Wirecard-Skandal? Im Fokus stehen hier einerseits der Kollege Wagner-Gruber, der seit Jahren ein betrügerisches Schneeballsystem seines Mandanten nicht erkannt und testiert haben soll. Auf der anderen Seite soll EY jahrelang Wirecard uneingeschränkt testiert haben, obwohl ein KPMG-Sonderprüfungsbericht aktuell belegt, dass offensichtlich Nachweise in astronomischer Größenordnung (!!!) nicht vorgelegen haben sollen.

Antwort:

Kollege Wagner-Gruber unterliegt mit seinem P&R-Non Pie-Mandat der Berufsaufsicht der WPK (§ 61a I WPO), während EY bezüglich des Pie-Mandates Wirecard gemäß §§ 61a WPO, 66a I WPO der Berufsaufsicht der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unterliegt.

Oder anders gesagt: Während die P&R-Akten bei der Vorstandsabteilung Berufsaufsicht (VOBA) der WPK liegen, hat die APAS die Untersuchung mutmaßlicher Verfehlungen von EY bei den Abschlussprüfungen Wirecard bereits an sich gezogen. Die WPK ist damit aus dem Rennen raus. Jedoch gilt auch für den P&R-Skandal, dass die APAS die letztinstanzliche Fachaufsicht des Berufsstandes ist, d.h. auch die WPK bei ihren Ermittlungen und Beurteilungen überwacht oder den Fall an sich ziehen kann..

Nächste Frage: Wie wird es wohl in den beiden Bilanzskandalen weitergehen?

Im Fall P&R berät momentan die VOBA und entscheidet letztlich (unter der Aufsicht der APAS), ob man die Sache dem Berufsgericht (Elzholzstrasse, Berlin) übergibt und ein berufsgerichtliches Verfahren durchführt. Ob ein solches Verfahren eröffnet wird, entscheidet die VOBA mehrheitlich. Hier deren aktuelle Besetzung.

  • WP/RA Dr. Hans-Friedrich Gelhausen – Vorsitzender (Ex-PwC)
  • WP/StB Regina Vieler – stellvertretende Vorsitzende (wp.net) 
  • WP/StB Andreas Dörschell  (FALK, EX Big4)
  • vBP/RA FAfStR Norbert Erich Grochut  (ETL AG)
  • WP/StB Michael Gschrei  (wp.net)
  • WP/StB/RA Dr. Christof Hasenburg  (KPMG)
  • WP/StB Dr. Christian Orth (EY)

Im Fall Wirecard liegt das Verfahren bei der APAS, die ausschließlich Big4-besetzt ist.

Erfahren wir am Ende des Tages vom Ausgang der Verfahren?

WPK und APAS sind gemäß § 69 I WPO verpflichtet, jede berufsaufsichtsrechtliche Maßnahme unverzüglich auf ihrer Internetseite öffentlich bekannt zu machen und dabei auch Informationen zu Art und Charakter des Verstoßes mitzuteilen, wobei die Bekanntmachung jedoch keine personenbezogenen Daten enthalten darf! Die Mitteilungen sollen auf der Website für fünf Jahre veröffentlicht bleiben (§ 69 III WPO). Naming und shaming wie nach dem Geldwäschegesetz (GwG) gibt es hier also nicht!

Glauben Sie tatsächlich, dass die Big4 in der VOBA oder in der APAS in solch medienwirksamen Fällen aufeinander losgehen?

Sie kennen doch die Geschichte mit der einen und der anderen Krähe, oder? Wenn man die Unabhängigkeit der Berufsaufsicht über die Big4 durch die APAS infrage stellen kann, so gilt dies sicherlich auch für die WPK. Der APAS sind alle Fälle jeweils zu melden, so dass man die Verfahren dort ohnehin an sich ziehen könnte.

Man hat den Eindruck einer Geheimjustiz!

25.05.2020
VW - Der faule Deal mit der Staatsanwaltschaft

Um es noch einmal vorweg zu sagen:

VW ist verantwortlich für den größten Industriebetrug der Nachkriegszeit, hat Millionen Kunden, die Öffentlichkeit und die Strafverfolgungsbehörden getäuscht und jahrelang getrickst.

Die Strafverfahren wegen möglicher Marktmanipulation im Zusammenhang mit der Dieselaffäre gegen den VW-Konzernchef Herbert Diess und den Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch werden gegen Zahlung von neun Millionen Euro eingestellt. Die Ermittler werfen beiden vor, dass sie nicht rechtzeitig über den Abgaskandal informiert haben. Ein Unternehmenssprecher teilte mit, dass der Aufsichtsrat die Einstellung des Verfahrens begrüße und betonte, dass die Einigung mit der Staatsanwaltschaft kein Schuldeingeständnis sei!

Worum geht es im Kern? - Während man hausintern bereits in einer Sitzung am 27.07.2015 die Dieselmanipulationen mit Vorstandsmitgliedern thematisiert habe, wurde der Skandal erst im September 2015 durch die amerikanischen Behörden der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Sache ist insofern auch aktienrechtlich von großer Bedeutung, da die Aktie nach Bekanntwerden abstürzte und sich die Frage stellt, ob die Anleger früher hätten informiert werden können / müssen. - Diese Sachverhalte sind durch Beschluss des OLG Celle jetzt auch Gegenstand einer von VW jahrelang verhinderten Sonderprüfung.

Klartext:

Der Konzern kauft seine beiden wichtigsten Manager aus den Ermittlungen rund um den Dieselskandal frei und bedient auf fatale Weise folgende Klischees:

  • Manager sind skrupellos und moralbefreit. Im Zweifel werden sie freigekauft!
  • Wer genügend Geld zahlen kann, kommt mit allem davon - sogar mit millionenfachem Betrug!
  • Von Läuterung, Demut oder konstruktiver Mithilfe bei der Aufklärung ist man mit einem solchen Deal meilenweit entfernt!

Natürlich will man die wichtigsten Manager des Konzerns nicht monatelang auf der Anklagebank muffiger Gerichtssääle in Braunschweig sehen. Und dies insbesondere nicht in schwierigen Zeiten. Gleichwohl ist es ein moralisches Desaster.

VW hat mit diesem Deal (wiederum) der Gesellschaft schweren Schaden zugefügt.

Die Dieselaffäre ist damit noch lange nicht ausgestanden!