Aktuelles

05.05.2020
Jetzt muss es mal raus: Homeoffice und Alkohol

Während PwC, Deloitte & Co. täglich mit (erfundenen) Studien in den Medien konkurrieren, Beratungsbedarfe rekrutieren und besserwisserisch Trends aufzeigen, wird über die wahren momentanen Probleme der Beraterbranche zu wenig geredet.

Doch - jetzt ist es raus: Die Arbeit im Homeoffice hat ihre ganz eigenen Probleme. Da eine soziale Kontrolle des gewohnten Arbeitsumfeldes fehlt, genehmigen sich viele Homeworker Alkohol - während der Arbeit!

Das jedenfalls sollen zwei (glaubwürdige) US-amerikanische Umfragen belegen.

Gerade in den aktuellen Zeiten von Corona und der Arbeit im Homeoffice scheint sich vielfach ein neues Verhältnis zum Alkohol zu entwickeln! Wie eine aktuelle US-Umfrage nun belegt, fördert die Arbeit im Homeoffice den Alkoholkonsum. Befragt wurden nach der Fachzeitschrift "w&v" im Zeitraum vom 15. bis 18. April 2020 u.a. Mitarbeiter/innen von Accenture, Amazon, Deloitte, Edelman, Ernst & Young, Google, KPMG und Nike.

Auf die Frage "Trinken Sie Alkohol, während Sie im Homeoffice arbeiten?" antworteten insgesamt 12.895 verifizierte Beschäftigte. 41,8 % der Teilnehmer gaben tatsächlich an, dass sie sich zu Hause während der Arbeitszeit durchaus ein Glas genehmigten.

Aufgeschlüsselt nach Branchen liegen

  • Mitarbeiter von Werbeagenturen (49,1 %) und
  • Rechtsanwaltskanzleien (48,7 %) weit vorne.
  • Eher "trocken" hingegen bleiben Wirtschaftsprüfer/innen (39,1 %) und
  • Consultants (38,4 %).

Nach einer Umfrage der US-Organisation alcohol.org unter 3.000 Befragten erklärten 44 % der Männer, dass sie im Homeoffice bevorzugt Bier trinken. Frauen hingegen mixen sich lieber Cocktails (38 %).

Diese Zahlen sind doch wohl so beeindruckend, dass die "Trendwatcher" des IDW aufgefordert sein müssten, einen speziellen Arbeitskreis zu gründen und zu dieser Thematik ein 60-seitiges "Denkpapier" herauszugeben! - Prost!

04.05.2020
Das IDW will das Berufsrecht ändern!

Bereits im wpwatch-Newsletter Nr. 79 (Mai 2020) habe ich darauf hingewiesen, dass das IDW z.Zt. massive Vorstöße unternimmt, um das Berufsrecht zu ändern. Scheinheilig behauptet man, dass bei den berufsrechtlichen Vorschriften "in der Praxis Schwachstellen aufgetreten seien...".

Hierzu schreibt "Deutschlands 1. WP" K.-P. Naumann, CEO des Lobbyvereins IDW e.V., (so Georg Giersberg, FAZ) gleich einmal einen siebenseitigen Brief an das BMWi und prescht der WPK voran.

Insbesondere kommt es dem IDW offensichtlich darauf an, dass für die Big4 endlich der Kreis der Gesellschafter erweitert werden kann und bis zu 49 % der Gesellschaftsanteile (!) in Händen von Berufsfremden sein können!? Wo nimmt das IDW eigentlich die Meinungsführerschaft in dieser Frage her?

Um es deutlich zu sagen: Das IDW hat keinerlei Legitimation, unmittelbare Änderungen im Berufsrecht beim BMWi für den gesamten Berufsstand einzufordern. Änderungswünsche sind ausschließlich der WPK vorzutragen und dort zu in den zuständigen Gremien zu diskutieren. Die Beschlüsse der WPK werden sodann beim BMWi eingebracht. Ob das IDW im Gesetzgebungsverfahren angehört wird, entscheidet dann die Politik.

Ist es den Big4-Lobbyisten in Düsseldorf trotz Corona-Pandemie, ISA-Chaos und QS-Kontroll-Wahnsinn zu langweilig?

Die WPK sollte das IDW endlich in seine Schranken weisen und sich derartige unabgestimmte Vorstöße verbitten! 

Eine Frage hab ich noch: Wieso wird der Berufsstand zu solch massiven Eingriffen ins Berufsrecht eigentlich nicht befragt?

08.04.2020
Wann merkt die Politik endlich, was sich da zusammenbraut?

Gestern las ich bei der morgendlichen Presseschau im Industrieanzeiger folgende Nachricht:

"Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland beteiligt sich als Gesellschafter mit 12,5 % an der Adamos GmbH. Damit hat Adamos neben DMG Mori, Dürr, Software AG, Zeiss, … einen achten Gesellschafter. Adamos verfolgt mit über 30 Partnern ein gemeinsames Ziel: Die Etablierung eines Ökosystems, in dem ... Lösungen für den Maschinen- und Anlagenbau sowie deren Kunden entworfen, weiterentwickelt, vertrieben und genutzt werden können."

Es nervt mich seit Jahren bereits hochgradig, dass die Big4 - allen voran PwC - fast täglich IT-Buden, Beratungsspezialisten, Startups und sonstiges kaufen, sich beteiligen, übernehmen und gleich scharenweise IT-Fuzzis, Logistiker, Psychologen etc. suchen und einstellen. Ganze Law-Teams, Tax-Spezialisten, Verrechnungspreis-Päpste und Beratungseinheiten wechseln von heute auf Morgen die Big4-Flagge. Selbst größere Prüfungsteams wechseln munter nach externer Rotation den Big4-Arbeitgeber und prüfen wie in Vorjahren den gleichen Mandanten ...

Wann merken Politik, Wirtschaft, Berufsaufsicht und die Öffentlichkeit eigentlich, was bei diesem Prozess der Marktkonzentration (besser: "Marktbereinigung") für unbeherrschbare Kraken hier heranwachsen? Die Schwelle der Systemrelevanz in unserer Wirtschaftsordnung scheint bereits erreicht zu sein. - Eine furchtbare Vorstellung!

Doppelfunktionen von Big4-Lobbyisten in WPK und IDW ebnen hier ebenso den Weg wie Lobbyisten des Berufsstandes in Ministerien und Verwaltung. WP-Oldies in Aufsichtsräten der DAX-Konzerne befördern gleichfalls diese Entwicklung wie eine nahezu vollständige Verwässerung des Berufsbildes.

Solche Pressenotizen lassen mich erschaudern. Ich ahne nichts Gutes!

07.04.2020
Die scheinheilige Umfrage des IDW

Soeben erreicht mich die Nachricht des IDW-CEO, dass ich mir mit der Beantwortung einer aktuellen Mitglieder-Umfrage doch noch bis Ende April 2020 Zeit lassen könne! - Gott sei Dank, denn diese Umfrage des IDW e.V. wollte ich unter keinen Umständen versäumen.

Doch der Reihe nach:

Mit Email vom 02. März 2020 wurden alle Mitglieder des IDW e.V. aufgefordert, über einen Link an einer Umfrage teilzunehmen. Die Umfrage umfasst 15 Fragen und "dreht sich um die Erwartungen, Erfordernisse und die Zukunft der kleinen und mittelständischen WP-Praxen"! 

Da reibt man sich zunächst einmal die Augen: Sollte sich das IDW tatsächlich für die Belange der Mehrheit seiner Mitglieder interessieren? Das wäre ja etwas ganz Neues!? 

Oder merkt das IDW jetzt erst, dass sich die Kollegen/innen kleinerer und mittelgroßer Kanzleien zu Hunderten vom IDW abwenden, weil sie sich nicht mehr verstanden und repräsentiert fühlen? 

Anmerken muss ich noch, dass Prof. Naumann nur "qualifizierte - gerne auch kritisch-konstruktive Kritik" wünscht. D.h. übersetzt: Gotteslästerung ist nicht erwünscht! 

Eine Frage hab ich noch: An der letzten Umfrage unter den Mitgliedern zur Zusammenlegung der Berufsstände beteiligten sich ganze 3,5 % der Mitglieder. Glaubt man tatsächlich beim IDW, dass die Quote bei dieser Umfrage höher liegen wird? 

Und jetzt mal Klartext: Wenn der Vorstand eines Lobby-Vereins nach 19 Jahren CEO-Tätigkeit (incl. Gehalt und Pensionsansprüchen!) nicht weiß, wo der Mehrheit seiner Mitglieder "der Schuh drückt", dann hat er seinen Job verfehlt und sollte seinen Hut nehmen.

Bei der Auswertung der Umfrage kann man es ja dann wie angekündigt machen: Kritik kehrt man im Zweifel nach Belieben "unter den Tisch", da man sie als unqualifiziert bzw. destruktiv abtut.

Diese "Umfrage" ist an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten!

Glauben Sie tatsächlich, dass sich der Lobbyverein der Big4 für die Belange kleiner und mittelgroßer Kanzleien interessiert? - Dann träumen Sie mal weiter!

Übrigens: Zum Einsatz kommt hier seitens des IDW eine "Task Force" (so steht es im Absender der Email) - als ginge es um das letzte Gefecht!?

03.04.2020
Das unglaubliche Hochschul-Ranking der WP-Lehrstühle

Gestern ging es bei wpwatch um das absurde und lächerliche Ranking der WP-Gesellschaften und -Kanzleien.

Schaut man sich die "exklusive Studie" des manager magazin von April 2020 (S. 12-17) mal genauer an, so buhlen Universitäten und Fachhochschulen auch beinhart um die Gunst des immer seltener werdenden Berufsnachwuchses. Hier werden gar die neun "Lieblinge der Kanzleien" (S. 15) prämiert.

Und nun zur Seriosität dieser Studie, die vom manager magazin gemeinsam mit der "Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung" (WGMB) durchgeführt wurde. Die Fußnoten der diversen Rankings verraten die Vorgehensweise der Experten. Demnach wurden die besten Hochschulen / Fachhochschulen durch Befragung von 51 WPGs und 894 Mandanten ermittelt!? Ab 100 Nennungen erhielt die Hochschule ein "gut" und im Ranking wird sie dann geführt als "mit Auszeichnung bestanden".

Hieraus ergeben sich für mich diverse einfache Fragen:

  • Wieso wurden "Mandanten" mit sechzehnfacher Häufigkeit befragt als unsere Kanzleien?
  • Woher wissen Mandanten eigentlich, wo man am besten unsere Fachrichtung studieren sollte?
  • Wieso erscheinen im Ranking genau jene Hochschulen, wo die IDW- und Big4-Größen ihre Lehrstühle bzw. Lehraufträge haben?

Ergebnis ist, dass es momentan in meiner morgendlichen Presseschau nur so von Eigen-Belobigungen diverser Hochschulen wimmelt, wo man bisher kaum vermutete, dass dort überhaupt ein Lehrstuhl für Revisions- und Treuhandwesen existiert. Sind die Hochschulen aufgrund des stetig nachlassenden Interesses vielleicht schon im Panik-Modus?

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass alle "Rankings" bei genauerer Betrachtung zweifelhaft, wenn nicht sogar unseriös sind! - Hat der Berufsstand das nötig?

Eine Frage hab ich noch: Wenn die Big4 auf den Seiten 4 - 11 übereinstimmend konstatieren, dass das Prüfungsgeschäft rückläufig ist und die Kohle vielmehr bei der Beratung verdient wird, wieso entscheidet dann beim Hochschul-Ranking für den begehrten Berufsnachwuchs alleine die fachliche Ausrichtung des WP-Lehrstuhls?

02.04.2020
Ranking - jetzt wird´s lächerlich für die Branche!

Im wpwatch-Newsletter Nr. 78 berichtete ich über die WP-Branche im "Ranking-Rausch".

  • Lünendonk,
  • manager magazin,
  • brandeins,
  • Wiwo,
  • Handelsblatt (HB)

und weitere Gazetten sind am Start und befragen sogenannte Experten bzw. die Kollegen/innen gleich selbst sowie deren "Mandanten". Vorgegeben wird dann auch noch, dass es sich um eine "Studie" handele.

Recherchiert man dann mal etwas genauer, so stellt man bspw. beim "Handelsblatt-Ranking" fest, dass es sich um eine "Online" Umfrage eines "Instituts" unter 4.189 Steuerberatern (StB) und 802 Wirtschaftsprüfern (WP) handelt, die "Fachfragen" beantworten sollten.

Und jetzt der Knaller: Das HB lässt das S.W.I. Finance-Institut diese Studie auswerten und das Ergebnis medienwirksam mitteilen: 609 StB und 106 WP haben diese Fragen "besonders gut" beantwortet und schafften es so auf eine der im HB "Bestenlisten".

Für wie bescheuert halten diese Ranking-Gazetten eigentlich ihre Leser. Oder wie einfallslos muss man werden, an solchen Medientricks mitzuwirken und sich mit solchen Rankings zu schmücken.

Welche Fachfragen haben die Agentur- und Verlags-Heinis eigentlich gestellt und wer hat entschieden, ob diese Fachfrage "besonders gut" beantwortet wurde?

Die Welt ist voller "fake-News" und unsere Branche ist mit von der Partie!?

26.02.2018
Rödl und die unverschämte IT-Dominanz

Im Zeitalter von Big Data, intelligenten Datenanalysen und künstlicher Intelligenz muss der Berufsstand Flagge zeigen und seine IT-Kompetenz klar nach außen tragen. Die Big4 haben ihre Kompetenz in den vergangenen Jahren insbesondere dadurch erlangt, dass sie eine IT-Bude nach der anderen aufgekauft haben und somit für alle relevanten Bereiche der Digitalisierung entsprechende Lösungen anbieten können.

Der Lobbyverein der Big4 (IDW e.V.) ersann für den Rest der Branche eine Zusatzqualifikation für Wirtschaftsprüfer/innen und ihre qualifizierten Mitarbeiter, die ausschließlich vom IDW verliehen werden darf:

  • IT-Auditor IDW.

Entgegen den Erwartungen des IDW setzte jetzt aber kein Run auf diese tolle Zusatzqualifizierung und die verlangten Pflichtseminare ein. Bis heute haben lediglich 41 Berufsträger/innen bzw. Mitarbeiter diese Qualifikation erworben.

wpwatch deckte bereits durch Meldungen am 25.09. und 15.11.2017 auf, dass es gleichwohl bei Rödl & Partner eine auffällige inflationäre Zunahme von IT-Auditoren IDW gegeben hat. Rund 50% der bundesweit zugelassenen IT-Auditoren kommen heute aus dem Hause Rödl und haben dort die Zusatzqualifikation zumeist im Rahmen eines "Inhouse-Seminars" erworben.

Hierdurch täuscht Rödl unverschämterweise in der WP-Branche eine IT-Kompetenz vor die tatsächlich nicht vorhanden ist. Insbesondere konnte Rödl jedoch "für kleines Geld" sein unersättliches Geltungsbedürfnis ("Die Möchtegern-Nr. 6 im LÜNENDONK-Ranking") befriedigen. Das IDW konnte so zumindest vorläufig damit auch die Idee einer Zusatzqualifikation für den Berufsstand retten. Die IT-Seminare wären ansonsten wohl ziemlich leer geblieben.

IDW und Rödl sollten jedoch wissen, dass sie dem Berufsstand durch diese Schummelei einen Bärendienst erwiesen haben und damit den IT-Auditor bereits zu Grabe getragen haben. Das Vortäuschen von Sachkompetenz ist berufsunwürdig und läßt sich mit den Berufsgrundsätzen (§§ 43 ff. WPO) nicht vereinbaren.

21.02.2018
Key audit matters - oder: Wünsch Dir was!

Die Facharbeit des IDW e.V., d.h. des Schaffung "fachlicher Regeln" durch unseren "national standardsetter", ist im Umbruch. Die "unmittelbare Anwendung" der "International Standards on Auditing" (ISA) steht bevor und soll innerhalb der nächsten 24 Monate umgesetzt werden.

Einen Vorgeschmack für diese Form des "Standardsetting" erfahren wir momentan bei der Erteilung von Bestätigungsvermerken (BSV) - ein wahren Chaos und sicherlich kein Ruhmesblatt für den Lobbyverein des Berufsstandes (IDW e.V.).

Entsprechend den ISA 700, 701, 705 und 706 wurde vom HFA der 400'er Katalog (IDW PS 400 n.F., 401, 405 und 406) entwickelt und am 15.12.2017 (nach einem chaotischen Hin und Her!)  verabschiedet.

Gegenstand des IDW PS 401, der nur für § 319a-HGB-Mandate (PIE-Mandate) gilt, ist in Umsetzung von Art. 10 II. c) der EU-VO die

  • „Mitteilung besonders wichtiger Prüfungssachverhalte.“ 

Dies bedeutet, dass der Abschlussprüfer in eigener Wortwahl sogenannte "key audit matters" (KAM's), d.h. ihm "besonders wichtig erscheinende Prüfungsfeststellungen", in den Wortlaut seines Bestätigungsvermerks eintexten muss. Damit erreicht der BSV bei der Prüfung kapitalmarktorientierter Unternehmen durchaus stolze acht bis neun A4-Seiten!

Und jeder fragt sich: Wem ist damit gedient?

Dieses Eintexten ist ein Novum in der deutschen Facharbeit, waren doch bisher in den 14 Anlagen zum IDW PS 400 (a.F.) die Formulierungen der Bestätigungsvermerke durch das IDW vorgegeben. Die Einhaltung dieser Formulierungsvorgaben wurde im Übrigen von der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) im Rahmen der BAnz-Durchsicht beaufsichtigt (§ 57 II Nrn. 4, 14 WPO).

Mit dem freiformulierten Eintexten  wurde faktisch seit 2016 in Deutschland ein "Testat-Marketing" eingeführt. Und schon fragt man sich: Was kann, muss oder darf man in den BSV kapitalmarktorientierter Unternehmen hineintexten. Was ist gerade üblich, en vogue oder den Mandanten gerade noch zuzumuten?

Glauben Sie tatsächlich, dass PwC bei der Abfassung des Testates der TELEKOM in eigener Wortwahl die "wichtigen Prüfungsfeststellungen" formuliert? - Oder macht es nicht doch besser gleich Timotheus Höttges, der sagenhafte CEO, der gerne Wirtschaftsprüfer von PwC in der Presse als "seine Chorknaben" bezeichnet!?

Schon stürzen sich auch allerlei "Schreiberlinge" auf dieses Thema, fertigen "empirischen Studien" an und halten Ausschau nach den häufigsten "Feststellungen", nach Muster-Formulierungen und suchen den "systemischen Ansatz zur Generierung solcher Mitteilungen."

Zuletzt geschehen in den WPK-Mitteilungen 1/2018, S. 35 ff., wo uns zwei nette Kolleginnen von BDO im Fazit erklären, dass das statistische Mittel der KAM in Bestätigungsvermerken genau 3,6 beträgt!

Soll heißen: 3,6 KAM's und alles ist gut!

Ich warte schon auf die nächste überflüssige Studie in den Printmedien des IDW!

21.02.2018
Was wurde aus dem KPMG - FIFA - Skandal?

Sie erinnern sich noch an die umfassende Berichterstattung von wpwatch in 2015 / 2016 über den FIFA-Skandal, den kriminellen Sepp Blatter, den "ahnungslosen" Franzl sowie die ungeheuerlichen Betrügereien und anschließenden Verhaftungen von Delegierten im "Bauer au Lac" in Zürich und die Auslieferungen in die USA?

Mit von der Partie war seinerzeit KPMG, die seit 1999 als Revisionsstelle des Weltfußballverbandes fungierte und den "kriminellen Selbstbedienungsladen FIFA" immer wieder uneingeschränkt testierte. Ein Strafgericht in Zug stellte bereits 2008 fest, dass

  • KPMG "zur Legalisierung eines Schmiergeldsystem der FIFA beigetragen habe, wodurch mindestens 130 Mio. € den FIFA-Funktionären gesetzwidrig zugeflossen seien!"

Eine Frage hab ich noch:

  • Was wurde eigentlich aus dem seinerzeitigen Berufsaufsichtsverfahren gegen KPMG vor der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde (RAB)?

Also fragt wpwatch doch einmal nach.

KPMG segnete jahrzehntelang die Bücher der kriminellen Fifa ab. Dass sich hinter den Zahlen korrupte Geschäfte verbergen, "nahm die KPMG zu wenig ernst" - so der Wortlaut der RAB. Vor vier Monaten teilte die Berufsaufsicht abschließend mit, sie habe "Prüfungsmängel" festgestellt.

Dem verantwortlichen KPMG-Wirtschaftsprüfer

  • Roger Neiniger habe man "einen schriftlichen Verweis erteilt".

Dieser Verweis entspricht einer "Verwarnung" und ist rechtskräftig. Welche Mängel die Aufsichtsbehörde genau festgestellt hatte, behält sie natürlich für sich.

Und jetzt mal Klartext:

Die schweizerische RAB hat - ebenso wie die deutsche APAS - Züge einer Geheimjustiz! Beide Aufsichten wissen, dass sie gesetzlich verpflichtet sind, Sanktionen auszusprechen und diese zu veröffentlichen.

Und jetzt der Skandal: Auf ihrer Website haben weder die RAB, noch die APAS eine entsprechende Rubrik eingerichtet bzw. diese ist leer (vgl. § 69 WPO).

RAB und APAS sind offensichtlich der Meinung, dass der Inhalt von Verfügungen / Sanktionen - wie jene gegen die Fifa - aus Sicht der Berufsaufseher die Öffentlichkeit nichts angeht.

Der höchste schweizerische Datenschutzbeauftragte stellte demgegenüber kürzlich fest, dass die Behörde einem Journalisten Einsicht gewähren müsste. Doch die RAB weigert sich weiterhin und will auch ihre Verweigerungshaltung nicht erklären.

Nochmals:

Die Big4 lassen sich nicht beaufsichtigen bzw. sie beaufsichtigen sich selbst. Dafür haben sie offensichtlich die volle Unterstützung der Politik! 

20.02.2018
PwC und die Sportförderung

Die gestrige Berichterstattung über die geschäftlichen Verquickungen von PwC und der Deutsche Sporthilfe wurde von Kollegen/innen mehrfach kommentiert. Hierbei gab es weitere interessante Details:

Gesellschaftliches Engagement im allgemeinen und Förderung von Leistungssportlern im speziellen sind das eine, eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie PwC sollte jedoch auch bei diesen finanziellen Engagements die einschlägigen Berufsgrundsätze zur beruflichen Unabhängigkeit (§§ 17 I, 43 I WPO) beachten.

Und jetzt halten Sie sich fest:

  • Schon seit mehr als 20 Jahren fungiert PwC als Abschlussprüfer der Deutsche Sporthilfe GmbH in Frankfurt am Main.
  • Darüber hinaus sitzt der PwC Vorstandssprecher Herr Prof. Winkeljohann bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe im Stiftungsrat und sein Vorstandskollege Scholich im Kuratorium.

Der Vorsitzende der Vorstandsabteilung Berufsaufsicht der WPK (VOBA), Ex-PwC-Vorstand Dr.  Gelhausen würde hinsichtlich einer Überprüfung zur Einhaltung der Berufspflichten wohl auch sofort  einen "Persilschein" erteilen und vielleicht auch den WPO-Kommentar umschreiben lassen.

Fazit:

Ganz schön praktisch, denn alles dient nur der Vermehrung des schnöden Mammons und dem Ausbau einer marktbeherrschenden Stellung des deutschen WP-Branchenführers.

Dass dies alles offensichtlich nur die "Spitze eines Eisberges" ist, zeigen andere Hinweise von Kollegen/innen:

PwC ging bereits 2014 durch die Presse, als bekannt wurde, dass drei Nachwuchstalente der Jungen Union sämtlich auf der Payroll von PwC standen und ihre Vergütung nicht für ihre PwC-Tätigkeit, sondern als Unterstützung für ihre "politische CDU-Karriere" erhielten. Die politische Nachwuchsförderung organisierte damals der Düsseldorfer PwC-Partner Sven Joachim Otto. - So zieht man sich halt frühzeitig den Nachwuchs für die künftige Lobbyarbeit heran!

Oder: Erinnern Sie sich noch an die Affäre um die Ex-Ehefrau unseres Ex-Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff, die (zufällig) nach ihrer Trennung von Christian auf Vermittlung des PwC-CEO Prof. Winkeljohann ("Freund der Familie") eine Anstellung im Umfeld von PwC fand.

So funktioniert's ....