Die Bundeswehr und ihre teuren Berater

Noch in den beiden Newslettern August und September 2016 berichtete ich über die geheimen Milliarden von McKinsey und die McKinsey-Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium (BMVg).

Heute geht es um einen nur 34-jährigen "Heimkehrer" des BMVg zu McKinsey:

So richtig angekommen war Gundbert Scherf nie im BMVg. Schon äußerlich sticht der 34-Jährige aus dem tristen Allerlei heraus. Mit seinen engen Maßanzügen und der Hornbrille will der Quereinsteiger so gar nicht passen zum meist grauen Beamtenheer von Ursula von der Leyen. Folglich lästern die Alteingesessenen gern über den Vertrauten der Ministerin.

Der wichtige Berater von Ursula von der Leyen wechselt zum Ende des Jahres (wieder) die Seiten. Aus dem einflussreichen Beauftragten für nationale und internationale Rüstungsgeschäfte der Bundeswehr wird ein neuer Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey.

Scherf gilt als wichtiger Gestalter im kleinen Team der Ministerin. Mit Staatssekretärin Katrin Suder, die wie er 2014 von McKinsey kam, konzipierte er ein straffes Kontrollsystem für die pannenanfälligen Rüstungsprojekte. Er entwarf auch das neue Cyberkonzept der Bundeswehr.

Schon Anfang 2017 will Scherf seine Arbeit beim Beratungsriesen McKinsey antreten. Dort war er bis zum Wechsel ins Ministerium als Juniorpartner tätig, jetzt kehrt er als Partner zurück.

Scherf ist heute einer der intimsten Kenner aller Rüstungsdeals des BMVg. Nun geht er zurück zu McKinsey, einem Unternehmen also, das der Politik, aber auch der Rüstungsindustrie zu Diensten steht. Dort sind seine Insiderkenntnisse sicherlich profitabel zu vermarkten, schließlich habe er alle wichtigen Rüstungsmanager rund um den Globus bestens kennengelernt.

Schon heute berät McKinsey das Bundesamt für Ausrüstung und Informationstechnik, sozusagen den Chefeinkäufer der Bundeswehr. Anfang 2017 wird das Ministerium einen Topf von 208 Millionen Euro für Beraterverträge vergeben. Viele dieser Aufträge werden dann sicherlich bei McKinsey landen.

Dass der Fall ausgerechnet im Ressort von Ursula von der Leyen spielt, überrascht. Seit sie 2013 Verteidigungsministerin wurde, kündigte sie mehrmals harte Regeln bei dem Thema an und gab sich als forsche Aufräumerin im Filz zwischen ihren Beamten und der Rüstungsunternehmen.

Konkret aber änderte sich bisher nichts!

All dies passt in meine immer wiederholte Interpretation über die Entwicklung:

Es wächst eine "unheimliche Beratermacht" heran. Nicht mehr Vorstände werden die Wirtschaft künftig tatsächlich lenken und nicht Politiker werden die Gesetze künftig tatsächlich machen, sondern deren "Berater".

Und dies wird für die McKinseys und Big4 äußerst lukrativ werden!