Rödl und die unverschämte IT-Dominanz

Im Zeitalter von Big Data, intelligenten Datenanalysen und künstlicher Intelligenz muss der Berufsstand Flagge zeigen und seine IT-Kompetenz klar nach außen tragen. Die Big4 haben ihre Kompetenz in den vergangenen Jahren insbesondere dadurch erlangt, dass sie eine IT-Bude nach der anderen aufgekauft haben und somit für alle relevanten Bereiche der Digitalisierung entsprechende Lösungen anbieten können.

Der Lobbyverein der Big4 (IDW e.V.) ersann für den Rest der Branche eine Zusatzqualifikation für Wirtschaftsprüfer/innen und ihre qualifizierten Mitarbeiter, die ausschließlich vom IDW verliehen werden darf:

  • IT-Auditor IDW.

Entgegen den Erwartungen des IDW setzte jetzt aber kein Run auf diese tolle Zusatzqualifizierung und die verlangten Pflichtseminare ein. Bis heute haben lediglich 41 Berufsträger/innen bzw. Mitarbeiter diese Qualifikation erworben.

wpwatch deckte bereits durch Meldungen am 25.09. und 15.11.2017 auf, dass es gleichwohl bei Rödl & Partner eine auffällige inflationäre Zunahme von IT-Auditoren IDW gegeben hat. Rund 50% der bundesweit zugelassenen IT-Auditoren kommen heute aus dem Hause Rödl und haben dort die Zusatzqualifikation zumeist im Rahmen eines "Inhouse-Seminars" erworben.

Hierdurch täuscht Rödl unverschämterweise in der WP-Branche eine IT-Kompetenz vor die tatsächlich nicht vorhanden ist. Insbesondere konnte Rödl jedoch "für kleines Geld" sein unersättliches Geltungsbedürfnis ("Die Möchtegern-Nr. 6 im LÜNENDONK-Ranking") befriedigen. Das IDW konnte so zumindest vorläufig damit auch die Idee einer Zusatzqualifikation für den Berufsstand retten. Die IT-Seminare wären ansonsten wohl ziemlich leer geblieben.

IDW und Rödl sollten jedoch wissen, dass sie dem Berufsstand durch diese Schummelei einen Bärendienst erwiesen haben und damit den IT-Auditor bereits zu Grabe getragen haben. Das Vortäuschen von Sachkompetenz ist berufsunwürdig und läßt sich mit den Berufsgrundsätzen (§§ 43 ff. WPO) nicht vereinbaren.