Aktuelles

26.02.2018
Geldwäsche auf bayrisch!

Am 17. Januar 2018 berichtete wpwatch unter dem Titel "Nix sehen, nix hören, nix sagen!" über den lächerlichen Umgang mit dem Thema Geldwäsche in Berufsstand und Politik. Nun wird der nächste spektakuläre Fall aufgedeckt und die Politik muss (wieder einmal) unangenehme Fragen beantworten.

  • 2013 verkaufte der Freistaat Bayern 32.000 landeseigene Wohnungen an eine private Investorengruppe zum Preise von 2,5 Milliarden Euro.
  • Der Augsburger Wohnungsbaukonzern PATRIZIA IMMOBILIEN AG hatte seinerzeit die Federführung beim Kauf der Gemeinnützigen Bayerischen Wohnungsgesellschaft (GBW) für ein Konsortium von 27 Investoren, die die GBW von der Bayern LB erwarben.
  • Die Identität dieser privaten Investoren ist bis heute unbekannt(!), da sie die GBW über Beteiligungsgesellschaften in Luxemburg halten.
  • Von LKA und Zoll gab es eindeutige Hinweise auf Geldwäsche im Umfeld des Käufers.

Auslöser der Ermittlungen, an denen sich auch das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligte, waren einige  Geldwäsche-Verdachtsanzeigen. Mehrfach wurde darin der Verdacht geäußert, dass Geschäftspartner der PATRIZIA AG illegales Geld aus Russland waschen könnten. In den Akten finden sich Vermerke über auffällige internationale Geldtransfers sowie Hinweise russischer Ermittlungsbehörden auf Personen und Unternehmen.

Aktuelle Rechercheergebnisse bringen nun die bayerische Landesregierung und den designierten Ministerpräsidenten Markus Söder in Erklärungsnot. Laut interner Ermittlungsdokumente gingen das bayerische LKA und das Zollfahndungsamt München zum Zeitpunkt des Verkaufs einem konkreten Geldwäscheverdacht nach.

Die PATRIZIA AG bestreitet vehement, dass beim Kauf der GBW Schwarzgeld oder russische Investoren im Spiel waren. Der Vorgang "sei zudem durch die Bayern LB und Finanzbehörden geprüft" worden.

Die Ermittlergruppe aus LKA und Zoll nahm die Verdachtsanzeigen offenbar äußerst ernst und empfahl der Staatsanwaltschaft München im Juni 2013, die Verdachtslage "im Zuge tiefergreifender Ermittlungen" aufzuklären. Diese stellte das Verfahren jedoch nach kurzer Zeit und ohne nennenswerte Ermittlungstätigkeiten ein.

Das bayerische Finanzministerium hingegen bestreitet einen Zusammenhang zwischen den eingestellten Geldwäscheermittlungen und dem Verkauf der GBW. Experten halten diese Aussage für unglaubwürdig: "Das ist aller Erfahrung nach eigentlich unvorstellbar!"

Also, es bleibt dabei:

"Nix sehen, nix hören, nix sagen!" - so geht halt Geldwäsche.

Wirtschaftskriminalität ist höchst lukrativ und dabei sollte man nicht stören!

Oder anders gesagt: Wohnungen futsch, keiner weiß wohin ... Alle sind zufrieden und die Politik war äußerst hilfreich beim Ausbremsen der Justiz!

Ergebnis: Vermögensverteilung von unten nach oben klappt perfekt!

Patrizia AG wird übrigens von Deloitte geprüft. Prüfungshonorar 2016: 389 TEUR (Vorjahr: 455 TEUR).

20.02.2018
KPMG im Visier der Schweizer Behörden

KPMG ist (wieder einmal) in einen größeren Bilanzskandal in der Schweiz verwickelt, der seit Monaten die Medien beschäftigt. Die schweizerische Berufsaufsicht "Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde" (RAB) hat nun gegen KPMG ein Berufsaufsichtsverfahren eröffnet.

KPMG prüft seit 20 Jahren die Jahresabschlüsse der Postauto AG, eine 100 %-ige Tochtergesellschaft der POST AG. Diese Gesellschaft betreibt mit ihren gelben Bussen in der Schweiz landesweit hochsubventionierte Busstrecken. Hierbei dürfen satzungsgemäß keine Gewinne erwirtschaftet werden, da ansonsten Zuschüsse zurückgezahlt bzw. die Gewinne an die Kantone und den Bund abgeführt werden müssen.

Da jedoch im Laufe der Jahre enorme Gewinne eingefahren wurden - man spricht von über 78 Mio. SFR - kam man auf die tolle Idee, diese subventionierten Buslinien mit Kosten anderer Linien zu belasten und somit die Gewinne "wegzubuchen". So wurden in mehr als 200.000 Buchungen (!) Treibstoffkosten, Reparaturen etc. umgebucht und die Gewinne "kleingerechnet".

Der Skandal wurde ausgelöst durch einen Mitarbeiter des "Bundesamtes für Verkehr", der früher (zufällig) bei der Berufsaufsicht RAB beschäftigt war. Na, so ein Zufall! - Und schon "brennt die Hütte lichterloh!"

Aber: Erwarten Sie nicht zu viel. Die schweizerische Berufsaufsicht hat - ähnlich wie in Deutschland - "Züge einer Geheimjustiz." Man arbeitet "im Stillen" und immer "in engem Kontakt mit den Big4."

KPMG weist bisher jegliche Verantwortung von sich und erklärt, dass man "nicht für die Prüfung interner Verrechnungen zuständig gewesen sei", sondern "nur für die externe Rechnungslegung".

Von der Prüfung der dem Jahresabschluss zugrundeliegenden Buchführung und einem "risikoorientierten Prüfungsansatz" (Gesetzesmäßigkeit etc.) hat KPMG wohl noch nichts gehört!? - Das ist ja wohl ein Treppenwitz!

Eine Frage hab ich noch:

Warum glauben eigentlich immer noch intelligente Top-Manager, es käme nicht früher oder später alles ans Licht? Ist es Naivität? Ist es kriminelle Energie? Oder glaubt man, die Situation mit Hilfe von Politik und Star-Juristen jederzeit beherrschen zu können?

Dieser Fall reiht sich doch nur lückenlos ein in die Serie: VW, AUDI, Deutsche Bank, M.M. Warburg, FIFA,  AIR BERLIN, ...

19.02.2018
Das fragwürdige PwC-Honorar

Damit hatten das BMWi und PwC wohl nicht gerechnet. - Erneuter Ärger im Fall Air Berlin:

Die Bundesregierung stuft nach übereinstimmenden Medienberichten die millionenschweren Honorarzahlungen an PwC als "geheim" ein. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, "dass der Steuerzahler hier beschissen werden soll".

Trotz des seinerzeitigen gegenteiligen Versprechens der Bundesregierung müssten die Bürger nun doppelt zahlen: "Zum einen für mehr als die Hälfte des Überbrückungskredits von 150 Millionen Euro und für die Altschulden von Air Berlin". Hinzu kommen weitere Honorare für eine "suspekte Risikoprüfung" des Kredites in unbekannter Höhe.

Insbesondere geht es auch um die sonderbare Beauftragung an PwC durch Staatssekretär Machnig an einem Samstagmorgen mit der Bitte "etwas aufzuschreiben", was eine Bundesbürgschaft rechtfertigen könne.

Der KfW-Staatskredit für Air Berlin wurde mit einer Bundesbürgschaft abgesichert und erweist sich aus Sicht des Steuerzahlers zunehmend als finanzielles Desaster. Der lachende Dritte im Bunde heißt: LUFTHANSA AG.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass der Insolvenzverwalter von Air Berlin, Lucas Flöther, nun ebenfalls PwC beauftragt hatte, "Anhaltspunkte für eine Insolvenzverschleppung" bei der Airline zu prüfen. Flöther selber hatte bereits Ende Januar 2018 in seinem "Insolvenzbericht" geschrieben, dass PwC eben solche "Anhaltspunkte" festgestellt hätte!

Also nochmal:

Bei der sogenannten "Risikoprüfung" des Kredites und der Vergabe der Bundesbürgschaft sahen die Experten von PwC (wunschgemäß) keine Risiken, stellen jedoch wenige Monate später fest, dass Air Berlin zum Zeitpunkt der Kreditvergabe bereits pleite war!? Das kann doch nur bedeuten, dass die "Risikoprüfer" von PwC wunschgemäß für Staatssekretär Machnig etwas "aufgeschrieben" haben, obwohl sie bereits wussten, dass die "Kiste vor die Wand gefahren war"!

Fazit:

Machnig erhielt sein vorgegebenes Wunschergebnis, die Bundesregierung sah ihren Wahlkampf wegen zehntausender gestrandeter Urlauber nicht gefährdet, PwC fuhr sich ein Millionen-Honorar rein und die "Arschkarte" haben die Steuerzahler!

Derweil jubeln Vorstände und Großanleger von LUFTHANSA! So geht "Umverteilung" von unten nach oben!

Es wird Zeit, dass hier einmal glasklare Fragen an PwC und den "Superstrategen Machnig" gestellt werden. Wie heißt es doch in der Wirtschaftsprüferordnung: "Gewissenhafte, unabhängige und eigenverantwortliche Berufstätigkeit" (§ 43 WPO). Die (lohnende) Rolle von PwC war wohl alles andere als gesetzeskonform mit dem Berufsgesetz!

Das skandalöse Zusammenwirken von Politik und den Big4 hat auch hier mal wieder mehr als ein "Geschmäckle"!

15.02.2018
von der Leyen's Superstar geht von der Fahne!

Da rieb man sich schon die Augen:

2014 wurden zwei McKinsey-Partner überraschend von unserer  Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Ministerium (BMVg) abgeworben und sollten dort die milliardenschwere Rüstungsbeschaffung effizienter organisieren und deutlich optimieren.

Die promovierte Neuroinformatikerin Katrin Suder (46) tauschte hierbei ein Millionensalär bei McKinsey gegen eine Beamtenbesoldung als Staatssekretärin in Höhe von rd. 165.000 €/p.a.!? Ihr McKinsey-Kollege Gundbert Scherf (36) suchte jedoch vor Jahresende 2016 bereits wieder das Weite und ging zurück zu seinem früheren Arbeitgeber.

In der Folgezeit suchte die neue Staatsekretärin verstärkt externen Rat und vergab im Auftrage des Ministeriums an McKinsey und KPMG langfristige Beraterverträge in einem Volumen von über 200 Mio. € (vgl.: wpwatch 12.10.2016)! Intern rumorte es beim BMVg ordentlich, da man ja schließlich in Koblenz eine eigene Beschaffungsbehörde mit über 10.000 Beschäftigten hatte und dort die externen Berater auch durchaus kritisch sah.

Verschiedene Medien berichten nun übereinstimmend, dass Staatssekretärin Katrin Suder aus dem Ministerium ausscheiden wird, da sie "nicht mehr so häufig in Berlin sein möchte!" Mit ihrer Ehefrau, der Sportmarketing-Managerin Katja Kraus, wohnt sie in Hamburg und zieht gemeinsam drei Kinder groß.

Jetzt stellen sich nach dem vierjährigen Intermezzo der Top-McKinsey-Partnerin im BMVg einige Fragen:

  • Mit welcher Motivation tauschte Katrin Suder seinerzeit ein McKinsey-Millionensalär gegen eine eher bescheidene Beamtenvergütung?
  • Kehrt sie zu McKinsey zurück und hat ihren früheren (und künftigen?) Arbeitgeber (absprachegemäß?) mit langfristigen millionenschweren Beraterverträgen versorgt? - Frei nach dem Motto: Mission erfüllt?

Eine Frage hab ich noch:

Kennen Sie noch die Geschichte mit den geheimen McKinsey-Milliarden des McKinsey Investment Office (MIO) in London, die u.a. der Versorgung der (Ex-)McKinsey-Partner dienen sollen?

Na, dann lesen Sie doch noch einmal: wpwatch Newsletter Nr. 68, August 2016, Nr. 2.

Wie arbeiten Beratungsgiganten wie McKinsey, Big4 etc.? Welchen Einfluß haben sie auf die Politik? 

13.02.2018
Betrügt Mautbetreiber Toll Collect den Bund?

Erst am 26. Januar 2018 berichtete wpwatch über das skandalöse Schiedsverfahren wegen Milliardenforderungen des Bundes gegen das Betreiberkonsortium Toll Collect, welches bereits seit 10 Jahren andauert und eine "never ending story" zu werden scheint.

"Star-Anwälte" machen sich mit Millionenhonoraren seit Jahren die Taschen voll und freuen sich jedes Jahr auf neue wachsende Honorare - mittlerweile über 200 Mio. €!!! - Man nennt dies "Öffentlich-Private-Partnerschaft."

Ein von dem privaten Schiedsgericht bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars in Auftrag gegebenes Gutachten über die Abrechnungen von Toll Collect liegt nun als "230-seitiger geheimer Untersuchungsbericht" dem Bundesverkehrsministerium vor. Demnach hat das Konsortium um die Hauptgesellschafter Telekom und Daimler dem Bund innerhalb von nur drei Jahren mindestens 298 Mio. € zu viel berechnet.

Von den Big4 sind drei "im Spiel": EY prüft die Toll Collect GmbH, PwC prüft die Telekom und KPMG prüft Daimler. Jetzt muss Mazars als "unabhängiger Prüfer" die Schadenshöhe gutachterlich feststellen.

Das Schiedsgericht versucht seit mehr als zehn Jahren, den Streit um die Finanzierung des milliardenschweren Mautsystems beizulegen. Der Bund verlangt von Toll Collect mehr als 7,5 Milliarden Euro Schadensersatz, weil das Mautsystem 2005 erst mit 16 Monaten Verspätung den Betrieb aufnahm.

Toll Collect fordert demgegenüber rund zwei Milliarden Euro an Gebühren, deren Auszahlung der Bund verweigert, weil sie nicht durch den Vertrag gedeckt sind.

Wie hoch der Schaden für den Steuerzahler insgesamt ist, lässt sich nicht beziffern, da die Wirtschaftsprüfer von Mazars auftragsgemäß nur drei (von dreizehn!) Geschäftsjahre durchleuchtet haben.

Im August 2018 läuft der Vertrag mit dem Toll-Collect-Konsortium aus. Die Bundesregierung hat jetzt offensichtlich die Faxen dicke und plant, den Mautbetreiber vorübergehend zu verstaatlichen.

Auf diese Weise hätte der Bund die Chance, Einblick in die gesamten Abrechnungen zu erhalten, heißt es aus dem Ministerium. Nur so ließe sich feststellen, welcher Schaden durch die Öffentlich-Private Partnerschaft für den Bund entstanden ist. Schon im kommenden Jahr will die Regierung jedoch den Mautbetreiber nach europaweiter Ausschreibung dann wieder einem privaten Betreiber übertragen.

Zuletzt war das Betreiberkonsortium bereits durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Manager von Toll Collect in die Schlagzeilen geraten. Durch überhöhte Abrechnungen sollen die Verdächtigen den Bund um mindestens drei Mio. € geprellt haben. Im Mai 2017 durchsuchten Ermittler deshalb auch die Firmenzentrale des Betreibers.

06.02.2018
Die feinen Hamburger Privatbankiers

Die Privatbank M.M. Warburg will mehr sein als nur eine Bank. Das traditionsreiche Institut versteht sich als Teil der Hamburger Gesellschaft. Die Bank soll in dubiose Cum-Ex-Aktiendeals verwickelt sein. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte bereits im Januar 2016 die Zentrale der Bank gründlich auf den Kopf stellen lassen. Der von Deloitte im Auftrage der BaFin erstellte mehr als 400-seitge Prüfungsbericht, datiert auf den 23.12.2016, der einigen investigativen Journalisten vorliegt, verrät nun die Details.

Die Beweislast ist aufgrund gefundener Aktenvermerke und Telefonmitschnitte erdrückend.

Die Privatbank soll sich kräftig aus der Staatskasse bedient haben. Bis zu 146,3 Mio. € soll Warburg abgegriffen haben. Inklusive Zinsen drohen Warburg bis zu 190,6 Mio. € Steuerrückforderungen, schreibt Deloitte. In diesem Szenario seien etwaige Bußgelder und Gewinnabschöpfungen durch Ermittlungsbehörden noch nicht berücksichtigt.

Das wäre ein Schock für die Hansestadt, in der die Bank eine Institution ist, eine der Stützen der Wirtschaft. Warburg verwaltet Vermögen wohlhabender Kunden in Höhe von mehr als 50 Milliarden Euro. Warburg dementiert und beruhigt: Man habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

Ende 2017 hatte das Bundesfinanzministerium die Hamburger Finanzverwaltung angewiesen, wegen drohender Verjährung dem Hause Warburg einen Steuerbescheid in Höhe von 56 Mio. € zuzustellen.

Obwohl in dem noblen Bankhaus alles abgestritten wird, hatten die Gesellschafter bereits nach der Durchsuchung in 2016 (zufällig) eine Kapitalerhöhung in Höhe von 53 Mio. € durchgeführt, an der sich auch Gesellschaften von Olearius Senior und Max Warburg beteiligten. Zudem verkaufte die Bank Immobilien in Hamburg, Hannover und Frankfurt, löste stille Reserven auf und änderte Rechtsform sowie Struktur der Unternehmensgruppe.

Klartext: Man geht in Deckung und bereitet sich auf alle Eventualitäten vor!

Was für ein Zufall!? - Und alles sicherlich, weil man "keinen Dreck am Stecken hat???

M.M. Warburg, das ist einer der krassesten Verdachtsfälle beim größten Steuerraubzug, der in Deutschland je stattgefunden haben soll.

Staatsanwälte bezichtigen genau 417 Banken und Börsenhändler, den Fiskus systematisch um 5,3 Milliarden Euro betrogen zu haben.

Die "Star"-Anwälte des Hauses M.M. Warburg behauptet allen Ernstes, dass die

  • Sonderprüfung von Deloitte "außer Hörensagen und Vermutungen keinen einzigen Beweis unrechtmäßigen Verhaltens seitens M.M. Warburg & Co. erbracht hätte!"

  • Außerdem lehne man Prüfungsfeststellungen von Deloitte ab, da wegen ihrer Mandatierung durch andere Depotbanken die Unabhängigkeit "in höchstem Maße fraglich" sei!?

Zwei Fragen hab ich noch:

  1. Wieso werden solche Steuerbetrüger unserer ehrenhaften Finanz- und Wirtschaftselite eigentlich in Deutschland nie in die "Kiste" gesperrt?
  2. Was haben die Bankenprüfer eigentlich 2009 / 2010 geprüft und testiert, als sie den gigantischen Steuerraubzug in den Büchern der Mandanten gesehen haben?

05.02.2018
Zahlst Du noch oder verschiebst Du schon?

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist letztes Wochenende im Alter von 91 Jahren gestorben. In Erinnerung werden nicht nur seine grandiose unternehmerische Leistung beim Aufbau des weltweit größten Möbelherstellers und -verkäufers, sondern auch sein "gespaltenes Verhältnis" zur Steuergesetzgebung bleiben.

Kamprad lebte seit 1976 in der Schweiz, weil er nach eigenen Angaben die hohen Steuern in seiner Heimat nicht zahlen wollte. Erst 2013 kehrte er nach Schweden zurück.

IKEA ist ebenso wie PwC durch die Lux-Leaks-Affäre öffentlich ins Zwielicht geraten. Das Möbelunternehmen hatte es gemeinsam mit PwC in der Disziplin "Steuersparen" zu besonderer Meisterschaft gebracht.

Hier das Grob-Konzept für die Kür im aggressiven Steuerdumping.

Laut bei PwC enthüllten Dokumenten soll die Inter Ikea Holding etwa im Jahr 2010 aufgrund des PwC-Steuervorbescheids (tax ruling) ganze 48.000 Euro Steuern gezahlt haben - auf einen Gewinn von damals mehr als 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem unanständigen Steuersatz von 0,002 %.

Jetzt ist der liebe Ingvar ein für alle Mal im "tax heaven" und "forever tax free".

05.02.2018
Ex-Wirtschaftsprüfer des Vatikan packt aus

Libero Milone (67) war Italien-Chef der weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche und übernahm vor gut zwei Jahren auf Wunsch von Papst Franziskus die Stelle des "ersten Generalkontrolleurs im Vatikan."

Im Herbst 2017 trat er überraschend zurück. Er habe den Papst  darum gebeten, vom Posten des Generalkontrolleurs entbunden zu werden, teilte der Vatikan seinerzeit ohne Angabe von Gründen mit. Papst Franziskus habe seinem Wunsch entsprochen.

Mit dem neu geschaffenen Posten beabsichtigte Papst Franziskus eine Reform der undurchsichtigen Finanzverwaltung der Kurie nach einer Reihe von Skandalen und eine schärfere Kontrolle derselben. Der Generalkontrolleur sollte gemeinsam mit dem australischen Kardinal George Pell und dem deutschen Kardinal Reinhard Marx auch das Wirtschaftssystem des Vatikans modernisieren.

Milone spielte allerdings auch eine zentrale Rolle in der „Vatileaks“-Affäre. Von seinem Computer im Vatikan wurden im November 2015 vertrauliche Dokumente gestohlen, die Aufschluss über Geschäftsbeziehungen und mögliche Misswirtschaft in der Kurie gaben. Ein spanischer Prälat wurde seinerzeit verurteilt, der die geheimen Informationen an Journalisten weitergegeben haben soll.

Milone gab später - entgegen seiner Verschwiegenheitspflicht (§ 43 I WPO) - der Presse zu Protokoll, dass er ein "Opfer interner Machtkämpfe" im Vatikan geworden sei und bei der Gendarmerie des Kirchenstaates gezwungen wurde, sofort zurückzutreten, andernfalls drohe ihm die Inhaftierung.

Es ist nicht überliefert, ob der Vatikan das Mandat bereits neu ausgeschrieben habe oder ob schon eine der anderen Big4 mandatiert wurde. Die Stelle des verantwortlichen Generalkontrolleurs des Vatikan scheint aber nicht ganz ungefährlich zu sein!?

01.02.2018
Deutsche Bank: Boni-Orgie trotz Verlust

Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs - die Verunsicherung in der Banken-Branche könnte nicht größer sein.

Am morgigen Freitag gibt die Deutsche Bank ihr negatives Jahresergebnis 2017 bekannt. Nach zwei Milliardenverlusten in Folge hatte auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer John Cryan mit einem Minus geendet.

Die Deutsche Bank will trotz roter Zahlen dennoch über eine Milliarde Euro an Boni an ihre Banker ausschütten. Nach einer kontroversen Debatte hätten sich die Investmentbanker mit dem Argument durchgesetzt, dass bei erneuten Bonuskürzungen die besten Leute gehen würden.

Die Bonuszahlungen waren bei Deutschlands größtem Kreditinstitut von 2,4 Milliarden Euro 2015 auf 500 Millionen Euro im Jahr darauf zurückgegangen.

Interessant dürfte bei Vorlage des Jahresabschlusses 2017 auch die Frage sein, wie viele Milliarden man für anstehende Rechtsstreitigkeiten, Bußgelder, Schadenersatzklagen etc. (Abteilung "Leichen im Keller") zurückgestellt hat.

Testiert werden Jahres- und Konzernabschluss von der KPMG - unabhängig davon - ohnehin immer uneingeschränkt.

01.02.2018
Weitere Millionenstrafe für die Deutsche Bank

Die amerikanische Derivateaufsicht CFTC will der Deutschen Bank wohl eine Millionengeldbuße wegen angeblicher Manipulation an den amerikanischen Terminmärkten auferlegen. Auch die Schweizer Bank UBS und das britische Finanzinstitut HSBC sollen in diese erst neuerlich festgestellten Manipulationen verwickelt sein.

An den Ermittlungen, die über ein Jahr dauerten, hätten sich auch das Justizministerium und die Bundespolizei FBI beteiligt. Die Strafen für die Deutsche Bank dürfte "mehr als zehn Millionen Dollar" betragen. Eine genaue Höhe der geplanten Strafzahlungen wurde zunächst nicht bekannt.

Die Deutsche Bank wollte sich hierzu nicht äußern.

Es gibt wohl kaum einen Paragraphen im Strafgesetzbuch den die Deutsche Bank beim Zocken und Geschäftsmachen bisher ausgelassen hat. - Der Ruf ist ruiniert, Milliardenzahlungen bereits geleistet, weitere Strafen zu erwarten ... und dann noch (teilweise) in Händen chinesischer Zocker.

Der Untergang der Deutschen Bank begann mit der Finanzmarktkrise 2008 wo in politisch ungezügeltem Hochmut und krimineller Energie beschissen wurde, was das Zeug hält! - Natürlich immer wieder begleitet von den uneingeschränkten Bestätigungsvermerken der KPMG, d.h. des Skandalprüfers Ralf Bose. Dieser hatte es - nachdem man ihn "aus dem Verkehr ziehen musste" - zum obersten Berufsaufseher Deutschlands und Europas geschafft. Er hat heute den Vorsitz der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) und ist die letztinstanzliche Fachaufsicht über die Wirtschaftsprüferkammer (WPK). Hier hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Aber Feingefühl und Instinkt waren noch nie die Tugenden der Politik - hier geht es wohl eher um Kumpanei und mafiöse Strukturen.