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WP Watch

NR. 58 - JULI 2015

 
1. Der gewohnte Newsletter ist wieder da!
2. Vorsicht: Newsletterflut!
3. Das Ziegler-Paradoxon
4. Flowtex - und immer noch kein Ende
5. Insolvenzverwalter verklagt KPMG und BDO
6. Der tiefe Fall eines IDW-Vorstandsvorsitzenden
7. Prominenter Bankenprüfer der KPMG im Visier der Justiz
8. Deloitte und die künstliche Intelligenz
9. Herzig ist wieder aufgewacht
10. Wirtschaftsprüfer können (fast) alles!
11. Toshiba hat jahrelang die Bilanzen systematisch gefälscht
12. PwC will künftig strenger prüfen
13. Verräterische Verwechselung
14. Die Frau, die Anshu Jain aus dem Amt jagte
15. Es darf geschmunzelt werden
16. PR1MUS-Seminare im Herbst 2015
17. Frohes Schaffen
1.

DER GEWOHNTE NEWSLETTER IST WIEDER DA!

 

Mit dem PR1MUS-Newsletter Nr. 57 (März 2015) hatte ich vorübergehend die Form der Berichterstattung geändert und wöchentlich "Aktuelles Kompakt" verschickt.

Dies war den seinerzeitigen berufspolitischen Ereignissen geschuldet, da sich Anfang 2015 zeigte, dass WPK/APAK und das BMWi Abprachen in einem "Geheimpapier" getroffen hatten und damit massiv auf das Gesetzgebungsverfahren (APAReG) Einfluß genommen haben.

Wie versprochen, möchte ich mit diesem wpwatch-Newsletter Nr. 58 an die bewährte Berichterstattung der letzten Jahre anknüpfen.

Gegenstand meiner Berichterstattung sind nicht mehr alleine berufspolitische Themen, sondern auch Hintergründe und aktuelle Geschehnisse in und um den Berufsstand.

   
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2.

VORSICHT: NEWSLETTERFLUT!

 

Nachdem die WPK nach Jahrzehnten der Intransparenz und Kumpanei mit dem IDW von PR1MUS in den letzten Jahren "wachgeküsst" wurde und etliche Skandale aufgedeckt wurden, hat PR1MUS in den letzten Jahren nicht nur neue Maßstäbe für die Seminararbeit aufgezeigt, sondern auch die Kommunikationshoheit für die wirtschaftsprüfenden Berufe übernommen.

Also starteten IDW / WPK eine Offensive, bieten seither bewährte PR1MUS-Konzepte als Kopie und versenden diverse Newsletter, Seminarankündigungen wöchentlich oder gar täglich.

Damit jedoch nicht genug, versendet nun auch die "Herzig-Liste" (Katrin Fischer) einen eigenen Newsletter um "direkt aus der WPK heraus" zu berichten (vgl. auch Punkt 9.).

Auch der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) - Koalitionspartner der Big4 - haut jetzt auf Landesebene wöchentliche Newsletter unter dem Titel "DStV-Wochenticker Prüfende Berufe" heraus und informiert über "aktuelle Entwicklungen rund um die prüfenden Berufe".

(Langweilige) Themen der letzten Woche waren:

  • Reform der Prüferaufsicht: APAReG-Regierungsentwurf veröffentlicht
  • EFAA zum Nutzen von Integrated Reporting
  • WPK bietet Praktikumsbörse an

Die meist nicht mehr prüfende Klientel des DStV kaut hier lediglich offizielle Statements von IDW und WPK wider und möchte seine Rolle als "Mehrheitsbeschaffer" dieser skandalösen Berufspolitik kaschieren.

Aber, Gott sei Dank, kann man solche erhaltenen "Newsletter" auch gleich mit wenigen Klicks wieder abbestellen.

Eine Frage hab ich noch: Woher stammt eigentlich das Adressmaterial von Fischer, Hagemann, Küffner, DStV & Co.?

   
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3.

DAS ZIEGLER-PARADOXON

 

Manchmal glaubt man tatsächlich, dass Präsident und Vorstand der WPK den Beirat "an der Nase rumführen" wollen.

Neuestes Beispiel: Gebetsmühlenartig versucht man in Berlin zu erklären, dass das "Geheimpapier" vom 16.01.2015 garnicht geheim sei.

So heißt es in dem "Genehmigten Protokoll der außerordentlichen Sitzung des Beirats der WPK vom 24. April 2015":

"Herr Ziegler erklärt, dass man selbstverständlich Fragen zu diesem Gesprächsprotokoll stellen kann, da es ja überhaupt nicht geheim sei und diese natürlich auch alle rückhaltlos beantworten werden.

Auf Rückfrage von Herrn XY, dass er davon ausgeht, dass dem Beirat dieses Protokoll zur Verfügung gestellt wird, um überhaupt festzustellen, welche Fragen sich daraus ergeben, lehnt Herr Ziegler dies ab mit dem Hinweis, dass dies einer vertrauensvollen Arbeit mit der BMWi abträglich sei, da man mit dem BMWi keine Veröffentlichung abgestimmt habe."

Alles klar? - Ziegler meint also:  Stellen Sie doch bitte Fragen aus dem Geheimpapier, welches nicht geheim ist, aber welches wir Ihnen auch nicht aushändigen werden!? Also bitte jetzt Ihre Frage!

Klartext: Kritiker und Fragensteller werden offensichtlich für blöd verkauft!

Liebe Beiräte: Nicht verzweifeln!

PR1MUS hatte bereits in seinem "Aktuelles kompakt 20./21. KW" den vollständigen Wortlaut des "Geheimpapiers" ins Netz gestellt.

   
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4.

FLOWTEX - UND IMMER NOCH KEIN ENDE

 

Der Entwurf der Schlussrechnung ist fertig, die vorletzte Sitzung des Gläubigerausschusses hat stattgefunden: Im Laufe der nächsten Wochen will WP/StB/RA Dr. Eberhard Braun (67), der Insolvenzverwalter von Flowtex die Akten um den Milliardenbetrug mit nicht existierenden Horizontal-Bohrmaschinen schließen und die Unterlagen an das zuständige Insolvenzgericht weiterleiten. 

Vor mehr als 15 Jahren, genau am 4. Februar 2000 ist der damalige Unternehmer Manfred Schmider aus Ettlingen bei Karlsruhe mit seinem Kompagnon Klaus Kleiser verhaftet worden. Ihr vermeintliches Vorzeigeunternehmen stellte sich schon kurz nach dem Insolvenzantrag als groß angelegter Betrug heraus. Beide Flowtex-Manager hatten mit Luftgeschäften einen Schaden von mehr als zwei Milliarden € verursacht. Das Duo hat seine Haftstrafen schon seit längerer Zeit verbüßt und ist wieder auf freiem Fuß.

Wenn jemand ernsthaft das wirtschaftliche Konstrukt angeschaut hätte, wäre das Schneeballsystem sicherlich früher aufgeflogen, sagte Braun nun rückblickend. 

Im Laufe der Zeit wurde bei Flowtex eine komplexe Unternehmensstruktur aufgebaut. Zur Holding sollten in den 1990er Jahren 8 Kernfirmen und bis zu 90 Tochterunternehmen mit weltweit 4000 Mitarbeitern gehören. In den Bilanzen wurden jährliche Umsatzzahlen von 650 Millionen Euro ausgewiesen. Manfred Schmider pflegte ein ausschweifendes Leben – zum Standard gehörten ein Hubschrauberlandeplatz bei seiner Villa, eine wertvolle Gemäldesammlung, Yachten und mehrere Luxusautos. 

Die angeblich mehr als 3000 Bohrer existierten fast nur auf dem Papier. Banken und Leasinggesellschaften waren systematisch betrogen worden. Die Bilanzen von Flowtex hatte die KPMG geprüft und uneingeschränkt testiert. KPMG geriet nach der Pleite gründlich in die Kritik und zahlte rund 50 Millionen € Schadensersatz. Im Gegenzug verzichteten die Gläubiger auf rechtliche Schritte gegen die KPMG

Braun erwartet, dass das zuständige Insolvenzgericht den Fall spätestens im ersten Quartal 2016 endgültig abschließt.

Zwei Anmerkungen hab ich noch:

Sicherlich hat KPMG die 50 Mio. € nicht selbst gezahlt, sondern die Wiesbadener Versicherungsstelle. Altkanzler und Putin-Freund Gerhard Schröder soll sich damals persönlich eingeschaltet haben, um die Gläubigerbanken zum Einlenken zu bewegen.

Der Fall Flowtex war auch der Grund für die Einführung von § 320 IV HGB. Hätten die KPMG-Oberen  seinerzeit nur einmal zu dem Offenburger Einzel-WP Kontakt aufgenommen und ihn gefragt, warum man ein solch lukratives Mandat niederlegt, so hätte man einen Milliardenschaden verhindern können. In dem  Kündigungsschreiben an Schmider stand nämlich drin, dass er das "Betrugssystem Flowtex" durchschaut habe.

Ich erinnere mich auch noch gerne an die seinerzeitige Vorbereitung von Dr. Braun auf das Ü-WP-Examen im Rahmen eines Privat-Repetitoriums in seinem Wochenend-Häuschen mitten in den Weinbergen mit nur wenigen Teilnehmern. Dort wurde so manche Flasche geleert!

   
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5.

INSOLVENZVERWALTER VERKLAGT KPMG UND BDO

 

Der Insolvenzverwalter des ehemaligen Warenhaus-Konzerns KarstadtQuelle hat KPMG und BDO auf 98 Mio. € Schadenersatz verklagt.

Der Vorwurf: Die Prüfungsgesellschaften hätten 2008 nicht rechtzeitig über die bereits eingetretene Zahlungsunfähigkeit des Warenhaus-Konzerns informiert und hierdurch den Millionenschaden verursacht.     

Seit sechs Jahren läuft das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Arcandor AG, die früher einmal KarstadtQuelle AG hieß. Mehr als 18 Milliarden € schuldet der Konzern noch seinen Gläubigern. 

Laut den Klageschriften verlangt Jauch Schadenersatz und die Rückzahlung von Honoraren, weil beide Prüfer es "pflichtwidrig unterlassen" hätten, den Konzern auf eine bereits zum 1. Oktober 2008 bestehende Zahlungsunfähigkeit hinzuweisen. Tatsächlich meldete Arcandor erst zum 9. Juni 2009 Insolvenz an. Der durch die defizitäre Fortführung des Unternehmens entstandene Schaden wird in der Klage auf mehr als 80 Millionen Euro beziffert.

KPMG hatte noch Ende 2008 ein Sanierungsgutachten vorgelegt, in dem die Sanierungsfähigkeit bescheinigt wurde. BDO war der langjährige Abschlussprüfer der Arcandor AG und hatte die Bilanzen des hochverschuldeten Konzerns noch im Dezember 2008 testiert.

In einem Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft Bochum stellten die Ermittler fest, dass der Warenhauskonzern seit August/September 2008 zahlungsunfähig war. Die seinerzeit verantwortlichen Manager sollen auch bei einem Krisengespräch im Bundeskanzleramt am 26. September 2008 auf die "drohende Insolvenz innerhalb der nächsten ein bis zwei Tage" hingewiesen haben. Der entsprechende Entwurf eines Insolvenzantrages vom 27. September 2008 verschwand dann allerdings in der Schublade.

Insolvenzverwalter Jauch verweist in seinen Klagen vor den Landgerichten Düsseldorf und Frankfurt/Main darauf, dass zusätzlich zur ohnehin schon desaströsen wirtschaftlichen Lage von Arcandor weitere Verlustausgleichansprüche von zwei Tochterunternehmen in Höhe von 377 Millionen € zum 30. September 2008 bestanden, die nicht mehr bedient werden konnten. "Eine Alternative zur Insolvenzantragstellung - insbesondere eine realistische Chance auf eine außergerichtliche Sanierung - bestand nicht". Doch weder im Sanierungsgutachten noch bei den Abschlussprüfungen sei auf eine Zahlungsunfähigkeit hingewiesen worden.

Weiterhin gehen die Ermittler von einer fragwürdigen "Bilanzkosmetik" aus, die offenbar die Zahlungsunfähigkeit des Konzerns kaschieren sollte. Zum 31.08.2008 seien bei der Arcandor AG mehr als elf Prozent der fälligen Gesamtverbindlichkeiten weder gebucht noch bezahlt worden.

   
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6.

DER TIEFE FALL EINES IDW-VORSTANDSVORSITZENDEN

 

Ich hatte bereits in 2010/2011 (PR1MUS-Newslettern Nr. 16 und 21) über den Ex-Kollegen Friedrich Carl Janssen, den mittlerweile 71-jährigen Grandseigneur des Berufsstandes, berichtet. Seine Karrierestufen waren neben KPMG und Arthur Andersen auch der Vorstandsvorsitz beim IDW (2001/2002) sowie Vorstandsposten in der Industrie.

Dann lockte wohl das Geld und schließlich kam sein "Absturz" als persönlich haftender Gesellschafter und Risk-Vorstand der einstmals größten deutschen Privatbank (Sal. Oppenheim & Cie.).

Er soll nun wegen schwerer Untreue für die Dauer von zwei Jahren und zehn Monaten ins Gefängnis. Die drei weiteren Angeklagten Christopher Freiherr von Oppenheim, Dieter Pfundt und Matthias Graf von Krockow erhielten Bewährungsstrafen zwischen einem Jahr und elf Monaten und zwei Jahren. Die entschied das Kölner Landgericht nach mehr als zwei Jahren Verhandlungsdauer.

Nach einem solchen Fall folgt zumeist im sozialen und beruflichen Umfeld Häme und Mißachtung. Soll heißen, dass man sich beim IDW sicherlich nicht mehr an die schillernde Persönlichkeit des Grandseigneurs erinnern will/kann.

Janssens Anwälte haben ebenso wie die Staatsanwaltschaft Köln zwischenzeitlich Berufung gegen das LG-Urteil eingelegt.

   
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7.

PROMINENTER BANKENPRÜFER DER KPMG IM VISIER DER JUSTIZ

 

In Züricher Finanzkreisen zirkulierte das Gerücht schon länger: Die Bundesanwaltschaft führt ein Strafverfahren gegen den ehemals führenden Bankenprüfer der KPMG, Daniel Senn.

Senn ist nicht irgendein Wirtschaftsprüfer. Er hatte es in der Vergangenheit mit einigen der auch politisch brisantesten Fällen zu tun. Senn war es, der im Auftrag der damaligen Eidgenössischen Bankenkommission  Banken untersuchte. Es waren Affären, die die Schweiz jahrelang in Atem hielten. Der nach einem kolumbianischen Drogendealer «Ramos»-Affäre genannte Justiz- und Politkrimi ist noch gut in Erinnerung.

Senn war es aber auch, der im Auftrag des Bankrats der Nationalbank die Devisentransaktionen des damaligen Nationalbankchefs Philipp Hildebrand untersuchte. Seine entlastenden Befunde hielt man für unglaubwürdig. Man sagte ihm "Interessenkonflikte" nach.  Insbesondere habe er über seine Konten bei der Bank Sarasin umfangreiche Insider-Geschäfte abgewickelt.

Die Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) hatte Senn angezeigt. Es geht hier um das mutmassliche «Ausnützen der Kenntnis vertraulicher Tatsachen» – um Insider-Delikte also. Prüfer erhalten in ihrer Tätigkeit tiefe Einblicke in Firmen. Dieses Wissen liesse sich in Börsenspekulationen gewinnbringend einsetzen.

Jetzt wurde auch bekannt, dass die RAB Senn am 30. Januar 2014 die Zulassung als Wirtschaftsprüfer für fünf Jahre entzogen hat. Im März 2015 hatte das Bundesverwaltungsgericht bekanntgegeben, die RAB und Senn hätten sich darauf geeinigt, dass dieser bis zum 1. Januar 2017 freiwillig auf die Zulassung verzichte. Über die Hintergründe des Vergleiches war Stillschweigen vereinbart worden.

Senn selber hatte im Januar 2013 seine Stelle bei der KPMG gekündigt. Der Schritt nach 16-jähriger, steiler Karriere bis in die oberste Etage der KPMG kam überraschend. Hatte er mit der Eröffnung eines Verfahrens zu tun?

Zu gut haben wir auch noch jene KPMG-Prüfer in USA in Erinnerung, die gegen Bares Aktienhändlern Quartalsdaten ihrer Mandanten vor deren Veröffentlichung "verkauften".

   
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8.

DELOITTE UND DIE KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

 

Mehr Erkenntnisse in weniger Zeit mit weniger Personal: Künstliche Intelligenz in der Wirtschaftsprüfung ist ein verheißungsvolles Thema.

Doch bisher kommt es kaum vom Fleck. Der Supercomputer Watson soll das jetzt ändern.

In der Düsseldorfer Deloitte-Niederlassung experimentieren Mitarbeiter vom sogenannten „Analytics Institute“ damit, wie sie künstliche Intelligenz ( Artificial Intelligence, kurz AI) für sich selbst und ihre Mandanten einsetzen können.

Obwohl die Rechenkraft der Computer ständig steigt und es Daten im Überfluss gibt, wurden in den vergangenen Jahren weder von Deloitte noch von den anderen Big4 bahnbrechende Neuerungen auf den Weg gebracht.

Deloitte hat eine Kooperation mit IBM angestoßen. Im Zentrum steht der Supercomputer Watson.

Watson soll Rohdaten aus der Buchhaltung von Unternehmen durchsehen, der Wirtschaftsprüfer setzt sich dann an den Computer und schaut sich die automatisiert erstellten Analysen an.

Doch noch ist es Fakt, dass die WP-Gesellschaften eher im kleinen Rahmen mit dem Thema künstliche Intelligenz experimentieren. Es scheint, als hätte die Berater- und Prüferbranche noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, bevor dies für sie zum echten Effizienzverbesserer wird.

Soweit so gut! - Künstliche Intelligenz muss wohl erst einmal programmiert werden und wird letztlich nur das durchführen, was verantwortliche Berufsträger/innen vorgegeben haben.

   
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9.

HERZIG IST WIEDER AUFGEWACHT

 

Glaubte man doch, dass es dem Kollegen Prof. Herzig peinlich sei, dass er seinen ehrenwerten Namen der Tarnliste des IDW ("Herzig-Liste" - Gemeinsam für Alle) zu Verfügung stellte, so hat er seine Kollegen/innen abermals überrascht. Er ist "nach fast einem Jahr intensiver Arbeit" wieder aufgewacht.

Nein, nicht er persönlich!

Prof. Herzig ist berufspolitisch völlig uninteressiert und tritt hier auch nie in Erscheinung.

Es läßt im Windschatten seines Namens und unter Beifügung seines markanten Portrait-Fotos Möchtegern-Berufspolitiker auftreten und wünscht allen (uneigennützig?) gutes Gelingen!

Wir sollen uns doch jetzt über die "künftige zeitnahe Berichterstattung der Mitglieder der Herzig-Liste über ihre Arbeit in der WPK" freuen.

Und jetzt Klartext: Prof. Herzig überläßt der Kollegin Katrin Fischer, Landespräsidentin Berlin, seinen Namen für einen Newsletter.

Aus der Geschichte ist ja bekannt, dass sich Denkmäler ("KöSteuer-Papst") in gesetztem Alter oftmals selber zerlegen.

Übrigens ist Prof. Herzig bis heute alle Antworten schuldig geblieben, die ihm besorgte Kollegen/innen seinerzeit im Wahlkampf gestellt hatten!

   
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10.

WIRTSCHAFTSPRÜFER KÖNNEN (FAST) ALLES!

 

Es ist schon erstaunlich, mit welchen Meldungen, Studien und welchem Expertenwissen sich die Big4 alltäglich in der Medienlandschaft positionieren.

Zukunftstrends einzelner Branchen, Kriminalitätsstatistiken, weltweite Kaufkraftanalysen, Anlagestrategien, Schuldenpolitik der Länder und des Bundes .... - auf allen Gebieten ist man Zuhause und hat Experten. Zumindest ebenso gute Experten wie McKinsey, BCG etc..

In den letzten Tagen machte folgendes Ergebnis einer PwC-Studie "die Runde":

  • Unethisches Verhalten von Bankangestellten wird durch schwer zu erreichende Performance-Vorgaben gefördert!

Demnach neigen leitende Angestellte in der britischen Banken-, Versicherungs- und Vermögensverwaltungsbranche eher zu Fehlverhalten, wenn „negative Konsequenzen oder Strafen für schwache Leistungen hervorgehoben wurden."

Unter diesen Umständen „neigten sie dazu, mehr Risiken einzugehen und unethische Entscheidungen zu treffen“, sagte ein "Verhaltensforschungsspezialist von PwC".

Bei der Studie hatte PwC im November und Dezember vergangenen Jahres 2431 Manager aus Unternehmen der Finanzbranche befragt.

Ist doch ein sensationelles Ergebnis, oder?

Nein, dies ist kompletter Murks, da dieses Allgemeinwissen durch empirische Studien bereits 85-mal belegt wurde.

Soziologische Verhaltensstudien gehören meines Wissens auch nicht zu den berufstypischen Aufgaben der prüfenden Berufe (§ 2 WPO)!

Was soll das? Wem will man sich mit solchen Studien anbiedern?

   
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11.

TOSHIBA HAT JAHRELANG DIE BILANZEN SYSTEMATISCH GEFÄLSCHT

 

Ein spektakulärer Bilanzskandal beim japanischen Mischkonzern Toshiba erschüttert Japan.

Eine interne Untersuchung hatte ergeben, dass Toshiba in 2008 bis 2014 seinen Gewinn vor Steuern um mindestens 1,1 Milliarden € zu hoch ausgewiesen hatte.

Das Management des japanischen Elektronikkonzerns wusste bereits seit längerer Zeit von den geschönten Zahlen. Nach Angaben von Insidern wurden die Zahlen "systematisch gefälscht", ohne dass der langjährige Abschlussprüfer EY dies bei der Prüfung feststellen konnte.

Mit unrealistischen Vorgaben habe das Management seine Angestellten systematisch unter Druck gesetzt, hieß es. Der Skandal ist der größte in Japan seit 2011. Damals hatte der Kamera-Hersteller Olympus seine Bilanzen gefälscht.

Toshiba stellt diverse elektronische Produkte wie Computerchips oder Laptops her, baut aber zugleich auch Atomkraftwerke. Es gehört zu den zehn größten Unternehmen Japans.

Inwieweit dieser erneute Bilanzskandal für die Prüfer von EY zum Problem werden kann, bleibt offen.

   
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12.

PWC WILL KÜNFTIG STRENGER PRÜFEN

 

Hatte der Branchenprimus PwC doch bereits vor geraumer Zeit angekündigt, dass man den Mandanten eine "Vollprüfung" bieten werde, so kündigt man nun an, dass man künftig "strenger prüfen" möchte.

Dies klingt nach sensationellen Fortschritten und Qualitätssteigerungen, die unserem Branchenprimus gelungen sind. Bei näherer Betrachtung stellt sich dies jedoch als Etikettenschwindel raus!

Hintergrund der "Vollprüfung" ist, dass man momentan bei den Big4 IT-mäßig dermassen aufrüstet, dass man durch Datenanalysen (in Billiglohnländern) den Mandanten vorgaukelt, dass alle rechnungslegungsrelevanten Daten geprüft werden könnten.

Dies ist weder gesetzlich erforderlich (§ 317 I HGB), noch nach der Facharbeit geboten (IDW EPS 310)!

Mit diesem Etikettenschwindel wollen sich die Big4 am Markt mit Alleinstellungsmerkmalen positionieren und Mandanten eine Sicherheit suggerieren, die nicht gegeben ist! Es dient lediglich der Akquise!

In einem Beitrag im finance-magazin fordert Prof. Winkeljohann, CEO von PwC, neue gesetzliche Regelungen, um Unternehmen strenger prüfen zu können.

Hinter diesem Vorschlag versteckt sich allerdings in erster Linie geschäftliches Eigeninteresse: Denn die tiefergehenden Prüfungshandlungen sollen nicht Teil der regulären Abschlussprüfung sein, sondern den Mandanten zusätzlich angeboten werden.

So ist laut Winkeljohann insbesondere nach Krisen oder Fusionen eine strengere Prüfung sinnvoll. Hier könnte der Aufsichtsrat die Wirtschaftsprüfer mit einer detaillierteren Prüfung beauftragen, die auch die Geschäftspolitik umfasst.

Der Vorstoß fällt in die seit vielen Jahren geführte Debatte um die geringen Margen in der Wirtschaftsprüfung. Da die Abschlussprüfung von vielen Mandanten als reine Standarddienstleistung empfunden wird, wird der Wettbewerb häufig über den Preis ausgetragen.

Frage an die Big4: Wie hat man denn vor der Finanzmarktkrise die Geschäfs- und Landesbanken geprüft? - Etwa weniger "streng"?

Weitere Frage: Wie prüft man denn die Geschäftspolitik eines Mandanten? Oder: Wo ist die Trennungslinie zwischen Beratung und Prüfung?

Ist dies etwa die Geburtsstunde der "Premium-Prüfung" oder "XXL-Prüfung" zum Sonderpreis mit Rundum-Sorglos-Paket? Oder vielleicht ein neues Geschäftsmodell um Dumpingpreise aufzubessern?

   
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13.

VERRÄTERISCHE VERWECHSELUNG

 

Am 13.07.2015 versandte das IDW eine E-Mail mit einem Link zu zwei IDW-Positionspapieren zur EU-Regulierung. Tags darauf informierte man den Berufsstand, dass hierbei ein "formaler Fehler" unterlaufen sei.

Das Papier "Zweifelsfragen der EU-Regulierung" wurde nämlich von einem anderen Arbeitskreis erarbeitet als auf der Homepage angegeben. Der verantwortliche Arbeitskreis des IDW war tatsächlich der für "Auslegungs- und Interpretationsfragen der EU-Regulierung".

So weit, so gut! - Aber dann kam der "Hammer":

Das IDW stellte sodann diesen Arbeitskreis vor, dem 9 Kollegen/innen angehören. Neben unserem Kammerpräsident Ziegler gehören auch WPK-Beirätin Andrea Bruckner (BDO und HFA-Mitglied) und WPK-Vorstand Ulrich Skirk (EY) dazu.

Das ist ja wohl ein Treppenwitz!

Der Kammerpräsident, der die Interessen aller Berufsträger/innen (Zwangsmitglieder) zu vertreten hat (§ 57 WPO) arbeitet im Arbeitskreis des Lobbyistenvereins IDW und siniert dort über Auslegungsfragen der EU-Regulierung.

Also macht man zunächst Geheimabsprachen mit dem BMWi ("Geheimpapier" vom 16.01.2015), spioniert Mitarbeiter aus, wettert gegen Kritiker in Beiratssitzungen und Kammerversammlungen und läßt sich dann von Prof. Naumann für einen "Arbeitskreis" aktivieren.

Dies ist nicht nur instinktlos, sondern skandalöser berufspolitischer Filz! Für wie blöd hält man eigentlich die Kammermitglieder?

Man erinnere sich in diesem Zusammenhang bitte nochmals an die "Herzig-Liste". Auch dort instrumentalisierte das IDW bereits die "Mehrheitsbeschaffer".

Eine Frage hab ich noch: Bei wem kann man sich jetzt eigentlich beschweren?

Bei der WPK, dem BMWi oder der APAK? - Vergessen Sie´s!

   
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14.

DIE FRAU, DIE ANSHU JAIN AUS DEM AMT JAGTE

 

Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe zieht es den Ex-Vorstand der Deutsche Bank Anshu Jain nun zum japanischen Telekommunikationskonzern Softbank. Für das Ausscheiden des ehemaligen Starbankers sorgte insbesondere eine Beamtin der BaFin: Frauke Menke, Abteilungsleiterin für Groß- und ausgewählte Geschäftsbanken.

Die Deutsche Bank bestreitet zwar, dass die Kritik der Behörde am Verhalten des Managers in der Libor-Affäre zu seinem Abgang geführt habe, doch der zeitliche Zusammenhang liegt nahe: Menkes Brief an den Bankvorstand trägt das Datum 11. Mai. 2015.

Tage später distanzierte sich Aufsichtsratschef Paul Achleitner öffentlich von der Bankführung, die dann zwar auf der Hauptversammlung mit knapper Mehrheit ein neues Mandat erhielt, Anfang Juni aber Platz für den neuen Chef John Cryan machte.

Menke äußert sich in dem Brief "erstaunt", aus der Presse zu erfahren, "die Sonderprüfung der Bafin habe angeblich eine Entlastung des oberen Managements, insbesondere Herrn Jains, ergeben." Das hatte die Deutsche Bank selbst im April 2015 erklärt, als sie in einem Vergleich 2,5 Milliarden USD Strafe akzeptierte.

BaFin-Abteilungsleiterin Menke sieht das anders. Ihr Fazit der Sonderprüfung, mit der sie ab 2013 die Wirtschaftsprüfer EY betraut hatte, mündet in vielerlei Vorwürfe - an erster Stelle gegen Anshu Jain, dessen persönliche Vergehen sie auf gut viereinhalb Seiten auflistet. Als Konsequenz kündigt sie "aufsichtsrechtliche Maßnahmen" an.

Im Klartext: Wäre der Topmanager nicht selbst gegangen, hätte die Behörde ihn auch abberufen können.

Na, das sind doch erhellende Momente für den Finanzkapitalismus! - Frauenpower der BaFin setzt sich gegen die Topelite der ungezügelten Bankenwelt durch. Dafür gebührt ihr Anerkennung!

Dabei hat Frauke Menke bereits einige Banker zu Fall gebracht. Anshu Jain ist aber sicherlich die größte Trophäe in ihrer Sammlung. 

   
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15.

ES DARF GESCHMUNZELT WERDEN

 

Dieser Tage erreichte mich aus Hamburg die Ausschreibung einer 100%-Tochter der Freien und Hansestadt Hamburg zur Durchführung der Jahresabschlussprüfungen 2015.ff..

Schauen Sie sich doch diese Ausschreibung einmal genauer an.

Jeweils 4 Abschluss- und Sonderprüfungen warten auf Sie, die Sie bis zum 30.04. des Folgejahres zu erledigen haben. Auf ca. 60 Seiten werden Sie Ihren Prüfungsbericht (12-fach) auch der Behörde und dem Aufsichtsrat in den jeweiligen Sitzungen vorzustellen haben.

Sie sollten bitte die "Mindestangaben des Angebotes" beachten. Demnach müssen Sie "eine gültige Zulassung gemäß WPO" haben!? Bitte auch den Transparenzbericht nach § 55c WPO nicht vergessen!

Man winkt Ihnen mit der "Banane", dass Sie auch mehrere Jahre an Bord bleiben dürfen. Dies allerdings nur, wenn die 5 "Behörden-Heini´s" im Aufsichtsrat Sie jeweils auswählen.

Wir reden im Übrigen von der "Hamburg Kreativ Gesellschaft mbH", die nach Offenlegung im eBanz zahlenmäßig das Format einer größeren Pommes-Bude hat und bisher 7.500 € an ihren Abschlussprüfer zahlte. Denken Sie daran: 50%-Kriterium bei der Auftragsvergabe ist der Preis!

Erinnert Sie diese Ausschreibung nicht auch an die in früheren Newslettern vorgestellten Fälle der N-Bank oder der Russen-Urananreicherungs-Kiste?

Dies ist Prostitution auf hohem Niveau - von der Politik und der WPK geduldet oder gar gefördert!

   
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16.

PR1MUS-SEMINARE IM HERBST 2015

 

Die Tagesordnung für AKTUELLES PRÜFUNGSWESEN III/2015 steht bereits auf unserer Homepage.

Das FACHFORUM PRÜFUNGSWESEN II/2015 beschäftigt sich mit "Bilanzierung und Prüfung nach dem BilRuG". Hier wird ein Musterabschluss vorgestellt und Sie erhalten alle notwendigen Arbeitshilfen und Checklisten.

In der PR1MUS-Akademie läuft im Herbst das Modul III (Prüfung schwieriger Prüffelder).

   
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17.

FROHES SCHAFFEN

 

Ich wünsche Ihnen noch schöne Sommer-Sonnentage!

Lassen Sie sich in Ihrer kritischen Grundhaltung nicht durch unsere schlauen Kammer-IDW- und Politstrategen verwirren und halten Sie Kurs!

Kollegiale Grüße aus Köln

Ihr

Dirk Hildebrandt

Herausgeber (ViSdP):

WP StB Dipl.-Kfm. Dirk Hildebrandt
Hohe Str. 9
51149 Köln
Tel. 02203 / 98 00 20
E-Mail: hildebrandt@wpwatch.de

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