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WP Watch

NR. 85 - FEBRUAR 2021

 
1. Grüße in Corona-Zeit
2. Die "Facharbeit" des IDW in Corona-Zeit
3. Ablenkungsmanöver im Falle WIRECARD
4. BDO soll bis zu 126 Mio. € Schadensersatz zahlen
5. Die Saison der Preisverleihungen 2021 ist eröffnet!
6. Ex-IDW-Vorstandssprecher jetzt in Haft
7. IDW: Wirtschaftsprüfer können alles!
8. KPMG auf philosophischen Abwegen
9. Rödl vernascht die WPK
10. "Skandalprüfer" Bose's Abschied
11. Eine gute Zeit für Sie!!

Grüße in Corona-Zeit

 

Selbstverständlich fehlen mir die Präsenzseminare und der unmittelbare fachliche Austausch. Dies wäre gerade in jetziger Zeit so wichtig! - auch wenn ich täglich mindesten ein halbes Dutzend "fachlicher Konsultationen" mit Kollegen/innen (§ 30 BS WP/vBP) durchführe. Die weiterhin kontinuierlich steigenden Anmeldezahlen bei wpwatch zeigen mir aber auch, dass eine kritische und mahnende Stimme im Berufsstand zunehmend fehlt.

Motivierend für mich, weiterhin bei wpwatch zu schreiben, ist hierbei die zunehmend erkennbare Vernebelungstaktik und Bestrebungen von Gremien des Berufsstandes, alle Verantwortung von sich zu weisen, abzulenken, der Politik ständig lehrmeisterhaft kluge Ratschläge zu erteilen und einzig und allein das (gescheiterte) Geschäftsmodell der Big4 zu befeuern.

Bei genauerer Betrachtung und aus langjähriger Erfahrung kann ich sagen, dass die Gremien des Berufsstands wohl kaum in der Lage sein werden,

  • dringend notwendige Reformen anzustoßen,
  • Vertrauen und Glaubwürdigkeit in Öffentlichkeit und Politik wiederherzustellen und damit
  • ihrer systemrelevanten Funktion zu entsprechen.

Von all dem können Sie auch jetzt wieder im aktuellen Newsletter lesen!

   
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Die "Facharbeit" des IDW in Corona-Zeit

 

Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, dass wir seit über einem Jahr kaum Fachliche Verlautbarungen vom HFA bzw. vom FAB bekommen? Es wäre doch gerade in Zeiten des Homeoffice und den vielen Unwägbarkeiten von CORONA wichtig, dass man von den höchsten fachlichen Gremien des Berufsstandes Orientierung bekommt.

Sicherlich werden Sie jetzt ausführen, dass sich das IDW doch in 2020 schließlich mit drei "Fachlichen Hinweisen" zu Wort gemeldet und die letzte Verlautbarung sogar zum 3. Mal mit einem Update (Januar 2021) versehen hat.

Im Rahmen der Normenhierarchie haben fachliche Verlautbarungen des IDW eine herausragende Bedeutung. Sie betreffen die nicht im Gesetz geregelte Prüfungstechnik und -methodik und sind nach den Regelungen der Berufssatzung (§§ 4 ff. BS WP/vBP) bei der Berufsausübung zu beachten. Die Regularien für die Erarbeitung und Bekanntgabe einer "Verlautbarung" wurden zuletzt in den "Grundsätzen für die Arbeitsweise der IDW-Fachgremien" (Stand: 24.09.2018) nochmals aktualisiert. Insbesondere sind die Fachgremien und der "Due Process" bis zur Bekanntmachung gegenüber dem Berufsstand geregelt.

Sucht man in den Regularien jedoch nach den neuerlichen "Fachlichen Hinweisen", so sind diese unter den "Arten von IDW Verlautbarungen" (Punkt 2.1.) nicht nominiert. Vielmehr wird erklärt, dass sich "das IDW dieser Fragen unmittelbar angenommen" hat und der Vorstand des IDW "nach Rücksprache mit den Fachgremien" diese Verlautbarungen mitteilt.

Also - um es noch einmal deutlich zu sagen: CORONA ist für das IDW offensichtlich die Legitimation, den Berufsstand von der Mitwirkung im Rahmen des Due Process auf den Werdegang fachlicher Arbeit auszuschließen. Es gibt keine "Entwürfe" mehr und damit keine Möglichkeiten von "Eingaben" und Mitsprache. Der Vorstand des Lobbyvereins der Big4 (wer auch immer das ist) hat übrigens keinerlei Legitimation, dem Berufsstand Vorschriften zu machen.

Vielleicht sollte man, anstatt in CORONA- und WIRECARD-Hyper-Aktionismus zu verfallen, mal wieder zur geordneten Facharbeit - entsprechend der vereinbarten Regularien - zurückkehren.

   
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Ablenkungsmanöver im Falle WIRECARD

 

Wirecard - War da was? - Wir haben doch schon alle Räuber- und Spionagegeschichten zu Wirecard gehört - Russen, Geheimdienste, Verfassungsschutz, Versagen von BaFin & APAS, Merkels China-Reise, Kanzlerkandidat Olaf Scholz als "Aufräumer", von und zu Guttenbergs Lobbyarbeit und die "Antrittsvorlesung" des obersten EY-Qualitäts-Experten Dr. Christian Orth im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ("Wirtschaftsprüfung for Beginners"). Dies haben die Parlamentarier schon als provokativ und unverschämt empfunden. Mit dem Mantra der Verschwiegenheit ist ab heute Schluss im PUA, da der BGH soeben entschieden hat, dass die Entbindung von der Verschwiegenheit durch den Insolvenzverwalter rechtmäßig ist. EY sollte jedoch wissen, dass in den nächsten Sitzungen des PUA die "Luft dünner" wird und man klare und eindeutige Antworten darauf erwartet, wie man bei WIRECARD jahrelang uneingeschränkt testieren konnte.

Dann kommt auch noch der durchsichtige Flankenschutz des Lobbyvereins IDW mit bestellten Fachaufsätzen bei "Experten" wie Prof. Kai-Uwe Marten und dem Kollegen Dr. Farr, die beide bereits jetzt (!) bestätigen können, dass EY alles richtig gemacht hat.

Die WPK verordnet ihren Vorständen Maulkörbe und Prof. Naumann füllt das Informations-Vakuum, indem er sich zum einzig relevanten Sprachrohr des Berufsstands erklärt und der Politik in unverschämter Manier als Chef-Lobbyist der Big4 Vorgaben macht, wie hier Reformen auszusehen haben. Das ist geradezu lächerlich! Schnell verlangt er auch die Einführung einer BKA-Eingreiftruppe. Die nächste Stufe wäre dann nur noch die Einführung eines Waffenscheins für Wirtschaftsprüfer/innen.

Allen Ernstes behauptet Prof. Naumann, dass

  •  das Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISK) massiv in das Geschäftsmodell des Berufsstands eingreift,
  • eine Haftungsverschärfung zulasten der Prüfungsqualität ginge und
  • der Berufsstand noch mehr Nachwuchsprobleme bekäme.

Dies ist eine eindeutige, arrogante und nicht akzeptable Verweigerungshaltung. Offensichtlich ist man sich in Düsseldorf und Berlin nicht im Klaren darüber, dass es insgesamt um die Glaubwürdigkeit des Berufsstands und seine Existenzberechtigung geht. Reformen des Berufsstands könnten nämlich auch ganz anders aussehen!

Der Drops ist für den Berufsstand doch bereits gelutscht! - Oder?

Klartext: Das ist er hoffentlich nicht! - Wo sind die kritischen Stimmen, die Fehlereingeständnisse von EY und die knallharte Aufarbeitung im Berufsstand? 

Eine ganze Branche verliert hier permanent an Reputation, während Ablenkung und Vernebelungstaktik von EY, IDW und beauftragter Presse anhält. Auch Corona ist jetzt hilfreich, lenkt dies die Öffentlichkeit doch ab und beschäftigt momentan die Politik im Übermaß.

Eine umfassende und grundsätzliche Reform des Berufsstandes ist längst überfällig! 

   
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BDO soll bis zu 126 Mio. € Schadensersatz zahlen

 

Spaniens höchstes Zivilgericht befand u.a. BDO für schuldig, Konten des Fischereiunternehmens Pescanova gefälscht zu haben. Die spanische Schwestergesellschaft von BDO wurde vom Audiencia Nacional, dem höchsten Strafgericht Spaniens, zur Zahlung eines Teils einer Strafe in Höhe von 126,8 Mio. € wegen ihrer Rolle im Bilanzskandal um die galicische Fischereifirma Pescanova verurteilt.

BDO kündigte bereits an, dass man alle Rechtsmittel gegen dieses Urteil ausschöpfen werde. Schließlich sei man "getäuscht worden und Opfer der von der Geschäftsleitung von Pescanova organisierten Machenschaften und Betrügereien geworden". Na - das kommt einem ja bekannt vor: ähnlich argumentiert EY auch im Falle WIRECARD.

Es ist unklar, welchen Anteil der Entschädigung BDO im Falle eines Scheiterns der Berufung tragen muss, aber man geht davon aus, dass das Urteil im Hause BDO große Besorgnis ausgelöst hat. BDO lehnte eine weitere Stellungnahme zu dem Urteil ab. In dem 610seitigen Urteil befand die Audiencia Nacional BDO der Fälschung von Finanz- und Wirtschaftsinformationen für schuldig und stellte fest, dass sie wusste, dass Pescanova Konten gefälscht hatte, um seine Schulden zu verbergen.

Das spanische Gericht verurteilte den BDO-Partner, der die Testate von Pescanova unterzeichnet hatte, zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Auch hier wurde Berufung eingelegt.

   
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Die Saison der Preisverleihungen 2021 ist eröffnet!

 

Als ich im letzten Jahr auf die Unsitte unter Freiberuflern, Hotels und anderen Unternehmen aufmerksam machte, sich Rankingeinträge im Internet oder in Fachzeitschriften gegen Bezahlung zu erkaufen, gab es einen kurzen Aufschrei - wohl eher Ausdruck aufgedeckter Peinlichkeit (vgl. Newsletter Nr. 78). Konkret geht es um aktuelle wettbewerbsrechtliche Rechtsprechung, berufsethische Fragen und die Untätigkeit der Berufsaufsicht (WPK).

Wie geht´s: Man kaufe sich eine Auszeichnung "Beste/r WP / StB 2021" bei einer (Fach)Zeitschrift, bringe dies werbewirksam auf die Kanzlei-Website und in Farbe auf den Kanzleibogen oder ins örtliche Käseblatt. Und schon gehört man - nach außen hin - zu den Besten der Branche! - Herzlichen Glückwunsch!

Dass sich die Big4 in jeder Disziplin zigfach selber auszeichnen und überall Alles können, wissen wir. Dass jedoch im Ranking völlig unbekannte örtliche Kanzleien mit unglaubwürdigem Spitzenranking vertreten sind, ist geradezu lächerlich. Es relativiert nicht nur die Seriosität von Methode und Nachvollziehbarkeit, es ist m.E. auch berufsrechtlich völlig deplatziert.

Nachdem mir seinerzeit einige Kollegen/innen die Vorgehensweise der Verlage bei solchen "Rankingspielen" aus eigener Erfahrung offenbarten und ich die Autoren und "Institute" über diese durchschaubaren Machenschaften informiert hatte, dachte ich, dass sich Änderungen abzeichnen werden.

Aber: Anfang 2021 erhielt ich wieder das Themenheft von "brand eins" mit einem erneuten Ranking: "Die besten Steuerberater & Wirtschaftsprüfer in Deutschland 2021". Auf Seiten 98 bis 108 können Sie das Ranking der Steuerberater in verschiedenen Disziplinen verfolgen. Ab Seite 109 geht es in den nächsten 20 Seiten um die "WP-Welt".

Zum Schmunzeln:

In den WP-Bereichen Forensik und Corporate Governance führt EY das Ranking klar vor KPMG und PwC. WIRECARD lässt grüßen!!!

Es ist einfach nur peinlich für den Berufsstand! und skandalös gegenüber den rd. 250.000 Wirecard-Aktionären. - Das ist ja wohl der blanke Hohn!

   
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Ex-IDW-Vorstandssprecher jetzt in Haft

 

Einst war er Vorstandsvorsitzender des IDW (2001/2002). Seine Karriere begann bei der Rheinisch-Westfälischen Treuhand und ging weiter bei der KPMG (bis 1994). Die Financial Times Deutschland (FTD) bezeichnete den Ex-Kollegen mit der hohen Stirn und den fast schulterlangen Haaren seinerzeit als "Hoffnungsträger", "Wunderheiler" und "knallharten Strategen". 

Er galt als einer der Hauptakteure in der Affäre um den Niedergang der Privatbank Sal. Oppenheim und den Absturz des ehemaligen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor (Karstadt/Quelle): Bereits als der einstige Warenhaus-Multi im Jahr 2008 insolvenzreif war, billigte Friedrich Carl „Fiete“ Janssen, zuständig für das Risikomanagement bei dem Geldinstitut und AR-Vorsitzender bei Arcandor, dem damaligen Chef Thomas Middelhoff noch eine millionenschwere Boni-Zahlung zu.

Der bodenlose Absturz des Ex-Vorstandssprechers des IDW hat sich fortgesetzt und findet sein (vorläufiges) Ende in einer Haftanstalt in Berlin. Seinen Ruhestand hat sich der mittlerweile 76-jährige sicherlich auch anders vorgestellt. 2015 wurde Janssen vor dem LG Köln zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft wegen Untreue im besonders schweren Fall verurteilt. Auch fehlgeschlagene Immobiliengeschäfte bei Oppenheim mit einem Verlust von über 84 Mio.€ wurden ihm angelastet. Drei Jahre später bestätigte der BGH das Urteil. Nach Auskunft der Pressestelle der Kölner Staatsanwaltschaft kämpft der Ex-IDW-Vorstandssprecher momentan um die Vergünstigung eines offenen Strafvollzugs.

   
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IDW: Wirtschaftsprüfer können alles!

 

Ende Dezember 2020 veröffentlichte die Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (ENISA) die Entwurfsfassung des "EUCS - Cloud Services Scheme", welches auf der Verordnung (EU) 2019/881 (Cyber Security Act) basiert. Darin werden die Grundlagen für die Zertifizierung von cloudbasierten Produkten und Dienstleistungen beschrieben, die u.a. auf Basis von ISAE 3000 bzw. ISAE 3402 erfolgen kann.

Alles klar? Sie sind doch "auf der Höhe" bei den täglichen IDW Aktuell Meldungen. Ich bin dann oft so verwirrt, dass ich die kommende Nacht kaum Schlaf finde.

In seiner Stellungnahme weist das IDW am 05.02.2021 darauf hin, dass der europäische und damit insbesondere der deutsche Berufsstand der Wirtschaftsprüfer geeignete Prüfer für die Beurteilung von Cloud Dienstleistern auf Basis von ISAE 3000 bzw. ISAE 3402 bereithält, die keiner zusätzlichen Akkreditierung durch nationale oder internationale Institutionen bedürfen. Hierzu hat IDW-Vorstandsmitglied Melanie Sack (Chief Operating Officer) dem Eric von der ENISA einen 4-seitigen Brief geschrieben ("submitted electronically via E-Mail"). Leider ist die E-Mail-Adresse nicht  erkennbar, sonst hätte ich dem Eric auch noch meine "regards" hinterhergeschickt und mitgeteilt, dass durch diesen dämlichen Fall WIRECARD ein völlig falsches Bild vom Deutschen Berufsstand in der internationalen Öffentlichkeit entstanden ist.

Ich finde das schon toll, dass sich der Lobbyverein IDW äußert und internationalen Gremien mal gleich mitteilt, dass deutsche Wirtschaftsprüfer geeignet sind und keinerlei weitere Akkreditierung bedürfen. - Dass das mal klar ist!!! - Ansonsten wird das IDW einen "Quicky Cyber Course" anbieten und eine weltweit anerkannte Zusatzqualifikation ("Cybercrime-Auditor IDW") nach einem zweitägigen Sitzseminar in Düsseldorf anbieten. Den Rödl-WPs würde man die Zusatz-Qualifikation auch nach einer Inhouse-Veranstaltung verleihen (so wie bei IT-Auditor IDW).

Die Welt soll schließlich wissen, dass deutsche WPs alles können und auch hier "die Latte legen"!

   
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KPMG auf philosophischen Abwegen

 

Eine meiner Lieblings(fach)zeitschriften, gerade an langen dunklen Winterabenden, ist die Monatszeitschrift "Hohe Luft - Für alle, die Lust am Denken haben", eine Philosophie-Zeitschrift - in schöner Erinnerung an meine früheren Studien an der Uni Köln. Anfang 2021 brachte der Verlag eine "Kompakt-Ausgabe in Kooperation mit dem AUDIT COMMITTEE INSTITUTE E.V." heraus, die sich ausschließlich mit "Ideen für eine neue Normalität" beschäftigt. In Zeiten von Corona sicherlich eine interessante Fragestellung.

Auffällig war für mich zunächst, dass auf den Innendeckeln und der Rückseite des Heftes ausschließlich Werbung des "Instituts" -  gefördert von KPMG - prangte. Das Institut, so erfährt man, erklärt es zu seiner Aufgabe, "First Hand Information für Aufsichtsräte und Führungskräfte" zu aufsichtsratsrelevanten Themen anzubieten (www.audit-committee-institute.com). 

Beim Durchblättern stellt man schnell fest, dass der Institutsleiter Kai C. Andrejewski (Ex-KPMG) mit Vorstandsmitgliedern und Partnern von KPMG den Aufsichtsräten/innen und Führungsmitgliedern börsennotierter Gesellschaften durchaus schöngeistige und aktuelle Themen antragen:

  • Warum Buchhalter die Welt retten können (S. 20 ff.) oder
  • GET IT! Vernetztes Denken im strategischen Management (S. 75 ff.).

Im ersten Thema geht es genauer um die verschiedenen Begriffe von "Wahrheiten" und warum auch Wirtschaftsprüfer die Welt ein wenig retten, "indem sie der Wahrheit zum Erfolg verhelfen und die großen und kleinen Ungenauigkeiten identifizieren." - Man läßt uns wissen, dass Wirtschaftsprüfer/in lernen müssen, von der quantitativen Wahrheit der Finanzmarktzahlen künftig eher auf die qualitative Wahrheit der Information zu schauen.

Also versuchen es die Big4 mittlerweile auch über eine philosophische Fachzeitschrift, Aufsichtsräten/innen und Entscheidungsträgern/innen die verschiedenen Wahrheiten von Finanzinformationen zu vermitteln. - Sicherlich ein geeignetes Thema für einen langen Kaminabend (und die Akquisition lukrativer Aufträge).

Mein Vorschlag: Vielleicht sollte das Institut mal einen Kaminabend mit EY veranstalten und diese Thematik mit der Wahrheit am Beispiel WIRECARD abarbeiten!?

   
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Rödl vernascht die WPK

 

Im Newsletter Nr. 82 hatte ich die Frage gestellt, wie lange man sich bei der Berufsaufsicht (WPK) von Prof. Christian Rödl noch am Nasenring durch die Arena führen lässt und wann man endlich die Reißleine zieht.

Wie kann es sein, dass Rödl jahrelang ein Katz-und-Maus-Spiel veranstaltet und sich mit fragwürdigen Zahlen selbst zur Nr. 5 der Branche kürt, während der Mehrheitsgesellschafter RA StB Prof. Christian Rödl zwar kein WP ist, dafür aber in Interviews die Juristerei als die höchste Beratungsdisziplin auslobt. Mit lächerlichen Promotionen aus Osteuropa, massenhaft verliehenen IT-Auditor-IDW-Titeln und Missachtung von Ausschließungsgründen bei Abschlussprüfungen hat man es bei den Franken in den letzten 10 Jahren auf Dutzende von wpwatch-Einträgen gebracht.

Jetzt hat die WPK, offensichtlich auch vor dem Hintergrund der wpwatch-Berichterstattung, die Nase voll von der jahrelangen Verzögerungs- und Vernebelungstaktik der Franken und stellt ein Ultimatum: Helm ab zum Gebet! Es steht für Rödl vieles auf dem Spiel - bis hin zur Aberkennung der Titelführungserlaubnis als WPG (§§ 28 ff. WPO). Das Familien-Versorgungswerk Rödl muss aufgelöst werden und Rödl darf künftig nur noch auf der Grundlage der WPO arbeiten.

Die lieben WP-Kollegen im Haus Rödl - allen voran Kollege Wambach (Mitglied des Vorstandes des IDW e.V.) - sollten sich die Frage stellen, warum sie dieses Theater jahrelang als Claqueure des Rödl-Clans befördert haben. "Berufsethik" scheint kein Kriterium des Rödl-Geschäftsmodells zu sein.

Dann warten wir doch mal ab, wie das Katz und Maus Spiel mit der WPK ausgeht. Rödl hat in der WPK offensichtlich noch einige wenige (Ex)Big4-Fürsprecher. Dass wir im Zeitalter der Transparenz leben und es - mehr denn je - heute um die Glaubwürdigkeit des gesamten Berufsstands geht, scheinen diese Repräsentanten des Berufsstands vergessen zu haben.

   
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"Skandalprüfer" Bose's Abschied

 

"Skandalprüfer" Ralf Bose brachte es bei wpwatch in den letzten Jahren immerhin auf mehr als 70 Meldungen. Verantwortlich für die KPMG-Falschtestate bei der Deutschen Bank in Zeiten der Finanzmarktkrise, hatten die Big4 ab 2010 für ihn im Bankensektor als verantwortlichen Wirtschaftsprüfer keine Verwendung mehr. Also ersann man bei den Big4, dass man ihn doch zum höchsten Aufseher für PIE-Prüfer machen könne und inthronisierte ihn als obersten Prüfer der APAK und späteren APAS. Entsprechendes Big4-Personal wurde gleichzeitig mitgeliefert, so dass sichergestellt war, dass sich seit dieser Zeit in Umsetzung der EU-Richtlinien die Big4 selbst beaufsichtigen. Flankiert wurde dieses Vorhaben von den ehrenamtlich tätigen Kommissionsmitgliedern Dr. h.c. Spindler (Ex-BFH-Präsident) und Prof. Kai-Uwe Marten, die sich bei dieser Gelegenheit auch gleich die "Taschen vollmachten", obwohl nach WPO-Kommentar eine unentgeltliche Tätigkeit vorgeschrieben war.

Um Ralf Bose und weiteren Mitstreitern den Übergang von der APAK auf die APAS zu versüßen, stellte die WPK dann in 2016 nochmals 1,9 Mio.€ Übergangsgeld zur Verfügung, da die führenden Köpfe der Berufsaufsicht in der APAS verbeamtet wurden. Wieviel von diesem Geld - eingezahlte Mitgliedsbeiträge von Kollege/innen! - sich Kollege Bose hierbei vereinnahmte, bleibt bis heute eines der am besten gehüteten Geheimnisse der WPK.

Der systemische Mangel, dass die APAS keinerlei Fachaufsicht unterliegt (!), zeigt sich nach dem desaströsen Ergebnis der Befragung des obersten deutschen und europäischen Berufsaufsehers, der übrigens auch die WPK fachlich beaufsichtigt, ganz deutlich. Die APAS beaufsichtigt und kontrolliert sich selber und erlaubt Zockergeschäfte ihrer Führungsriege bei zeitlich gleichlaufenden Ermittlungsverfahren. Anstatt knallharter Compliance und Verboten gibt es nur windelweiche Absichtserklärungen aller APAS-Mitarbeiter.

Der APAS - und insbesondere dessen Ex-Chef Ralf Bose - sowie dem Ex-APAK-BFH-Präsidenten ist es zu verdanken, dass im Segment der PIE-Mandate in den letzten Jahren in Deutschland eine brutale Marktbereinigung stattgefunden hat, mit dem Ergebnis, dass nur noch 74 Kanzleien und WPGs in Deutschland die kapitalmarktorientierten Gesellschaften (§ 319a HGB) prüfen. Es waren vor fünf Jahren noch rd. 300 Kanzleien. Die APAS-Oberen hatten keine Hemmungen, in der Schlussbesprechung einer "Inspection" den Kollegen/innen mitzuteilen, "dass sie es nicht könnten" und "diesen Markt doch bitte den Big4 überlassen sollten". Unverhohlen kam dann noch die Drohung, dass man ansonsten "öfters mit einer Inspection vorstellig würde"!?

Wie gut die Big4 im PIE-Segment prüfen, hat der Fall WIRECARD deutlich gezeigt! Und was dabei herauskommt, wenn sich die APAS selber beaufsichtigt, zeigt Skandalprüfer und sein Compliance-Verständnis in aller Deutlichkeit.

Die allmächtige APAS war von Anfang an nur dazu da, das Geschäftsmodell der Big4 mit aller Brutalität durchzusetzen. Über den Rausschmiss des "Skandalprüfers" Ralf Bose kann ich mich nicht mehr freuen. Ich finde vielmehr die Wegbereitung dieser Institution, das mafiöse Gehabe aller Beteiligten (IDW, WPK, BMWi) skandalös und beschämend für den gesamten Berufsstand.

Dann ist es im Ergebnis doch förderlich, dass man den Mitgliedern des PUA ein wenig Hilfestellung an die Hand gibt, welche Fragen man den Repräsentanten unseres Berufsstandes einmal stellen sollte. Auf Dr. Orth und andere Kollegen von EY warten sicherlich auch noch interessante Fragen.

   
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Eine gute Zeit für Sie!!

 

Wir erleben zur Zeit eine ritualisierte Form der Aufarbeitung von (berufsinternen) Skandalen, die bei genauerer Betrachtung immer wieder nach dem gleichen Muster ablaufen:

  • Personalisierung (Schurken wie Jan Marsalek vorführen),
  • Skandalisierung (Überbietungsberichterstattung über Wirecard),
  • Moralisierung (Wie betrügerisch kann man eigentlich sein) und
  • Inszenierung (Die Lobbyisten verkaufen der Politik gleich das passende Reformpaket).

Hierbei stimmt mich eine Sache nachdenklich: Organisationssoziologen lehren uns nämlich, dass nichts schneller verpufft als die öffentliche Empörung!

Das war's mal wieder für heute.

Ihnen und Ihren Lieben alles Gute. Bleiben Sie gesund!

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
Hohe Str. 9   51149 Köln
Tel. 02203 / 98 00 20
E-Mail: hildebrandt@wpwatch.de

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