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WP Watch

NR. 82 - JULI 2020

 
1. Die Zeit! - Welche Zeit und wann?
2. WIRECARD und das heuchlerische Entsetzen
3. EY und das (vorläufige) Ende einer Erfolgsstory?
4. Der Fall Rödl: Jetzt ist die Berufsaufsicht am Zuge
5. "Unglaubliche Rankings" - ein Erfahrungsbericht
6. Rödl - der Größenwahn hält an!
7. Kleeberg und der VW-Sonderprüfungsauftrag
8. Der Berufsstand und der Geldwäsche-Bluff
9. PwC und der Fussball
10. Eine gute Zeit für Sie!!

Die Zeit! - Welche Zeit und wann?

 

Es gibt nur eine Zeit - und die Zeit läuft (ab).

In Corona-Zeiten glaubt man hingegen, dass es verschiedene Zeiten gibt. Wichtig ist hierbei nur die "reguläre Zeit", d.h. wo alles wieder normal laufen sollte.

Also warten wir auf die Zeit, dass alles wieder "normal" sein wird.

Aber auch während des Wartens läuft die Zeit.

Besser ist es also, sich auf Corona einzulassen und dadurch zu lernen.

Und nicht zu flüchten. Weder in den Urlaub, noch in die Verleugnung. Die Zeit holt uns ein.

   
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WIRECARD und das heuchlerische Entsetzen

 

Er kam daher wie Steve Jobs, der legendäre Gründer des allmächtigen Apple-Konzerns, meist im schwarzen Rollkragenpulli: CEO, Gründer und Möchtegern-Milliardär Markus Braun. 

Es sollte nach SAP der zweite zukunftsweisende und weltumspannende Technologie-Konzern werden - Deutschlands Lieblingswert im DAX. Wirecard, der weltweit führende Zahlungsabwickler im Internet. Zweifel am Geschäftskonzept und an der Integrität wurden umgehend mit juristischen Mitteln bekämpft und vom Tisch gefegt. - Man glaubte nur das, was man hören wollte! Und nur das hörte man!

Und dann kam alles anders: Der Schock sitzt tief, die Nachrichten und Gerüchte überschlagen sich stündlich, allenthalben wird nach Reformen gerufen und Schuldige werden medial durch die Arena geführt.

Alle haben versagt: Bafin, DPR, Aufsichtsräte, Wirtschaftsprüfer (EY) und die APAS.

Verloren hat: der Wirtschaftsstandort Deutschland und die Reputation des gesamten Berufsstands.

Dabei waren: gläubige Kapitalanleger, Zocker, Hasardeure, Leerverkäufer, Banken, Aufsichtsbehörden und Kontrollorgane.

Nachdem jetzt im Sommerloch durch den vorläufigen Insolvenzverwalter und die Staatsanwaltschaften alle Details aufgearbeitet werden, sind  Fragen zu stellen wie:

  • Was kann verbessert werden, damit sich solche Erdbeben nicht wiederholen?
  • Was ist grundlegend am Berufsstand und an dessen Selbstverwaltung zu reformieren?

Big4-Lobbyisten und Abnick-Politiker sollten hier nicht das Wort führen dürfen. Diese haben nämlich heute das jetzige System von Pseudo-Kontroll-Wahnsinn über einen ganzen Berufsstand, Selbstbeschäftigung und Selbstbeweihräucherung zu verantworten.

   
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EY und das (vorläufige) Ende einer Erfolgsstory?

 

Irgendwie standen in den letzten beiden Jahren für EY alle Zeichen auf Erfolg! - Eine günstige Konstellation.

Die ersten Mandatsverschiebungen im DAX aufgrund der gesetzlich eingeführten externen Rotation, neue Führungskultur durch den Deutschland-CEO Hubert Barth und die im Berufsstand und in der Wirtschaft empfundene überdrüssige Großmannssucht von PwC und KPMG, begleitet von diversen Skandalen im In- und Ausland. - Und: Der Weg war frei -  für EY!

Deutsche Bank, Commerzbank, Beiersdorf, Münchener Rück, Volkswagen sowie MTU Aero Engines und sicherlich auch ab 2021 die Deutsche Telekom u.a. - das sind ja wohl "Knaller" - und man plaziert sich unter den Big4 überzeugend! Man ist auf der Erfolgsschiene gen Himmel!

Kritische Fragen nach den erhöhten Anforderungen künftiger Personalausstattung und dem Profil des vorhandenen Internen Qualitätssicherungssystems sind in dieser Gefühlslage zunächst einmal nicht angebracht!

Diese Änderungen bedeuten natürlich auch eine selbstbewußtere Positionierung von EY im IDW und in der WPK.

Und dann kam der Fall Wirecard! - Eine zukunfstweisende Ikone des deutschen Finanzmarkts mit den Ambitionen, den Mars zu erobern, verglüht binnen weniger Wochen in Schutt und Asche!

Stündlich werden die Gazetten mit neuen Nachrichten gefüllt:

  • die Finanzaufsicht Bafin und DPR haben versagt,
  • kriminelles Handeln von Vorständen und Treuhändern,
  • dilettantisches Versagen der Wirtschaftsprüfer,
  • Schadensersatzklagen schlauer Besserwisser-Anwälte,
  • das Vertrauen ist dahin u.ä..

Vorschnell werden Konsequenzen gefordert, unverzügliche Reformen durch die Politik angekündigt und "Schuldige" beim Namen genannt.

Und all das passiert auch noch zur Unzeit: Unser monatelanger Weg aus der Corona-Pandemie in die Wohlfül-Normalität und Urlaubssehnsucht. EY sitzt derweil betroffen und hypnotisiert auf der Anklagebank. Die Erfolgsstory zerfließt zwischen kritischen Kommentaren und berechtigten Zweifeln. 

Gefordert ist jetzt eine ehrliche und selbstkritische Bestandsaufnahme des gesamten Berufsstands. Die Vertreter aus WPK, IDW und insbesondere der Politik (BMWi) sollten zuhören und drängende Fragen des Berufs nun endlich konstruktiv angehen. Am wenigsten gebraucht werden jetzt diejenigen aus Berufsstand und Politik, die diese bisherige Konstellation zu verantworten haben - die Lobbyisten der Big4 und die Doppel-Funktionäre in WPK und IDW.

   
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Der Fall Rödl: Jetzt ist die Berufsaufsicht am Zuge

 

Nach der umfassenden Berichterstattung von wpwatch in den vergangenen Wochen liegt jetzt der Ball in der Spielhälfte der WP-Berufsaufsicht!

Dort wird man erst einmal die Karten mischen und Bestandsaufnahme unbearbeiteter Post machen müssen. Der Aufschlag dieses Schmierentheaters war bundesweit zu hören und die Nervosität der Super-Strategen in Nürnberg zu spüren.

Jetzt werden interessante Einzelfragen zu beantworten sein:

  • Da Prof. h.c. Christian Rödl noch nicht mal eine Registrierungsnummer im WP-Register besitzt, stellt sich die Frage der Kammer-Zuständigkeit für das Täuschungsverhalten. Wäre nicht eher die Berufsaufsicht der Rechtsanwalts- oder Steuerberaterkammer für diesen "Kollegen" zuständig ?
  • Die Zuständigkeiten der WPK / APAS für die netten Kollegen Kraus, Wambach und Bömelburg dürften klar sein.
  • In Bezug auf den WPK Vorstand bleibt die Frage, wie sich die Mitglieder, insbesondere die beiden bayerischen Kollegen, zu dem skandalösen Vorgang positionieren.
  • Es ist zu vermuten, dass die Big4-Vertreter das Zünglein an der Waage bilden, ob bei diesem Vorgang ein Exempel statuiert werden soll. Dies ist sicherlich auch eine Frage, um die Glaubwürdigkeit der Berufsaufsicht wieder herzustellen.
  • Rödl könnte im Extremfall damit aus dem Markt gedrängt werden. Kein Big4-Büro hat in der Metropolregion Nürnberg die Größe von Rödl erreicht. Da ergeben sich beim in Aussicht stehenden "Mandanten fischen" per se Filetstücke und damit Begehrlichkeiten. 

Oder ist meine Vorhersage mit der "Geheimjustiz" realistischer? - Verschwiegenheit, Verschlussache, Basta!

Es wird in nächster Zeit spannend bleiben!

Eine Frage hab ich noch:

Hat man Prof. h.c. Rödl seitens der WPK eigentlich konkret mal gefragt, was er als Mehrheitsgesellschafter in den letzten viereinhalb Jahren unternommen hat, um die WP-Qualifikation zu erlangen? - Oder ist dies alles nur ein Fake?

   
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"Unglaubliche Rankings" - ein Erfahrungsbericht

 

Meine Berichterstattung über "wissenschaftliche Studien" und Rankings im Berufsstand (Newsletter Nr. 80 und 81) hatte eine erhebliche Resonanz ausgelöst. Mehere Kollegen/innen nahmen unsere Berichterstattung zum Anlass und "outeten" sich, dass sie in Vorjahren an solch teuren Theaterveranstaltungen teilgenommen hatten.

Hinsichtlich der von den Medien angewandten Methode unterscheiden sich die diversen Rankings bei manager magazin, FOKUS, WiWo, brandeins kaum. Die Vorgehensweise der Verlage und somit auch die Motive der "Studienteilnehmer" sind offensichtlich die gleichen.

Lesen Sie doch einmal den "Erfahrungsbericht" eines Kollegen, der bereits in Vorjahren beim Ranking "Die besten Wirtschaftsprüfer" (manager magazin) teilgenommen hat. Nach Aufdeckung dieser "wissenschaftlichen Methoden" und dem aktiven Mitwirken der Studienteilnehmer bei dieser Täuschung der Öffentlichkeit stellen sich für mich folgende berufsrechtliche Fragen:

  • Ist die aktive Mitwirkung der Kollegen/innen an den verfälschten und irreführenden Rankings berufsrechtlich relevant?
  • Sollte die "vergleichende Werbung" von Berufsträgern/innen (mit gezielter Täuschung der Öffentlichkeit) verboten werden?
  • Ist die Teilnahme an solchen "Rankings" berufsethisch verwerflich?

Fazit:

Glänzen Sie nicht durch unglaubwürdige Rankings, sondern lieber durch qualifizierte fachliche Expertise! Profitieren Sie von der kostenlosen Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Mandanten!

   
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Rödl - der Größenwahn hält an!

 

Glaubte man, dass Rödl & Partner durch die Recherchen von wpwatch bezüglich der fragwürdigen Umsatzangaben beim nationalen Ranking geläutert sei, so hat man sich doch getäuscht.

Prof. h.c. Rödl führt neuerlich keine telefonischen Bilanzgespräche mit Journalisten mehr durch, da er zunehmend kritische Rückfragen wegen der wpwatch-Veröffentlichungen befürchten muss. Also prescht man lieber Mitte Juni 2020 bei der zuständigen Redakteurin Julia Schmitt vom renommierten Finance-Magazin vor und teilt im Interview vollmundig mit, dass man BDO in 2019 überholt habe und nun die unangefochtene Nr. 5 in Deutschland ist! Mit 264 Mio. € Inlands-Umsatz in 2019 habe man BDO um sagenhafte 2 Mio. € überboten.

Das Finance-Magazin scheint den Umsatzangaben von Rödl uneingeschränkt Glauben zu schenken.

Damit hat man zu Beginn der LÜNENDONK-Ranking-Saison 2019 gleich einmal die Latte gelegt! Also warten wir mal ab, wieviel Glauben LÜNENDONK den Rödl-Zahlen letztlich beimisst.

Rödl & Partner hat offensichtlich nichts dazugelernt! Hinsichtlich seiner strategischen Vorgehensweise und seiner Wertschätzung für die Wirtschaftsprüfung hatte Prof. h.c. Rödl bereits vor Jahren in einem Interview folgende Worte gefunden:

“Mich hat Rechtswissenschaft von Anfang an fasziniert. Es ist eine sehr lebendige Materie, die sich mit dem Leben in all seinen Facetten beschäftigt. Ein guter Jurist denkt immer systematisch, klar, pragmatisch, lebensnah und vor allem lösungsorientiert.”

Deutlicher kann man die "Wertschätzung" des Juristen Prof. h.c. gegenüber der Wirtschaftsprüfung wohl kaum zum Ausdruck bringen.

Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der (konsolidierten) Zahlen aus dem Rödl-Reich sei an dieser Stelle auch angemerkt, dass Rödl & Partner seinen Abschlussprüfer gewechselt hat. Kollegin Ingeborg Balogh hat den Stab als Abschlussprüferin im Februar 2020 weitergereicht an den in 2016 bestellten Kollegen Stefan Warnick. Vielleicht klappt es jetzt besser mit einer ordnungsgemäßen Konsolidierung der Umsätze.

   
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Kleeberg und der VW-Sonderprüfungsauftrag

 

Wie bereits bei wpwatch berichtet, wurde Prof. h.c. Dr. Christian Zwirner von Crowe Kleeberg WPG, München, durch Beschluss des OLG Celle zum Sonderprüfer im VW-Dieselskandal bestellt. Als Ersatzprüfer wurde vorsorglich Kollege Karl Petersen bestellt.

Hiermit hatten Juristen und Kollegen/innen nicht gerechnet, sind beide Kollegen doch weder ausgewiesene Sonderprüfer oder gar Forensiker, noch bisher namentlich bei komplexen Fragen des Aktien-, Anlegerschutz- und Wertpapierrechts in Erscheinung getreten.

Um hier den Überblick zu behalten und den Beschluss des OLG Celle nachvollziehen zu können, muss man sich zunächst mit fünf Puzzleteilen beschäftigen, deren Zusammenfügung dann eine mögliche Erklärung für die unerwartete Bestellung der Kleeberg-Sonderprüfer gibt:

  1. Crowe Kleeberg WPG, München,
  2. WP/StB Prof. h.c. Dr. Christian Zwirner,
  3. WP/StB Karl Petersen,
  4. RA Klaus Nieding, Rechtsanwälte Nieding + Barth, Frankfurt, und
  5. RA Marc Tüngler, DWS, Düsseldorf.

Fangen wir an:

zu 1. Crowe Kleeberg WPG, München

In der Lünendonk-Liste 2019 rangiert "Dr. Kleeberg & Partner GmbH, München" erstmals als Nr. 24 unter den TOP 25 "führenden WPG und StBG" in Deutschland. Dies jedoch auf der Grundlage teilweise geschätzter Zahlen. Das Umsatzwachstum gegenüber 2018 wird mit +22,5% (!) angegeben. Näheren (und aktuelleren) Aufschluss liefert hier wohl der bei der WPK hinterlegte Transparenzbericht der Crowe Kleeberg GmbH zum 30.04.2020. Hinsichtlich der Rechts- und Eigentümerstruktur der "Kleeberg-Gruppe" bzw. des "Kleeberg-Netzwerks" ist der Transparenzbericht wohl eher ein Intransparenzbericht.

Der Transparenzbericht läßt erkennen, dass Kleeberg über zwei (überschaubare) § 319a-Mandate und offensichtlich keine besondere Expertise bzgl. Sonderprüfungen verfügt. In die Liga der "§ 319a-HGB-Prüfer" stieg Kleeberg erst 2017 auf. Kleebergs Gesamtumsatz im Prüfungsgeschäft 2019 betrug TEUR 5.637 und damit nur rd. 19,2% ihrer bei Lünendonk gelisteten Gesamtumsätze. Ein millionenschwerer Sonderprüfungsauftrag zum VW-Dieselskandal könnte vielleicht auch die Frage nach der Umsatz-Abhängigkeit (§ 319 III Nr. 5 HGB) aufwerfen.

zu 2. WP/StB Prof.h.c. Dr. Christian Zwirner (* 1975)

Prof. h.c. Zwirner ist vielen im Berufsstand bekannt aus seiner Referenten- und Dozententätigkeit ("Mr. BilRUG"). Er veröffentlicht jährlich mehr als ein Dutzend Fachaufsätze, nimmt Lehraufträge wahr, ist Schriftleiter der Fachzeitschrift "BC" und darüber hinaus Herausgeber der Zeischrift BOARD. Nach seinem Studium war er dort von 1999 bis 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei "Bilanzpapst Küting". Anschließend promovierte er über die "Anwendung der IFRS in Deutschland", wechselte zu Kleeberg & Partner, München, und wurde Ende 2010 zum Wirtschaftsprüfer bestellt. Bei seinem geistigen Ziehvater Kütung wirkte er - nach eigenen Angaben - an "mehr als 70 Gutachten" zu bilanziellen Fragestellungen mit.

Hervorgetreten ist Zwirner bisher nicht als Experte kapitalmarktorientierter DAX-Unternehmen oder forensischer Sonderprüfer. Seine Mandate bewegen sich eher im mittelständischen Bereich mit Schwerpunkt Brauereien.

zu 3. WP/StB Karl Petersen (*1962)

Kollege Karl Petersen studierte in München BWL, war dann zunächst als Banker unterwegs, wechselte 1989 zu Arthur Andersen und wurde - nach der Auflösung von Arthur Andersen - in 1995, nach Ablegen des WP-Examens Geschäftsführer bei Kleeberg & Partner. Auch er tritt als Fachautor und Lehrbeauftragter in Erscheinung. Der als "Ersatzmann" durch den OLG-Beschluss berufene Kollege trat bisher ebenfalls nicht als Gutachter oder Sonderprüfer in Erscheinung. Im § 319a HGB-Segment ist er nicht unterwegs.

zu 4. RA Klaus Nieding, Rechtsanwälte Nieding + Barth (*1965)

RA Klaus Nieding ist Vorstand der Nieding + Barth Rechtsanwalts-AG und seit 2011 zugleich Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er ist der bekannteste Anlegeranwalt der Republik und eine "Institution" für Aktionäre und Kapitalanleger. Er liebt die Rolle des Anwalts der Betrogenen und hat Lust auf Disput. Seine Saison ist insbesondere im Mai eines jeden Jahres, wo er ständiger Vertreter der DSW auf den Hauptversammlungen der DAX-Konzerne ist.

Bereits 1994 wurde er Geschäftsführer des hessischen Landesverbandes der DSW und schöpft seine Kraft auf dem Hochsitz seines 1.500 Hektar-Jagdreviers im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim, wo er seit 2012 mit seiner Frau ein Feinkostgeschäft betreibt (Tipp: Dort gibt es die leckere Wildwurst!).

Nieding hatte bereits Ende 2017 als Vertreter der DSW erstritten, dass ein externer Sonderprüfer bei VW bestellt wurde. Zu dieser Sonderprüfung kam es jedoch nicht, da sich VW über Jahre hinweg wehrte und der seinerzeit bestellte Sonderprüfer WP/StB Rüdiger Reinke (Baker Tilly) zwischenzeitlich die Altersgrenze erreicht hatte. 

zu 5. RA Marc Tüngler, DSW (*1968)

RA Marc Tüngler ist seit 2011 Hauptgeschäftsführer der DSW und Mitglied diverser Aufsichtsgremien. Seit 2015 ist er Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex (wie auch der CEO des IDW e.V., Prof. h.c. Naumann). Außerdem ist er Herausgeber der im Bundesanzeigerverlag Köln erscheinenden Zeitschrift BOARD "Zeitschrift für Aufsichtsräre in Deutschland" und Vorstandsmitglied im Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat (AdAR).

Fassen wir bis hierher zusammen:

Prof. h.c. Zwirner und RA Tüngler kennen sich als gemeinsame Herausgeber der Zeitschrift BOARD und aus vielen Veranstaltungen des AdAR. Als Hauptgeschäftsführer des DSW mandatiert Tüngler immer wieder RA Nieding, der durch Beschluss des OLG Celle (9W69/19) nun Zwirner (und Petersen) - beide Kleeberg & Partner WPG - als Sonderprüfer im VW-Dieselskandal durchsetzte.

Jetzt liegt es an Prof. h.c. Zwirner, sich ein excellentes erfahrenes Team zu suchen, um diesen hohen Erwartungen gerecht zu werden.

Um die Dimension und Brisanz dieses Auftrags zu verdeutlichen muss man wissen, dass bereits für VW amerikanische Star-Forensiker (Kanzlei Johns Day) am Werk waren, die ihres Zeichens nicht Dienst-Wagen fahren, sondern Dienst-Lear-Jets fliegen. Diese hatten bereits seinerzeit den Siemens-Skandal (gemeinsam mit Deloitte) für schlanke 147 Mio. € Honorar aufgeklärt. Ein von dieser Kanzlei im Auftrag von VW erstellter interner Bericht über den Diesel-Skandal hatte jedoch nie das Licht der Öffentlichkeit gesehen und wird von VW bis heute unter Verschluss gehalten.

Anlegeranwälte wie RA Nieding warten jetzt sehnsüchtig auf die Ergebisse der Sonderprüfung, da sie nach Anhaltspunkten suchen, um VW mit milliardenschweren Klagen zu überziehen. Insoweit ist für Kleeberg hier die Latte maximal hoch gelegt. Man sollte wissen: Machmal erweist sich auch im Nachhinein eine beabsichtigte Wohltat unter Freunden als "Bärendienst".

Es gibt auch eine andere Theorie:

Keine Big4-WPG wollte den Auftrag haben, da man hier nur verlieren kann! Egal was und wieviel der Sonderprüfer tatsächlich aufdeckt, er wird danach niemals mehr einen Prüfungsauftrag aus der Automobilindustrie bekommen.

Weil, so funktioniert Lobbyismus! Der VDA läßt grüßen!

   
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Der Berufsstand und der Geldwäsche-Bluff

 

Das Thema Geldwäsche hat uns bei PR1MUS in den letzten Jahren immer wieder beschäftigt. Zu dieser Thematik haben wir eine umfassende "Geldwäscheverdachts-Checkliste" vorgestellt, geht es doch schließlich auch um den Nachweis der Einhaltung von Sorgfaltspflichten im Rahmen der Abschlussprüfung oder Mandatsbetreuung.

Es gibt wohl kaum ein präsenteres Thema auf der Webside der WPK mit

  • Jahresberichten der Financial Intelligence Unit (FIU),
  • Erfahrungsberichten diverser LKA's,
  • ausführlicher Merkblätter zu den Umsetzungen der Geldwäscherichtlinien der EU und
  • Kommentierungen des Geldwäschegesetzes (GwG).

Es wird geradezu der Eindruck erweckt, dass dieses Thema für den Berufsstand von übergeordneter Bedeutung ist und der Berufsstand bei der Geldwäschebekämpfung erfolgreich sei.

Weit gefehlt! Die Realität sieht völlig anders aus:

  • Nur 2 (!) von mehr als 78.000 Verdachtsanzeigen an die FIU stammten im Jahr 2018 von WPs.
  • Weiterhin gilt: Verschwiegenheit geht vor Meldepflicht! Das heißt, dass Sachverhalte, die man während einer Abschlussprüfung oder steuerlichen Mandatsausübung erfährt, wegen der gesetzlichen Verschwiegenheit nicht gemeldet werden dürfen.
  • Geldwäsche in Deutschland ist hochprofitabel, umfasst mittlerweile rd. 5% des BIP.
  • Jeder weiß es und keiner tut etwas dagegen. Deutschland ist ein Eldorado für Geldwäscher.

Auch ich kenne

  • die "Investoren", die für Schrottimmobilien völlig überzogene Preise zahlen, diese mit Schwarzgeld sanieren und wo Makler und Notare gezielt wegschauen.
  • Kollegen/innen, die weitgehend leere Firmen mit "Schattenbuchführung" betreuen und Verkäufe leerer Unternehmen alle 3-5 Jahre zu zweistelligen Millionenbeträgen begleiten.
  • Hinweise an den Fiskus und an Behörden werden regelmäig ad acta gelegt, da ja alles ordnungsgemäß versteuert wurde!

Die Lösung sollte seit Herbst 2017 das sogenannte Transparenzregister sein, dass seit Anfang 2020 auch öffentlich zugänglich sein soll. Neuere Studien zeigen jedoch, dass z.B. in Berlin rd. ein Viertel der Immobilien anonymen Besitzgesellschaften gehören, deren Eigentümer nicht zu ermitteln sind. Die Geldwäsche mit Immobilien in Deutschland beträgt rd. 30 Mrd. € jährlich! 

Eine Frage hab ich noch: Wieso gibt es in Deutschland kein lückenloses Transparenzregister für Immobilien? In Dänemerk und Malta gibt es das bereits seit Jahren.

Antwort: Weil es das nicht geben soll! Geldwäsche ist mit 5% vom BIP schließlich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die WPK sollte endlich damit aufhören, uns mit Pseudo-Themen wie Geldwäsche zu beschäftigen! Es ist barer Unsinn und sollte auch nicht nur deshalb präsentiert werden, um sich vor der letztinstanzlichen Fachaufsicht der APAS zu rechtfertigen. 

   
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PwC und der Fussball

 

Mitte Juni 2020 gab PwC über die Presse eine "Partnerschaft" mit dem Bundesligaverein Eintracht Frankfurt bekannt.

PwC wird dem Verein die selbst entwickelte Covid-19-Tracking-App, den sogenannten "CoronaManager", zur Verfügung stellen, mit dem die Rückkehr in die Normalität unterstützt werden soll.

«Der CoronaManager kann eine weitestgehend reibungslose Aufrechterhaltung der betrieblichen Abläufe und der Zusammenarbeit der Menschen in den Unternehmen sicherstellen. Die App identifiziert Infektionsketten, unterbricht diese und kann somit zeitweise Standortschließungen verhindern.»

Außerdem wird PwC die Digitalisierungsstrategie der Eintracht maßgeblich mitgestalten und dabei insbesondere Entwicklungen im Bereich Smart Mobility begleiten, teilte der Verein weiter mit.

Die Eintracht Frankfurt Fussball AG wird lt. eBanz von KPMG geprüft (Honorar 95 T€/p.a.)

PwC ist mit diesem Coup die Werbewirkung eines "Partners" sicher sowie der Einblick in die gesamte IT-Landschaft der Eintracht. Inwieweit diese Art der Partnerschaft berufsrechtlich zu beanstanden ist, bleibt der WPK überlassen.

Es ist davon auszugehen, dass KPMG diese "Partnerschaft" mit dem Big4-Konkurrenten nicht gefallen wird.

   
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Eine gute Zeit für Sie!!

 

Das war's mal wieder für heute.

Ihnen und Ihren Lieben alles Gute. Bleiben Sie gesund!

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
Hohe Str. 9   51149 Köln
Tel. 02203 / 98 00 20
E-Mail: hildebrandt@wpwatch.de

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