Ex-Wirtschaftsprüfer des Vatikan packt aus

Libero Milone (67) war Italien-Chef der weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche und übernahm vor gut zwei Jahren auf Wunsch von Papst Franziskus die Stelle des "ersten Generalkontrolleurs im Vatikan."

Im Herbst 2017 trat er überraschend zurück. Er habe den Papst  darum gebeten, vom Posten des Generalkontrolleurs entbunden zu werden, teilte der Vatikan seinerzeit ohne Angabe von Gründen mit. Papst Franziskus habe seinem Wunsch entsprochen.

Mit dem neu geschaffenen Posten beabsichtigte Papst Franziskus eine Reform der undurchsichtigen Finanzverwaltung der Kurie nach einer Reihe von Skandalen und eine schärfere Kontrolle derselben. Der Generalkontrolleur sollte gemeinsam mit dem australischen Kardinal George Pell und dem deutschen Kardinal Reinhard Marx auch das Wirtschaftssystem des Vatikans modernisieren.

Milone spielte allerdings auch eine zentrale Rolle in der „Vatileaks“-Affäre. Von seinem Computer im Vatikan wurden im November 2015 vertrauliche Dokumente gestohlen, die Aufschluss über Geschäftsbeziehungen und mögliche Misswirtschaft in der Kurie gaben. Ein spanischer Prälat wurde seinerzeit verurteilt, der die geheimen Informationen an Journalisten weitergegeben haben soll.

Milone gab später - entgegen seiner Verschwiegenheitspflicht (§ 43 I WPO) - der Presse zu Protokoll, dass er ein "Opfer interner Machtkämpfe" im Vatikan geworden sei und bei der Gendarmerie des Kirchenstaates gezwungen wurde, sofort zurückzutreten, andernfalls drohe ihm die Inhaftierung.

Es ist nicht überliefert, ob der Vatikan das Mandat bereits neu ausgeschrieben habe oder ob schon eine der anderen Big4 mandatiert wurde. Die Stelle des verantwortlichen Generalkontrolleurs des Vatikan scheint aber nicht ganz ungefährlich zu sein!?