Das IDW und das Kartellrecht

Es fängt eigentlich ganz harmlos an:

  • "Das ist eine rein vorsorgliche Maßnahme und führt die bestehende Praxis des IDW in einen dokumentierten Rahmen über."
  • "Hintergrund dieser Entscheidung ist die Debatte um etwaige Kartellverstöße in verschiedenen Industriezweigen und die Rolle betroffener Verbände."

So, da muss man erst einmal drüber nachdenken! - Was hat dies mit dem Berufsstand zu tun und wieso steht dies nur im "Mitglieder-Bereich" der IDW-Website?

IDW Vorstand und IDW Verwaltungsrat haben im September 2017 die "Einrichtung eines kartellrechtlichen Compliance Programms im IDW e.V." beschlossen.

Dieses Programm basiert u.a. auf folgenden Dokumenten:

  • Kartellrechtliche Compliance beim IDW (Kurzbeschreibung)
  • Kartellrechtliche Compliance - Organisation und Berichtswege im IDW (Schaubild)
  • Kartellrechtliche Compliance-Leitlinien IDW

Die Compliance-Leitlinien richten sich hierbei an alle IDW-Mitarbeiter und Gremienmitglieder, denen über mehrere Seiten "kartellrechtlich verbotene Verhaltensweisen" beispielhaft vor Augen geführt werden.

Hierbei geht es u.a. über

  • unzulässige "Verständigungen",
  • unzulässigen Informationsaustausch zwischen Wettbewerbern,
  • Verbandsempfehlungen und
  • Mitarbeit an Standardisierungsvorgängen.

Eindringlich werden schließlich Handlungsanweisungen für Gremienmitglieder für die Teilnahme an Sitzungen abgegeben ("vor -, während -, nach - und am Rande von Sitzungen")!?

Und jetzt mal Klartext:

  • Scheint man jetzt erst beim IDW e.V. verstanden zu haben, dass der Lobbyverein des Big4-Oligopols bei genauerer Betrachtung die Schaltstelle des Big4-Kartells sein könnte und verboten gehört?
  • Ist die Präsenz der Big4-Vertreter in IDW-Ausschüssen und Gremien vielleicht gar der "Dreh- und Angelpunkt" des Kartells?
  • Werden beim IDW etwa kartellrechtlich relevante Absprachen unter den Big4 getroffen?

Ereilen das IDW jetzt etwa Ängste und Zweifel, ob den Big4 nicht der ganze IDW-Verein kartellrechtlich "um die Ohren fliegen kann?"

Aber "rein vorsorglich" legt man schon einmal ein "Compliance-Programm" auf, um mit diesem Feigenblatt jedwede Zweifel im Keim ersticken zu können!?

Was ich mir jetzt denke:

Dann müsste jetzt nur noch eine der Big4-Gesellschaften den Mut haben und aus dem Kartell aussteigen, Beweismaterialien auf den Tisch legen und für sich die "Kronzeugenregelung" in Anspruch nehmen.

Zu waghalsig gedacht?