Kleeberg und die "China-Bude"

Aufgrund der Berichterstattung von wpwatch über das § 319a-HGB-Kleeberg-Testat für die "China-Bude" kamen etliche Hinweise von Kollegen/innen:

wpwatch berichtete am 09.01.2018 über eine in der Kleeberg-Gruppe nicht nachvollziehbare Besetzung eines angestellten Wirtschaftsprüfers als auftragsverantwortlichem Abschlussprüfer bei einer risikobehafteten Abschlussprüfung im 319a HGB Segment, mit der Folge einer DPR Feststellung und der anschließenden Mandatsniederlegung.

Es wurde mehrfach die Frage gestellt, warum z.B. Herr Prof. Dr. Christian Zwirner, Gesellschafter und Geschäftsführer der Kleeberg Gruppe, nicht als Abschlussprüfer ins Rennen geschickt wurde.

Antwort:

Herr Prof. Zwirner ist stark mit Aus- und Fortbildung beschäftigt. Außerdem veröffentlicht er jedes Jahr Dutzende Fachaufsätze, nimmt Lehraufträge an verschiedenen Universitäten (darunter bei Prof. Marten in Ulm) wahr und ist geschätzter Referent auf Kongressen und Verbandstreffen. Er ist somit wohl eher für die mediale Außendarstellung von Kleeberg zuständig

Aber: Prof. Zwirner ist seit Jahren als auftragsverantwortlicher Abschlussprüfer bei der Einbecker Brauhaus AG in Einbeck, einer kleinen Stadt in Niedersachsen (mittelgroße Kapitalgesellschaft, Prüfungshonorar ca. TEUR 45), tätig.

Viele Kollegen/innen vermuten, dass Kollege Zwirner für sich wohl eine optimale Chancen-Risiko- Relation in Bezug auf das Tätigkeits- und Mandatsportfolio gefunden hat. Es besteht folglich kein Anreiz, Reputations- und Haftungsrisiken in § 319a HGB Prüfungen der Kleeberg Gruppe einzugehen.

Diese Aufträge überlässt man lieber jungen Wirtschaftsprüfern wie dem Kollegen Nagengast, weil "man den Braten mit den Chinesen vielleicht vorher bereits gerochen hatte".

Klartext: Niemand würde unter Risikoabwägungen das Prüfungsmandat der Brauerei gegen die "China Bude" eintauschen.

Fazit:

Es ist in der klassischen Abschlussprüfung vermehrt zu erkennen, dass sich neben einer vermeintlichen "WP-Elite" eine "Gruppe zweiter und dritter Klasse" herausgebildet hat, meist jung und wenig berufserfahren, kaum Chancen auf eine Kanzleibeteiligung, die in den Prüfungen "verheizt" werden, bis man sie austauscht und wiederum durch jüngere Kollegen ersetzt.