Schlecker: Angeklagte Wirtschaftsprüfer hoffen auf Einstellung des Verfahrens

Wie bereits berichtet, werden im Schlecker-Prozess auch die beiden ehemaligen EY-Wirtschaftsprüfer

  • Prof. Dr. Klaus Müller, Lindau (60) und
  • WP / StB Lothar Arnold, Ravensburg (43)

angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft ihnen vor, dass sie für die Jahre 2009 und 2010 für Anton Schlecker (e.K.)  falsche Bilanzen testiert haben und somit Bilanzfälschung gedeckt hätten.

Im Kern geht es bei Gericht um die Frage, wie man noch im Jahre 2009 eine Einlage von Anton Schlecker in Höhe von rd. 50 Mio. € als Eigenkapital buchen konnte, obwohl das Geld nur darlehensweise über die Logistikgesellschaft LDG der beiden Kinder Lars und Meike zur Verfügung gestellt wurde!? Anton Schlecker sei doch zu diesem Zeitpunkt bereits aufgrund aufgelaufener Verluste quasi vermögenslos gewesen!?

Weiterhin wurde eine stille Beteiligung der beiden Kinder in Höhe von 270 Mio. € fälschlicherweise als Eigenkapital ausgewiesen.

Also keine Lappalie!

Das Verfahren gegen die beiden WP-Kollegen wurde abgetrennt und bereits vorgestern beim LG Stuttgart verhandelt. Der Vorsitzende Richter Roderich Martis forderte die Anwälte der beiden Angeklagten und auch die Staatsanwaltschaft auf, ihre Schlussvorträge für den 23.05.2017 vorzubereiten.

Fazit:

Die Gerichte haben - insbesondere wenn Big4-Gesellschaften involviert sind! -"keinen Bock" darauf, in schwierige bilanzrechtliche Materie einzusteigen und Gutachten zu beauftragen. Lieber werden die Verfahren im Rahmen einer Verständigung "gegen eine Geldauflage wegen geringer Schuld" eingestellt. Dann braucht das Gericht auch kein Urteil schreiben und kann sich vielmehr wieder dem medienwirksamen Teil des Prozesses widmen.

Unter diesen Voraussetzungen wird berufsrechtlich bzw. berufsgerichtlich für die beiden EY-Kollegen bei der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) auch "nichts anbrennen".

Der Fall wird ad acta gelegt!