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WP Watch

NR. 72 - JUNI 2017 - SONDER-NEWSLETTER
STAATLICH ANERKANNTE/R PRÜFUNGSFACHWIRT/IN

 
1. Dieser Sonder-Newsletter muss jetzt sein!
2. Die Ausgangslage
3. Der Bedarf nach Prüfungsfachwirten/innen
4. Die PR1MUS-Initiative 2017
5. Der Berufsstand wird aufgefordert, sich zu äußern
6. Der Beirat soll beraten
7. Anforderungen der Berufspraxis versus Vorstellung der WPK
8. Zeitlicher Ablauf - Hürden und Hindernisse
9. Das Ü-WP-Examen sollte der WPK genug Warnung gewesen sein!
10. Die WPK ist völlig überfordert
11. Grüße aus Köln!
1.

DIESER SONDER-NEWSLETTER MUSS JETZT SEIN!

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

bereits seit über fünfzehn Jahren verlangt der Berufsstand die Einführung eines Fortbildungsberufes für qualifizierte Mitarbeiter.

Außer Lippenbekenntnissen der WPK, die alle drei bis vier Jahre wiederholt wurden, geschah NICHTS! Mitglieder des WPK-Vorstandes zogen es lieber vor, in der "IFAC Education Commission" kluge Vorschläge für weltweite Fortbildungskonzepte zu machen, als konkrete Lehrgangs- und Zertifizierungsvorschläge für den deutschen Berufsstand zu erarbeiten.

Die Big4 sind an beruflichen Qualifizierungen von Mitarbeitern im Bereich Wirtschaftliches Prüfungswesen nicht interessiert.

Nun tut sich aber was, das nicht unkommentiert bleiben kann.

   
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2.

DIE AUSGANGSLAGE

 

Bisher gibt es keine Qualifizierung für den Berufsnachwuchs nach dem Studium. Derzeit können nur Berufsexamina zum Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer abgelegt werden.

Dies ist insbesondere für jene Mitarbeiter/innen nicht motivierend, die die Voraussetzungen für die Berufsexamina nicht erfüllen bzw. die Examina nicht anstreben. Hochschulabsolventen aus den Bereichen Betriebswirtschaftslehre, Jura und Informatik haben damit keine ausreichende berufliche Perspektive.

   
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3.

DER BEDARF NACH PRÜFUNGSFACHWIRTEN/INNEN

 

Die Attraktivität für die wirtschaftsprüfenden Berufe hat in den letzten zwanzig Jahren deutlich nachgelassen.

Die Zahl der WP-Examenskandidaten hat sich halbiert und das Berufsbild des Wirtschaftsprüfers ist im Wandel. Der Wettbewerbsmarkt "Wirtschaftsprüfung" stagniert, während spezielle Beratungen an Bedeutung gewinnen.

46.000 Pflichtprüfungsmandate sowie eine Vielzahl freiwilliger Prüfungen erledigen sich jedoch nicht von alleine. Hier sind qualifizierte Mitarbeiter/innen gefragt, die fächerübergreifend über die notwendigen Kenntnisse verfügen und Berufsträger/innen effizient unterstützen können.

Insbesondere aus dem Bereich kleinerer und mittelgroßer Kanzleien werden Mitarbeiter/innen die Qualifizierung als Prüfungsfachwirt anstreben.

   
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4.

DIE PR1MUS-INITIATIVE 2017

 

Nach monatelanger Vorbereitung hat die PRIMUS AKADEMIE im Januar 2017 die Katze aus dem Sack gelassen (http://www.wpwatch.de/aktuelles/newsartikel/der-vorhang-ist-gelueftet.html).

PRIMUS wird ab September 2017 einen 11-monatigen Zertifizierungslehrgang zum "PR1MUS Prüfungsfachwirt"® anbieten.

Auch in der Fachpresse finden sich hierzu Informationen und Berichte.

Damit reagierte PRIMUS nicht nur auf die jahrelange Stillhaltetaktik der WPK im Hinblick auf die Installation einer Qualifizierungsstufe zwischen dem Berufseinstieg und dem WP-Examen, sondern vor allem auf die Bedürfnisse des Berufsstandes:

  • Beseitigung des systemischen Mangels einer fehlenden Qualifikationsstufe
  • Erhöhung der Attraktivität des Berufes für den Nachwuchs
  • nachweisliche Erhöhung der Qualifikation des „Mittelbaus“ in den Kanzleien mit einer Ausrichtung der Lehrinhalte auf die Anforderungen der Berufspraxis

Die WPK fühlte sich offensichtlich „überholt“. Jetzt will sie doch plötzlich einen neuen Fortbildungsberuf schaffen.

Dieses Vorhaben ist grundsätzlich zu begrüßen! Seit Jahren wartet der Berufsstand darauf.

Konkrete Aussagen über die allgemeine Ankündigung der WPK hinaus finden sich allerdings nicht.

   
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5.

DER BERUFSSTAND WIRD AUFGEFORDERT, SICH ZU ÄUßERN

 

Aufgrund der PR1MUS-Initiative ließ die WPK am 03. Mai 2017 auf ihrer Website vermelden,

  • dass "Vertreter aus dem Bereich kleiner und mittlerer Praxen einen Bedarf an fachlich ausgebildeten Mitarbeitern unterhalb der Qualifikation des Wirtschaftsprüfers (WP) sehen."

Der Vorstand fordert gleichzeitig den Berufsstand auf, "zu seinen Überlegungen Stellung zu nehmen". Hierfür wurde eine Frist bis zum 30. Juni 2017 gesetzt.

Die "Überlegungen des Vorstandes der WPK" wurden jedoch nicht bekanntgemacht, so dass der Berufstand zu etwas Stellung nehmen soll, was er nicht kennt!?! Dies zeigt offensichtlich, dass man an "Stellungnahmen" aus dem Berufsstand nicht interessiert ist!

Mit Datum vom 26. Juni 2017 habe ich meine persönliche Stellungnahme an die WPK verschickt.

   
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6.

DER BEIRAT SOLL BERATEN

 

Die Einführung eines Fortbildungsberufes zum "staatlich anerkannten Prüfungsfachwirt" ist auch Thema auf der nächsten Beiratssitzung am kommenden Freitag, dem 30. Juni 2017.

Zur Vorbereitung der Sitzung wurden den 24 Beiratsmitgliedern am 31. Mai 2017 bereits Unterlagen zugesandt. Hierbei befindet sich auch ein 9-seitiges Papier mit

Hierin finden sich nun die Überlegungen des Vorstandes der WPK zum neuen "Fortbildungsberuf", über die der Beirat beraten soll.

Mitglieder der WPK und die "interessierte Öffentlichkeit" sollten also zu Überlegungen Stellung nehmen, die ausschließlich den Beiräten vorab zugegangen sind. - Sonderbar!

   
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7.

ANFORDERUNGEN DER BERUFSPRAXIS VERSUS VORSTELLUNG DER WPK

 

Die Berufspraxis erwartet von zertifizierten "Prüfungsfachwirten", dass sie über die notwendigen fächerübergreifenden Kenntnisse verfügen, die man für die Jahresabschlussprüfung mittelgroßer Mandanten benötigt.

Hierbei geht es neben fundierten Kenntissen im Wirtschaftlichen Prüfungswesen insbesondere um Grundkenntnisse

  • im Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht,
  • der betrieblichen Steuerlehre und
  • Bilanzierung und Bilanzpolitik.

Der WPK schwebt jedoch ein "kleiner WP" vor, dem man gleichzeitig auch noch

  • Sozialversicherungsrecht,
  • Unternehmensbewertung etc.

angedeihen und vier Prüfungsklausuren (!) schreiben lässt!?

Offensichtlich ist den Mitgliedern des WPK-Vorstandes das Verständnis dafür abhanden gekommen, welche Grundkenntnisse erforderlich sind, um als Mitarbeiter effizient im Prüfungsteam zu arbeiten. Im WPK-Vorstand bevorzugt man offensichtlich das "berufspolitische Taktieren" an der Seite der Big4.

   
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8.

ZEITLICHER ABLAUF - HÜRDEN UND HINDERNISSE

 

Die Erfahrungen mit der WPK zeigen, dass die Einführung eines "staatlich anerkannten Prüfungsfachwirts" ein jahreslanges Vorhaben sein wird.

Mit einer Realisierung dieses Vorhabens kann wohl vor Ablauf von fünf Jahren nicht gerechnet werden!

Bereits in den Beiträgen auf der Website und im "Konzeptpapier des Vorstandes" lassen sich die nächsten Schritte ablesen:

  • Erlass einer Prüfungsordnung,
  • Errichtung von Prüfungsausschüssen,
  • Schaffung der Infrastruktur in den Geschäftsstellen,
  • Beratung des Beirates,
  • weitere Beratung mit außerberuflichen Institutionen,
  • Festlegung der Details der Lehrpläne ....

Bla, bla, bla ...

Dieses Verkomplizieren und Aufrüsten zeigt doch, dass sich bis heute kein Mitglied des WPK-Vorstandes ernsthaft mit diesem Vorhaben auseinandergesetzt hat.

Es geht offensichtlich vielmehr um Verhinderung und Verzögerung!

Wir benötigen den Prüfungsfachwirt aber jetzt!

   
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9.

DAS Ü-WP-EXAMEN SOLLTE DER WPK GENUG WARNUNG GEWESEN SEIN!

 

Wenn man sich nur kurz vor Augen hält, wie dilettantisch und verantwortungslos die WPK und das IDW die "erleichterte Übergangsprüfung" für vereidigte Buchprüfer (§ 13a WPO) organisiert und durchgeführt haben, so lässt auch das Vorhaben "Prüfungsfachwirt" nichts Gutes ahnen.

Mehr als 90% Durchfallquote, unzulässige Themenstellungen und schlampige Korrekturen lassen jahrelange juristische Auseinandersetzungen befürchten.

Und das ganze Theater für nur 30 Buchprüfer! - einfach beschämend!

Das IDW hatte die Prüflinge zuvor noch mit teuren Lehrgängen abkassiert und jetzt plötzlich alle Lehrgänge eingestellt.

   
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10.

DIE WPK IST VÖLLIG ÜBERFORDERT

 

Bei den momentanen berufspolitischen Verhältnissen in Berlin geht es bei der aktuellen Schaffung eines "zertifizierten Prüfungsfachwirtes" wohl eher um eine berufspolitische Auseinandersetzung.

Das Angebot der akademischen Leitung des PR1MUS-Zertifizierungs-Lehrgangs, die WPK zu unterstützen und damit das Vorhaben zu beschleunigen, wurden im Ergebnis nicht angenommen.

Aber:

Der Zertifizierungs-Lehrgang von PR1MUS wird pünktlich im September 2017 starten!!! - versprochen!

   
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11.

GRÜßE AUS KÖLN!

 

Ihnen alles Gute und noch eine gute Zeit!

Danke, dass Sie sich die Zeit für diese wichtige Angelegenheit genommen haben.

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
Hohe Str. 9   51149 Köln
Tel. 02203 / 98 00 20
E-Mail: hildebrandt@wpwatch.de

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