Aktuelles

30.01.2018
Schlecker bleibt Schulden-Milliardär

Dem früheren Drogerieunternehmer Anton Schlecker werden Schulden in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro nicht erlassen. Schlecker hat seinen Antrag auf Restschuldbefreiung (§§ 289 ff. InsO) selbst wieder zurückzogen.

Die Restschuldbefreiung sieht vor, dass ein Gläubiger sechs Jahre nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens von seinen Schulden befreit werden kann, wenn er diese nicht begleichen kann.

Schlecker hatte seinen Antrag jedoch zurückgenommen, um seinen Gläubigern zuvorzukommen. Denn einige von ihnen hatten vor, ihrerseits dagegen vorzugehen, dass Schlecker künftig als schuldenfreier Mann leben kann. Der Widerspruch von Gläubigern war möglich, da Schlecker im November 2017 wegen Bankrotts zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden sei. Das Gesetz sieht vor, dass die Restschuldbefreiung versagt werden kann, wenn ein Schuldner zu mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Dazu genügt es, dass ein einziger Gläubiger einen sogenannten Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung stellt.

Insofern werden sich wohl noch einige frühere Geschäftspartner an Schleckers Versprechungen kurz vor Insolvenzeröffnung oder auch an die im Rahmen des Strafprozesses aufgedeckten millionenschweren Vermögensverschiebungen innerhalb der Familie erinnert haben.

Für Schlecker bedeutet dies, dass er kein Vermögen mehr aufbauen kann, sondern künftig alle zwei Jahre seine Vermögenswerte offenlegen muss, um darzulegen, dass er die Forderungen der Gläubiger nicht erfüllen kann.

Über die uneingeschränkten Testate von EY bezüglich der jahrelangen Falschbilanzierung im Hause Schlecker redet heute niemand mehr. Die Verfahren gegen beide Wirtschaftsprüfer wurden gegen geringe Geldauflagen eingestellt.

12.01.2018
LuxLeaks: Jetzt wird PwC verklagt!

In der "LuxLeaks"-Affäre um unverschämte Steuervorteile für internationale Großkonzerne hat das oberste Gericht Luxemburgs - der Kassationshof - gestern das Urteil gegen den Whistleblower Antoine Deltour gekippt.

Sein Verfahren muss damit neu aufgerollt werden. - Die Verteidigungslinie seines Anwalts hat die Richter offenbar überzeugt: Er verstehe nicht, warum sein Mandant vom Gericht zwar als Whistleblower anerkannt, dann aber wegen Datendiebstahls verurteilt werden könne. Ohne im Besitz von Daten zu sein, könne man schließlich nicht zum Whistleblower werden. Dies sei ein Paradoxon!?

Die Richter sahen das ähnlich: Deltours Funktion als Whistleblower sei nicht richtig gewürdigt worden, hieß es.

Jetzt kommt der Knaller:

Parallel zum Prozess in Luxemburg läuft bereits seit Wochen ein weiterer Prozess am »Tribunal de Grande Instance« im lothringischen Metz. Nur sitzen dort nicht Whistleblower auf der Anklagebank, sondern die Vertreter von PWC. Kläger sind hier zwei Angeklagte aus dem LuxLeaks-Prozess.

PwC wird vorgeworfen, beim Ersuchen einer privaten Hausdurchsuchung bei einem Ex-Mitarbeiter gelogen zu haben. Denn es ging nicht, wie von PWC behauptet, nur darum, festzustellen, dass Daten entwendet wurden, sondern vielmehr wollte PwC herausfinden und belegen, wer die Daten an den Journalisten weitergegeben hatte.

Deshalb wurden bei der Durchsuchung, der die französische Gendarmerie beiwohnte, von PwC-Leuten nicht nur Dokumente mitgenommen, sondern auch der gesamte E-Mail-Verkehr kopiert.

Für PwC sieht die Sache vor Gericht nicht gut aus!

Die Metzer Staatsanwaltschaft sagt, dass die Erlaubnis zur Hausdurchsuchung zu annullieren sei, da sie gegen den journalistischen Quellenschutz verstoße. Damit träfe PwC ein Verwertungsverbot der unrechtmäßig erlangten Informationen! - Dies wiederum hätte erhebliche Auswirkungen auf den (neuen) LuxLeaks-Prozess in Luxemburg!

Na, dass sieht mal wieder nach einer saftigen "Klatsche" für PwC aus!

Das Urteil in erster Instanz soll am 6. Februar in Metz gefällt werden.

11.01.2018
LuxLeaks - Der nächste (letzte?) Akt!

Erinnern Sie sich noch: wpwatch hatte in den letzten drei Jahren umfassend über die steuerlichen Vorab-Vereinbarungen (Tax Rulings) berichtet, die PwC für seine Mandanten in Luxemburg ausgehandelt hatte. Ergebnis waren Steuerbefreiungen, die dazu führten, dass Unternehmen wie amazon, apple, Starbucks, Deutsche Bank & Co. lediglich Steuersätze von 1 - 3 % zahlten, d.h. Steuern in Milliarden Größenordnung dem Fiskus entgingen.

Am heutigen Donnerstag wird in Luxemburg das vielleicht letzte Urteil in dieser Sache gegen die beiden PwC-Whistleblower vom Kassationsgerichtshof gesprochen. Antoine Deltour und Raphael Halet wollen einen Freispruch erstreiten und sind gegen ihre symbolischen Gefängnisstrafen mit Bewährung und die Geldstrafen in Revision gegangen.

Antoine Deltour hat bereits angekündigt, dass er – sollte seine Verurteilung heute vom Kassationsgerichtshof bestätigt werden – sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg wenden werde.

Was aber war eigentlich geschehen? - Die internationale Presse hatte Ende 2014 rund 28.000 Dokumente ausgewertet, die aus den Computern von PwC stammten. Über ein US-Recherchezentrum gingen die Papiere sortiert an eine deutsche Recherchegruppe und auch an internationale Medien.

Der Tenor: Luxemburg - ein internationales Steuer-Vermeidungszentrum!

Die Papiere enthielten 548 verbindliche Steuer-Vorbescheide, die über PwC in den Jahren 2002 bis  2010 abgeschlossen wurden. Grundlage der Abkommen war eine Steuervorschrift, nach der Gewinne aus geistigem Eigentum einer 80-prozentigen Steuerbefreiung in Luxemburg unterliegen.

Der eigentliche Skandal besteht jedoch darin, das PwC originäre "hoheitliche Aufgaben" der Finanzverwaltung wahrnahm und die Tax Rulings im eigenen Hause selbst erstellte.

Die LuxLeaks-Veröffentlichungen führten zu einer intensiven, aber erfolglosen Diskussion darüber, ob es ein Gemeinwohl-Interesse gebe, das über den Gesetzen steht. Dieses müsse  “Whistleblower” vor Verfolgung schützen.

Frage: Was hat die monatelange internationale Aufregung bewirkt?

Wenig bis nichts! Die Staaten der EU, die “Tax Rulings” durchführen, tauschen neuerdings lediglich ihre Dokumente aus und stellen damit "Transparenz" her.

In der europäischen Steuer-Diskussion ergibt sich durch LuxLeaks und die eingeführte Transparenz nun allerdings ein Konflikt der Institutionen.

  • Die Europäische Kommission sieht in dem Steuerverhalten der Staaten illegale Beihilfen und verlangt per Dekret die Rückzahlung von gewährten Steuervorteilen in Millionen- und Milliardenhöhe von den begünstigten Unternehmen. Tax Rulings verstoßen nämlich gegen die europäischen Beihilfe-Vorschriften.
  • Luxemburg und andere Staaten klagen nun jedoch vor dem Europäischen Gerichtshof, weil diese Auffassung das Souveränitätsprinzip bricht. In Finanz- und Steuerfragen hat die Europäische Kommission nämlich keine Kompetenz gegenüber den EU-Staaten. Steuerrecht ist geschütztes Souveränitäts-Recht!

Der Europäische Gerichtshof muss demnächst darüber entscheiden, wie weit diese Souveränität auszulegen ist.

Fazit:

Gegen PwC wird nicht vorgegangen, weder berufsrechtlich, noch strafrechtlich! Die Big4 stehen offensichtlich weltweit unter "Artenschutz". Sie liefern die Anleitungen zum aggressiven Steuerdumping, handeln die "Deals" mit den jeweiligen Steuerverwaltungen aus, fertigen selbst die Steuerbescheide  und lassen sich dafür Millionenhonorare zahlen.

Sicherlich werden Politiker und Justizkreise hierbei durch die Lobbyisten-Elite der Big4 "bestens beraten und betreut"!

Ach, noch zum Schluss:

Die Zahl der Tax Rulings in Luxemburg nahm von 2015 (570) bis 2017 (726) um 27,4% zu! - Alles klar???

10.01.2018
Hatten Sie das etwa bereits wieder vergessen?

Ich weiß! - Im medialen Zeitalter unterliegen wir einer permanenten Reizüberflutung und werden auf sonderbare Weise immer wieder auf neue Themen gelenkt. - Wer uns mit welcher Motivation und zu welchem Zweck lenkt, bleibt hierbei zunächst offen.

Auch Themen, die uns einst erstaunten oder gar schockierten, geraten (wohl gelenkt) wieder in Vergessenheit, da bereits "eine neue Sau durchs Dorf getrieben" wurde.

In Zeiten des Finanzkapitalismus regiert ausschließlich das Geld. Vermögende Eliten machen sich ungehemmt die Spielregeln zur Befriedigung von ungezügelter Gier und grenzenlosem Egoismus selbst. Schließlich hat man Freunde bei den Banken und in der Politik, hat man als Ideengeber die "klugen" Berater der Big4, die alles (für teures Geld) gutachterlich für rechtens erklären. Und Freshfields & Co. haben zuvor den Politikern (wissentlich) lückenhafte Gesetze geliefert.

Da stehen sie nun, die Steuerbetrüger: Maschmeier, Privatbankiers Berenberg, Engholm & Co. und wie sie alle heißen. Jetzt geben sie sich naiv und völlig unwissend. Sie verweisen auf ihre klugen Berater, die ihnen immer gesagt haben, dass alles rechtens sei!

In ihrer schamlosen Gier haben sie sich (wieder einmal) am Staat und an der Gesellschaft versündigt. - Überspielt wird alles mit Hochmut, Arroganz und neidbarer "Cleverness".

Hier nochmals die Geschichte von den "seriösen" Cum-Ex Geschäften": Dem größten Steuerbetrug in der deutschen Geschichte! Es geht um über 50 Milliarden Euro!

http://www.zeit.de/2017/24/cum-ex-steuerbetrug-steuererstattungen-ermittlungen/komplettansicht

Lesedauer: rd. 30 Min. - macht garantiert schlechte Stimmung!

Über Jahrzehnte plünderten Banken und Anleger den deutschen Staat mithilfe der sogenannten „Cum-ex“-Aktiengeschäfte aus. Die Politik schaute weg. Bis eine Sachbearbeiterin im Bundeszentralamt für Steuern begann, Fragen zu stellen.

Ich hätte Ihnen auch die Geschichte von

  • Toll Collect,
  • den Panama Papers,
  • der Finanzmarktkrise oder
  • dem VW-Abgasskandal ...

nochmals erzählen können. Damit man es nicht vergisst ...

Viele Geschichten, die alle nach dem gleichen Strickmuster geschrieben werden und langsam in Vergessenheit geraten werden.

08.01.2018
EY und die Spionin aus Rom

Die Big4 setzen alles daran, auf die Politik Einfluss zu nehmen, mitzumischen und "Informationen aus erster Hand" zu bekommen um daraus für ihre Mandanten (und für sich) Kapital zu schlagen. Also gilt es doch, möglichst nah in Ministerien und im politischen Geschehen präsent zu sein und ggf. über Lobbyisten Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen.

wpwatch deckte bereits vor über 10 Jahren auf, dass die Big4 seinerzeit in Deutschland "Leihbeamte" in Ministerien einsetzten, um geheime Vorab-Informationen zu bekommen oder gleich Aufträge akquirierten.

So zeigt ein aktueller Fall in Italien, wie die Einflussnahme der Big4 in der Politik noch heute abläuft:

Die Steuerrechtlerin Susanna Masi war bis zu ihrem Rauswurf vor einigen Wochen Beraterin im italienischen Ministerium für Wirtschaft und Finanzen. Für ihre Dienste bezog sie seit 2012 ein Gehalt von 75.561 € p.a. Das ist nicht viel Geld für eine erfolgreiche Managerin die zuvor bei Ernst & Young (EY) gearbeitet hatte. - Doch vielleicht war ihre Mission für EY ja wichtiger.

Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat herausgefunden, dass der Lohn des Ministeriums nur einen Teil von Masis Einkünften ausmachte. Mehr Geld erhielt sie nämlich weiterhin von ihrem alten Arbeitgeber. Über die Jahre hinweg waren es mindestens noch einmal 220 000 €.

Die Ermittler sind im Besitz aller Banküberweisungen, die das belegen. Sie haben auch Protokolle von abgehörten Telefongesprächen mit dem Senior Partner von EY Italia, Marco Ragusa, und 300 interne Mails. Masi hatte nämlich dummerweise ihr altes Mailkonto von EY behalten.

Aus diesem brisanten Material, das insgesamt sechs Terabyte umfasst, geht hervor, dass Masi EY streng  vertrauliche Informationen aus dem Ministerium und aus Sitzungen der europäischen Finanzminister zukommen ließ. Was auch immer an neuen Gesetzen und Steuern in Vorbereitung war - bei EY erfuhr man es vorab.

Zu klären bleibt noch die Frage, ob Masi auch Informationen aus den geheimen Sitzungen der europäischen Finanzminister an Ernst & Young durchgestochen hat.

Wenn dem so wäre, könnte Ernst & Young auch über Vorhaben der Finanzminister informiert gewesen sein, zu denen die eigenen Berater im Hause die ein oder andere (teure) Studie angefertigt hatten. Ganz zu schweigen von dem mutmaßlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Beratern oder für Mandanten.

Der Vorgang ist auch deshalb so brisant, weil  in dieser Zeit z.B. auch heftig über die Einführung einer Finanztransaktionsteuer debattiert wurde. Diese Börsensteuer sollte die Lasten der Finanzkrise gerechter verteilen. Über diese Steuer auf Finanzgeschäfte sollten Kreditinstitute zur Kasse gebeten und hochriskante Geschäfte wie der sekundenschnelle elektronische Handel mit Wertpapieren eingedämmt werden.

Die Finanzindustrie hatte immer wieder vor einer solchen Steuer "gewarnt" - und zwar mit Argumenten, die sich exakt so jetzt in den teuren Studien von EY fanden.

Der Verdacht liegt also nahe, dass Susanna Masi für EY in Rom spioniert hat - und zwar als besonders kostbarer Maulwurf. Weiterhin besteht der Verdacht, dass die Beraterin ihre Informationen auch verkaufte.

Fazit:

  • Nun haben sowohl EY als auch die Spionin nicht nur ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren "an der Backe", sondern auch ein dickes strafrechtliches Problem.
  • So arbeiten sie halt - die Big4! Und zwar offensichtlich weltweit!
  • Vergessen Sie doch den 156-seitigen "Code of Ethics" des Berufsstandes - ein "Feigenblatt".

05.01.2018
Kleeberg: Auch ein WPK-Vorstand ... (2)

Eines der beiden einzigen § 319a-Mandate von Crowe Kleeberg ist/war die

  • United Power Technology AG,

eine seit Juni 2011 im Prime-Standard-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse gelistete Holdinggesellschaft eines chinesischen Herstellers von Stromerzeugungsaggregaten und Wasserpumpen.

Der Aktienkurs fiel bis Mitte 2016 trotz ausgewiesener Gewinne aber negativem Cashflow auffällig vom Ausgabekurs 9 € auf unter 1 €.

Einzel- und Konzernabschlussprüfer 2015 war die Crowe Kleeberg Audit GmbH, die das Mandat von Deloitte übernahm, und für die Prüfung 131 TEUR liquidierte. Beide Abschlüsse wurden am 27. April 2016 uneingeschränkt testiert.

Mitunterzeichner der Testate: WPK-Vorstandsmitglied und Kleeberg-Gesellschafter-Geschäftsführer Karl Petersen.

Am 20.09.2017 veröffentlichte die Gesellschaft unerwartet folgende Mitteilung nach § 37q Abs. 2 Satz 1 WpHG.

Demnach hatte man zwischenzeitlich Besuch von der Deutschen Bilanzpolizei (DPR), die erhebliche Fehler im Konzernabschluss und Konzernlagebericht 2015 festgestellt hatte:

  • "Sonstige langfristige Vermögenswerte" in Höhe von 28,8 Mio. € (rd. 17,5 % der Bilanzsumme!) wurden unzulässigerweise aktiviert obwohl es sich um reinen Aufwand handelte!
  • Die diesbezügliche Darstellung im Konzernlagebericht war "irreführend" und verstößt gegen § 315 I 1 HGB!

Das sind ja schon "Knaller", die bei risikoorientierter Erstprüfung (IDW 261, 205) des "Chinesen-Abschlusses" hätten festgestellt werden müssen!

Und die Moral von der Geschicht:

  • Man kann noch so viele Kommentare schreiben, Lehraufträgen nachgehen und hohe Ämter bekleiden: Man ist nicht davor sicher, dass umtriebige Chinesen einen vielbeschäftigten Wirtschaftsprüfer "hinter die Fichte führen"!?
  • Vielleicht mangelte es dem WPK-Vorstandskollegen aber auch an der "kritischen Grundhaltung" in diesem lockenden lukrativen Neu-Mandat aus der 1. Liga?

Crowe Kleeberg hat nun ein § 319a-Mandat weniger, da man im Mai 2017 als Abschlussprüfer und Konzernabschlussprüfer gerichtlich abberufen wurde.

So erlebt auch WPK-Vorstandsmitglied Petersen einmal hautnah, wie die Marktbereinigung im Segment der § 319a-Prüfer durch die Big4 funktioniert.

Ob Kleeberg jetzt ein Problem mit der APAS oder der WPK hat oder gar eine "Inspektion" droht, darf sicherlich bezweifelt werden - schließlich ist man doch gut "vernetzt"!

Die APAS ist übrigens nicht nur die letztinstanzliche Fachaufsicht über die § 319a-Prüfer sondern auch die Aufsicht über die WPK.

04.01.2018
Kleeberg: Auch ein WPK-Vorstand kann sich mal die Finger verbrennen! (1)

Kaum eine mittelgroße WP-Gesellschaft hat in den letzten 10 Jahren mehr "Wirbel" gemacht als Crowe Kleeberg in München. Man hat sich quasi zu einem schillernden "national player" entwickelt.

Die "Qualitäten" von Crowe Kleeberg werden in einer beachtenswerten Imagebroschüre mit aussagefähigen Tierbildern ausdrucksvoll dargestellt:

http://www.kleeberg.de/fileadmin/download/imagebroschueren/Kleeberg_Wir.pdf 

Mit 160 Mitarbeitern, davon 14 Geschäftsführer, 4 Directors, 23 Prokuristen und einem IT-Auditor IDW kann man schon viel bewegen. Namen wie Zwirner, Petersen etc. sind mittlerweile branchenbekannt.

Präsent ist man neben dem Prüfungsgeschäft (rd. 735 T€/p.a.)

  • auch im Seminargeschäft,
  • in Fachausschüssen des IDW,
  • als Bilanz-Kommentatoren,
  • Schriftleiter bei Verlagen,
  • Lehrbeauftragte an Hochschulen und
  • im Vorstand der WPK!

Also: Volles Programm!

Zur Erinnerung: In 2014 hatte Kollege Petersen (mit bescheidenem Wahlergebnis) den Sprung in den Vorstand der WPK über die Herzig-Liste (Tarnliste des IDW!) geschafft und ist deshalb mitverantwortlich für die skandalöse Berufspolitik der WPK und die Überregulierung und Marktbereinigung im Berufsstand!

Auch zählt man zu den (noch) 87 PIE-Prüfern in Deutschland, die sich neben den Big4 im Feld der § 319a-Prüfer bewegen und somit der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) unterliegen. Laut dem hinterlegten 17-seitigem http://www.kleeberg.de/fileadmin/download/transparenzberichte/Kleeberg_Transparenzbericht_2017.pdfTransparenzbericht hat Crowe Kleeberg (noch) zwei § 319a-Mandate.

Bei so viel Fachkompetenz im Hause Kleeberg sollte man annehmen, dass man auch in dieser Liga der Prüfer kapitalmarktorientierter Unternehmen professionell mitspielen kann.

Schließlich ist man ja (Mit-)Herausgeber verschiedener Bilanzkommentare.

Doch auch ein umtriebiger WPK-Vorstand Karl Petersen kann sich an einem § 319a-Mandat schnell mal die Finger verbrennen - insbesondere wenn Chinesen im Spiel sind, die dem Abschlussprüfer mit Nachdruck schnell mal ein X für ein U vormachen.

Dumm nur, wenn der Sachverhalt später dann von der deutschen Bilanzpolizei (DPR) aufgedeckt werden muss.

Lesen Sie Morgen mehr an dieser Stelle! ...

23.11.2017
Lünendonk: Falsches Spiel mit falschen Zahlen?

Seit dem 24. August 2017 ist die Lünendonk®-Studie 2017: "Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland" zum Preise von 2.200 € (+ USt) verfügbar. - Für 82 Seiten Text und ca. 150 Seiten Tabellarien ein stolzer Preis!

Auf der Lünendonk-Website verspricht man:

  • "Die Studie analysiert, wie sich die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland im Geschäftsjahr 2016 entwickelt haben, welche Restriktionen sie zurzeit und in Zukunft zu bewältigen haben sowie welche Entwicklungen sie prognostizieren. Neben den aktuellen Marktdaten werden auch Werte aus den Vorgängerstudien herangezogen, um Trends nachzeichnen zu können. Damit sorgt Lünendonk mit der bewährten sachlichen Analyse für Transparenz und Orientierung im Markt für Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften."

wpwatch hatte in der Vergangenheit mehrfach auf die Verwendung ungeprüften und widersprüchlichen Zahlenmaterials für diese Studien hingewiesen. Seitens Lünendonk gab es keinerlei Reaktion!

Insbesondere die widersprüchlichen Zahlen von Rödl & Partner und die damit verbundene irreführende Besetzung von Rang 6 im Feld der "Großen" des 13-Mrd. €-Marktes zeugen nicht von qualifizierter Recherche und Analyse!

Zwei Beispiele zeigen die Schwächen dieser "Studie" deutlich auf:

  • Seite 18: Wohl vor dem Hintergrund der wpwatch-Kritik versucht Lünendonk oberflächlich zu relativieren, indem von "Verschiebungen" am WP-Markt gesprochen wird!? Hier hätte es doch nur eines Abgleichs mit dem Unternehmensregister und anderen Veröffentlichungen bedurft um festzustellen, dass die von Rödl eingereichten Zahlen nicht stimmen können!
  • Seite 75/76: Auf zwei Seiten wird ein "Studienfazit" gezogen. Das zweiseitige Fazit ist durchzogen mit zahlreichen Rechtschreibfehlern sowie weiteren schweren sprachlichen sowie sprachlich-inhaltlichen Fehlern. Gewählte Plattitüden und Banalitäten ("WP Gesellschaften dürfen Kerngeschäft nicht vernachlässigen"; "Schere zwischen großen und kleinen Gesellschaften geht auseinander") werden als wichtige Studienerkenntnisse präsentiert!?

Nach intensivem Studium der Studie kommt man relativ schnell zu einem ernüchternden Ergebnis:

Die "Studie" gleicht geradezu einem Offenbarungseid in Bezug auf Qualität und Aussagekraft der dort ausgeführten Erkenntnisse! Allein die Verwendung ungeprüften Zahlenmaterials der im Ranking miteinander buhlenden Marktteilnehmer lässt doch an der Seriosität und Qualität dieser Studie zweifeln.

16.11.2017
Geldstrafe und Berufsverbot gegen KPMG

Die US-Börsenaufsicht SEC hat ein Verfahren gegen KPMG gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe des Honorars (USD Mio. 4,7) plus Zinsen (USD Mio. 0,6) plus einer Strafzahlung in Höhe von USD Mio. 1,0 eingestellt (US-SEC, Order Aug. 15, 2017 - 34-81396).

Das Verfahren gegen den verantwortlichen Wirtschaftsprüfer wurde gegen Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 25.000 USD und einem zweijährigen Berufsverbot eingestellt.

Der Grund:

Bei der Prüfung der Saldenvorträge der in den USA börsennotierten Gesellschaft für das Wirtschaftsjahr 2010/2011 hätte den Abschlussprüfern eine enorme Überbewertung des Anlagevermögens auffallen müssen. Die Gesellschaft hatte Öl- und Gasfelder in Alaska aus einer Insolvenzmasse gekauft und daraus durch Überbewertung einen Buchgewinn von USD Mio. 480 "gezaubert".

KPMG hätte diese Überbewertung auffallen müssen. Denn erster Prüfungsschritt, so die Börsenaufsicht, ist die Prüfung der Saldenvorträge. Außerdem hätten die Abschlussprüfer misstrauisch werden müssen, dass der Umfang des versicherten Anlagevermögens vom dem in der Buchhaltung erfassten Anlagevermögen deutlich nach unten abwich.

Aus Anhörungen der Börsenaufsicht ergab sich außerdem:

Für diese berufsüblichen Prüfungsfeststellungen blieb dem Prüfungsteam keine Zeit, weil es  unterbesetzt und nicht umfassend informiert worden war. Außerdem hatte der zuständige Prüfungsleiter dem Prüfungsteam eine mangelhafte Planung vorgegeben.

Und die Moral aus der Geschicht:

Zu wenig Personal rechtfertigt keinerlei "Abkürzung" der Prüfungshandlungen!

14.11.2017
Der VW-Sonderprüfer

Seit Donnerstag letzter Woche ist es amtlich: Der VW-Abgasskandal wird im Rahmen einer Sonderprüfung nochmals aufgerollt.

Bereits auf der Hauptversammlung in 2016 forderten Aktionärsschützer, dass ein unabhängiger Prüfer die VW-Abgasaffäre aufklären solle. Nun hat aber das Oberlandesgericht Celle der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) recht gegeben. Das Urteil ist rechtskräftig.

Zum Sonderprüfer wurde der Düsseldorfer Kollege WP/StB Rüdiger Reinke von der Kanzlei Baker Tilly bestellt.

Sein Auftrag: Er soll prüfen, ob Vorstand und Aufsichtsrat von VW ihre Pflichten verletzt und dem Unternehmen einen Schaden zugefügt haben. Insbesondere solle der Prüfer untersuchen, wann der Vorstand erstmals Kenntnis von der Abgasproblematik hatte oder hätte haben müssen.

Zuvor war die DSW mit ihrem Anliegen mehrfach abgeblitzt. Im Frühjahr 2016 wurde die Schutzvereinigung auf der Hauptversammlung von den Großaktionären überstimmt. Später wies auch das LG Hannover den Antrag auf einen Sonderprüfer ab. Eine weitere Aufklärungsarbeit sei nicht notwendig, lautete die Begründung des Gerichts sinngemäß. Schließlich habe Volkswagen bereits die US-Kanzlei Jones Day mit internen Untersuchungen beauftragt.

Doch dieses ursprüngliche Urteil ist aus Sicht des OLG mittlerweile hinfällig. Und dafür trägt Volkswagen selbst die Verantwortung. Die Ermittlungsergebnisse der Kanzlei Jones Day hält der VW-Konzern nämlich bis heute unter Verschluss.

Sprich: Die Resultate der Untersuchung sind momentan für niemanden mehr zugänglich, nicht einmal für die Staatsanwälte. Das OLG Celle argumentiert deshalb, die Aktionäre hätten ein berechtigtes Interesse an einer weiteren Untersuchung durch einen unabhängigen Sonderprüfer.

Das OLG Celle sieht einen qualifizierten Verdacht, dass die VW-Vorstände deutlich früher als bislang eingeräumt Kenntnis von der Angelegenheit haben mussten.

Eine Frage hab ich noch:

Wer untersucht eigentlich einmal, ab wann PwC vom Abgasskandal Kenntnisse hatte oder hätte haben müssen? Konnte man zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch uneingeschränkt testieren? War die von Winterkorn und Pötsch unterzeichnete Vollständigkeitserklärung wissentlich falsch?

Vergessen Sie's! - Gegen PwC wird in Deutschland nie ermittelt! Dafür sorgt schon Dr. Gelhausen als Vorsitzender der Vorstandsabteilung Berufsaufsicht (VoBA) der WPK!