Aktuelles

08.05.2020
Wirecard: KPMG gegen EY?

Es ist eigentlich immer das gleiche Ritual: Wird medienwirksam die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung eines DAX-Mandates in Zweifel gezogen, so beruft sich der Abschlussprüfer auf seine gesetzliche Verschwiegenheit (§ 43 I WPO, § 323 HGB), der Mandant geht in Kampfmodus und die WP-Branche (incl. WPK und APAS) schaut zunächst einmal dem Geschehen gespannt zu.

Streuen dann die Experten in den Medien Zweifel an den Testaten der Vorjahre, so wird bereits insgeheim mit einer Sonderprüfung (durch eine andere Big4-Gesellschaft) gerechnet. 

Der Aufsichtsrat muss sich exkulpieren, der Vorstand sucht Rechtfertigung und der Sonderprüfer will sich profilieren und seine fachliche Expertise ausspielen.

So geschehen auch bei Wirecard: Seit 10 Jahren prüft EY den umtriebigen Zahlungsdienstleister und testierte in der Vergangenheit jeweils uneingeschränkt. Die Financial Times (FT) zieht die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung bereits 2019 in Zweifel und vermutet gar Bilanzfälschung durch den selbstherrlichen Gründer, 7%-iger Großaktionär und CEO Markus Braun.

Also steht zunächst der Sonderprüfer KPMG im Rampenlicht!

  • Was werden die Sonderprüfer feststellen, was der bisherige Abschlussprüfer trotz (hoffentlich) risikoorientierter Prüfung nicht feststellte bzw. sanktionierte?
  • Gibt es Hinweise auf dolose Handlungen?
  • Welchen Imageschaden erleidet der bisherige Abschlussprüfer am Ende des Tages?

Jetzt liegt der 74-seitige Sonderprüfungsbericht der KPMG vor und man reibt sich die Augen. Auch KPMG hat es bei seinem forensischen Prüfungsansatz nicht geschafft, erhebliche dubiose Vorgänge aufzudecken!

Auf drei Seiten habe ich Ihnen Stimmen aus der Presse und von Experten zusammengefasst, die allesamt darauf hindeuten, dass EY offensichtlich nicht ordnungsgemäß geprüft hatte. 

Frage ist, ob das QSS bei EY ausreichte, die Prüfungen nach den fachlichen Standards richtig angewendet wurden und die Testate (ohne Hinweise / Einschränkungen) so hätten überhaupt erteilt werden dürfen!?

Die Öffentlichkeit wird im weiteren Verlauf nicht mehr erfahren. Jetzt ist die Berufsaufsicht dran. Jetzt wird in den Gremien diskutiert. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung für den Berufsstand. - Und seien Sie sicher: Die Sache wird für die Öffentlichkeit im Sande verlaufen!

Außer: Anlegeranwälte gehen zum Angriff über und stürzen sich (medienwirksam) auf EY in Form einer Schadenersatzklage und suchen einen Deal. - Doch dies kann Jahre dauern - bis sich die Öffentlichkeit in unserer reizüberfluteten Informationsgesellschaft dafür nicht mehr interessiert.

04.05.2020
Das IDW will das Berufsrecht ändern!

Bereits im wpwatch-Newsletter Nr. 79 (Mai 2020) habe ich darauf hingewiesen, dass das IDW z.Zt. massive Vorstöße unternimmt, um das Berufsrecht zu ändern. Scheinheilig behauptet man, dass bei den berufsrechtlichen Vorschriften "in der Praxis Schwachstellen aufgetreten seien...".

Hierzu schreibt "Deutschlands 1. WP" K.-P. Naumann, CEO des Lobbyvereins IDW e.V., (so Georg Giersberg, FAZ) gleich einmal einen siebenseitigen Brief an das BMWi und prescht der WPK voran.

Insbesondere kommt es dem IDW offensichtlich darauf an, dass für die Big4 endlich der Kreis der Gesellschafter erweitert werden kann und bis zu 49 % der Gesellschaftsanteile (!) in Händen von Berufsfremden sein können!? Wo nimmt das IDW eigentlich die Meinungsführerschaft in dieser Frage her?

Um es deutlich zu sagen: Das IDW hat keinerlei Legitimation, unmittelbare Änderungen im Berufsrecht beim BMWi für den gesamten Berufsstand einzufordern. Änderungswünsche sind ausschließlich der WPK vorzutragen und dort zu in den zuständigen Gremien zu diskutieren. Die Beschlüsse der WPK werden sodann beim BMWi eingebracht. Ob das IDW im Gesetzgebungsverfahren angehört wird, entscheidet dann die Politik.

Ist es den Big4-Lobbyisten in Düsseldorf trotz Corona-Pandemie, ISA-Chaos und QS-Kontroll-Wahnsinn zu langweilig?

Die WPK sollte das IDW endlich in seine Schranken weisen und sich derartige unabgestimmte Vorstöße verbitten! 

Eine Frage hab ich noch: Wieso wird der Berufsstand zu solch massiven Eingriffen ins Berufsrecht eigentlich nicht befragt?

22.02.2018
Die Anzahl der Kandidaten ist weiter rückläufig!

Auch in 2017 hat die Zahl der WP-Examenskandidaten weiter abgenommen. Mit nur 665 Kandidaten/innen haben 23 Kandidaten/innen weniger am Examen teilgenommen als im Vorjahr, d.h. ein weiterer Rückgang um 3,3% (vgl. WPK Magazin 1/2018, S. 18).

Die Bestehensquote lag bei 55%. Eine Ergänzungsprüfung wurde 17% der Kandidaten/innen auferlegt, so dass 28% im ersten Anlauf nicht bestanden haben. - GRATULATION!!!

Aufgrund der Tatsache, dass der Berufsstand ziemlich "überaltert" ist, wird die Zahl der Kollegen/innen per Saldo nur um rd. 100 wachsen (vgl. auch Tätigkeitsbericht der WPK 2016, S. 19).

Die durch Präsident Ziegler immer wieder postulierte "Trendwende" bzw. der vorhergesagte  "Stillstand des negativen Trends" lässt weiter auf sich warten!

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass momentan rd. 400 Kollegen/innen "beurlaubt" sind (§ 46 WPO) und momentan "eine mit dem Beruf nicht vereinbare Tätigkeit" ausüben.

Frei nach dem Motto: Mal sehen, ob sich nicht doch was Besseres findet!

Lt. WPK Magazin 1/2018 (S. 19) hält die WPK jetzt allerdings umfangreiches "Informationsmaterial zur Nachwuchsgewinnung" für Mitglieder bereit, welches Sie bitte kartonweise bei der WPK abrufen und verteilen sollten.- Jetzt tun Sie doch auch endlich mal was für die Zukunft des Berufsstandes!

  • "WIRTSCHAFTSPRÜFER (D)EIN TRAUMBERUF"

Aber Achtung: Sie müssen zunächst zwischen zwei unterschiedlichen 8-seitigen Foldern unterscheiden:

  • für Schüler und
  • für Studierende.

Nicht, dass Sie jetzt mit der Kiste Folder für "Studierende" in die örtliche Grundschule rennen!?

Am meisten bewegt hat mich an den Foldern, dass dort Berufsbiographien von Kollegen/innen  vorgestellt werden, die dort erklären, wie sie den Weg in den Berufsstand gefunden haben.

Der EY-Partner Lars Lettner erklärt dort beispielsweise, dass ihm seine vorherige berufliche Tätigkeit als Opernsänger wirtschaftlich einfach zu unsicher war und er etwas "sicheres und solides" machen wollte.

Also dachte er: Dann werd ich Wirtschaftsprüfer!

Diese Geschichte hat auch mich überzeugt! Kiddies und Studierende finden das sicherlich echt krass und megageil!

Jetzt kann Lars ja immer noch den Mandanten bei der Prüfung "einen reinsingen"!

21.02.2018
Key audit matters - oder: Wünsch Dir was!

Die Facharbeit des IDW e.V., d.h. des Schaffung "fachlicher Regeln" durch unseren "national standardsetter", ist im Umbruch. Die "unmittelbare Anwendung" der "International Standards on Auditing" (ISA) steht bevor und soll innerhalb der nächsten 24 Monate umgesetzt werden.

Einen Vorgeschmack für diese Form des "Standardsetting" erfahren wir momentan bei der Erteilung von Bestätigungsvermerken (BSV) - ein wahren Chaos und sicherlich kein Ruhmesblatt für den Lobbyverein des Berufsstandes (IDW e.V.).

Entsprechend den ISA 700, 701, 705 und 706 wurde vom HFA der 400'er Katalog (IDW PS 400 n.F., 401, 405 und 406) entwickelt und am 15.12.2017 (nach einem chaotischen Hin und Her!)  verabschiedet.

Gegenstand des IDW PS 401, der nur für § 319a-HGB-Mandate (PIE-Mandate) gilt, ist in Umsetzung von Art. 10 II. c) der EU-VO die

  • „Mitteilung besonders wichtiger Prüfungssachverhalte.“ 

Dies bedeutet, dass der Abschlussprüfer in eigener Wortwahl sogenannte "key audit matters" (KAM's), d.h. ihm "besonders wichtig erscheinende Prüfungsfeststellungen", in den Wortlaut seines Bestätigungsvermerks eintexten muss. Damit erreicht der BSV bei der Prüfung kapitalmarktorientierter Unternehmen durchaus stolze acht bis neun A4-Seiten!

Und jeder fragt sich: Wem ist damit gedient?

Dieses Eintexten ist ein Novum in der deutschen Facharbeit, waren doch bisher in den 14 Anlagen zum IDW PS 400 (a.F.) die Formulierungen der Bestätigungsvermerke durch das IDW vorgegeben. Die Einhaltung dieser Formulierungsvorgaben wurde im Übrigen von der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) im Rahmen der BAnz-Durchsicht beaufsichtigt (§ 57 II Nrn. 4, 14 WPO).

Mit dem freiformulierten Eintexten  wurde faktisch seit 2016 in Deutschland ein "Testat-Marketing" eingeführt. Und schon fragt man sich: Was kann, muss oder darf man in den BSV kapitalmarktorientierter Unternehmen hineintexten. Was ist gerade üblich, en vogue oder den Mandanten gerade noch zuzumuten?

Glauben Sie tatsächlich, dass PwC bei der Abfassung des Testates der TELEKOM in eigener Wortwahl die "wichtigen Prüfungsfeststellungen" formuliert? - Oder macht es nicht doch besser gleich Timotheus Höttges, der sagenhafte CEO, der gerne Wirtschaftsprüfer von PwC in der Presse als "seine Chorknaben" bezeichnet!?

Schon stürzen sich auch allerlei "Schreiberlinge" auf dieses Thema, fertigen "empirischen Studien" an und halten Ausschau nach den häufigsten "Feststellungen", nach Muster-Formulierungen und suchen den "systemischen Ansatz zur Generierung solcher Mitteilungen."

Zuletzt geschehen in den WPK-Mitteilungen 1/2018, S. 35 ff., wo uns zwei nette Kolleginnen von BDO im Fazit erklären, dass das statistische Mittel der KAM in Bestätigungsvermerken genau 3,6 beträgt!

Soll heißen: 3,6 KAM's und alles ist gut!

Ich warte schon auf die nächste überflüssige Studie in den Printmedien des IDW!

20.02.2018
PwC und die Sportförderung

Die gestrige Berichterstattung über die geschäftlichen Verquickungen von PwC und der Deutsche Sporthilfe wurde von Kollegen/innen mehrfach kommentiert. Hierbei gab es weitere interessante Details:

Gesellschaftliches Engagement im allgemeinen und Förderung von Leistungssportlern im speziellen sind das eine, eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie PwC sollte jedoch auch bei diesen finanziellen Engagements die einschlägigen Berufsgrundsätze zur beruflichen Unabhängigkeit (§§ 17 I, 43 I WPO) beachten.

Und jetzt halten Sie sich fest:

  • Schon seit mehr als 20 Jahren fungiert PwC als Abschlussprüfer der Deutsche Sporthilfe GmbH in Frankfurt am Main.
  • Darüber hinaus sitzt der PwC Vorstandssprecher Herr Prof. Winkeljohann bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe im Stiftungsrat und sein Vorstandskollege Scholich im Kuratorium.

Der Vorsitzende der Vorstandsabteilung Berufsaufsicht der WPK (VOBA), Ex-PwC-Vorstand Dr.  Gelhausen würde hinsichtlich einer Überprüfung zur Einhaltung der Berufspflichten wohl auch sofort  einen "Persilschein" erteilen und vielleicht auch den WPO-Kommentar umschreiben lassen.

Fazit:

Ganz schön praktisch, denn alles dient nur der Vermehrung des schnöden Mammons und dem Ausbau einer marktbeherrschenden Stellung des deutschen WP-Branchenführers.

Dass dies alles offensichtlich nur die "Spitze eines Eisberges" ist, zeigen andere Hinweise von Kollegen/innen:

PwC ging bereits 2014 durch die Presse, als bekannt wurde, dass drei Nachwuchstalente der Jungen Union sämtlich auf der Payroll von PwC standen und ihre Vergütung nicht für ihre PwC-Tätigkeit, sondern als Unterstützung für ihre "politische CDU-Karriere" erhielten. Die politische Nachwuchsförderung organisierte damals der Düsseldorfer PwC-Partner Sven Joachim Otto. - So zieht man sich halt frühzeitig den Nachwuchs für die künftige Lobbyarbeit heran!

Oder: Erinnern Sie sich noch an die Affäre um die Ex-Ehefrau unseres Ex-Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff, die (zufällig) nach ihrer Trennung von Christian auf Vermittlung des PwC-CEO Prof. Winkeljohann ("Freund der Familie") eine Anstellung im Umfeld von PwC fand.

So funktioniert's ....

14.02.2018
Die Air Berlin Pleite und das PwC-Honorar

Die Umstände um die Vergabe des geplatzten 150-Mio.-KfW-Kredits an die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin und die Rolle des BMWi sowie von PwC werfen zunehmend Fragen auf und lassen auf ein abgekartetes Zusammenspiel zwischen Politik und PwC schließen.

Der Großteil des Überbrückungskredits ist wohl futsch. Aufgrund der Tatsache, dass der Bund als Bürge für 150 Millionen Euro geradestehen muss, wäre ein Ausfall vom Steuerzahler zu tragen.

PwC hatte für eine "Risikoprüfung" mutmaßlich ein Millionenhonorar kassiert. Zur Höhe des Honorars darf auch auf parlamentarische Anfrage nichts bekannt gegeben werden, da es sich angeblich "um schutzwürdige Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von PwC" handeln soll.

Tatsächlich waren den zuständigen Ministerien Ausfallrisiken des Kredits frühzeitig bekannt. Doch statt mögliche Risiken näher zu prüfen, stimmte sich der Bund offenbar eng mit der Lufthansa ab.

Am Freitag, dem 11. August 2017, spät abends, erreichte die Nachricht von der drohenden Insolvenz die Bundesregierung und es machte sich die Sorge breit, zehntausende Urlauber könnten an ihren Ferienorten stranden. Kein schönes Szenario so kurz vor der Bundestagswahl. Doch der Bund benötigte für die Auslegung der Bürgschaft eine "Absicherung" - und beauftragte die Berater von PwC.

Matthias Machnig, Staatssekretär des BMWi, bat PwC am Samstag, den 12.08.2017, "etwas aufzuschreiben", was als "Absicherung" für eine Bundesbürgschaft dienen könne.

Bereits am selben Abend (!) kam die erste Einschätzung der PwC-Spezialisten. Dies liest sich dann so:

  • "Unter uns: Kriegen wir keine Aussage zu möglichen Rückführungen, wird das dünn etwas aufzuschreiben. […] Wie soll man sonst belastbar einen Massekredit rechtfertigen?" und
  • "Wir unterstellen, dass das Darlehen unbesichert gegeben werden muss…

PwC habe es jedoch in der gutachterlichen Stellungnahme als "plausibel" eingeschätzt, dass der Kredit bedient werden könne und sich dabei auf fiktive Kaufpreise von Lufthansa und Easyjet für die Übernahme von Air Berlin gestützt.

PwC stellte seine Expertise auch unter die Prämisse, "dass die kartellrechtlichen Verfahren kurzfristig  abgeschlossen werden können…", jedoch ohne wissen zu können, ob der Deal überhaupt genehmigt würde.

Einen Tag vor der Insolvenzanmeldung (am 14.08.2017) schrieb um 19.50 Uhr noch ein Mitarbeiter der "lieben Frau Zypries", dass eine "Absichtserklärung von Lufthansa im Entwurf vorliege".

Die Ministerin antwortete dann umgehend um 21.01 Uhr: "Ja, ich bin einverstanden" (mit der Darlehenshingabe).

Am nächsten Tag (15.08.2017) meldete Air Berlin Insolvenz an.

Jetzt stellen Parlamentarier berechtigt die Frage nach der Rolle von PwC und den PwC-Honoraren.

Und jetzt Klartext:

  • Die Rolle von Staatssekretär Matthias Machnig bei "Deals" des BMWi zulasten des Steuerzahlers sind aus der Vergangenheit hinreichend bekannt.
  • Die Berufsbiographie des Staatssekretärs können Sie hier nachlesen.
  • Das BMWi (und in Person Staatssekretär Machnig) ist zufällig die oberste Rechtsaufsicht über den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer (§ 66 WPO).
  • PwC "zauberte binnen Stunden" (Wunsch-)Papiere für die Vergabe eines dreistelligen Millionen-Kredites. Inwieweit hält dies überhaupt den Berufsgrundsätzen einer gewissenhaften Berufsausübung (§ 43 WPO) und den risikoorientierten Regeln der Facharbeit stand?
  • Übrigens: Lufthansa lässt sich bereits seit Jahren gegen ein Millionenhonorar von PwC prüfen und
  • PwC steuert (zufällig) seit Jahren überwiegend das "Mandatargeschäft" für Bund und Länder und kassiert neben den horrenden Stundensätzen jeweils x% der Bürgschaftssumme als "Wertgebühr".

Fazit: So funktioniert das Zusammenspiel der Big4 mit der Politik zulasten des Steuerzahlers! - Ein Witz!!!

  • Die Börse lacht über die Lufthansa Aktie und trinkt Champagner,
  • die ergebnisabhängigen Vergütungen des Vorstands steigen deutlich,
  • PwC hat sich mit diesem "Gefälligkeitsgutachten" für weitere Gutachten der Politik empfohlen,
  • hat für wenig Arbeit ein (geheimes) Millionen-Honorar eingestrichen,
  • kann für die nächste Abschlussprüfung bei Lufthansa vielleicht etwas großzügiger abrechnen - und
  • der Steuerzahler sitzt auf dem Verlust von über 100 Mio. €!

So werden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert - so geht´s!

Wollten Sie mir gerade noch etwas von "Unabhängigkeit" des Wirtschaftsprüfers (§§ 17, 43 WPO) erzählen? - Bla, bla, bla!!!

Glauben Sie bitte auch nicht, dass sich die Berufsaufsicht für solche "Fahrlässigkeit" und "Interessenkollisionen" des deutschen Marktführers der WP-Branche interessiert!?

13.02.2018
Betrügt Mautbetreiber Toll Collect den Bund?

Erst am 26. Januar 2018 berichtete wpwatch über das skandalöse Schiedsverfahren wegen Milliardenforderungen des Bundes gegen das Betreiberkonsortium Toll Collect, welches bereits seit 10 Jahren andauert und eine "never ending story" zu werden scheint.

"Star-Anwälte" machen sich mit Millionenhonoraren seit Jahren die Taschen voll und freuen sich jedes Jahr auf neue wachsende Honorare - mittlerweile über 200 Mio. €!!! - Man nennt dies "Öffentlich-Private-Partnerschaft."

Ein von dem privaten Schiedsgericht bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars in Auftrag gegebenes Gutachten über die Abrechnungen von Toll Collect liegt nun als "230-seitiger geheimer Untersuchungsbericht" dem Bundesverkehrsministerium vor. Demnach hat das Konsortium um die Hauptgesellschafter Telekom und Daimler dem Bund innerhalb von nur drei Jahren mindestens 298 Mio. € zu viel berechnet.

Von den Big4 sind drei "im Spiel": EY prüft die Toll Collect GmbH, PwC prüft die Telekom und KPMG prüft Daimler. Jetzt muss Mazars als "unabhängiger Prüfer" die Schadenshöhe gutachterlich feststellen.

Das Schiedsgericht versucht seit mehr als zehn Jahren, den Streit um die Finanzierung des milliardenschweren Mautsystems beizulegen. Der Bund verlangt von Toll Collect mehr als 7,5 Milliarden Euro Schadensersatz, weil das Mautsystem 2005 erst mit 16 Monaten Verspätung den Betrieb aufnahm.

Toll Collect fordert demgegenüber rund zwei Milliarden Euro an Gebühren, deren Auszahlung der Bund verweigert, weil sie nicht durch den Vertrag gedeckt sind.

Wie hoch der Schaden für den Steuerzahler insgesamt ist, lässt sich nicht beziffern, da die Wirtschaftsprüfer von Mazars auftragsgemäß nur drei (von dreizehn!) Geschäftsjahre durchleuchtet haben.

Im August 2018 läuft der Vertrag mit dem Toll-Collect-Konsortium aus. Die Bundesregierung hat jetzt offensichtlich die Faxen dicke und plant, den Mautbetreiber vorübergehend zu verstaatlichen.

Auf diese Weise hätte der Bund die Chance, Einblick in die gesamten Abrechnungen zu erhalten, heißt es aus dem Ministerium. Nur so ließe sich feststellen, welcher Schaden durch die Öffentlich-Private Partnerschaft für den Bund entstanden ist. Schon im kommenden Jahr will die Regierung jedoch den Mautbetreiber nach europaweiter Ausschreibung dann wieder einem privaten Betreiber übertragen.

Zuletzt war das Betreiberkonsortium bereits durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Manager von Toll Collect in die Schlagzeilen geraten. Durch überhöhte Abrechnungen sollen die Verdächtigen den Bund um mindestens drei Mio. € geprellt haben. Im Mai 2017 durchsuchten Ermittler deshalb auch die Firmenzentrale des Betreibers.

31.01.2018
Die Affen von VW

  • Abgasskandal mit gewerbsmäßigem Betrug der Autoindustrie durch VW & Co.,
  • Kartellverdacht bei VW, Daimler und BMW,
  • massive Beeinflussung von Autolobbyisten auf Politik und Gesetzgebung,
  • Inhaftierung und Verurteilung von deutschen Automanagern im Ausland ...

und man meint, das könnte kaum noch zu toppen sein!?

Und jetzt die Geschichte mit den Affen und den ahnungslosen Probanden, die man gezielt Dieselabgase stundenlang einatmen lässt, um von (geschmierten) Gutachtern den Beweis führen zu lassen, dass dies alles völlig harmlos ist. Die Autoindustrie, allen voran wieder VW, betrieb seit 2007 als "Lobbyverband für Dieselautos" ein "Institut" (EUGT).

Jetzt ist man (wieder einmal) geschäftsmäßig "fassungslos" und "empört", beurlaubt den Cheflobbyisten Steg und "glaubt es kaum, dass so etwas bei den Nobeladressen deutscher Vorzeigeindustrie" überhaupt möglich sein konnte. VW-Chef Matthias Müller setzt heuchlerisch noch eins drauf, gibt sich nichtsahnend und findet alles "unethisch und abstoßend".

Mit Bekanntwerden des Abgasskandals in den USA musste man dieses verräterische "Institut" schnellstens loswerden und beauftragt einen VW-Lobby-Anwalt aus der Politik mit der Liquidation des "Instituts" und dem "Verbringen aller wissenschaftlichen Unterlagen".

Auf zwei Personen sollte jedoch noch mit dem Finger gezeigt werden:

  • Prof. Helmut Greim, emeritierter Toxikologe der TU München war Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der EUGH und als "Falschgutachter" bereits branchenbekannt. Er hat immer dann, wenn es um Krebsrisiken geht, auftragsgemäß für die Politik "Entwarnungs-Gutachten" geschrieben und sich von der Wirtschaft bezahlen lassen. Auch die beiden skandalösen Glyphosat-Gutachten für die Zulassung dieses Pestizid stammen übrigens von ihm!
  • Am 27.07.2015 erhielt genau jener Professor aus den Händen der Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks das "Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland". Die höchste Anerkennung für "Verdienste um das Gemeinwohl". Ministerin Hendricks lobte in der Laudatio insbesondere Prof. Greims "Verdienste zum Schutz von Mensch und Umwelt" - Blanker Hohn!!! - Hier hätte man die ahnungslose Ministerin wohl vorher warnen müssen - alles war bekannt.

Dank investigativer Journalisten erhalten wir also wieder einmal Einblick in die Funktionsweise des Finanz-Kapitalismus und die Verbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und (ahnungsloser) Politik. Aber so ähnlich funktioniert ja auch die Beeinflussung der Politik durch die Big4 mit dem Ziel der Marktregulierung. Zuvor werden durch Lobbyisten der Big4 Beratungsbedarfe in Wirtschaft und Politik erzeugt.

Ach, vielleicht begegnen sich ja beim Rentner-Spaziergang am Isar-Seitenkanal in München demnächst zwei "ehrenhafte" Senioren und tauschen sich über ihre diesbezügliche Lobbyistenrolle einmal intensiv aus:

Prof. Greim trifft Dr. h.c. Spindler. Das war jener "Ehrenamtler" der Berufsaufsicht, der es geschafft hat, die Kasse der WPK um mehr als eine Million € für seine "ehrenamtliche Tätigkeit" zu erleichtern und dafür Lobbypolitik für die Big4 gemacht hat.

29.01.2018
Kleeberg und die "China-Bude"

Aufgrund der Berichterstattung von wpwatch über das § 319a-HGB-Kleeberg-Testat für die "China-Bude" kamen etliche Hinweise von Kollegen/innen:

wpwatch berichtete am 09.01.2018 über eine in der Kleeberg-Gruppe nicht nachvollziehbare Besetzung eines angestellten Wirtschaftsprüfers als auftragsverantwortlichem Abschlussprüfer bei einer risikobehafteten Abschlussprüfung im 319a HGB Segment, mit der Folge einer DPR Feststellung und der anschließenden Mandatsniederlegung.

Es wurde mehrfach die Frage gestellt, warum z.B. Herr Prof. Dr. Christian Zwirner, Gesellschafter und Geschäftsführer der Kleeberg Gruppe, nicht als Abschlussprüfer ins Rennen geschickt wurde.

Antwort:

Herr Prof. Zwirner ist stark mit Aus- und Fortbildung beschäftigt. Außerdem veröffentlicht er jedes Jahr Dutzende Fachaufsätze, nimmt Lehraufträge an verschiedenen Universitäten (darunter bei Prof. Marten in Ulm) wahr und ist geschätzter Referent auf Kongressen und Verbandstreffen. Er ist somit wohl eher für die mediale Außendarstellung von Kleeberg zuständig

Aber: Prof. Zwirner ist seit Jahren als auftragsverantwortlicher Abschlussprüfer bei der Einbecker Brauhaus AG in Einbeck, einer kleinen Stadt in Niedersachsen (mittelgroße Kapitalgesellschaft, Prüfungshonorar ca. TEUR 45), tätig.

Viele Kollegen/innen vermuten, dass Kollege Zwirner für sich wohl eine optimale Chancen-Risiko- Relation in Bezug auf das Tätigkeits- und Mandatsportfolio gefunden hat. Es besteht folglich kein Anreiz, Reputations- und Haftungsrisiken in § 319a HGB Prüfungen der Kleeberg Gruppe einzugehen.

Diese Aufträge überlässt man lieber jungen Wirtschaftsprüfern wie dem Kollegen Nagengast, weil "man den Braten mit den Chinesen vielleicht vorher bereits gerochen hatte".

Klartext: Niemand würde unter Risikoabwägungen das Prüfungsmandat der Brauerei gegen die "China Bude" eintauschen.

Fazit:

Es ist in der klassischen Abschlussprüfung vermehrt zu erkennen, dass sich neben einer vermeintlichen "WP-Elite" eine "Gruppe zweiter und dritter Klasse" herausgebildet hat, meist jung und wenig berufserfahren, kaum Chancen auf eine Kanzleibeteiligung, die in den Prüfungen "verheizt" werden, bis man sie austauscht und wiederum durch jüngere Kollegen ersetzt.

25.01.2018
KPMG treibt ein falsches Spiel!

wpwatch berichtete bereits im April und August 2017 über das falsche Spiel von KPMG mit der amerikanischen Berufsaufsicht (PCAOB). Erst jetzt kommt der Skandal in den deutschen Medien an: das HANDELSBLATT berichtete gestern ausführlich.

  • Welcher WP-Examenskandidat träumte nicht schon einmal davon, die Klausurthemen schon vorab zu kennen?

Diesen Wunsch nach Vorabinformationen verwirklichte sich KPMG in den USA:

KPMG erhielt aus Kreisen der PCAOB vor Durchführung von Qualitätskontrollprüfungen vorab jeweils die geheime Liste, aus der sich die Stichprobe der Mandate ergab, die sich die Berufsaufsicht genauer zur Beurteilung der "Prüfungsqualität" anschauen wollte.

KPMG hat in Amerika seit Jahren eine denkbar schlechte Reputation. Von den "Big4" fand  die Aufsichtsbehörde hier in den vergangenen Jahren immer die meisten Mängel! Mit den illegal erworbenen Vorab-Informationen wollte sich KPMG vor der Kontrollkommission mustergültig präsentieren und Super-Noten von der PCAOB bekommen.

Dumm nur, dass sich ein früherer Mitarbeiter der PCAOB gegenüber den Aufsichtsbehörden offenbarte und alles zu Protokoll gab. Die KPMG-Mitarbeiter wurden alle gefeuert, incl. des obersten US-Prüfers von KPMG, Scott Marcello.

Die Insiderinformationen nutzten sechs zum Teil hochrangige Mitarbeiter von KPMG, von denen einige zuvor bei der PCAOB gearbeitet hatten. Jetzt werden sie allesamt in New York von dem US-Justizministerium und der Börsenaufsicht SEC angeklagt.

Man darf gespannt sein, wie die amerikanische Justiz mit solch kriminellem Berufsverständnis abrechnen wird!? - Ein Desaster für KPMG!!!

Übrigens ein Hohn: Der oberste Berufsaufseher für § 319a-Prüfer deutschland- und europaweit ist der KPMG-Skandalprüfer Ralf Bose; Leiter der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS). Er beaufsichtigt auch die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) und kontrolliert insbesondere, ob diese uns auch im Rahmen des peer review streng genug kontrollieren lässt!

Eine Farce: Wann wird die Politik endlich wach und durchschaut dieses perfide und anrüchige "Spiel"!?

Es ist momentan nicht der einzige Rückschlag für KPMG in Amerika:

  • Vor wenigen Tagen überraschte General Electric mit einer Nachricht die Märkte, auf sieben Jahre ganze 15 Milliarden Dollar für Pflegeversicherungen aufbringen zu müssen, da man erst jetzt die hohen Fehlbeträge festgestellt habe. Dies löste unmittelbar einen Kurssturz der GE-Aktie aus und lässt unangenehme Fragen an die jahrelangen Abschlussprüfer von KPMG erwarten.
  • Auch bei dem Skandal um fingierte Konten bei der Bank Wells Fargo machte Abschlussprüfer KPMG keine gute Figur. Von 2011 bis 2015 eröffneten Vertriebsleute von Wells Fargo ganze zwei Millionen Konten im Namen von Kunden, die davon nichts wussten.

Und jetzt die Anklage gegen die KPMG-Mitarbeiter.