KPMG treibt ein falsches Spiel!

wpwatch berichtete bereits im April und August 2017 über das falsche Spiel von KPMG mit der amerikanischen Berufsaufsicht (PCAOB). Erst jetzt kommt der Skandal in den deutschen Medien an: das HANDELSBLATT berichtete gestern ausführlich.

  • Welcher WP-Examenskandidat träumte nicht schon einmal davon, die Klausurthemen schon vorab zu kennen?

Diesen Wunsch nach Vorabinformationen verwirklichte sich KPMG in den USA:

KPMG erhielt aus Kreisen der PCAOB vor Durchführung von Qualitätskontrollprüfungen vorab jeweils die geheime Liste, aus der sich die Stichprobe der Mandate ergab, die sich die Berufsaufsicht genauer zur Beurteilung der "Prüfungsqualität" anschauen wollte.

KPMG hat in Amerika seit Jahren eine denkbar schlechte Reputation. Von den "Big4" fand  die Aufsichtsbehörde hier in den vergangenen Jahren immer die meisten Mängel! Mit den illegal erworbenen Vorab-Informationen wollte sich KPMG vor der Kontrollkommission mustergültig präsentieren und Super-Noten von der PCAOB bekommen.

Dumm nur, dass sich ein früherer Mitarbeiter der PCAOB gegenüber den Aufsichtsbehörden offenbarte und alles zu Protokoll gab. Die KPMG-Mitarbeiter wurden alle gefeuert, incl. des obersten US-Prüfers von KPMG, Scott Marcello.

Die Insiderinformationen nutzten sechs zum Teil hochrangige Mitarbeiter von KPMG, von denen einige zuvor bei der PCAOB gearbeitet hatten. Jetzt werden sie allesamt in New York von dem US-Justizministerium und der Börsenaufsicht SEC angeklagt.

Man darf gespannt sein, wie die amerikanische Justiz mit solch kriminellem Berufsverständnis abrechnen wird!? - Ein Desaster für KPMG!!!

Übrigens ein Hohn: Der oberste Berufsaufseher für § 319a-Prüfer deutschland- und europaweit ist der KPMG-Skandalprüfer Ralf Bose; Leiter der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS). Er beaufsichtigt auch die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) und kontrolliert insbesondere, ob diese uns auch im Rahmen des peer review streng genug kontrollieren lässt!

Eine Farce: Wann wird die Politik endlich wach und durchschaut dieses perfide und anrüchige "Spiel"!?

Es ist momentan nicht der einzige Rückschlag für KPMG in Amerika:

  • Vor wenigen Tagen überraschte General Electric mit einer Nachricht die Märkte, auf sieben Jahre ganze 15 Milliarden Dollar für Pflegeversicherungen aufbringen zu müssen, da man erst jetzt die hohen Fehlbeträge festgestellt habe. Dies löste unmittelbar einen Kurssturz der GE-Aktie aus und lässt unangenehme Fragen an die jahrelangen Abschlussprüfer von KPMG erwarten.
  • Auch bei dem Skandal um fingierte Konten bei der Bank Wells Fargo machte Abschlussprüfer KPMG keine gute Figur. Von 2011 bis 2015 eröffneten Vertriebsleute von Wells Fargo ganze zwei Millionen Konten im Namen von Kunden, die davon nichts wussten.

Und jetzt die Anklage gegen die KPMG-Mitarbeiter.