Big4-Lobbyisten erzeugen Beratungsbedarfe

Dass die Big4 unter dem Deckmantel von Siegelführung, Verschwiegenheit und strengem Berufsrecht als "Alles- und Besserwisser" heutzutage ungehemmt mit Brachialgewalt in alle denkbaren Beratungsfelder einbrechen, ist wohl bekannt.

Die allumfassende Expertise der Big4 wird medial sehr gut vermarktet und gerne auch geschickt in "Studien", "Umfragen" oder "Trendanalysen" aufbereitet. Sofern man sich angesprochen fühlt, denkt man doch sogleich, dass PwC, EY, KPMG und Deloitte immer genau die aktuellen interessanten Themen "auf dem Schirm" haben und wissenschaftlich aufbereitete Analysen und Lösungen liefern können.

Seriöse wissenschaftliche Untersuchungen belegen jedoch, dass mindestens jede zweite Studie der Big4 gefakt wurde. Entweder hat diese Studie nie stattgefunden, Befragungsergebnisse wurden verfälscht, Ergebnisse tendenziös interpretiert oder es wurde dem Auftraggeber direkt das besorgniserregende "Wunschergebnis" (wissenschaftlich aufbereitet) geliefert.

Gerade geht durch die Presse, dass insbesondere kommunale Unternehmen, Gaslieferanten etc. Studien mit dem ausdrücklichen Ziel der Selbstbelobigung und des Renommee-Shooting in Auftrag geben.

Bei den Big4 kommt jedoch hinzu, dass durch diese "klugen Studien" Verunsicherung betrieben oder gar gezielt durch Desinformationen Ängste geschürt werden. Dann sind die Lobbyisten gefragt, die diese medial erzeugte Verunsicherung aufgreifen.

Es muss in den entsprechenden Kreisen (Banken, Politik, Aufsichtsräte, Fachvorträge) Angst und Schrecken verbreitet werden und schon generiert man den gewünschten Beratungsbedarf, da man ja auch eine "Lösung" anbieten kann.

Es muss nur oft genug berichtet werden, dass

  • jeder zweite Mittelständler bereits Opfer von Cyber-Kriminalität mit einem durchschnittlichen Schaden in Höhe von 3,5 Mio.€ gewesen ist oder
  • 32% der Mitarbeiter kriminelle Neigungen haben,
  • 70% des Mittelstandes auf den "digitalen Wandel" nur unzureichend vorbereitet ist und
  • 49,3 % der deutschen Unternehmen über mangelhafte Compliance-Systeme verfügen.

Jetzt versetzen Sie sich doch hierbei mal in die Rolle eines Unternehmers, (haftenden) Vorstands oder kontrollierendem Aufsichts- oder Beiratsratsmitglied ...

Eine Frage hab ich noch: Krieg ich jetzt endlich das Beratungsmandat, um Ihnen "helfen" zu können  (und damit Sie sich im Zweifelsfall haftungsrechtlich exkulpieren können)?

Also: So läuft der Hase im unendlich wachsenden Beratungsmarkt bei exzellent gut laufender Konjunktur für "alleswissende -" und "alleskönnende Wirtschaftsprüfungsgesellschaften".

Hier hilft vielleicht ein Blick in die "Hindenburg Notverordnung 1931" (Geburtsstunde des Berufsstandes!), wo der Gesetzgeber dem Berufstand einen klaren Auftrag und eine "systemrelevante Funktion in der Wirtschaftsordnung" gegeben hatte!? - Davon haben sich die Big4 bereits meilenweit entfernt!

Sie müssen jetzt nur noch dem potentiellen Mandanten "einen reinsingen", dass Sie alle Themen beherrschen und jeweils die beste - wenn auch vorgetäuschte - IT-Kompetenz (à la Rödl) haben.

Schönes Wochenende!