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WP Watch

NR. 90 - JUNI 2021

 
1. Wie geht die Rückkehr zu "normal"?
2. FISG - wiederum eine unterlassene Chance!
3. EY-Prüfer verweigert die Aussage
4. Prof. Naumann bedient den Mainstream
5. Der Hype mit dem "Wambach-Bericht"
6. Die "Klagewelle" gegen EY
7. Accenture im Größenwahn
8. McKinsey und seine Skandale
9. Die Big4 sind keine Meckies!
10. Das Berufsregister - ein Relikt aus alter Zeit?
11. Wirtschaftsprüfer - ein "Job mit echtem Einfluss"
12. Eine gute Zeit für Sie!

Wie geht die Rückkehr zu "normal"?

 

Immer wieder wird man medial auf die "Zielgerade" gesetzt! Sommerferien, Impfangebot, Herdenimmunität, Auffrischung, elektronischer Impfausweis ..! Soll suggerieren, dass "es" bald geschafft ist und dann alles wieder "normal" wird. Urlaub, Arbeit, Freizeit, Feiern, Sehnsüchte, Nähe?

Kann man einen mehr als 18-monatigen weltweiten Ausnahmezustand einfach beenden? Was hat das mit uns gemacht, mit den Kindern, den persönlichen Lebenszielen, dem Zusammenleben?

Vergessen, Verdrängen, Ignorieren? - All das geht wohl nicht!

Selbstreflektionen sind angesagt in einer immer komplizierter werdenden Welt!

   
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FISG - wiederum eine unterlassene Chance!

 

Am 20. Mai 2021 beschloss der Deutsche Bundestag als Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal das "Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG)", welches insbesondere Maßnahmen zur

  • Bekämpfung von Bilanzbetrug sowie
  • institutionelle Verbesserungen und
  • verschärfte Anforderungen an die Tätigkeit von Wirtschaftsprüfern und Organen des Unternehmens

vorschreibt.

Auf den Berufsstand bezogen sind besonders zu erwähnen:

  • Reduzierung der externen Rotationsfrist von 24 auf 10 Jahre
  • interne Rotation bereits nach 5 Jahren,
  • stärkere Trennung von Prüfung und Beratung sowie
  • Verschärfung der Haftung.

Das allgegenwärtige IDW meldete sich bereits tags zuvor mit einem Rundumschlag:

  • Der "Finanzplatz Deutschland bräuchte mehr Verantwortungsbewusstsein an den entscheidenden Stellen statt mehr Regulierung",
  • "kürzere Rotationspflichten werden Fälle wie WIRECARD auch künftig nicht verhindern",
  • die "Erhöhung der Haftung wird mittelständische Prüfungspraxen künftig faktisch vom Prüfungsgeschäft ausschließen"
  • ebenso wird eine weitere Trennung von Prüfung und Beratung Bilanzbetrug auch künftig nicht verhindern.

Das Gesetz bedarf noch der Zustimmung des Bundesrats und soll bereits am 01.07.2021 in Kraft treten.

Auffallend ist bei all diesem Geplänkel und der Lobbyarbeit - wieder einmal -, dass Prof. Naumann wohl das einzige Sprachrohr des Berufsstands ist und als Chef-Theoretiker weiß, was für den gesamten Berufsstand gut ist und was die Politik zu unternehmen hat.

Wieso wurde der milliardenschwere WIRECARD-Skandal nicht seitens des Berufsstands und des IDW zum Anlass genommen, um grundsätzliche Reformen im Berufsstand anzustoßen, wie z.B.

  • Einführung von Fach-WPs,
  • Transparenz von Lobbyarbeit in Ministerien und der Politik,
  • Verlagerung der beruflichen Facharbeit auf die WPK (KdöR),
  • Verbot der Beratung bei PIE-Mandaten,
  • Institutionalisierung der Möglichkeit zur fachlichen Konsultation bei der WPK (Anlaufstelle) sowie
  • Verbesserung der WP-Aus- und -Fortbildung.

Vertane Chancen führen uns künftig immer weiter weg von dringend notwendigen grundlegenden Reformen. Dann wird es für den Berufsstand künftig eng werden.

   
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EY-Prüfer verweigert die Aussage

 

Am 12. Mai 2021 berichtete ich bei wpwatch: EY-Forensiker Christian Muth zeigt Mut!

Im Gegensatz zu den bisher ausschweifenden Aussagen des Ex-CEO Hubert Barth und des obersten Qualitätssicherers Dr. Christian Orth zum Prüfungsgeschehen bei WIRECARD kam Kollege Cristian Muth bei seiner Vernehmung relativ schnell auf den Punkt. Er berichtete

  • über massive Behinderungen seitens Wirecard bei der forensischen Arbeit,
  • dass Unterlagen nicht vorgelegt wurden oder
  • dass Ex-CFO Ley ihm Vorgaben für seine Berichterstattung machen wollte.

Muth legte vor dem PUA dar, dass er all dies beim EY-Prüfungsteam vor Ort ebenso wie in der Stuttgarter EY-Zentrale vorgetragen hatte. Auf die Frage, wie seine Kollegen denn mit seinen Hinweisen umgegangen seien und ob man - nach seiner Einschätzung - eigentlich noch uneingeschränkt hätte testieren dürfen, verweigerte Muth konsequent seine Aussage

Am 21. Mai 2021 wurde ein weiterer Mitarbeiter aus dem Wirecard-Prüfungsteam im PUA in Berlin vernommen: WP/StB Gregor Fichtelberger. Alle Versuche der Ausschussmitglieder waren zwecklos. Der EY-WP wollte keine Fragen zum Prüfungsgeschehen beantworten und machte von seinem umfassenden Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Auch dass die Staatsanwaltschaft München I gegen Mitarbeiter von EY bereits ermittelt und er sich mit seinen Aussagen ggfs. selber beschuldigen könnte, dürfte der Kollege in seine Abwägung mit einbezogen haben. Er selber hatte nicht als verantwortlicher WP bei Wirecard unterschrieben. 

Hintergrund ist sicherlich, dass Medien und Anlegeranwälte wie die Geier auf Negativnachrichten und Details erpicht sind, um anschließend Futter für millionenschwere Klagen zu bekommen. Die Vorverurteilung von EY kennt ja kaum noch Grenzen!

   
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Prof. Naumann bedient den Mainstream

 

Hat man sich doch schon daran gewöhnt, dass sich der Lobbyverein IDW e.V. ungehemmt als Sprachrohr des gesamten Berufsstands ausgibt, jedwede Medienhoheit für sich beansprucht und sich ungefragt mit - vorab nicht diskutierten - Vorschlägen in Politik und Medien einbringt, so kann man manchmal über die Qualität von "Reformvorschlägen" nur staunen. Oder man fragt sich, wer die "Einflüsterer" sind, die unserem Chef-Theoretiker in Düsseldorf die Eingebungen bereiten.

Mit seinem Lieblingsjournalisten der FAZ, Georg Giersberg, diskutierte er in den letzten Monaten medienwirksam bereits über folgende Maßnahmen als Konsequenz aus dem WIRECARD-Skandal:

  • Bei Bilanzbetrug soll das BKA ermitteln (FAZ 20.10.2020),
  • Einrichtung einer hoheitlichen Eingreiftruppe beim BKA (FAZ 17.11.2020),
  • Prüfer sollen auch den Staatsanwalt rufen dürfen (FAZ 19.05.2021

Vielleicht schlägt er als Nächstes

  • die Bewaffnung des Abschlussprüfers,
  • Schulungen in Verhör-Techniken und Grundlagen der Physiognomie oder
  • die Inhaftierung des Mandanten bei unzureichender Mitwirkung vor.

Bei der Klärung der rechtlichen Reichweite des Verschwiegenheitsgebots durch den BGH und den massiven Klage-Drohungen gegen EY echauffiert sich der IDW-CEO medienwirksam über die "mangehafte Mitwirkungspflicht und den fehlenden Aufklärungswillen von EY" gegenüber dem PUA und der Öffentlichkeit.

Was hat den CEO des Lobbyvereins geritten, dass er EY, den zweitgrößten Beitragszahler seines Vereins, öffentlich demontiert und Öl ins Feuer gießt? Wie anmaßend muss man sein, wenn man Mitglieder in dieser haftungsrechtlich prekären Situation auffordert, konstruktiv mitzuwirken, vielleicht sogar etwas zuzugeben oder gar eine außergerichtliche Einigung vorzuschlagen. All dies ist doch nur "mainstream"! - Will man Poltik, PUA und den Kapitalanlegeranwälten einen "Bärendienst" erweisen?

   
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Der Hype mit dem "Wambach-Bericht"

 

Blicken Sie noch durch? - Alle zitieren aus Berichten und keiner weiß Bescheid! Teile der Berichte werden - von wem auch immer? - an die Presse durchgestochen und man teilt der Öffentlichkeit vorweg das "katastrophale Ergebnis" des "Wambach-Berichts" mit. Dies ist reine Heuchelei, an der sich das IDW auch noch beteiligt und seinen zweitgrößten Beitragszahler öffentlich demontiert.

Die Vorverurteilung von EY und die Besserwisserei von Obleuten des PUA, der Politik und der Presse sind kaum noch zu überbieten. Und die ganze Inszenierung im Wahljahr, so dass das politische Schmierentheater (Parteiklüngel) seinen Lauf nimmt! Und alle sind "Experten" - mit Wambach angefangen.

Was meint man jetzt eigentlich mit "Wambach-Bericht"?

  • "Wambach-Bericht I" - für die Jahre 2015 bis 2017 oder
  • den Bericht II - für das Jahr 2019 oder
  • die "geheimen Anlagen" (zum Bericht I) gegen deren Veröffentlichung sich die EY-Anwälte bisher (noch) wehren?
  • Oder meint man den 179-seitigen "Sachstandsbericht" des Insolvenzverwalters Michael Jaffé?

Eine Frage hab ich noch:

  • Wieso zitieren Journalisten und Politiker aus Berichten, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind - selbst EY nicht?
  • Wieso spricht man immer nur von "Wambach"? Wurden nicht vier Kollegen (Wambach, Storbeck, Haendel und Mattner) jeweils zu Sonderermittlern bestellt? Wo sind denn die abschließenden Feststellungen der übrigen drei Kollegen?
  • Wie kann der stellvertretende Ausschussvorsitzende Hans Michelbach (CSU) der Presse eine "katastrophale Prüfertätigkeit von EY" bescheinigen?

Vielleicht sollte der "Volksvertreter" Hans Michelbach vorab erst einmal in seiner CSU-Parteizentrale durch Sonderermittler klären lassen, ob die Tochter des ehemaligen CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler, Andrea Tandler, nun 34 oder 51 Mio. € an Vermittlungsprovisionen für Corona-Schutzmasken über die Schweiz (Fa. Emix) kassiert hat und wieviele davon - direkt oder indirekt - in die CSU-Parteikasse geflossen sind? Ex-Justizminister Alfred Sauter und Schatzmeister WP/StB Manfred Krautkrämer können hier sicherlich wertvolle Hinweise geben.

Abschließend: Jeder, der langjährig im Prüfungsgeschäft unterwegs ist, weiß, dass es keine abschließend unangreifbare Prüfungsdurchführung mit absolut eindeutigem Ergebnis gibt und dass man nur genügend "Experten" dransetzen muss, die in tausenden von Stunden mit Hilfe von forensischen Methoden, Sonderermittlern und späteren erhellenden Erkenntnissen nebulöse Berichte verfassen, die dann belegen, dass "katastrophal" geprüft wurde.

Oder wovon träumen die "Experten" nachts?

   
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Die "Klagewelle" gegen EY

 

In allen Medien - landauf, landab - wird über eine gegen EY zu erwartende Klagewelle berichtet. Es geht um einen mutmaßlichen Schaden für Banken und Geldgeber von über 3 Mrd. € und um Kapitalvernichtung von über 20 Mrd. € bei den Aktionären.

Geklagt wird sowohl in Stuttgart, dem Hauptsitz der deutschen EY GmbH, als auch in München, dem Sitz der WIRECARD AG. Beim LG Stuttgart sind bisher 280 Klagen von Wirecard-Anlegern mit Schadensersatzforderungen von insgesamt 42 Mio. € eingegangen. Davon wurden bereits über 140 Verfahren nach München verwiesen. In München selbst wurden sechs weitere Klagen von Anlegern mit unbekannter Schadenssumme eingereicht.

Der britische Prozessfinanzierer LITFIN hat mittlerweile Ansprüche von 20.000 Wirecard-Geschädigten gesammelt und bereitet durch die britische Großkanzlei PINSENT MASONS umfangreiche Klagen gegen EY, die WIRECARD AG und die ehemaligen Vorstände vor. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat zwischenzeitlich empfohlen, sich der Litfin-Klage anzuschließen. Im Erfolgsfalle wird Litfin als Provision rd. 30% der gerichtlich ausgelobten Schadenssumme bzw. eines außergerichtlichen Vergleichs kassieren.

Das Geschäft der Prozessfinanzierer funktioniert in Deutschland seit über 20 Jahren, doch ein großes Wachstumsgeschäft für Großkanzleien wurde daraus nicht. Branchenbeobachter gehen aber davon aus, dass die Klagebereitschaft auch in Deutschland durch Einschaltung von Prozessfinanzierern deutlich gewachsen ist.

Vergessen werden darf nicht, dass auch Kapitalanleger-Anwälte dabei sind, mögliche Schadensersatzansprüche zu bündeln, um dann mit einer Drohgebärde außergerichtliche "Einigungen" - ohne Anerkennung einer Rechtspflicht - mit EY zu suchen.

Betont werden muss in diesem Zusammenhang jedoch, dass es zwar eine berufliche Haftungsbeschränkung auf 4 Mio. € gibt, die Kläger jedoch davon ausgehen, dass man EY

  • "grobe Fahrlässigkeit" bzw. "bedingten Vorsatz" 

mit der Folge unbeschränkter Haftung nachweisen kann.

In diesem Zusammenhang wird der Schlussberichts des PUA ebenso Bedeutung erlangen wie der "Wambach-Bericht".

   
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Accenture im Größenwahn

 

Accenture ist der Beratungsableger der amerikanischen WPG Arthur Andersen, die im Zuge des ENRON-Skandals im Jahre 2002 insolvent wurde. Die Beratungssparte wurde rechtzeitig vorher abgespalten. Die Überreste der WP-Branche in Deutschland fielen letztlich an EY.

Trotz der Pandemie hat Accenture in 2020 mit fast 510.000 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von rd. 44 Mrd. USD erwirtschaftet, bei einem Gewinn von 5 Mrd. USD. Die Prognose für 2021 wurde zwischenzeitlich noch um 8% erhöht. Der Börsenwert von Accenture beträgt rd. 164 Mrd. USD, es ist damit derzeit das wertvollste börsennotierte Beratungsunternehmen der Welt. Der Aktienkurs hat sich innerhalb der letzten 10 Jahre verfünffacht.

Bemerkenswerter finde ich jedoch den Umstand, dass Accenture ein wahrer "Wachstumsgigant" ist und innerhalb der letzten 24 Monate 65 Zukäufe(!) verbuchen konnte. Damit hat Accenture zuletzt mehr Unternehmen hinzugekauft als jedes andere Unternehmen der Welt!

In den letzten Wochen waren dies bspw.:

  • der französische Cloud-Dienstleister Linkbynet mit 900 Mitarbeitern,
  • die Mannheimer Strategieberatung Homberg & Partner oder auch die
  • Münchner Technologieberatung Zielpuls,
  • den Hamburger E-Commerce-Spezialisten Sinner-Schrader,
  • den Stuttgarter Computeranimations-Designer Mackevision,
  • die renommierte Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe und
  • die Würzburger Technologieberatung SALT Solutions.

Ähnlich aktiv in unserer WP-Branche ist lediglich PwC, die auch fast jedes Start-up der Beratungsbranche und im IT-Bereich kauft, bevor es ein anderer tut!

Informatiker Frank Riemensperger (58), seit 2009 CEO für Geschäfte in den deutschsprachigen Ländern, ist in der Berliner Politik ein gefragter Gesprächspartner und berät alleine in Deutschland 29 von 30 DAX-Konzernen. Der Skandal um die Beratungsaffäre bei der Bundeswehr ("Kanonen-Uschi" von der Leyen) hat Accenture nicht allzu sehr geschadet.

Riemensperger schwelgt lieber in seiner Datenwolke, versucht so viele Spezialdisziplinen wie möglich zu bedienen und möchte seinen Kunden Komplettpakete einer neuen IT-Architektur verkaufen. Hierbei geht es darum, die bei den Kunden historisch gewachsenen IT-Systeme auch zusammenzuführen und ganz neue Geschäftsmodelle aufgrund von Datenmassen aufzubauen.

Es muss an dieser Stelle gefragt werden, ob das Kartell- und Wettbewerbsrecht (UWG, GwB) nicht auch für Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen gilt!?

Eine Frage hab ich noch: 

Ist der Politik eigentlich klar, was da an Beratungskraken heranwächst und wie abhängig man sich mittlerweile von Accenture, McKinsey & Co. (und den Big4) gemacht hat? Den Beratern gefallen diese Abhängigkeiten und die zunehmende Marktkonzentration. Ich finde es unerträglich!

   
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McKinsey und seine Skandale

 

McKinsey gehört bei qualifizierten Jungakademikern zu den beliebtesten Arbeitgebern weltweit. Die Kunden waren, zumindest in Deutschland, mit den Beratern so zufrieden wie mit keinem Konkurrenten. Dies belegen aktuelle Ratings. - Na, das hört sich doch gut an! Wohl kein anderes Beratungsunternehmen ist weltweit in Wirtschaft und Politik so gut vernetzt, wie die "Meckies" und ihre Alumnis.

Hier einige weitere Daten: 20.000 Berater, davon 2.500 Partner, sollen in 2021 insgesamt 12 Mrd. USD erwirtschaften bei einer Umsatzrendite von Ü-30-Prozent. 40% der Neuen in Deutschland sind weiblich und nur zwei in der 70-köpfigen deutschen Seniorpartnerschaft sind Frauen. Headhunter behaupten, dass 80% der Berater ständig auf dem Absprung sind, d.h. nur noch auf das passende Angebot eines Kunden warten. Ab 55 kann man mit Abfindung vorzeitig ausscheiden. Mit 60 ist dann definitiv Schluss. Die Partner, denen McKinsey gehört, verdienen klotzig (mehrere Mio. USD/p.a.) und lassen sich gerne auch "Club der Millionäre" nennen.

Schaut man einmal genauer hinter die Kulissen, so erscheint ein Zerrbild. Medienwirksame Skandale vermeidet man tunlichst durch Geheimverhandlungen und Zahlungen "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht"! D.h. nur raus aus den Medien und Zahlungen unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit, ansonsten schadet es dem Geschäft. 

Hier eine Auswahl aktueller McKinsey-Skandale und geleisteter "freiwilliger" Ausgleichszahlungen:

  • 645 Mio. USD US Opioid-Affäre,
  • 110 Mio. USD Korruptionsaffäre Zuma / Gupta in Südafrika,
  • 8 Mio. USD Zahlung wegen Korruptionsaffäre Nethys,
  • 40 Mio. USD Sammelklage der McKinsey-Pensionäre und
  • 40 Mio. USD Sanierungsentschädigungen.

Es geht wohl darum, dass man die ausgegebene Wachstumsdoktrin pusht und gleichzeitig den Mythos des Unangreifbaren aufrecht erhalten möchte, obwohl man durchaus auch windige "Grauzonenkunden" akzeptiert. Hauptsache die Kohle stimmt und die übrigen Partner können bedient werden.

Besonders deutlich wurde dies bei der Mitwirkung von McKinsey bei der Plünderung südafrikanischer Staatsunternehmen durch den korrupten Gupta-Clan und das Regime Zuma, was KPMG ein Prüfungsverbot in Südafrika einbrachte. Über den korrupten Gupta-Clan ist wohl jetzt auch Ebner Stolz bei der Prüfung der Abschlüsse der Greensill-Bank in Bremen gestolpert.

Sobald irgendetwas Negatives über McKinsey in den Medien auftaucht, fallen bei dem Noch-McKinsey-Weltchef Kevin Sneader (55) in Interviews stereotyp immer die gleichen drei Worte:

"We deeply regret!"

   
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Die Big4 sind keine Meckies!

 

Um es an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich zu sagen:

Natürlich wollen die Big4 & Friends am liebsten genauso beraten wie McKinsey, Accenture & Co., träumen von Ü-30%-Renditen, haben kaum noch Bock auf das haftungsträchtige Prüfungsgeschäft zu Kampfpreisen.

Man möchte lieber "Zukunftsgestalter" der Mandanten als "Vergangenheitsbewältiger" in Bilanzierungsfragen sein. Wirtschaftsprüfer prüfen - mit dem Gesicht auf dem Rücken - ob der Mandant in der Vergangenheit richtig bilanziert hat. Dies ist nicht immer spannend.

Den Unterschied beider Professionen machen folgende Punkte aus:

  • die wirtschaftsprüfenden Berufe sind selbstverwaltend verkammert (WPK),
  • an ein schweres Berufsexamen mit Vereidigung und Bestellung gebunden,
  • unterliegen einer strengen Berufsaufsicht (WPO, BS WP/vBP) von WPK und APAS,
  • sind zu mehr als 50% in Händen der Berufsträger/innen (außer Rödl!) und
  • sind systemrelevant in unserer Wirtschaftsordnung.

Um an lukrative Beratungsmandate zu kommen, nutzen Wirtschaftsprüfer gerne auch ihre fachliche Expertise und Kenntnis aus dem Prüfungsgeschäft. Dadurch ist das Prüfungsgeschäft oftmals "Türöffner" für lukrative Beratungsmandate.

Wer also lieber Transaktionsberatung, Management- und Strategieberatung machen will - und dies sage ich insbesondere dem Berufsnachwuchs - sollte gleich bei McKinsey & Co. seine Karriere starten. Oder anders gesagt: Wenn die Big4 dem qualifizierten Berufsnachwuchs sagen, dass man bei ihnen "alles" machen kann und sich vielleicht erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheidet, will die Unterschiede bewusst verwischen.

Mit einer "Marke" (PwC, KPMG, EY, Deloitte) wird jedoch alles abgefischt was geht.

Dies dürfte nicht sein! Hier muss es reine Prüfungsgesellschaften geben.

   
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Das Berufsregister - ein Relikt aus alter Zeit?

 

Die WPK führt ein Berufsregister für Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (§ 37 I S.1 WPO). Neben der Erfassung der Daten der Mitglieder der WPK erfüllt das Berufsregister zugleich die Aufgabe des Abschlussprüferregisters im Sinne der Abschlussprüferrichtlinie (Richtlinie 2006/43/EG). Die Inhalte der Eintragung ergeben sich aus §§ 38 f WPO. Das Berufsregister wird elektronisch geführt und ist der Öffentlichkeit mit den aktuellen Daten zugänglich. Insoweit sollte man davon ausgehen können, dass das Berufsregister von der WPK (KdöR) verantwortlich geführt wird und die Inhalte regelmäßig aktualisiert werden.

Nein, ich will nicht über das Schmierentheater von Rödl und die Täuschungen und Falschangaben der ehrenwerten Kollegen Wambach & Co. schreiben. Hier drei (weitere) Beispiele:

1. WP Dr. Klaus-Peter Feld: Das langjährige geschäftsführende Vorstandsmitglied des IDW kam uns im April 2019 über Nacht abhanden. Über die Hintergründe wollen wir schweigen. Nach dem Berufsregister führt er unter seiner Privatanschrift eine Einzelpraxis und ist über Telefon, Fax und Emailadresse nach wie vor beim IDW zu erreichen.

Greife ich jedoch zum Telefonhörer, so erreiche ich bei IDW die nette Kollegin Katja Lewalter-Düssel. Fax und Email sind ebenso Fehlanzeige. Recherchen ergeben, dass Kollege Dr. Feld zwischenzeitlich Honorarprofessor an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und auch Partner beim Prüfungssoftware-Entwickler "5FSOFTWARE" in Regensburg ist.

2. Ex-WP Berthold Hußendörfer: Der im Zuge des INFINUS-Anlegerskandals (> 40.000 Anleger mit einer Schadenssumme > 1 Mrd.€ !) wegen vorsätzlicher Falschtestate und sittenwidriger Schädigung der Anleger verurteilte Ex-Kollege ist nach aktuellen Presseberichten in Privatinsolvenz, führt jedoch nach seiner Homepage www.hussendoerfer.de nach wie vor seine Berufstitel und ist Geschäftsführer gleich zweier Berufsgesellschaften. Wenn man bei der WPK schon die wpwatch-Newsletter liest, dann hätte man dies bereits seit September 2020 wissen können! Ist dies der Schutz der Öffentlichkeit vor "windigen" Berufsvertretern/innen? 

3. WP StB RA Prof. Dr. jur. Heinz-Christian Knoll (60): Seit 2015 ist der Kollege Partner bzw. Vorstand der KBS Knoll Beck AG und dozierte bisher Wirtschafts- und Steuerrecht an der HTWK Leipzig. Mit der Insolvenz der German Property Group (GPG) wurde auch die Verbindung zwischen dem Gründer der GPG, Charles Smethurst, und dem professoralen Kollegen aus Leipzig/München ermittelt. Heraus kam, dass er vom Gründer der GPG 63 Gutachteraufträge (!) erhielt und feststellen sollte, ob die GPG-Gesellschaften bereits zum 30.06.2018 zahlungsunfähig waren. 63 mal testierte der Kollege, dass keine Zahlungsunfähigkeit vorlag, so dass die noch vorhadenen Anlegergelder in Höhe von 311 Mio. € nach Liechtenstein überwiesen werden konnten, wo sie dann "untergingen". Den Gesamtschaden für die Anleger beziffert die Staatsanwaltschaft mittlerweile auf über 3 Mrd. € (!!!). Der Kollege traf seine gutachterlichen Feststellungen übrigens, ohne dass es eine ordnungsgemäße Buchhaltung oder Jahresabschlüsse gegeben hat. Den Professor erwarten nun stürmische Zeiten. Die HTWK Leipzig hat ihm die Lehrerlaubnis mit sofortiger Wirkung entzogen.

Schauen Sie doch mal ins Berufsregister der WPK - alles paletti!?!? Wie soll denn hier die Öffentlichkeit geschützt werden? Welchen Sinn soll das Berufsregister überhaupt noch haben?

Ach, Sie fragen jetzt, ob Kollege Hildebrandt nichts anderes zu tun hat oder ihm in Corona-Zeiten voll langweilig ist?

Nein! - Es geht um das, was u.a. den Berufsstand ausmacht! - Vereidigung, Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit. Es kann nicht sein, dass das Berufsregister verkommt, man sich gleichzeitig in social media prostituiert, gekaufte Ranking-Titel auf seiner Website führt und das Berufsrecht mit Füßen tritt. Es geht um die Selbstverwaltung des Berufsstands. Vielen scheint, als wäre das Berufsregister überflüssig wie ein Kropf oder gar ein Relikt aus alter Zeit.

   
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Wirtschaftsprüfer - ein "Job mit echtem Einfluss"

 

Am 26. Mai 2021 war es endlich wieder soweit: Das IDW hat seiner im Jahre 2013 ins Leben gerufene "Nachwuchsinitiative" nach vier Jahren eine neugestaltete Kampagnenseite verpasst (www.expedition-wirtschaft.de).

Das IDW reagiert damit 

  • auf die "fundamentale Bedrohungslage" um den Berufsnachwuchs,
  • auf das "wandelnde Lebensgefühl junger Menschen" und
  • die "sich verändernde Sinnorientierung der Generationen Y und Z."

Die neue Kampagnen-Website erstrahlt

  • in einem neuen "Look and Feel",
  • mit "frischem Logo" und
  • mit "optimierter zielgruppengerechter Ansprache"

Schaut man sich die Kampagnen-Website einmal genauer an, so fragt man sich, von welchem Berufsstand hier eigentlich die Rede ist. Man wendet sich hier an Interessierte, die "einen Job mit echtem Einfluss" suchen. Man solle 

  • seine "Bewerbungsmappe aufpeppen",
  • sich selber "mit einer Teilnahmebescheinigung über einen "Insight Day" auszeichnen",
  • die exklusiv "vom Vorstand des IDW unterschrieben" wurde.

Das erinnert doch alles irgendwie an die Vor-Kampagnen, d.h. das bundesweite Plakatieren von ICE-Bahnhöfen und Flughäfen sowie die Verteilung von "Überraschungstüten" vor Kinos (mit IDW-Markern und Kondomen).

Millionen werden hier systematisch verballert - ohne greifbaren Erfolg!

Welchen "echten Einfluss" verspricht das IDW dem Berufsnachwuchs hier eigentlich?

Vielleicht ist man bei der nächsten Kampagne soweit, dass man auch Teilnahmebescheinigungen über fünfminütiges Fahrstuhlfahren mit (echten) Wirtschaftsprüfer/innen (bis zur Partneretage) verteilt, um seine Mappe aufzupeppen.

In Wahrheit geht es um die Rettung berufsrechtlich fragwürdiger Geschäftsmodelle der Big4, die ohnehin ihr eigenes Ding machen, ihren Berufsnachwuchs direkt an der Uni von Lehrbeauftragten angeln lassen, bei Incentive-Wochenenden auf Mallorca segeln und ihre unverkennbaren Spuren und Scheinwelten in den sozialen Medien hinterlassen.

   
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Eine gute Zeit für Sie!

 

Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich alles Gute.

Bleiben Sie gesund!

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
Hohe Str. 9   51149 Köln
Tel. 02203 / 98 00 20
E-Mail: hildebrandt@wpwatch.de

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