Die feinen Hamburger Privatbankiers

Die Privatbank M.M. Warburg will mehr sein als nur eine Bank. Das traditionsreiche Institut versteht sich als Teil der Hamburger Gesellschaft. Die Bank soll in dubiose Cum-Ex-Aktiendeals verwickelt sein. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte bereits im Januar 2016 die Zentrale der Bank gründlich auf den Kopf stellen lassen. Der von Deloitte im Auftrage der BaFin erstellte mehr als 400-seitge Prüfungsbericht, datiert auf den 23.12.2016, der einigen investigativen Journalisten vorliegt, verrät nun die Details.

Die Beweislast ist aufgrund gefundener Aktenvermerke und Telefonmitschnitte erdrückend.

Die Privatbank soll sich kräftig aus der Staatskasse bedient haben. Bis zu 146,3 Mio. € soll Warburg abgegriffen haben. Inklusive Zinsen drohen Warburg bis zu 190,6 Mio. € Steuerrückforderungen, schreibt Deloitte. In diesem Szenario seien etwaige Bußgelder und Gewinnabschöpfungen durch Ermittlungsbehörden noch nicht berücksichtigt.

Das wäre ein Schock für die Hansestadt, in der die Bank eine Institution ist, eine der Stützen der Wirtschaft. Warburg verwaltet Vermögen wohlhabender Kunden in Höhe von mehr als 50 Milliarden Euro. Warburg dementiert und beruhigt: Man habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

Ende 2017 hatte das Bundesfinanzministerium die Hamburger Finanzverwaltung angewiesen, wegen drohender Verjährung dem Hause Warburg einen Steuerbescheid in Höhe von 56 Mio. € zuzustellen.

Obwohl in dem noblen Bankhaus alles abgestritten wird, hatten die Gesellschafter bereits nach der Durchsuchung in 2016 (zufällig) eine Kapitalerhöhung in Höhe von 53 Mio. € durchgeführt, an der sich auch Gesellschaften von Olearius Senior und Max Warburg beteiligten. Zudem verkaufte die Bank Immobilien in Hamburg, Hannover und Frankfurt, löste stille Reserven auf und änderte Rechtsform sowie Struktur der Unternehmensgruppe.

Klartext: Man geht in Deckung und bereitet sich auf alle Eventualitäten vor!

Was für ein Zufall!? - Und alles sicherlich, weil man "keinen Dreck am Stecken hat???

M.M. Warburg, das ist einer der krassesten Verdachtsfälle beim größten Steuerraubzug, der in Deutschland je stattgefunden haben soll.

Staatsanwälte bezichtigen genau 417 Banken und Börsenhändler, den Fiskus systematisch um 5,3 Milliarden Euro betrogen zu haben.

Die "Star"-Anwälte des Hauses M.M. Warburg behauptet allen Ernstes, dass die

  • Sonderprüfung von Deloitte "außer Hörensagen und Vermutungen keinen einzigen Beweis unrechtmäßigen Verhaltens seitens M.M. Warburg & Co. erbracht hätte!"

  • Außerdem lehne man Prüfungsfeststellungen von Deloitte ab, da wegen ihrer Mandatierung durch andere Depotbanken die Unabhängigkeit "in höchstem Maße fraglich" sei!?

Zwei Fragen hab ich noch:

  1. Wieso werden solche Steuerbetrüger unserer ehrenhaften Finanz- und Wirtschaftselite eigentlich in Deutschland nie in die "Kiste" gesperrt?
  2. Was haben die Bankenprüfer eigentlich 2009 / 2010 geprüft und testiert, als sie den gigantischen Steuerraubzug in den Büchern der Mandanten gesehen haben?