Aktuelles

14.05.2020
Kleeberg: Die neuen Diesel-Skandal-Sonderprüfer

Seit drei Jahren kämpft VW mit harten Bandagen dagegen, dass ein unabhängiger Sonderprüfer den Dieselskandal durchleuchtet. Hierüber hatte wpwatch seit 2018 immer wieder berichtet.

Das Oberlandesgericht (OLG) Celle hat mit Beschluss vom 28.04.2020 (Az. 9 W 69/19) nun rechtskräftig entschieden! Und kaum jemand hat diese ach so wichtige Entscheidung zur Kenntnis genommen:

Als Sonderprüfer wurde jetzt Prof. Dr. Christian Zwirner, Geschäftsführer der Münchner Kleeberg & Partner WPG, bestellt. Durchgesetzt hat die Sonderprüfung bei VW letztlich die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Anlegerverband hatte bereits Ende 2017 erstritten, dass ein externer Prüfer ermittelt, ob Vorstände und Aufsichtsräte von Volkswagen ihre Informationspflichten bei der Aufklärung des Dieselskandals verletzt haben und wer wann was wußte.

Dieser Prüfer sollte der Kollege Rüdiger Reinke sein, WP/StB bei Baker Tilly in Düsseldorf. Die juristischen Folgestreitigkeiten zogen sich aber so lange hin, dass Kollege Reinke die Altersgrenze erreichte, bevor er sein Amt antreten konnte. Da er im Bestellungsbeschluss des OLG namentlich als Sonderprüfer bestimmt war, wollte VW die Berufung eines anderen Prüfers nicht akzeptieren. Das LG Hannover entschied im Juni 2019  zugunsten von VW, da es „an der erforderlichen Dauerwirkung der Sonderprüferbestellung“ fehle (Az. 25 O 3/19).

Nach langem juristischen Streit hat das OLG Celle seinen Beschluss von 2017 abgeändert und setzt statt Reinke nun Kollegen Zwirner ein. Auch für den Fall, dass Zwirner verhindert sein sollte, wird diesmal direkt vorgebaut: In diesem Fall würde laut OLG-Beschluss Kollege Karl Petersen übernehmen, (zufällig) ebenfalls WP/StB bei Kleeberg & Partner. Die Presse berichtet jetzt, dass "Kleeberg als Einheit" zu den renommierten Mittelstandsberatern in Süddeutschland zählt.

Die bereits vor zwei Wochen durch das OLG beschlossene Bestellung von Zwirner / Petersen wurde von den Medien kaum wahrgenommen, sorgte jedoch in Kollegenkreisen und bei Kapitalmarktrechtlern für erhebliches Erstaunen!

Das OLG beschloss im übrigen auch, dass der von Zwirner zu verfassende Sonderprüfungsbericht öffentlich gemacht werde. Dies dürfte insbesondere die Kapitalanleger und deren Anwälte interessieren. Diese wollen für millionen- oder gar milliardenschwere Klagen gegen den Konzern möglichst genau wissen, wer wann was wusste. Hier geht es insbesondere auch um den Nachweis, dass die Ad-hoc-Mitteilung von VW zum Dieselskandal zu spät kam. Zu dieser Thematik hat VW schon intern intensiv ermitteln lassen. Unter anderem von den amerikanischen Star-Forensikern der Kanzlei Jones Day und auch von dem US-Compliance-Monitor Larry Thompson. Aber, diese Ergebnisse wurden von VW - entgegen früherer Zusagen - unter Verschluss gehalten. Der "Jones-Day-Bericht" hat nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt. 

Auf den Kollegen von Kleeberg liegt nun eine tonnenschwere Erwartung. "Die Latte liegt extrem hoch!" - Eine Erwartungslücke sollte es hier nicht geben.

KPMG / EY erleben momentan die erheblichen medienwirksamen  Auswirkungen einer Sonderberichterstattung (Wirecard) und deren Auswirkungen auf die Abschlussprüfungen der Vorjahre. Vielleicht wird Sonderprüfer Zwirner bei seinen forensischen Untersuchungen ja auch auf Merkwürdigkeiten bei der Abschlussprüfungen durch PwC stoßen!?

wpwatch wird über den Beschluss des OLG und die Hintergründe der unerwarteten Bestellung berichten ("Kleeberg-Connection").

13.05.2020
Was heißt "WP-geprüft"?

Die Corona-Pandemie fördert so mache Missstände und Skandale ans Tageslicht, die seit Jahren bekannt sind, jedoch tunlichst verdrängt wurden. Als Hotspot der Virusübertragungen haben sich mittlerweile Schlachthöfe und Fleisch-Zerlegebetriebe herausgestellt. Hier werden die Gesundheitsbehörden momentan massiv tätig, schließen Betriebe und verlangen ein vollständiges Testverfahren für alle Mitarbeiter.

Meldungen über

  • West-Fleisch in Coesfeld,
  • Müller-Fleisch in Birkenfeld/Pforzheim ("Die Fabrik der Infizierten"),
  • Willms-Fleisch, Ruppichteroth ..

machen in der Presse die Runde mit Infizierten-Quoten von bis zu 24,9% der Belegschaft. Alleine in NRW werden momentan mehr als 20.000 Beschäftigte in Schlachtbetrieben getestet!

Im Kern geht es hier oftmals um

  • skandalöse Unterbringung osteuropäischer Werkvertragsarbeiter in Schrottimmobilien,
  • mangelnden Arbeitsschutz,
  • schwer nachvollziehbare Firmenstrukturen von Subunternehmern etc..

Steht eine Branche erst einmal im Fokus der Öffentlichkeit, so treiben die Erklärungen und Rechtfertigungen der Verantwortlichen wahre "Blüten".

"Die Unterkünfte in der Region lassen wir regelmäßig von unabhängigen Wirtschaftsprüfern untersuchen. Hier hat es keinerlei Beanstandungen gegen die Arbeitsstättenverordnung gegeben." - so war es von der Geschäftsleitung eines Betriebs in NRW im Interview gestern zu hören.

Aus fachlicher Sicht stellen sich folgende Fragen:

  • Wurde hier die Erweiterung des Prüfungsauftrags mit dem Mandanten vereinbart?
  • Handelt es sich gar um eine beauftragte Sonderprüfung?
  • Wurde gesiegelt?
  • Welche Prüfungshandlungen wurden nach welchen fachlichen Verlautbarungen (IDW PS ...) vorgenommen?

Oder hatte der Mandant einfach nur medienwirksam ins Mikro geblubbert, weil die Aussage "WP-geprüft" macht ja wohl was her!

Trauen sich die Kollegen/innen jetzt dem Mandanten zu sagen, dass er diesen Unsinn bitte nicht wiederholen solle?

Sich auf einen vereidigten und verschwiegenen Berufsstand zu berufen, der sein Berufssiegel wie eine Monstranz vor sich herträgt - das ist ja wohl nicht mehr zu toppen!

12.05.2020
KPMG - Der Tag hat auch schon mal 28,15 Stunden

Die Corona-Epidemie hat für manche Politiker den Vorteil, dass ihre Affären und Fehlleistungen momentan aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Hierzu gehört auch das Desaster um die Einführung der Pkw-Maut von Minister Andreas Scheuer (CSU) - "sag einfach Andy zu mir"! Seit sechs Monaten tagt nun schon der Untersuchungsausschuss und fördert für Beobachter Erstaunliches ans Tageslicht.

Minister Scheuer traute offensichtlich der fachlichen Expertise seiner Ministerialbeamten im BMVi nicht allzu viel und hielt sich lieber an einen "fabelhaften Macher im Hintergrund" - RA Dieter Neumann von der amerikanischen Großkanzlei Greenberg Traurig. Bereits seit mehr als 20 Jahren berät er den Bund bei Infrastrukturprojekten. U.a. begleitete er das 14 Jahre andauernde Schiedsverfahren gegen das Konsortium Daimler/Telekom wegen verspäteter Einführung der LKW-Maut und jetzt auch die Vertragsverhandlungen zur Einführung der PKW-Maut. Für letztere Beratung kassierte die Großkanzlei rd. 13,5 Mio. €!

Offensichtlich hatte der Staranwalt jedoch nicht "auf dem Schirm", dass die Einführung der PKW-Maut durch den EuGH gekippt werden könnte, so dass der Minister vor Bekanntgabe des EuGH-Urteils bereits mit den neuen Betreibern medienwirksam den Vertrag unterzeichnete. Die Schadenersatzforderungen gegenüber dem BMVi belaufen sich mittlerweile auf 560 Mio. €! Deshalb wird, wie vertraglich vorgesehen, alsbald ein erneutes Schiedsverfahren gestartet. Im Beraterstab des Ministeriums findet sich - Sie glauben es nicht! - kein geringerer als "Chefberater Dieter Neumann"!

Man höre und staune: Zum Beraterteam des cleveren Staranwalts gehörten auch Anwälte von KPMG und Wirtschaftsprüfer von PwC. Bei Neumann liefen dann alle Fäden zusammen.

Mangels angenommener Expertise der Beamten genießen externe Beamte wie Neumann viele Freiräume in der Berliner Politik. Es sei nur erinnert an die Stars von McKinsey, insbesondere Katrin Suder, die das Ministerium von Ursula Gertrud von der Leyen ("Kanonen-Uschi") seinerzeit plünderten!

Bei einer internen Überprüfung der Abrechnungen der Berater um Neumann & Co. stellte man lt. Protokoll u.a. fest, dass ein Anwalt von KPMG es tatsächlich schaffte, an einem einzigen Freitag 28,15 Stunden abzurechnen. Naumann darauf angesprochen meinte: "Das ist nicht möglich". Oder wollte er damit sagen, dass Abrechnungen bis 20 Std. schon gehen!?

Soviel zum kanzleiinternen QSS bei KPMG gemäß § 55b WPO!

11.05.2020
PwC, Corona und die Tracing-App

Die Corona-Pandemie treibt mittlerweile seltsame Blüten! - Natürlich wollen sich die Big4 auch in vorderster Reihe (honorarträchtig) positionieren und sich als "Alles-Besserwisser" empfehlen.

Virologen und Politiker empfehlen zur weiteren Eindämmung bzw. Vorbereitung auf eine zweite Corona-Welle dringend eine Corona-Tracing-App, um die Übertragungswege und -ketten identifizieren zu können und damit die Verbreitung des Virus gezielter eindämmen zu können. Auch über die datenschutzrechtlichen Belange (Anonymität, Freiwilligkeit, Datenspeicherung etc.) wird heftig diskutiert.

PwC möchte mit dem Software-Unternehmen Salesforce gemeinsam das Tracing-Konzept für eigene Zwecke optimieren und zu einem Komplettpaket namens "Check-In" (Micro-Tracing) ausbauen. Auf der PwC-Website heißt es werbewirksam: "A PwC product"!

PWC hat weltweit rund 275.000 Mitarbeiter – und hat sich (offiziell) gedacht: Wir wollen ein mögliches Infektionsgeschehen im eigenen Unternehmen nachvollziehen können. Wenn ein Mitarbeiter sich infiziert, dann wollen wir wissen, zu welchen Kolleginnen und Kollegen diese Person in den vergangenen Tagen einen nahen Kontakt hatte. Im Grunde genauso wie bei der Tracing-App des Bundes, aber eben auf die Räumlichkeiten des Unternehmens beschränkt. 

Die Hürden, eine solche App in einem Unternehmen einzusetzen, sind deutlich geringer als in der Öffentlichkeit! Mitarbeiter lassen sich zweifellos leichter überzeugen, eine solche App einzusetzen. Aktiviert werden soll sie (offiziell) erst, wenn ein Mitarbeiter das Firmengebäude betritt – egal welches auf der Welt. Dann wird der Abstand zu Kollegen per Bluetooth überwacht und das WLAN des Unternehmens zur Kommunikation genutzt. Bei Verlassen des Büros wird die App (offiziell) wieder deaktiviert. 

Ein weiteres Argument von PwC: Auf diese Weise ließen sich auch wertvolle Erkenntnisse über die "Art der Zusammenarbeit" gewinnen. Wo und in welchen Situationen kommt es dazu, dass Menschen sich im Büro nahe genug kommen, dass ein Infektionsrisiko besteht? Daraus lassen sich Schlüsse ziehen: Eine andere Raumgestaltung könnte die Folge sein. Oder eine Umorganisation des Schichtbetriebs, um einen besseren Schutz zu gewährleisten. 

Noch im Mai soll die App fertig sein! Eigentlich für den internen Einsatz gedacht, stehen Unternehmen und Regierungen aus aller Welt bereits bei PwC Schlange – und wollen die App auch unbedingt haben. PwC will die Lösung auch Dritten in Lizenz anbieten. - Na, schauen Sie doch mal, was Wirtschaftsprüfer alles machen und anbieten dürfen! Alles, was Geld bringt!

Jetzt kommen Sie bitte nicht auf die Idee und schauen in die WPO rein! Seien Sie mal nicht so kleinlich.

Ganz sicher wird es in den nächsten Tagen und Wochen zu Diskussionen kommen, ob diese Form von Micro-Tracing sinnvoll ist – und welche Datenschutzbedenken Personalräte und Datenschützer haben (zumindest bei uns in Deutschland). 

Fazit:

Ja super, dann weiß das Unternehmen ja gleich, wer sich wann mit dem Betriebsrat getroffen hat. Oder, dass ich fünfmal täglich mit welcher netten Mitarbeiterin in der Kaffeeküche "zufällig" zusammentreffe. - Prickelnd oder?

Eine Frage hab ich noch: Wann folgen die anderen Big4?

11.05.2020
Wirecard - EY ohne standing!

Die Nerven der Wirecard-Aktionäre liegen blank und Zocker haben ihre wahre Freude! Seitdem die FT in 2019 erste Gerüchte über Bilanzmanipulationen und Auseinandersetzungen mit dem langjährigen Abschlussprüfer EY streute, befindet sich die Aktie auf Achterbahnfahrt. Als der Druck nicht mehr nachließ, beauftragte der Gründer und Noch-CEO Markus Braun großherzig eine Sonderprüfung durch KPMG und erklärte schon mal vorweg, dass durch den alsbald vorliegenden Bericht alle Zweifel vollends ausgeräumt würden. Damit war für KPMG durch den Möchtegern-Milliardär "die Latte gelegt"!

Kein Papier wurde in Anlegerkreisen, der Berufsaufsicht und der Börsen-Zockerabteilung sehnlicher erwartet, erhoffte man sich doch vollständige Aufklärung aller gestreuten Zweifel.

Liest man den kürzlich erschienenen 74-seitigen KPMG-Sonderprüfungsbericht, so kann man hieraus folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  • Der Plan des arroganten und offensichtlich überschätzten CEO Markus Braun ist vollends gescheitert. Der Konzern hatte nie das DAX-Format erreicht, war wohl eher eine Klitsche! Der Bericht wirft mehr Fragen auf, als er Antworten gibt.
  • Von einem Risikomanagementsystem (RMS) weit und breit keine Spur.
  • Ein vom CEO aufgebautes Prüfungshemmnis jagte das andere! Unterlagen wurden teilweise erst mit mehrmonatiger Verspätung - und dann noch unvollständig - oder gar nicht vorgelegt. - Jeder WP-Examenskandidat weiß, dass man dann als Abschlussprüfer eine Redepflicht hat und das Testat gemäß § 322 IV HGB eingeschränkt werden muss!
  • Welche Vollständigkeitserklärung hat EY (IDW PS 303) eigentlich jeweils erhalten?
  • Umsätze von mehr als einer Milliarde € können selbst nach Untersuchung der KPMG-Prüfer nicht verifiziert und zugeordnet werden!!!

Seit der Veröffentlichung des Berichtes hat die Aktie weitere 30% verloren. Aus dem Selfmade-Milliardär wurde zwischenzeitlich ein - immer noch uneinsichtiger - verblendeter Millionär, der den Zeitpunkt des Managementwechsels und den Einzug knallharter Compliance-Regeln offensichtlich verschlafen hat. Großanleger verlangen mittlerweile seinen Rücktritt.

Eine spannende Frage bleibt: Wie konnte EY eine solche Klitsche als DAX-Konzern zehn Jahre lang (für kleines Geld) uneingeschränkt testieren?

Mittlerweile kümmern sich auch die BaFin und die DPR um diesen Fall. Auf EY können jetzt stürmische Zeiten zukommen.

Fazit: Wann versteht der Letzte eigentlich, dass Wirtschaftsprüfer nicht unabhängig sind (§§ 17, 43 I WPO) und Wirtschaftsprüfung auch keine systemrelevante Bedeutung in unserer Wirtschaftsordnung mehr hat?

Wahr ist, dass Wirtschaftsprüfung und damit die Erteilung von (uneingeschränkten) Testaten zu einer austauschbare Dienstleistung verkommen ist. Den Markt haben sich die Wirtschaftsprüfer (mit ihren Helfershelfer bei IDW und der WPK) und nach dem Willen der Big4 selbst kaputt gemacht!

Nicht nur im Falle von Wirecard wurde der Berufsstand - und allen voran die Big4 -(wieder einmal) entlarvt! - Die Reputation des Berufsstandes nimmt Schaden!

Es wäre so einfach! - Aber diese Diskussion wird nicht geführt - Schade!

08.05.2020
Wirecard: KPMG gegen EY?

Es ist eigentlich immer das gleiche Ritual: Wird medienwirksam die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung eines DAX-Mandates in Zweifel gezogen, so beruft sich der Abschlussprüfer auf seine gesetzliche Verschwiegenheit (§ 43 I WPO, § 323 HGB), der Mandant geht in Kampfmodus und die WP-Branche (incl. WPK und APAS) schaut zunächst einmal dem Geschehen gespannt zu.

Streuen dann die Experten in den Medien Zweifel an den Testaten der Vorjahre, so wird bereits insgeheim mit einer Sonderprüfung (durch eine andere Big4-Gesellschaft) gerechnet. 

Der Aufsichtsrat muss sich exkulpieren, der Vorstand sucht Rechtfertigung und der Sonderprüfer will sich profilieren und seine fachliche Expertise ausspielen.

So geschehen auch bei Wirecard: Seit 10 Jahren prüft EY den umtriebigen Zahlungsdienstleister und testierte in der Vergangenheit jeweils uneingeschränkt. Die Financial Times (FT) zieht die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung bereits 2019 in Zweifel und vermutet gar Bilanzfälschung durch den selbstherrlichen Gründer, 7%-iger Großaktionär und CEO Markus Braun.

Also steht zunächst der Sonderprüfer KPMG im Rampenlicht!

  • Was werden die Sonderprüfer feststellen, was der bisherige Abschlussprüfer trotz (hoffentlich) risikoorientierter Prüfung nicht feststellte bzw. sanktionierte?
  • Gibt es Hinweise auf dolose Handlungen?
  • Welchen Imageschaden erleidet der bisherige Abschlussprüfer am Ende des Tages?

Jetzt liegt der 74-seitige Sonderprüfungsbericht der KPMG vor und man reibt sich die Augen. Auch KPMG hat es bei seinem forensischen Prüfungsansatz nicht geschafft, erhebliche dubiose Vorgänge aufzudecken!

Auf drei Seiten habe ich Ihnen Stimmen aus der Presse und von Experten zusammengefasst, die allesamt darauf hindeuten, dass EY offensichtlich nicht ordnungsgemäß geprüft hatte. 

Frage ist, ob das QSS bei EY ausreichte, die Prüfungen nach den fachlichen Standards richtig angewendet wurden und die Testate (ohne Hinweise / Einschränkungen) so hätten überhaupt erteilt werden dürfen!?

Die Öffentlichkeit wird im weiteren Verlauf nicht mehr erfahren. Jetzt ist die Berufsaufsicht dran. Jetzt wird in den Gremien diskutiert. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung für den Berufsstand. - Und seien Sie sicher: Die Sache wird für die Öffentlichkeit im Sande verlaufen!

Außer: Anlegeranwälte gehen zum Angriff über und stürzen sich (medienwirksam) auf EY in Form einer Schadenersatzklage und suchen einen Deal. - Doch dies kann Jahre dauern - bis sich die Öffentlichkeit in unserer reizüberfluteten Informationsgesellschaft dafür nicht mehr interessiert.

07.05.2020
Wirtschaftsprüfer und die Frauenquote

Seit Jahren bereits müssen sich Wirtschaftsprüfer mit der Frauenquote im Rahmen der Prüfung der Rechnungslegung und Lageberichterstattung beschäftigen. Hierbei geht es insbesondere um die vorgegebene Förderung der Gleichstellung der Geschlechter bei der Besetzung von Führungs- und Kontrollfunktionen, Erklärungen zur Unternehmensführung und Zielgrößenvereinbarungen (§§ 289a ff.., 315a ff. HGB). Über die Sinnhaftigkeit dieser Angaben und deren Auslegung wurde bereits vieles geschrieben.

Interessant wird es immer dann, wenn man die Umsetzung von Lippenbekenntnissen des Gesetzgebers in der Praxis hinterfragt. Da wir bei den bestellten Berufsträgern/innen im wirtschaftsprüfenden Beruf (WP/vBP) sicherlich auf der "Führungsebene" unseres freien Berufes angekommen sind, lohnt sich also ein genauerer Blick. 

Hierzu wurden in einer Übersicht die Big4 sowie die berufsständischen Vertretungen ausgewertet.

Was zeigt uns das?

  1. Insgesamt beträgt die Frauenquote in unserem Beruf (nur) 17%. Bei den Steuerberatern/innen ist sie mehr als doppelt so hoch.
  2. Deloitte glänzt mit einer Frauenquote in der Geschäftsführung von 0%! Die drei übrigen Big4 haben jeweils eine Position in der Führungsetage mit Frauen besetzt. Bei KPMG findet sich jedoch eine "berufsfremde" Dame im Vorstand.
  3. Beim IDW schafften es die Damen bei der Frauenquote innerhalb weniger Jahre von 0% auf 66,7%.
  4. In Vorstand und Geschäftsführung der WPK sind die Damen deutlich unterrepräsentiert.
  5. Im Beirat der WPK zeigt sich eine überproportionale Besetzung von Frauen mit annähernd 30% gegenüber 23,5 % im Verwaltungsrat des IDW.
  6. Neben dem IDW hat PR1MUS die höchste Frauenquote in der Geschäftsführung und insgesamt unter den Mitarbeitern/innen :-)!

Was zeigt diese Übersicht nicht? - Dass Frauen (auch) in unserem Beruf für den gleichen Job oftmals rd. 20% weniger Vergütung kassieren als ihre männlichen Kollegen.

Auch im Hinblick auf die künftige Entwicklung des Berufsstandes und die Attraktivität des Berufsbildes sollte man hierüber einmal eingehender nachdenken.

05.05.2020
Jetzt muss es mal raus: Homeoffice und Alkohol

Während PwC, Deloitte & Co. täglich mit (erfundenen) Studien in den Medien konkurrieren, Beratungsbedarfe rekrutieren und besserwisserisch Trends aufzeigen, wird über die wahren momentanen Probleme der Beraterbranche zu wenig geredet.

Doch - jetzt ist es raus: Die Arbeit im Homeoffice hat ihre ganz eigenen Probleme. Da eine soziale Kontrolle des gewohnten Arbeitsumfeldes fehlt, genehmigen sich viele Homeworker Alkohol - während der Arbeit!

Das jedenfalls sollen zwei (glaubwürdige) US-amerikanische Umfragen belegen.

Gerade in den aktuellen Zeiten von Corona und der Arbeit im Homeoffice scheint sich vielfach ein neues Verhältnis zum Alkohol zu entwickeln! Wie eine aktuelle US-Umfrage nun belegt, fördert die Arbeit im Homeoffice den Alkoholkonsum. Befragt wurden nach der Fachzeitschrift "w&v" im Zeitraum vom 15. bis 18. April 2020 u.a. Mitarbeiter/innen von Accenture, Amazon, Deloitte, Edelman, Ernst & Young, Google, KPMG und Nike.

Auf die Frage "Trinken Sie Alkohol, während Sie im Homeoffice arbeiten?" antworteten insgesamt 12.895 verifizierte Beschäftigte. 41,8 % der Teilnehmer gaben tatsächlich an, dass sie sich zu Hause während der Arbeitszeit durchaus ein Glas genehmigten.

Aufgeschlüsselt nach Branchen liegen

  • Mitarbeiter von Werbeagenturen (49,1 %) und
  • Rechtsanwaltskanzleien (48,7 %) weit vorne.
  • Eher "trocken" hingegen bleiben Wirtschaftsprüfer/innen (39,1 %) und
  • Consultants (38,4 %).

Nach einer Umfrage der US-Organisation alcohol.org unter 3.000 Befragten erklärten 44 % der Männer, dass sie im Homeoffice bevorzugt Bier trinken. Frauen hingegen mixen sich lieber Cocktails (38 %).

Diese Zahlen sind doch wohl so beeindruckend, dass die "Trendwatcher" des IDW aufgefordert sein müssten, einen speziellen Arbeitskreis zu gründen und zu dieser Thematik ein 60-seitiges "Denkpapier" herauszugeben! - Prost!

05.05.2020
Prüfen mit Hilfe von Drohnen?

Mit seinen drei "fachlichen Hinweisen" vom 04.03., 25.03. und 08.04.2020 versucht das IDW, dem Berufsstand Hilfestellungen an die Hand zu geben, um mit Zweifelsfragen bei der Abschlussprüfung in "Corona-Zeiten" umzugehen.

In einer dreiseitigen Anlage zum Hinweis vom 08.04.2020 werden mögliche "Fernprüfungshandlungen" vorgestellt wie

  • Echtzeit-Bild-Übertragungen,
  • Videoaufzeichnungen oder auch 
  • WebMeetings.

Über allem steht natürlich der Grundsatz der "hinreichenden Sicherheit", denn ohne dem darf nicht testiert werden.

In einem Interview mit den finance-magazin am 22.04. konkretisiert der CEO des IDW e.V., indem er darauf hinweist, dass die "Technik hier zur Hilfe kommt":

„Die Inaugenscheinnahme kann auch beispielsweise durch Drohnen erfolgen. Dabei sollten die Prüfer jedoch darauf achten, dass sie die Bildübertragung selbst steuern können, um Täuschungsversuche auszuschließen." 

Schaut man sich die katastrophale Facharbeit zur Inventurbeobachtung des HFA aus 1990 einmal genauer an, so steht dort von alledem nichts! Prof. Naumann schafft es in Zeiten der Corona-Krise, gleichwohl ohne Mitwirkung des HFA, dem Berufsstand Regeln für aktuelle Fernprüfungshandlungen vorzugeben.

Merkt der HFA jetzt endlich, dass er die Facharbeit zur Inventuraufnahme und -überwachung seit über zwanzig Jahren verpennt hat?

Also habe ich als gewissenhaft tätiger WP sofort drei Dinge veranlasst:

  1. Drohnen-Führerschein bei TÜV beantragt,
  2. IDW um Empfehlung für den Kauf einer Voll-Profi-Drohne für WPs gebeten und
  3. Anfrage für eine Sondererlaubnis zum Freiflug durch die Flugaufsicht des Köln-Bonner-Flughafens.

Schauen wir mal, was daraus wird. :-) 

 

 

 

04.05.2020
Das IDW will das Berufsrecht ändern!

Bereits im wpwatch-Newsletter Nr. 79 (Mai 2020) habe ich darauf hingewiesen, dass das IDW z.Zt. massive Vorstöße unternimmt, um das Berufsrecht zu ändern. Scheinheilig behauptet man, dass bei den berufsrechtlichen Vorschriften "in der Praxis Schwachstellen aufgetreten seien...".

Hierzu schreibt "Deutschlands 1. WP" K.-P. Naumann, CEO des Lobbyvereins IDW e.V., (so Georg Giersberg, FAZ) gleich einmal einen siebenseitigen Brief an das BMWi und prescht der WPK voran.

Insbesondere kommt es dem IDW offensichtlich darauf an, dass für die Big4 endlich der Kreis der Gesellschafter erweitert werden kann und bis zu 49 % der Gesellschaftsanteile (!) in Händen von Berufsfremden sein können!? Wo nimmt das IDW eigentlich die Meinungsführerschaft in dieser Frage her?

Um es deutlich zu sagen: Das IDW hat keinerlei Legitimation, unmittelbare Änderungen im Berufsrecht beim BMWi für den gesamten Berufsstand einzufordern. Änderungswünsche sind ausschließlich der WPK vorzutragen und dort zu in den zuständigen Gremien zu diskutieren. Die Beschlüsse der WPK werden sodann beim BMWi eingebracht. Ob das IDW im Gesetzgebungsverfahren angehört wird, entscheidet dann die Politik.

Ist es den Big4-Lobbyisten in Düsseldorf trotz Corona-Pandemie, ISA-Chaos und QS-Kontroll-Wahnsinn zu langweilig?

Die WPK sollte das IDW endlich in seine Schranken weisen und sich derartige unabgestimmte Vorstöße verbitten! 

Eine Frage hab ich noch: Wieso wird der Berufsstand zu solch massiven Eingriffen ins Berufsrecht eigentlich nicht befragt?