Aktuelles

15.02.2018
von der Leyen's Superstar geht von der Fahne!

Da rieb man sich schon die Augen:

2014 wurden zwei McKinsey-Partner überraschend von unserer  Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Ministerium (BMVg) abgeworben und sollten dort die milliardenschwere Rüstungsbeschaffung effizienter organisieren und deutlich optimieren.

Die promovierte Neuroinformatikerin Katrin Suder (46) tauschte hierbei ein Millionensalär bei McKinsey gegen eine Beamtenbesoldung als Staatssekretärin in Höhe von rd. 165.000 €/p.a.!? Ihr McKinsey-Kollege Gundbert Scherf (36) suchte jedoch vor Jahresende 2016 bereits wieder das Weite und ging zurück zu seinem früheren Arbeitgeber.

In der Folgezeit suchte die neue Staatsekretärin verstärkt externen Rat und vergab im Auftrage des Ministeriums an McKinsey und KPMG langfristige Beraterverträge in einem Volumen von über 200 Mio. € (vgl.: wpwatch 12.10.2016)! Intern rumorte es beim BMVg ordentlich, da man ja schließlich in Koblenz eine eigene Beschaffungsbehörde mit über 10.000 Beschäftigten hatte und dort die externen Berater auch durchaus kritisch sah.

Verschiedene Medien berichten nun übereinstimmend, dass Staatssekretärin Katrin Suder aus dem Ministerium ausscheiden wird, da sie "nicht mehr so häufig in Berlin sein möchte!" Mit ihrer Ehefrau, der Sportmarketing-Managerin Katja Kraus, wohnt sie in Hamburg und zieht gemeinsam drei Kinder groß.

Jetzt stellen sich nach dem vierjährigen Intermezzo der Top-McKinsey-Partnerin im BMVg einige Fragen:

  • Mit welcher Motivation tauschte Katrin Suder seinerzeit ein McKinsey-Millionensalär gegen eine eher bescheidene Beamtenvergütung?
  • Kehrt sie zu McKinsey zurück und hat ihren früheren (und künftigen?) Arbeitgeber (absprachegemäß?) mit langfristigen millionenschweren Beraterverträgen versorgt? - Frei nach dem Motto: Mission erfüllt?

Eine Frage hab ich noch:

Kennen Sie noch die Geschichte mit den geheimen McKinsey-Milliarden des McKinsey Investment Office (MIO) in London, die u.a. der Versorgung der (Ex-)McKinsey-Partner dienen sollen?

Na, dann lesen Sie doch noch einmal: wpwatch Newsletter Nr. 68, August 2016, Nr. 2.

Wie arbeiten Beratungsgiganten wie McKinsey, Big4 etc.? Welchen Einfluß haben sie auf die Politik? 

13.02.2018
Betrügt Mautbetreiber Toll Collect den Bund?

Erst am 26. Januar 2018 berichtete wpwatch über das skandalöse Schiedsverfahren wegen Milliardenforderungen des Bundes gegen das Betreiberkonsortium Toll Collect, welches bereits seit 10 Jahren andauert und eine "never ending story" zu werden scheint.

"Star-Anwälte" machen sich mit Millionenhonoraren seit Jahren die Taschen voll und freuen sich jedes Jahr auf neue wachsende Honorare - mittlerweile über 200 Mio. €!!! - Man nennt dies "Öffentlich-Private-Partnerschaft."

Ein von dem privaten Schiedsgericht bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars in Auftrag gegebenes Gutachten über die Abrechnungen von Toll Collect liegt nun als "230-seitiger geheimer Untersuchungsbericht" dem Bundesverkehrsministerium vor. Demnach hat das Konsortium um die Hauptgesellschafter Telekom und Daimler dem Bund innerhalb von nur drei Jahren mindestens 298 Mio. € zu viel berechnet.

Von den Big4 sind drei "im Spiel": EY prüft die Toll Collect GmbH, PwC prüft die Telekom und KPMG prüft Daimler. Jetzt muss Mazars als "unabhängiger Prüfer" die Schadenshöhe gutachterlich feststellen.

Das Schiedsgericht versucht seit mehr als zehn Jahren, den Streit um die Finanzierung des milliardenschweren Mautsystems beizulegen. Der Bund verlangt von Toll Collect mehr als 7,5 Milliarden Euro Schadensersatz, weil das Mautsystem 2005 erst mit 16 Monaten Verspätung den Betrieb aufnahm.

Toll Collect fordert demgegenüber rund zwei Milliarden Euro an Gebühren, deren Auszahlung der Bund verweigert, weil sie nicht durch den Vertrag gedeckt sind.

Wie hoch der Schaden für den Steuerzahler insgesamt ist, lässt sich nicht beziffern, da die Wirtschaftsprüfer von Mazars auftragsgemäß nur drei (von dreizehn!) Geschäftsjahre durchleuchtet haben.

Im August 2018 läuft der Vertrag mit dem Toll-Collect-Konsortium aus. Die Bundesregierung hat jetzt offensichtlich die Faxen dicke und plant, den Mautbetreiber vorübergehend zu verstaatlichen.

Auf diese Weise hätte der Bund die Chance, Einblick in die gesamten Abrechnungen zu erhalten, heißt es aus dem Ministerium. Nur so ließe sich feststellen, welcher Schaden durch die Öffentlich-Private Partnerschaft für den Bund entstanden ist. Schon im kommenden Jahr will die Regierung jedoch den Mautbetreiber nach europaweiter Ausschreibung dann wieder einem privaten Betreiber übertragen.

Zuletzt war das Betreiberkonsortium bereits durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Manager von Toll Collect in die Schlagzeilen geraten. Durch überhöhte Abrechnungen sollen die Verdächtigen den Bund um mindestens drei Mio. € geprellt haben. Im Mai 2017 durchsuchten Ermittler deshalb auch die Firmenzentrale des Betreibers.

06.02.2018
Die feinen Hamburger Privatbankiers

Die Privatbank M.M. Warburg will mehr sein als nur eine Bank. Das traditionsreiche Institut versteht sich als Teil der Hamburger Gesellschaft. Die Bank soll in dubiose Cum-Ex-Aktiendeals verwickelt sein. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte bereits im Januar 2016 die Zentrale der Bank gründlich auf den Kopf stellen lassen. Der von Deloitte im Auftrage der BaFin erstellte mehr als 400-seitge Prüfungsbericht, datiert auf den 23.12.2016, der einigen investigativen Journalisten vorliegt, verrät nun die Details.

Die Beweislast ist aufgrund gefundener Aktenvermerke und Telefonmitschnitte erdrückend.

Die Privatbank soll sich kräftig aus der Staatskasse bedient haben. Bis zu 146,3 Mio. € soll Warburg abgegriffen haben. Inklusive Zinsen drohen Warburg bis zu 190,6 Mio. € Steuerrückforderungen, schreibt Deloitte. In diesem Szenario seien etwaige Bußgelder und Gewinnabschöpfungen durch Ermittlungsbehörden noch nicht berücksichtigt.

Das wäre ein Schock für die Hansestadt, in der die Bank eine Institution ist, eine der Stützen der Wirtschaft. Warburg verwaltet Vermögen wohlhabender Kunden in Höhe von mehr als 50 Milliarden Euro. Warburg dementiert und beruhigt: Man habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

Ende 2017 hatte das Bundesfinanzministerium die Hamburger Finanzverwaltung angewiesen, wegen drohender Verjährung dem Hause Warburg einen Steuerbescheid in Höhe von 56 Mio. € zuzustellen.

Obwohl in dem noblen Bankhaus alles abgestritten wird, hatten die Gesellschafter bereits nach der Durchsuchung in 2016 (zufällig) eine Kapitalerhöhung in Höhe von 53 Mio. € durchgeführt, an der sich auch Gesellschaften von Olearius Senior und Max Warburg beteiligten. Zudem verkaufte die Bank Immobilien in Hamburg, Hannover und Frankfurt, löste stille Reserven auf und änderte Rechtsform sowie Struktur der Unternehmensgruppe.

Klartext: Man geht in Deckung und bereitet sich auf alle Eventualitäten vor!

Was für ein Zufall!? - Und alles sicherlich, weil man "keinen Dreck am Stecken hat???

M.M. Warburg, das ist einer der krassesten Verdachtsfälle beim größten Steuerraubzug, der in Deutschland je stattgefunden haben soll.

Staatsanwälte bezichtigen genau 417 Banken und Börsenhändler, den Fiskus systematisch um 5,3 Milliarden Euro betrogen zu haben.

Die "Star"-Anwälte des Hauses M.M. Warburg behauptet allen Ernstes, dass die

  • Sonderprüfung von Deloitte "außer Hörensagen und Vermutungen keinen einzigen Beweis unrechtmäßigen Verhaltens seitens M.M. Warburg & Co. erbracht hätte!"

  • Außerdem lehne man Prüfungsfeststellungen von Deloitte ab, da wegen ihrer Mandatierung durch andere Depotbanken die Unabhängigkeit "in höchstem Maße fraglich" sei!?

Zwei Fragen hab ich noch:

  1. Wieso werden solche Steuerbetrüger unserer ehrenhaften Finanz- und Wirtschaftselite eigentlich in Deutschland nie in die "Kiste" gesperrt?
  2. Was haben die Bankenprüfer eigentlich 2009 / 2010 geprüft und testiert, als sie den gigantischen Steuerraubzug in den Büchern der Mandanten gesehen haben?

05.02.2018
Zahlst Du noch oder verschiebst Du schon?

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist letztes Wochenende im Alter von 91 Jahren gestorben. In Erinnerung werden nicht nur seine grandiose unternehmerische Leistung beim Aufbau des weltweit größten Möbelherstellers und -verkäufers, sondern auch sein "gespaltenes Verhältnis" zur Steuergesetzgebung bleiben.

Kamprad lebte seit 1976 in der Schweiz, weil er nach eigenen Angaben die hohen Steuern in seiner Heimat nicht zahlen wollte. Erst 2013 kehrte er nach Schweden zurück.

IKEA ist ebenso wie PwC durch die Lux-Leaks-Affäre öffentlich ins Zwielicht geraten. Das Möbelunternehmen hatte es gemeinsam mit PwC in der Disziplin "Steuersparen" zu besonderer Meisterschaft gebracht.

Hier das Grob-Konzept für die Kür im aggressiven Steuerdumping.

Laut bei PwC enthüllten Dokumenten soll die Inter Ikea Holding etwa im Jahr 2010 aufgrund des PwC-Steuervorbescheids (tax ruling) ganze 48.000 Euro Steuern gezahlt haben - auf einen Gewinn von damals mehr als 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem unanständigen Steuersatz von 0,002 %.

Jetzt ist der liebe Ingvar ein für alle Mal im "tax heaven" und "forever tax free".

05.02.2018
Ex-Wirtschaftsprüfer des Vatikan packt aus

Libero Milone (67) war Italien-Chef der weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche und übernahm vor gut zwei Jahren auf Wunsch von Papst Franziskus die Stelle des "ersten Generalkontrolleurs im Vatikan."

Im Herbst 2017 trat er überraschend zurück. Er habe den Papst  darum gebeten, vom Posten des Generalkontrolleurs entbunden zu werden, teilte der Vatikan seinerzeit ohne Angabe von Gründen mit. Papst Franziskus habe seinem Wunsch entsprochen.

Mit dem neu geschaffenen Posten beabsichtigte Papst Franziskus eine Reform der undurchsichtigen Finanzverwaltung der Kurie nach einer Reihe von Skandalen und eine schärfere Kontrolle derselben. Der Generalkontrolleur sollte gemeinsam mit dem australischen Kardinal George Pell und dem deutschen Kardinal Reinhard Marx auch das Wirtschaftssystem des Vatikans modernisieren.

Milone spielte allerdings auch eine zentrale Rolle in der „Vatileaks“-Affäre. Von seinem Computer im Vatikan wurden im November 2015 vertrauliche Dokumente gestohlen, die Aufschluss über Geschäftsbeziehungen und mögliche Misswirtschaft in der Kurie gaben. Ein spanischer Prälat wurde seinerzeit verurteilt, der die geheimen Informationen an Journalisten weitergegeben haben soll.

Milone gab später - entgegen seiner Verschwiegenheitspflicht (§ 43 I WPO) - der Presse zu Protokoll, dass er ein "Opfer interner Machtkämpfe" im Vatikan geworden sei und bei der Gendarmerie des Kirchenstaates gezwungen wurde, sofort zurückzutreten, andernfalls drohe ihm die Inhaftierung.

Es ist nicht überliefert, ob der Vatikan das Mandat bereits neu ausgeschrieben habe oder ob schon eine der anderen Big4 mandatiert wurde. Die Stelle des verantwortlichen Generalkontrolleurs des Vatikan scheint aber nicht ganz ungefährlich zu sein!?

01.02.2018
Deutsche Bank: Boni-Orgie trotz Verlust

Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs - die Verunsicherung in der Banken-Branche könnte nicht größer sein.

Am morgigen Freitag gibt die Deutsche Bank ihr negatives Jahresergebnis 2017 bekannt. Nach zwei Milliardenverlusten in Folge hatte auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer John Cryan mit einem Minus geendet.

Die Deutsche Bank will trotz roter Zahlen dennoch über eine Milliarde Euro an Boni an ihre Banker ausschütten. Nach einer kontroversen Debatte hätten sich die Investmentbanker mit dem Argument durchgesetzt, dass bei erneuten Bonuskürzungen die besten Leute gehen würden.

Die Bonuszahlungen waren bei Deutschlands größtem Kreditinstitut von 2,4 Milliarden Euro 2015 auf 500 Millionen Euro im Jahr darauf zurückgegangen.

Interessant dürfte bei Vorlage des Jahresabschlusses 2017 auch die Frage sein, wie viele Milliarden man für anstehende Rechtsstreitigkeiten, Bußgelder, Schadenersatzklagen etc. (Abteilung "Leichen im Keller") zurückgestellt hat.

Testiert werden Jahres- und Konzernabschluss von der KPMG - unabhängig davon - ohnehin immer uneingeschränkt.

01.02.2018
Weitere Millionenstrafe für die Deutsche Bank

Die amerikanische Derivateaufsicht CFTC will der Deutschen Bank wohl eine Millionengeldbuße wegen angeblicher Manipulation an den amerikanischen Terminmärkten auferlegen. Auch die Schweizer Bank UBS und das britische Finanzinstitut HSBC sollen in diese erst neuerlich festgestellten Manipulationen verwickelt sein.

An den Ermittlungen, die über ein Jahr dauerten, hätten sich auch das Justizministerium und die Bundespolizei FBI beteiligt. Die Strafen für die Deutsche Bank dürfte "mehr als zehn Millionen Dollar" betragen. Eine genaue Höhe der geplanten Strafzahlungen wurde zunächst nicht bekannt.

Die Deutsche Bank wollte sich hierzu nicht äußern.

Es gibt wohl kaum einen Paragraphen im Strafgesetzbuch den die Deutsche Bank beim Zocken und Geschäftsmachen bisher ausgelassen hat. - Der Ruf ist ruiniert, Milliardenzahlungen bereits geleistet, weitere Strafen zu erwarten ... und dann noch (teilweise) in Händen chinesischer Zocker.

Der Untergang der Deutschen Bank begann mit der Finanzmarktkrise 2008 wo in politisch ungezügeltem Hochmut und krimineller Energie beschissen wurde, was das Zeug hält! - Natürlich immer wieder begleitet von den uneingeschränkten Bestätigungsvermerken der KPMG, d.h. des Skandalprüfers Ralf Bose. Dieser hatte es - nachdem man ihn "aus dem Verkehr ziehen musste" - zum obersten Berufsaufseher Deutschlands und Europas geschafft. Er hat heute den Vorsitz der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) und ist die letztinstanzliche Fachaufsicht über die Wirtschaftsprüferkammer (WPK). Hier hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Aber Feingefühl und Instinkt waren noch nie die Tugenden der Politik - hier geht es wohl eher um Kumpanei und mafiöse Strukturen.

30.01.2018
Schlecker bleibt Schulden-Milliardär

Dem früheren Drogerieunternehmer Anton Schlecker werden Schulden in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro nicht erlassen. Schlecker hat seinen Antrag auf Restschuldbefreiung (§§ 289 ff. InsO) selbst wieder zurückzogen.

Die Restschuldbefreiung sieht vor, dass ein Gläubiger sechs Jahre nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens von seinen Schulden befreit werden kann, wenn er diese nicht begleichen kann.

Schlecker hatte seinen Antrag jedoch zurückgenommen, um seinen Gläubigern zuvorzukommen. Denn einige von ihnen hatten vor, ihrerseits dagegen vorzugehen, dass Schlecker künftig als schuldenfreier Mann leben kann. Der Widerspruch von Gläubigern war möglich, da Schlecker im November 2017 wegen Bankrotts zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden sei. Das Gesetz sieht vor, dass die Restschuldbefreiung versagt werden kann, wenn ein Schuldner zu mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Dazu genügt es, dass ein einziger Gläubiger einen sogenannten Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung stellt.

Insofern werden sich wohl noch einige frühere Geschäftspartner an Schleckers Versprechungen kurz vor Insolvenzeröffnung oder auch an die im Rahmen des Strafprozesses aufgedeckten millionenschweren Vermögensverschiebungen innerhalb der Familie erinnert haben.

Für Schlecker bedeutet dies, dass er kein Vermögen mehr aufbauen kann, sondern künftig alle zwei Jahre seine Vermögenswerte offenlegen muss, um darzulegen, dass er die Forderungen der Gläubiger nicht erfüllen kann.

Über die uneingeschränkten Testate von EY bezüglich der jahrelangen Falschbilanzierung im Hause Schlecker redet heute niemand mehr. Die Verfahren gegen beide Wirtschaftsprüfer wurden gegen geringe Geldauflagen eingestellt.

12.01.2018
LuxLeaks: Jetzt wird PwC verklagt!

In der "LuxLeaks"-Affäre um unverschämte Steuervorteile für internationale Großkonzerne hat das oberste Gericht Luxemburgs - der Kassationshof - gestern das Urteil gegen den Whistleblower Antoine Deltour gekippt.

Sein Verfahren muss damit neu aufgerollt werden. - Die Verteidigungslinie seines Anwalts hat die Richter offenbar überzeugt: Er verstehe nicht, warum sein Mandant vom Gericht zwar als Whistleblower anerkannt, dann aber wegen Datendiebstahls verurteilt werden könne. Ohne im Besitz von Daten zu sein, könne man schließlich nicht zum Whistleblower werden. Dies sei ein Paradoxon!?

Die Richter sahen das ähnlich: Deltours Funktion als Whistleblower sei nicht richtig gewürdigt worden, hieß es.

Jetzt kommt der Knaller:

Parallel zum Prozess in Luxemburg läuft bereits seit Wochen ein weiterer Prozess am »Tribunal de Grande Instance« im lothringischen Metz. Nur sitzen dort nicht Whistleblower auf der Anklagebank, sondern die Vertreter von PWC. Kläger sind hier zwei Angeklagte aus dem LuxLeaks-Prozess.

PwC wird vorgeworfen, beim Ersuchen einer privaten Hausdurchsuchung bei einem Ex-Mitarbeiter gelogen zu haben. Denn es ging nicht, wie von PWC behauptet, nur darum, festzustellen, dass Daten entwendet wurden, sondern vielmehr wollte PwC herausfinden und belegen, wer die Daten an den Journalisten weitergegeben hatte.

Deshalb wurden bei der Durchsuchung, der die französische Gendarmerie beiwohnte, von PwC-Leuten nicht nur Dokumente mitgenommen, sondern auch der gesamte E-Mail-Verkehr kopiert.

Für PwC sieht die Sache vor Gericht nicht gut aus!

Die Metzer Staatsanwaltschaft sagt, dass die Erlaubnis zur Hausdurchsuchung zu annullieren sei, da sie gegen den journalistischen Quellenschutz verstoße. Damit träfe PwC ein Verwertungsverbot der unrechtmäßig erlangten Informationen! - Dies wiederum hätte erhebliche Auswirkungen auf den (neuen) LuxLeaks-Prozess in Luxemburg!

Na, dass sieht mal wieder nach einer saftigen "Klatsche" für PwC aus!

Das Urteil in erster Instanz soll am 6. Februar in Metz gefällt werden.

11.01.2018
LuxLeaks - Der nächste (letzte?) Akt!

Erinnern Sie sich noch: wpwatch hatte in den letzten drei Jahren umfassend über die steuerlichen Vorab-Vereinbarungen (Tax Rulings) berichtet, die PwC für seine Mandanten in Luxemburg ausgehandelt hatte. Ergebnis waren Steuerbefreiungen, die dazu führten, dass Unternehmen wie amazon, apple, Starbucks, Deutsche Bank & Co. lediglich Steuersätze von 1 - 3 % zahlten, d.h. Steuern in Milliarden Größenordnung dem Fiskus entgingen.

Am heutigen Donnerstag wird in Luxemburg das vielleicht letzte Urteil in dieser Sache gegen die beiden PwC-Whistleblower vom Kassationsgerichtshof gesprochen. Antoine Deltour und Raphael Halet wollen einen Freispruch erstreiten und sind gegen ihre symbolischen Gefängnisstrafen mit Bewährung und die Geldstrafen in Revision gegangen.

Antoine Deltour hat bereits angekündigt, dass er – sollte seine Verurteilung heute vom Kassationsgerichtshof bestätigt werden – sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg wenden werde.

Was aber war eigentlich geschehen? - Die internationale Presse hatte Ende 2014 rund 28.000 Dokumente ausgewertet, die aus den Computern von PwC stammten. Über ein US-Recherchezentrum gingen die Papiere sortiert an eine deutsche Recherchegruppe und auch an internationale Medien.

Der Tenor: Luxemburg - ein internationales Steuer-Vermeidungszentrum!

Die Papiere enthielten 548 verbindliche Steuer-Vorbescheide, die über PwC in den Jahren 2002 bis  2010 abgeschlossen wurden. Grundlage der Abkommen war eine Steuervorschrift, nach der Gewinne aus geistigem Eigentum einer 80-prozentigen Steuerbefreiung in Luxemburg unterliegen.

Der eigentliche Skandal besteht jedoch darin, das PwC originäre "hoheitliche Aufgaben" der Finanzverwaltung wahrnahm und die Tax Rulings im eigenen Hause selbst erstellte.

Die LuxLeaks-Veröffentlichungen führten zu einer intensiven, aber erfolglosen Diskussion darüber, ob es ein Gemeinwohl-Interesse gebe, das über den Gesetzen steht. Dieses müsse  “Whistleblower” vor Verfolgung schützen.

Frage: Was hat die monatelange internationale Aufregung bewirkt?

Wenig bis nichts! Die Staaten der EU, die “Tax Rulings” durchführen, tauschen neuerdings lediglich ihre Dokumente aus und stellen damit "Transparenz" her.

In der europäischen Steuer-Diskussion ergibt sich durch LuxLeaks und die eingeführte Transparenz nun allerdings ein Konflikt der Institutionen.

  • Die Europäische Kommission sieht in dem Steuerverhalten der Staaten illegale Beihilfen und verlangt per Dekret die Rückzahlung von gewährten Steuervorteilen in Millionen- und Milliardenhöhe von den begünstigten Unternehmen. Tax Rulings verstoßen nämlich gegen die europäischen Beihilfe-Vorschriften.
  • Luxemburg und andere Staaten klagen nun jedoch vor dem Europäischen Gerichtshof, weil diese Auffassung das Souveränitätsprinzip bricht. In Finanz- und Steuerfragen hat die Europäische Kommission nämlich keine Kompetenz gegenüber den EU-Staaten. Steuerrecht ist geschütztes Souveränitäts-Recht!

Der Europäische Gerichtshof muss demnächst darüber entscheiden, wie weit diese Souveränität auszulegen ist.

Fazit:

Gegen PwC wird nicht vorgegangen, weder berufsrechtlich, noch strafrechtlich! Die Big4 stehen offensichtlich weltweit unter "Artenschutz". Sie liefern die Anleitungen zum aggressiven Steuerdumping, handeln die "Deals" mit den jeweiligen Steuerverwaltungen aus, fertigen selbst die Steuerbescheide  und lassen sich dafür Millionenhonorare zahlen.

Sicherlich werden Politiker und Justizkreise hierbei durch die Lobbyisten-Elite der Big4 "bestens beraten und betreut"!

Ach, noch zum Schluss:

Die Zahl der Tax Rulings in Luxemburg nahm von 2015 (570) bis 2017 (726) um 27,4% zu! - Alles klar???