GUCCI und die Gehaltszahlungen aus der Steueroase

Die italienische Nobelmarke Gucci gilt als eine der begehrtesten Luxusmarken der Welt. Und Dank Marco Bizzarri auch als eine der profitabelsten. Deshalb hat es Bizzarri auch vom Liebling an den Laufstegen zum Liebling der Analysten geschafft.

Aber wo Licht ist, gibt es auch Schatten:

Erst letztes Jahr durchwühlte die italienische Finanzpolizei drei Tage lang Büros und Ateliers von Gucci. Das Unternehmen soll Steuern in Höhe von 1,3 Milliarden Euro hinterzogen haben.

Bei dieser Gelegenheit kam ganz beiläufig heraus, dass in Absprache mit der Konzernmutter Kering in Paris Gucci-Chef Bizzarri mit Steuertricksereien offenbar jahrelang auch höchstselbst den Staat um Millionen betrogen hatte. Das gemeinsame Ziel bestand darin, dem Gucci-Boss ein Nettogehalt von über acht Millionen Euro - steuer- und abzugsfrei!!! - zu zahlen. Warum soll in der Mode nicht gehen, was im Fußballsport gang und gäbe ist!?

Also griff man in die Trickkiste und bediente sich einer Luxemburger Briefkastenfirma und eines vorgegebenen Schweizer Wohnsitzes.

Bizzarri hatte zwei Arbeitsverträge - neben einem Vertrag mit Gucci in Italien (über 2 Mio. € Jahressalär) einen zweiten mit der Briefkastenfirma Castera in Luxemburg. Von ihr erhielt er sechs Millionen Euro im Jahr, die weder in Luxemburg noch in Italien versteuert wurden. Stattdessen hatte sich Bizzarri im Schweizer Tessin angemeldet, wo er pauschal lediglich eine niedrige sechsstellige Summe im Jahr zahlen musste. De facto versteuerte Bizzarri damit nur sein italienisches Gehalt, wegen des Schweizer Wohnsitzes aber auch das noch zu einem vergünstigten Satz.

Also brennt bei Gucci momentan "die Hütte" und die Analysten sind "not amused!"

Alle Gucci-Mitarbeiter erfahren nun auch einmal hautnah etwas über die "Vorbildfunktion des Vorstands" in einer Glitzerwelt. Gerade die Geringverdiener im Haus Gucci sind von ihrem Chef ganz "beeindruckt"!

Wieder ein Erfolg investigativer Journalisten über die Arroganz und Borniertheit von "Eliten", die offensichtlich der Meinung sind, dass Gesetze immer nur für andere geschrieben werden.