Hunderte falscher Testate in Umlauf!

Am 11.08. und 06.09.2017 berichtete ich bereits über "Das Chaos mit dem neuen Bestätigungsvermerk" und "Das IDW vergeigt die ISA-Übernahme".

Nochmals zur Erinnerung:

Am 16.12.2016 stellte das IDW mit dem EPS 400 n.F. den Mitgliedern und der Fachwelt einen neuen ISA-kompatiblen zweigeteilten Bestätigungsvermerk (BSV) vor, der ab 2016'er Geschäftsjahre für § 319a-HGB-Mandate (AREG) und für NON-PIE-Mandate ab 2017'er Rechnungslegung (APAReG) gelten sollte.

Auch die weiteren drei vorgestellten Entwürfe von Verlautbarungen des IDW ("fachliche Regeln" für den gesamten Berufsstand!) - IDW EPS 401, 405 und 406 - gehen jeweils von einem zweigeteilten Bestätigungsvermerk aus.

Dies ist gesetzwidrig, da § 322 I HGB verlangt, dass der Abschlussprüfer seine Prüfungsfeststellungen "in einem Bestätigungsvermerk" zusammenfassen muss.

Also zog der Vorstandssprecher des IDW (Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann) am 27. Juli 2017 die Reißleine, schickte eine E-Mail an alle IDW-Vereinsmitglieder und kündigte einen "alternativen Ansatz" und überarbeitete Entwürfe der EPS 400 - 406 des HFA an.

Vorstandskollege Dr. Klaus-Peter Feld legte im Mitgliederbereich der Website des IDW nach und kündigte gar einen kompletten "Modellwechsel" im Umgang mit den ISA an.

Hier zwei Beispiele für gesetzwidrige Testate von PwC bei § 319a-Mandaten aus dem eBanz:

  • TELEKOM AG (Einzelabschluss 2016) und
  • TUI AG (Jahres- und Konzernabschluss 2016/2017).

Fakt ist somit per heute, dass

  • § 319a-HGB-Prüfer (Big4 und 79 weitere Kanzleien!) für die Geschäftsjahre 2016 bzw. 2016/2017 ca. 2.000 gesetzwidrige und somit falsche Testate zu Jahresabschlüssen und Konzernabschlüssen erteilt und in Umlauf gebracht haben!
  • Berufskollegen/innen haben aufgrund des Chaos gutgläubig die Abschlüsse falsch testiert und
  • Aktionäre haben diese falsch testierten Abschlüsse/Konzernabschlüsse rechtswirksam (?) festgestellt.

Klar ist, dass alleine das IDW und der HFA hierfür die alleinige Verantwortung tragen und der Berufsstand hierbei "bis auf die Knochen" blamiert ist!

Eine Frage hab ich noch:

Was ist jetzt eigentlich zu tun?

  • Widerruf der falschen Testate gemäß IDW PS 400 Tz. 111 - 114 a.F.?
  • Entschuldigung und Buße beim Mandanten? oder
  • Klappe halten, Augen zu und durch?

Das IDW und seine Theoretiker sowie der HFA unter Vorsitz von PwC haben jedwede Glaubwürdigkeit und Legitimation zur Aufstellung fachlicher Regeln verloren!

Dies muss personelle Konsequenzen haben!

Noch eine Frage:

Was macht jetzt eigentlich die Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS)?