Aktuelles

01.07.2020
von der Leyen - War da noch was?

Ich weiß - Man kann sich kaum noch erinnern! Vor Corona und Wirecard sprachen wir kurz über die Berateraffäre im Bundesverteidigungsministerium von Frau Dr. Gertrud Ursula von der Leyen. Ach so! - und ihrem McKinsey-Superstar Katrin Suder.

Dazwischen kam die überraschende Präsidentschafts-Kür von "Kanonen-Uschi" bei der EU und die Berufung von Katrin-Superstar als Vorsitzende des Digitalrates der Bundesregierung ins Bundeskanzleramt.

Es ging um Beraterverträge an McKinsey und die Big4 im dreistelligen Millionenbereich, Düpierung des Beschaffungsamtes der Bundeswehr und einen enormen Schaden für alle Steuerzahler. Das Chaos bei der Bundeswehr ist im übrigen auch heute unter AKK noch nicht abgestellt.

Dann lassen wir es bitte auch schnell hinter uns bringen:

  • Wer ist verantwortlich? - Keiner!
  • Wer kann haftbar gemacht werden? - Keiner!
  • Wer kann sich noch erinnern? - Keiner!
  • Wer bewies ein Schuldeingeständnis? - Keiner!

An Arroganz und Borniertheit waren die Auftritte der beiden Damen nicht zu überbieten! - Sie wussten genau, wie dieses "Spiel" ausgehen wird, und wurden ja beide noch rechtzeitig weggelobt und gut positioniert. Da konnte man auch einfach mal spontan das Dienst-Handy komplett löschen ...

Der Untersuchungsausschuss attestierte beiden Damen im Schlussbericht, dass sie "Wesentliche Erkenntnisse ausgeblendet" hätten! Das bedeutet im Klartext, dass Schweigen die elegantere Variante ist als Lügen. Im Ergebnis kommt es allerdings aufs Gleiche raus.

- Damit scheint man sich dann auch gleichzeitig für höhere Aufgaben zu qualifizieren. - Toll, oder?

Entschuldigung, dass ich noch mal den alten Kram kurz aufwärmen wollte. Es war doch alles schon so schön "vergessen".

Ich tue es nicht wieder - macht nur schlechte Stimmung.

30.06.2020
Awado - ein neuer Stern am Prüferhimmel

Für die TOP 25 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind lt. LÜNENDONK die Plätze in der Regel vergeben. Die Big4 tauschen nach wilden Aufholjagden schon mal die Plätze. Die nachfolgenden Player versuchen es mit Netzwerken, Übernahmen oder sind von dem Virus der Fusionitis befallen. - "Größe" bedeutet schließlich - so nimmt man an - Anerkennung und Marktmacht.

Bei genauerer Betrachtung muss man jedoch zunächst erkennen, dass es eine Zweiteilung im WP-Markt gibt - der öffentliche WP-Markt und der abgeschottete Markt der genossenschaftlichen Prüfungsverbände. Seit den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts müssen genossenschaftlich organisierte Unternehmen einem "genossenschaftlichen Prüfungsverband" anzugehören.

Einer der größten Pflichtverbände ist hierbei der Genossenschaftsverband - Verband der Regionen e.V., Neu-Isenburg bei Frankfurt. Er prüft einen milliardenschweren Pharma-Großhändler ebenso wie Banken. Der Verband macht ca. 170 Mio. € Umsatz im konkurrenzlosen Geschäft der Prüfung von Genossenschaften, erwirtschaftet jedoch über seine Prüfungsgesellschaft Awado weitere 30 Mio. € mit Drittmandaten außerhalb des genossenschaftlichen Bereichs.

Und jetzt kommt der Knaller:

Der Genossenschaftsverband möchte jetzt mit Awado in den Angriffsmodus übergehen und dort den Umsatz auf 100 Mio. € mehr als verdreifachen. Damit wäre man insgesamt mit ca. 400 Mio. € unter den TOP 10 der Branche - etwa auf Augenhöhe von BDO, Rödl und Ebner Stolz. Die momentan noch fehlende fachliche Expertise im Industriebereich will man nach Aussage des Verbands-CEO, Kollegen Ingmar Rega (Ex-KPMG-Bereichsvorstand) gezielt angehen. Wegen des fehlendes Auslandsnetzes hat man mit Warth & Klein eine Kooperation geschlossen, die den Zugang zum internationalen Netzwerk Grant Thornton eröffnet. Gleichzeitig denkt man auch über Übernahmen in der Branche nach - zuletzt geschehen mit HANSA Treuhand in Rostock.

Also, es scheint erneut Bewegung in den WP-Markt zu kommen!

Mein Tipp:

Die Anwälte der WPK sollten schleunigst einmal prüfen, ob dieses neue Geschäftsmodell des Genossenschaftsverbandes mit dem "Genossenschafts-Privileg" vereinbar ist und welche ordnungspolitischen Folgen dies für den WP-Markt haben wird. Kann man unter dem Deckmantel einer Genossenschafts-WPG allgemeine Prüfungsmandate bearbeiten? Kann man sich an WPGs im öffentlichen Markt beteiligen? - Oder ist dies vieleicht ein Mißbrauch des Genossenschaftsprivilegs?

Eins bleibt festzustellen: Die Zahl der Super-Strategen im Berufsstand scheint ebenso zuzunehmen wie die Angriffe auf unser Berufsrecht. Wehret den Anfängen!

Die Kammer ist gefordert!

29.06.2020
Wirecard - ein Gedicht

Der jähe Absturz von Wirecard - und wieder mal ein "Supergau" im Finanzkapitalismus.

Bilanzmanipulation, Betrug, WP-Versagen, Strafanzeigen, Schadenersatzklagen, superschlaue Anlegeranwälte mit Statements - und all das im Stundentakt ...

Hierzu, anstatt seitenlanger Abhandlungen und Wiederholungen von Nachrichten-Meldungen, das passende Gedicht - zum schmunzeln:

Die Geschichte ähnlich klingt,
wie neulich noch DAX‘ liebstes Kind.

WIRECARD war groß im Kommen,
wie Apple stylisch, heiß begehrt,

Die Anleger ham‘s gern genommen,
doch ahnte man, es läuft verkehrt.

Meldungen gabs schon seit Jahren,
über manch Geschäftsgebaren,

Whistleblower taten kund,
Journalisten schrieben viel,
und es machte längst die Rund‘,
doch unterblieb, weil es missfiel.

Stattdessen droht man Klage an,
zu unterlassen, weil es Rufmord sei,
Ernst & Young ist gleich dabei,
doch jetzt die BAFIN auch mit dran.

Jetzt fliegt der ganze Skandal auf,
die Schlagzeile geht um die Welt,
es stürzt sich wirklich jeder drauf,
Millionen Anleger geprellt.

1,9 Milliarden sind „verloren“,
es scheint, sie waren nie „geboren".

Das Geld es sei in Asien dort,
doch wo genau an welchem Ort?

Zu treuen Händen gab man hin,
der Herr dort leider nie erschien.

Die Summe der Bilanz nun sei,
zu einem Viertel Augenwischerei.

Der CEO hat Angst bekommen,
nun auch gleich vom Thron geklommen.

Sogleich er sich in Haft begeben,
denn fürchtet ja schon neues Beben,

doch bleibt nicht lang, nur über Nacht,
denn hat ja auch was mitgebracht,

5 Millionen sei der Lohn,
für freien Fuß- man nennt’s Kaution.

Woher hat man denn soviel Geld?
Die Frage sich nun jeder stellt.

Die Antwort ist hier gleich gegeben,
man war aktiv noch VOR dem Beben.

Er hat, so sei ja zugegeben,
die Aktien an fremd gegeben

als sie hatte noch nen Wert,
das sei ja schließlich nicht verkehrt.

Pikant dabei, denn das Papier,
bemisst in Euro, exakt vier,

doch war Verkauf, ein jeder weiß,
zu einem etwas höh’ren Preis.

Das Papier, man wird fast schwach,
im Preis war fast mal fünfzigfach.

WIRECARD, der Niedergang,
meldet Insolvenz nun an.

Der Börsenplatz erschüttert schwer,
„es müssen Konsequenzen her“,

fordern jetzt, von Groß bis Klein,
alle aus verschied’nen Reih’n.

Wie lautet nun, ich frag‘ nochmal,
aus dem Skandal denn die Moral?

Hättet mehr gehört,
auf was euch damals hat gestört.

Ungereimt, so manches war,
doch keiner wollte haben wahr.

Leute tuen Kund‘,
dass es läuft nicht rund.

Natürlich kann man nicht erbringen,
den Beweis bei krummen Dingen,

denn darauf ist der Chef erpicht,
dass Belege gibt es nicht!

Doch Mahner gibt es gar zuhauf,
ihr besser einmal hört auch drauf!

Vielen Dank an den dichtenden Münchner Ex-Kollegen!

29.06.2020
Wirecard - auch die deutsche Bilanzpolizei hat versagt

Seit dem Jahr 2005 ist die Deutsche Bilanzpolizei (DPR e.V.) für die Durchsetzung von Rechnungslegungsnormen in Deutschland zuständig. Dabei bildet sie - neben Abschussprüfer und Aufsichtsrat - die dritte Säule des Enforcements.

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der DPR fand am 03. Juli 2015 ein Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin statt, an dem rund 180 geladene Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung teilnahmen. Dies konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bereits  erhebliche Zweifel an der Kompetenz und Effizienz der DPR, einem privatwirtschaftlichen Verein, laut wurden. WPwatch hatte bereits 2014 den "Club der Ü-60-Egomanen" durchleutet und erhebliche Zweifel an dessen Unabhängigkeit geäußert. Die Reputation des Vereins war massiv beschädigt, so dass renomierte Mitglieder umgehend zurücktraten. 

Doch nun zum Wirecard-Skandal:

Als eine der ersten Konsequenzen aus dem medienwirksamen Bilanzskandal kündigt die Bundesregierung den Vertrag mit der "Bilanzpolizei" zum nächstmöglichen Termin (31.12.2021)!

Spätestens bis dahin müssen die Ministerien eine neue Kontrollstruktur gefunden haben.

Das Fass zum Überlaufen brachte offensichtlich die Tatsache, dass die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) bereits im Februar 2019 der DPR eindeutige Hinweise auf "Ungereimtheiten" in der Halbjahresbilanz von Wirecard gab und man dort mit lediglich einem subalternen Mitarbeiter 16 Monate ohne Ergebnis und Zwischenbericht herumwurschtelte. Zur Personalstärke der Bilanzpolizei heißt es noch heute auf der Website des Vereins: "Die Anzahl der Planstellen für die Mitglieder der Prüfstelle beträgt derzeit 15, wobei der Stellenplan nicht vollständig ausgeschöpft wird." - Ein Witz!

Schön, dass zwischenzeitlich der skandalöse Präsident der DPR (Prof. h.c. Edgar Ernst) seine sechsstelligen Aufsichtsratshonorare bei diversen DAX-Unternehmen kassieren konnte. - Ein Treppenwitz!!! Ebenso scheint es ja auch unauffällig gewesen zu sein, dass sich Dr. h.c.  Wolfgang Spindler, Ex-BFH-Präsident und Ex-APAK-Vorsitzender, in diesem erlauchten Bilanzpolizei-Gremium jahrelang bewegte und auch heute wieder mit klugen Vorschlägen zu Wort meldete.

Der Fisch stinkt eben immer vom Kopf her!

16.06.2020
EY-Mitarbeiter erhält rd. 11 Mio. USD Schadenersatz

EY , nach der Lünendonk-Liste 2019 die Nr. 2 der Big4 im deutschen Markt, kann auf eine hervorragende Entwicklung in den letzten beiden Jahren zurückblicken. 

Bei genauerer Betrachtung muss man jedoch feststellen, dass es bei EY momentan diverse "Buschfeuer" gibt, über die selbst schöne Selbstdarstellungs-Berichte und gekaufte Rankingergebnisse in den Wirtschafts-Gazetten wie manager magazin, Fokus, brandeins etc. nicht hinwegtäuschen können.

Schlimm und unangenehm wird die Sache für die Big4 immer dann, wenn es um die Reputation und Glaubwürdigkeit der Berufsgesellschaft geht, da gerade hierdurch potentielle Kunden, Mitarbeiter und der qualifizierte Berufsnachwuchs verschreckt werden können.

Über innerbetriebliche Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern / Partnern erfährt man nur selten, da man hier seitens der Big4 immer schnell eine außergerichtliche Einigung sucht und strenge Verschwiegenheit vereinbart wird. In Deutschland sind solche Berichte ohnehin äußerst selten. In GB und den USA erfährt man hingegen schon eher von solchen Auseinandersetzungen und pikanten Details.

Im folgenden Fall geht es um Amjad Rihan, einen jungen britischen Wirtschaftsprüfer und Partner von EY Dubai, der vor wenigen Wochen einen siebenjährigen Kampf gegen seinen früheren Arbeitgeber EY gewann. Die Richter des britschen High Court haben EY zu einer Zahlung in Höhe von 11 Mio.USD verurteilt. Es geht um seine Kündigung, nachdem er bei der Prüfung der Goldhandelsfirma Katoli Jewellery International in Dubai illegale Geschäfte festgestellt hatte, die durch EY systematisch vertuscht wurden. Nach Ansicht der Richter kollaborierte EY mit dem Mandanten, tolerierte illegale Gold-Exporte und unterließ Prüfungsfeststellungen zur Geldwäsche.

Mit allen Mitteln und Tricks versuchte EY bei Gericht den Eindruck zu erwecken, dass der abtrünnige WP-Partner ein "Lügner und Opportunist" sei, was die Richter jedoch letztlich als völlig unbegründet zurückwiesen. Vorsorglich verklagte Amjad Rihan gleich vier unterschiedliche EY-Einheiten des internationales Netzwerks, da er glaubte, dass die Verantwortung von EY nicht auf die EY-Dubai-Einheit beschränkt werden könne; EY sei schließlich ein globales Netzwerk. Alle vier EY-Einheiten zeigten sich vor Gericht uneinsichtig und erklärten sich für diesen Umgang mit dem Ex-Partner jeweils nicht verantwortlich.

Die Richter ließen sich auf keine Diskussion und weiteres "Katz und Maus-Spiel" ein und argumentierten, dass letztlich EY-Global die Verantwortung tragen würde, da die jeweiligen Einheiten  EY-Global "untergeordnet" seien.

EY zeigte sich von dem Urteil "enttäuscht und überrascht". - Na, sowas!?

Dieses Urteil ist insoweit wichtig, als die Big4-Gesellschaften, die weltweit unter einheitlicher Firmierung arbeiten, im Falle von Haftungsfällen und/oder Schadensersatzprozessen künftig nicht mehr sagen können, dass hierfür nur die regionale Einheit verantwortlich war.

15.06.2020
EY - Wirecard und die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers

In diesen Tagen erleben wir wieder ein Musterbeispiel für die "systemrelevante Funktion des Wirtschaftsprüfers in der Wirtschaftsordnung" und seine allumfängliche Unabhängigkeit (§§ 43 I, 17 WPO).

Es muss vorangestellt werden, dass wir uns bei Wirecard AG (noch) in einem laufenden Prüfungsprozess befinden (§§ 316 ff. HGB), d.h. der von der HV gewählte Abschlussprüfer EY seinen Vertrag durch Vorlage des Prüfungsberichts (§ 321 HGB) und Bestätigungsvermerks (§ 322 HGB) bisher noch nicht erfüllt hat. Wie das "Gesamturteil" (auch genannt: Testat) und die EY-Berichterstattung im Prüfungsbericht (§ 321 HGB) letztlich ausfallen werden, ist bisher nicht bekannt.

All dies steht noch aus und wurde nach unerträglichem medialem Gezerre nun für den 18. Juni 2020 angekündigt.

Auf der einen Seite steht der windige Gründer, Hasardeur und Möchte-Gern-Milliardär Markus Braun, der es mit GoB (§ 238 f. HGB), Compliance, Nachweis- und Vorlagepflichten (§ 320 HGB) sowie angemessener Unternehmenskommunikation nicht so erst nimmt, und sein zukunftsweisendes Geschäftsmodell der Zahlungsabwicklung gegen beinharte internationale Konkurrenz durchsetzen möchte. 

Andererseits gibt es die gehetzten Wirtschaftsprüfer von EY, die seit 10 Jahren Wirecard uneingeschränkt testiert haben und deren Testate der Vorjahre durch eine Sonderprüfung der KPMG erheblich in Zweifel zu ziehen sind. Kapitalanleger-Anwälte verklagen bereits EY auf Schadensersatz und schreiben ein "Wünsch-Dir-Was-Ergebnis" der 2019´er Jahresabschlussprüfung in die Wolken. Zocker, Traumtänzer, Täuscher, Blender und "Experten" geben sich im Hintergrund ungehindert ein Stelldichein.

Damit sind vordergründig zunächst die Rollen verteilt! 

Es ist aber tatsächlich noch komplizierter:

  • Vorstände von Wirecard geben der Presse schon einmal Interviews, in denen sie erklären, dass EY jetzt "extrem hart prüfen" würde. Gleichwohl erwarte man alsbald ein "uneingeschränktes Testat." Mit solch unüberlegten Äußerungen handelt man sich prompt eine Strafanzeige der BaFin wegen möglicher Marktmanipulation ein. Die Razzia der Staatsanwaltschaft München I folgt auf dem Fuß.
  • EY andererseits weiß, dass dies die letzte Abschlussprüfung für Wirecard sein wird, da der Aufsichtsrat bereits auf der Suche nach einem Folgeprüfer ist. Also geht es um einen "eleganten Absprung" ohne allzugroßen Reputationsverlust und berufsaufsichtsrechtliche Konsequenzen. Als Pointe am Rande sei angemerkt, dass EY erst im letzten Jahr die Neu-Ausschreibung des Wirecard-Mandats (wieder) gewonnen hatte und die 2019´iger Abschlussprüfung der Beginn einer neuen 10-Jahres-Serie sein sollte.

Der schier unerträgliche "Fall Wirecard" muss für den Berufsstand und die Politik Anlass sein, über grundlegende Fragen nachzudenken:

  • 10 Jahre lang zelebrierter "Qualitätskontroll-Wahnsinn" und Selbstbeschäftigung im Berufsstand mit derart desaströsen Prüfungsmängeln in Vorjahren zeigt, dass es bei den Big4 nicht weit her ist mit "interner Qualitätssicherung" und Nachschau-Prüfung.
  • Die systemrelevante Rolle von Wirtschaftsprüfern muss vom Gesetzgeber neu definiert werden und
  • die (finanzielle) Unabhängigkeit des Berufsstands muss endlich umgesetzt werden. Abschlussprüfung ist weder eine "austauschbare Dienstleistung", noch "Prostitution auf hohem Niveau"!

05.06.2020
Rödl hat sich verzockt! - Was nun?

Nach der umfassenden Berichterstattung von wpwatch liegt jetzt der Ball in der Spielhälfte der WP-Berufsaufsicht!

Dort wird man erst einmal die Karten mischen und Bestandsaufnahme unbearbeiteter Post machen müssen. Der Aufschlag dieses Schmierentheaters war bundesweit zu hören und die Nervosität der Super-Strategen in Nürnberg war zu spüren.

Jetzt werden interessante Einzelfragen zu beantworten sein:

  • Da Prof. h.c. Christian Rödl noch nicht mal eine Registrierungsnummer im WP Register besitzt, stellt sich die Frage der Kammer-Zuständigkeit für das Täuschungsverhalten. Wäre die Berufsaufsicht der Rechtsanwalts- oder Steuerberaterkammer nicht für diesen Kollegen zuständig ?
  • Die Zuständigkeiten der WPK / APAS für die netten Kollegen Kraus, Wambach und Bömelburg dürften klar sein.
  • In Bezug auf den WPK Vorstand bleibt die Frage, wie sich die Mitglieder, insbesondere die beiden bayerischen Kollegen, zu dem skandalösen Vorgang positionieren.
  • Es ist zu vermuten, dass die Big4-Vertreter das Zünglein an der Waage bilden, ob bei diesem Vorgang ein Exempel statuiert werden soll. Dies ist sicherlich auch eine Frage, um die Glaubwürdigkeit der Berufsaufsicht wieder herzustellen.
  • Rödl könnte im Extremfall damit aus dem Markt gedrängt werden. Kein Big4-Büro hat in der Metropolregion Nürnberg die Größe von Rödl erreicht, da ergeben sich beim in Aussicht stehenden Fischfang per se Filetstücke und damit Begehrlichkeiten. 

Oder ist meine Vorhersage mit der "Geheimjustiz" realistischer? - Verschwiegenheit, Verschlussache, Basta!

Es wird in nächster Zeit spannend bleiben!

05.06.2020
Rödl und der nächste Peer Review

Aus dem Transparenzbericht 2019, S.15, der Rödl & Partner GmbH geht hervor, dass der nächste Peer Review im Hause Rödl bis zum 17. November 2020 durchgeführt sein muss. Die externe Qualitätskontrolle gemäß § 55b WPO unterliegt der Aufsicht der WPK und wird auch durch die entsprechenden Gremien der Qualitätskontrollkommission (QKK) und den Inspektoren der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) gerne begleitet. Die letztinstanzliche Fachaufsicht liegt im Falle Rödl ohnehin bei der APAS. 

Bei der ganzen Trickserei im Hause Rödl um die Anerkennung als WPG dürfen sich für den (sicherlich schon auserkorenen) externen Qualitätskontrollprüfer ebenso wie für die Inspektoren der APAS interessante Fragestellungen ergeben. Bei dem Thema WPG-Anerkennung handelt es sich doch sicherlich auch um ein "bedeutsames Prüfungsrisiko", welches vor Beginn des reviews unter den Beteiligten zu klären wäre.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch folgende Feststellung:

Rödl läßt seinen Einzel- und Konzernabschluss seit Jahren von Frau Kollegin Ingeborg Balogh (BALOGH Revisions- und Treuhand GmbH, Nürnberg) testieren. Das Honorar für den Einzelabschluss beträgt nur 23,5 T€. Für den Konzernabschluss der Sebalder Treuhand GmbH zahlt Rödl der Kollegin immerhin 48 T€. Vergleichbar wäre dies etwa mit der Prüfung der BDO, wo der Kollege Rainer Inzelmann, Hamburg, immerhin mit 111 T€ plus 134 T€ ein mehr als dreifaches Honorar kassiert. - Merkwürdig!?

Dann wünschen wir den Berufsaufsehern der WPK, den Mitgliedern der QKK und der APAS schon mal viel Spaß bei ihren berufsrechtlichen Aufgaben und der Auswertung des Berichtes des "unabhängigen Reviewers".

02.06.2020
Rödl: Was geschah mit WP-Kollegen Wolfgang Kraus?

Um die neue "Wünsch-Dir-Was-WP-Welt" von Rödl zu verstehen, muss noch die Frage geklärt werden, was aus dem mächtigen 10%-igen Altgesellschafter im Sebalder-Konzern WP/StB Wolfgang Kraus (Unternehmens- und IT-Beratungs-Spezialist) geworden ist. Er ist heute noch in vier der fünf operativen Rödl-Gesellschaften als Geschäftsführer eingetragen, wurde auch noch am 03.12.2019 mit 6% Gesellschafter der neuen Rödl-3-Bänder-Gesellschaft, hat diese jedoch zwischenzeitlich veräußert bzw. übertragen (müssen).

Die Lösung ist relativ einfach:

Nach einer Presseerklärung aus dem Hause Rödl vom 05.12.2019 wurde Kollege Wolfgang Kraus "nach 37-jähriger äußerst erfolgreicher Tätigkeit bei Rödl & Partner" zum Jahresende 2019 in den Ruhestand verabschiedet.

Wie dreist!: Nur zwei Tage früher läßt Kollege Kraus sich zum 6 %igen-Gesellschafter und auch zum Geschäftsführer in diesem Schmierentheater küren und 48 Stunden später teilt Rödel der Presse mit, dass der Kollege alsbald im Ruhestand ist! - Auch Kollege Kraus sollte berufsrechtlich jetzt noch für diese niederträchtige Täuschung der WPK attakiert werden. Vieleicht wurde er von Rödel für diesen "genialen Schachzug" nicht nur über den grünen Klee gelobt!?

Damit war aber dann der Weg frei, dass man die Gesellschaftsverhältnisse in allen operativen Rödl-Gesellschaften gleichziehen konnte.

Wie macht man das? - Man nehme die 10%-Anteile des Kollegen Kraus, gebe noch 6% von Prof. h.c. Rödl dazu und verteile diese 16% jeweils an die neuen 15 Alt- bzw. Mini-Gesellschafter.

Ergebnis?: Alle Gesellschaften haben jetzt exakt die gleichen Gesellschaftsverhältnisse (!) und können demnächst auf die 3-Bänder-Gesellschaft verschmolzen werden. - Frei nach dem Motto: Wir treten das Berufsrecht mit Füßen!

Was stört Sie daran? - Ach so, dass der Kollege Kraus seit fünf Monaten im Winterschlaf ist und vergessen hatte, all dies "unverzüglich" der WPK zu melden (§ 30 WPO). Und dass er sich am Ende seiner aktiven WP-Tage für dieses perfide "Spiel" hergab. - Jetzt bleiben Sie doch mal locker! - Er genießt doch ab dem 01.01.2020 erst einmal seinen Ruhestand. Alles andere muss warten!

Unter uns: Er hat den Brief an die WPK am 03.04.2020 abgeschickt, der jedoch bis heute wegen Überarbeitung der WPK noch nicht bearbeitet werden konnte!

Nein! - anders: Die Strategen von Rödl mußten die Angelegenheit so lange wie möglich in die Länge ziehen, damit es für die WPK immer schwieriger wird, das Puzzle am Ende des Tages überhaupt noch zusammenlegen zu können. 

Wir fassen zusammen:

  • Prof. h.c. Rödl denkt im Traum nicht daran, das WP-Examen abzulegen oder nennenswerte Anteile an WP-Kollegen der Rödl-Gruppe abzugeben, sondern trickst mit seinen Strategen so lange, bis er wohl selber nicht mehr durchblickt.
  • Vielmehr nutzt man die von der WPK gewährte 5-Jahres-Frist (§ 34 I Nr.2 WPO) dazu, ein perfides Schauspiel mit der WPK (und damit mit dem gesamten Berufsstand) vorzubereiten, welches ab dem 03.12.2019 live gezeigt wurde.
  • Hierzu braucht man mitspielende Mitwisser (WP/StB Peter Bömenburg und WP/StB Martin Wambach), Strohmänner (WP/StB Ronald Hager) und Schlafmützen-Helfershelfer (WP/StB Wolfgang Kraus), denen ihr Berufsrecht egal ist, und die annehmen, dass sie von dieser WPK (KdöR) NICHTS zu befürchten haben.

Fazit:

All dies zeigt, dass die WPK nicht ernst genommen wird, als zahnloser Tiger gilt und Superstrategen á la Rödl heute schon wissen, dass sie mit 100%-iger Sicherheit davonkommen werden!

Dann lassen wir doch gleich die Sache mit der Selbstverwaltung!

Ich bin traurig!

29.05.2020
Rödl und das Trojanische Pferd

Einige Kollegen/innen, die den neuerlichen Rödl-Skandal mit grossem Interesse verfolgen, stellten die Frage, wie die neue (unabhängige) 3-Bänder-Gesellschaft von der WPK als WPG überhaupt anerkannt werden konnte, da die Mehrheit der Anteile ja nicht in WP-Händen wären.

Hierzu muss man das Berufsregister mal rückwärts aufrollen, um einige merkwürdige Änderungen zu beobachten. wpwatch macht hin und wieder von seinen "Kandidaten" aus dem Berufsregister Screenshots. So geschehen auch am 08.12.2019. Hier erkennen Sie, dass die 3-Bänder-Gesellschaft bei der Anerkennung am 03.12.2019 völlig anders aussah als heute.

Der Leiter der Rödl-Zweigniederlassung in München, Kollege WP/RA Ronald Hager, wurde bei der Gründung der Gesellschaft als Trojanisches Pferd in die Arena geschoben, um der WPK vorzugaukeln, dass schließlich die Mehrheit der Anteile in WP-Händen liegen (§ 28 I WPO). Dies hätte der WPK bereits auffallen müssen, da es bisher noch nie einen familenfremden 40%-Gesellschafter im Hause Rödl gab!?

Dumm nur, dass der Münchner Trojaner-Kollege noch in 2019 (notarielle Urkunde vom 23.12.2019) seine 40%-Anteile allesamt wieder abgeben musste. Zu 26% an Prof. h.c. Rödl, der damit dann wieder 74% der Anteile hatte - 6% weniger als im Sebalder-Konzern. Die restlichen 14% der Anteile mussten an zwei Altgesellschafter und neue Zwerg-Gesellschafter verteilt werden, um Rödl "zukunftsfähig" zu machen. Solche Trojaner nennt man auch "Strohmänner"! Wie sein Täuschungsmanöver berufsrechtlich zu werten ist, wird die Berufsaufsicht sicherlich dem Kollegen alsbald erklären.

Um das Verwirrspiel komplett zu machen, müssen - so dachten sich das die Super-Strategen - noch diverse "Schaufenster-Veranstaltungen" durchgeführt werden. Partnern und Mitarbeitern/innen wurde (per Rund-Email am 09.12.2019) eine interessante "Geschichte" über die Zukunftsfähigkeit von Rödl erzählt. Zur WPK schickte man sogar eine RA-Kollgin mit Schaubildern und Organigrammen, um der Kammer eine (verwirrende) Einführung in die neue Rödl-3-Bänder-Welt zu geben.

Fazit:

  • Der Trojaner-Kollege Hager hat sich als Strohmann mißbrauchen lassen und hat im Rahmen der Antragstellung falsche Angaben gemacht, um die WPK hinters Licht zu führen. Im Antrag muss nämlich angegeben werden, dass man die Anteile nicht "treuhänderisch" (§ 28 IV Nr. 2 WPO) für Andere hält. Außerdem dürfte den Trojaner jetzt ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren erwarten, wo man ihm auch mal "den Puls fühlen sollte"!
  • Die Altgesellschafter Wambach und Bömelburg können jetzt nicht sagen, dass sie dies nicht durchschaut hätten, denn insbesondere sie sind Nutznießer der neuen Konstellation und waren in vollem Umfang involviert..
  • Damit wäre der Traum mit den 74%-Anteilbesitz von Prof.h.c. Rödl (ohne WP-Examen) ausgeträumt, da die Anerkennung der Berufsgesellschaft als WPG  seitens der WPK unverzüglich zurückgenommen bzw. ein Aberkennungs-Verfahren eingeleitet werden muss (§ 34 WPO).

Weitere Details dieses abfälligen berufsrechtlichen und -ethischen Verhaltens der Rödl-Elitetruppe möchte ich Ihnen an dieser Stelle ersparen.

Es gibt Momente, dass man nach 34 Jahren Zugehörigkeit zu diesem elitären und ehrenwerten Berufsstand einfach (mal wieder) traurig ist. Persönlichkeiten sterben aus! Die Welt gehört offensichtlich zunehmend Zockern, Tricksern und Hasadeuren. Man nimmt das Berufsrecht und die Berufskammer nicht mehr ernst!

Also: Dumm gelaufen! - Oder: Gut, dass es wpwatch gibt!

Die WPK hat jetzt viel zu tun! - Und, liebe WPK-Anwälte in Berlin, bitte nicht noch einmal über den Tisch ziehen lassen!