Die Air Berlin Pleite und das PwC-Honorar

Die Umstände um die Vergabe des geplatzten 150-Mio.-KfW-Kredits an die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin und die Rolle des BMWi sowie von PwC werfen zunehmend Fragen auf und lassen auf ein abgekartetes Zusammenspiel zwischen Politik und PwC schließen.

Der Großteil des Überbrückungskredits ist wohl futsch. Aufgrund der Tatsache, dass der Bund als Bürge für 150 Millionen Euro geradestehen muss, wäre ein Ausfall vom Steuerzahler zu tragen.

PwC hatte für eine "Risikoprüfung" mutmaßlich ein Millionenhonorar kassiert. Zur Höhe des Honorars darf auch auf parlamentarische Anfrage nichts bekannt gegeben werden, da es sich angeblich "um schutzwürdige Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von PwC" handeln soll.

Tatsächlich waren den zuständigen Ministerien Ausfallrisiken des Kredits frühzeitig bekannt. Doch statt mögliche Risiken näher zu prüfen, stimmte sich der Bund offenbar eng mit der Lufthansa ab.

Am Freitag, dem 11. August 2017, spät abends, erreichte die Nachricht von der drohenden Insolvenz die Bundesregierung und es machte sich die Sorge breit, zehntausende Urlauber könnten an ihren Ferienorten stranden. Kein schönes Szenario so kurz vor der Bundestagswahl. Doch der Bund benötigte für die Auslegung der Bürgschaft eine "Absicherung" - und beauftragte die Berater von PwC.

Matthias Machnig, Staatssekretär des BMWi, bat PwC am Samstag, den 12.08.2017, "etwas aufzuschreiben", was als "Absicherung" für eine Bundesbürgschaft dienen könne.

Bereits am selben Abend (!) kam die erste Einschätzung der PwC-Spezialisten. Dies liest sich dann so:

  • "Unter uns: Kriegen wir keine Aussage zu möglichen Rückführungen, wird das dünn etwas aufzuschreiben. […] Wie soll man sonst belastbar einen Massekredit rechtfertigen?" und
  • "Wir unterstellen, dass das Darlehen unbesichert gegeben werden muss…

PwC habe es jedoch in der gutachterlichen Stellungnahme als "plausibel" eingeschätzt, dass der Kredit bedient werden könne und sich dabei auf fiktive Kaufpreise von Lufthansa und Easyjet für die Übernahme von Air Berlin gestützt.

PwC stellte seine Expertise auch unter die Prämisse, "dass die kartellrechtlichen Verfahren kurzfristig  abgeschlossen werden können…", jedoch ohne wissen zu können, ob der Deal überhaupt genehmigt würde.

Einen Tag vor der Insolvenzanmeldung (am 14.08.2017) schrieb um 19.50 Uhr noch ein Mitarbeiter der "lieben Frau Zypries", dass eine "Absichtserklärung von Lufthansa im Entwurf vorliege".

Die Ministerin antwortete dann umgehend um 21.01 Uhr: "Ja, ich bin einverstanden" (mit der Darlehenshingabe).

Am nächsten Tag (15.08.2017) meldete Air Berlin Insolvenz an.

Jetzt stellen Parlamentarier berechtigt die Frage nach der Rolle von PwC und den PwC-Honoraren.

Und jetzt Klartext:

  • Die Rolle von Staatssekretär Matthias Machnig bei "Deals" des BMWi zulasten des Steuerzahlers sind aus der Vergangenheit hinreichend bekannt.
  • Die Berufsbiographie des Staatssekretärs können Sie hier nachlesen.
  • Das BMWi (und in Person Staatssekretär Machnig) ist zufällig die oberste Rechtsaufsicht über den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer (§ 66 WPO).
  • PwC "zauberte binnen Stunden" (Wunsch-)Papiere für die Vergabe eines dreistelligen Millionen-Kredites. Inwieweit hält dies überhaupt den Berufsgrundsätzen einer gewissenhaften Berufsausübung (§ 43 WPO) und den risikoorientierten Regeln der Facharbeit stand?
  • Übrigens: Lufthansa lässt sich bereits seit Jahren gegen ein Millionenhonorar von PwC prüfen und
  • PwC steuert (zufällig) seit Jahren überwiegend das "Mandatargeschäft" für Bund und Länder und kassiert neben den horrenden Stundensätzen jeweils x% der Bürgschaftssumme als "Wertgebühr".

Fazit: So funktioniert das Zusammenspiel der Big4 mit der Politik zulasten des Steuerzahlers! - Ein Witz!!!

  • Die Börse lacht über die Lufthansa Aktie und trinkt Champagner,
  • die ergebnisabhängigen Vergütungen des Vorstands steigen deutlich,
  • PwC hat sich mit diesem "Gefälligkeitsgutachten" für weitere Gutachten der Politik empfohlen,
  • hat für wenig Arbeit ein (geheimes) Millionen-Honorar eingestrichen,
  • kann für die nächste Abschlussprüfung bei Lufthansa vielleicht etwas großzügiger abrechnen - und
  • der Steuerzahler sitzt auf dem Verlust von über 100 Mio. €!

So werden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert - so geht´s!

Wollten Sie mir gerade noch etwas von "Unabhängigkeit" des Wirtschaftsprüfers (§§ 17, 43 WPO) erzählen? - Bla, bla, bla!!!

Glauben Sie bitte auch nicht, dass sich die Berufsaufsicht für solche "Fahrlässigkeit" und "Interessenkollisionen" des deutschen Marktführers der WP-Branche interessiert!?