Key audit matters - oder: Wünsch Dir was!

Die Facharbeit des IDW e.V., d.h. des Schaffung "fachlicher Regeln" durch unseren "national standardsetter", ist im Umbruch. Die "unmittelbare Anwendung" der "International Standards on Auditing" (ISA) steht bevor und soll innerhalb der nächsten 24 Monate umgesetzt werden.

Einen Vorgeschmack für diese Form des "Standardsetting" erfahren wir momentan bei der Erteilung von Bestätigungsvermerken (BSV) - ein wahren Chaos und sicherlich kein Ruhmesblatt für den Lobbyverein des Berufsstandes (IDW e.V.).

Entsprechend den ISA 700, 701, 705 und 706 wurde vom HFA der 400'er Katalog (IDW PS 400 n.F., 401, 405 und 406) entwickelt und am 15.12.2017 (nach einem chaotischen Hin und Her!)  verabschiedet.

Gegenstand des IDW PS 401, der nur für § 319a-HGB-Mandate (PIE-Mandate) gilt, ist in Umsetzung von Art. 10 II. c) der EU-VO die

  • „Mitteilung besonders wichtiger Prüfungssachverhalte.“ 

Dies bedeutet, dass der Abschlussprüfer in eigener Wortwahl sogenannte "key audit matters" (KAM's), d.h. ihm "besonders wichtig erscheinende Prüfungsfeststellungen", in den Wortlaut seines Bestätigungsvermerks eintexten muss. Damit erreicht der BSV bei der Prüfung kapitalmarktorientierter Unternehmen durchaus stolze acht bis neun A4-Seiten!

Und jeder fragt sich: Wem ist damit gedient?

Dieses Eintexten ist ein Novum in der deutschen Facharbeit, waren doch bisher in den 14 Anlagen zum IDW PS 400 (a.F.) die Formulierungen der Bestätigungsvermerke durch das IDW vorgegeben. Die Einhaltung dieser Formulierungsvorgaben wurde im Übrigen von der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) im Rahmen der BAnz-Durchsicht beaufsichtigt (§ 57 II Nrn. 4, 14 WPO).

Mit dem freiformulierten Eintexten  wurde faktisch seit 2016 in Deutschland ein "Testat-Marketing" eingeführt. Und schon fragt man sich: Was kann, muss oder darf man in den BSV kapitalmarktorientierter Unternehmen hineintexten. Was ist gerade üblich, en vogue oder den Mandanten gerade noch zuzumuten?

Glauben Sie tatsächlich, dass PwC bei der Abfassung des Testates der TELEKOM in eigener Wortwahl die "wichtigen Prüfungsfeststellungen" formuliert? - Oder macht es nicht doch besser gleich Timotheus Höttges, der sagenhafte CEO, der gerne Wirtschaftsprüfer von PwC in der Presse als "seine Chorknaben" bezeichnet!?

Schon stürzen sich auch allerlei "Schreiberlinge" auf dieses Thema, fertigen "empirischen Studien" an und halten Ausschau nach den häufigsten "Feststellungen", nach Muster-Formulierungen und suchen den "systemischen Ansatz zur Generierung solcher Mitteilungen."

Zuletzt geschehen in den WPK-Mitteilungen 1/2018, S. 35 ff., wo uns zwei nette Kolleginnen von BDO im Fazit erklären, dass das statistische Mittel der KAM in Bestätigungsvermerken genau 3,6 beträgt!

Soll heißen: 3,6 KAM's und alles ist gut!

Ich warte schon auf die nächste überflüssige Studie in den Printmedien des IDW!